AHAB, MAMMOTH STORM, HIGH FIGHTER
D-Frankfurt am Main, Elfer Music Club - 29. Oktober 2015
(((O))) Schön doom: Da entschließt man sich am Vorabend der Reise zum Szenefestival in Rotterdam - Dutch Doom Days! - in letzter Minute zu einem Klubkonzert in Frankfurt - und dann endet der Ausflug in Verdruß... Nach vielen Jahren weilten Ahab wieder mal in der Stadt am Main. Um die 120 Personen hatten sich zum Kassenpreis von 18 Euro im „Elfer“ eingefunden. Damit war das kleine, verschachtelte Loch schräg unterm Wahrzeichen „Fraa Rauscher“ ordentlich gefüllt. Genauer gesagt: Ahab zogen an jenem trüben Donnerstag im Oktober mehr Leute als Crowbar im letzten Sommer in die Klappergasse! Meine Einlaßkarte ([sic] und Dank an New Evil Music!) trug die Nummer 112 - handgeschrieben.
 
Da mich in den kommenden Tagen Doom im Überfluß erwartete, und ich mit einer Frau hinterm Mikro sowieso nichts anfangen kann, hatte ich mir Hamburgs Heavy Stoner Blueser HIGH FIGHTER erspart. - Andere wiederum hielten scheinbar von der nächsten Gruppe nicht allzu viel, und verbrachten die Zeit mit Qualmen und Quatschen draußen auf dem feuchten Pflaster. Schön doom, alter Schwede...
... denn über den verpaßten Anfang von MAMMOTH STORM hatte ich mich schon etwas geärgert. Mit ihrem nach dem Riesen 'Fornjot' benannten Langeisen im Gepäck, absolvierten die Schweden ihren ersten Deutschland-Auftritt und waren als „Geheim-Tipp des Doom“ angepriesen worden. Doch Frontmann Arvidsson trug als Gitarrist bei den Gothic-Doomern Draconian bereits einige Jahre Erfahrung unter seinem Blondschopf herum. Als Bassist und Stimme von Mammoth Storm lebte er nun seine etwas tieferen Doom-Vibrationen aus. Geleitschutz gaben zwei Sechssaiter sowie der obligate Trommler. Mit drei Langhaarigen und dem Yetibart unter der Schirmmütze lieferten die Nordmänner Augenfutter und traditionellen Stoner Doom. Dunkle Trossen, verschwommen dröhnende Bässe, harsche Vokale, absolute Schleichfahrt, und kein Teil unter sechs Minuten: Es war nicht zwingend neu, und auch nicht zwingend atemraubend, aber es gab auch nichts zu meckern. Zumal sich die Tre Kronor noch am Anfang ihres Weges befanden. Der mit Textblättern übersäte Bühnenboden konnte ein Lied davon singen.
Alle Hoffnung ruhte indes auf AHAB. Denn mit ihrem Albumdebüt 2006 waren Ahab für mich lange die zweite Kraft im Funeral Doom in Deutschland (nach Ophis). Nachdem der Zweitling etwas glatt daherkam und ich folglich auf 'The Giant' verzichtete, hatten die Südwestdeutschen heute mit ihrem Neuwerk 'The Boats Of The Glen Carrig' die Planken geentert - um immer weiter von der Vergangenheit fortzutreiben. Die Lieder: nüchtern und kalt und ohne echten Lichtblick. Eine Saitenfraktion, die in geradezu katatonischem Phlegma erstarrte oder in Nebel verschwand. Ein Frontmann, der sich nicht zwischen Grunzen und Singen entscheiden konnte, und nach jedem Lied der Meute den Rücken kehrte, um seine Augengläser zu reinigen. Ein Schlagzeuger, der umso mehr Punch besaß, dessen maschinenhafter Takt aber nicht so recht zur schleppenden Grundierung paßte: Nach einer Viertelstunde trat die ohnehin nicht lebensfrohe Geschichte auf der Stelle. Droste, Hector, Wandermoth und Althammer schienen sich der wenig doomigen Umgebung bewußt, und spulten ihren Streifen sichtlich unmotiviert herunter. Am besten kamen Ahab im „Elfer“ an, wenn sie das Tempo erhöhten. Das doomigste Teil - zugleich das einzige, bei dem Leben in den Bassisten kam - setzte es final durch die Altigkeit „The Divinity of Oceans“. Damit endete das Konzert leidlich erträglich. Nach 75 Minuten waren die Nautik-Doomer erlöst.
 
Fazit: Doom in Frankfurt funktioniert nicht! Erst recht nicht an einem Ort, der in den Achtzigern als „Larry´s Inn“ ein Bumslokal für amerikanische Soldaten, deutsche Flittchen und türkische Grasdealer war. - Für mich selber kam´s auch noch richtig hart. Denn nach einem letzten Schluck in der „Alten Liebe“ und einer frühen Schnellbahn in die Wetterau, mußte ich erkennen, daß ich meinen Schlüssel vergessen hatte - und die zuhause gebliebene Freundin so fest schlief, daß sie weder das Handysummen noch mein Sturmklingeln hörte. Nur dünn bekleidet mußte ich eine Stunde in der kalten Nacht vorm Haus stehen...
 
 

Text und Bilder: ((((((Heiliger Vitus)))))), 4. November 2015
.:: ABSPIELLISTEN ::.
 
MAMMOTH STORM
(20.55-21.25)
1.-4. Titel unbekannt
 
AHAB
(21.45-23.00)
1. The Weedmen
2. Antarctica (The Polymorphess)
3. Like Red Foam (The Storm)
4. O Father Sea
5. To Mourn Job
6. The Hunt
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7. The Divinity of Oceans