AMPLIFIER, CHARLIE BARNES
D-Hamburg, Knust - 21. April 2013
Das Jahr nach dem letzten Hamburg-Marathon war schnell ins Land gezogen, zwölf Monate nach uns´rem letzten Besuch im Norden waren wir wieder da - um Marathon zu laufen und den Tag mit einem Konzert auf Sankt Pauli oder im Schanzenviertel zu besiegeln. Die Auswahl hielt sich in engen Grenzen. Doom gab´s nicht, auf Punk hatten wir keine Lust. Letztlich luden die einschlägigen Magazine der Stadt ohne jede Hintergrundinformation zu herkömmlichem Rock, Bier und Astra. Zwischen Jon Spencer Blues Explosion und Nothington wählten wir einen Abend im entspannten Klangbezirk Schanze: Amplifier im „Knust“. Das Knust fand sich gegenüber des Flakturms auf dem Heiligengeistfeld, der Eintritt betrug gepfefferte 23 Euro, und dafür bekam der Besucher das Gefühl der Achtziger verpackt ins stimmungsvolle Ambiente der ehemaligen Rinderschlachthalle im Neuen Kamp 30. Unter hohen Emporen und zwei voluminösen Räumen mit Bar, Tresen und Großleinwand tummelten sich zweihundert Personen im Mittelalter.
 
Den Anfang hatte der „big morbid“ Death-Popper CHARLIE BARNES aus dem englischen Leeds gemacht, den die Stadtmagazine schlauerweise nicht angekündigt hatten, und der uns folglich entging. Dreiviertel neun hatten wir das Knust geentert, drei Minuten später...
... Punkt 20.48 Uhr legte der fünfköpfige Schwarm AMPLIFIER aus Manchester los. Amplifier hatten die klassischen Instrumente auf den Planken: drei E-Gitarren, Bass und Schlagzeug, dazu Rückprojektionen sowie ein ganzes Arsenal aus Bodentretern, Verzerrern und digitalem Chichi am Bühnenrand. Heraus kam dabei eine Melange aus Pink Floyd und The Who, die am Ende - viel zu selten und viel zu kurz! - in Richtung psychoaktiver Mogwai abglitt. Psych traf Prog traf Postrock. Oder: Fünf etwas seifige Figuren in einheitlich schwarzem Zwirn, halb Glatze, halb Dandyfrisur, dazu der Bassist mit riesiger Pornobrille, servierten hochenergetischen Hardrock mit druckvollen Gitarren und fetten Bässen - der aber leider von der weichen Baritonstimme Sel Balamirs und kaum Wiedererkennungswert zunichte gemacht wurde. Die Lieder bewegten sich im mittleren Tempo, waren kaum mal unter acht Minuten lang, und spielten oft mit der Sonne und Unendlichkeit, übten aber auch Kritik an der digitalisierten Welt, und richteten sich damit sowohl an intellektuelles wie emotionales, in jedem Fall aber an anspruchsvolles Publikum. Für die Briten selbst war das Knust die „coolest location ever“. 22.34 Uhr gingen die von der Bühne (also nach 1 ½ Stunden), und gleich darauf waren sie wieder da, um zwei Zugaben zu zelebrieren. Nach dem düsteren „Airborne“ war um 22.55 Uhr Schluß. Zwei Stunden und sieben Minuten: Wahnsinn von der Zeit her, aber nicht mehr als nett in Sachen Strahlkraft. Letztes sage ich, Peanut sah das etwas wohlgemeinter. Amplifier schwebten irgendwo zwischen Untergrund und Massenware.
 
Im Abspann ergab sich ein Tresengespräch mit zwei eingefleischten Wacken-Metalheads, die uns nicht nur zu noch mehr Astra anstifteten, sondern - lange Haare sei Dank - auch eine Freiluftveranstaltung auf dem Hamburger Großmarkt mit Namen „Elbriot“ befohlen. Am 17. August 2013 sollen dort Slayer auftreten! „Slayer!“ - „Slayer!“ - „Slayer!“
 
 
Heiliger Vitus, 24. April 2013
(Bild: Hl. Vitus)
ABSPIELLISTE AMPLIFIER
(20.48-22.55)
1. Mary Rose
2. The Wave
3. IGS
4. The Wheel
5. Eva
6. Motorhead
7. Interstellar
8. UFOs
9. Fote
10. Panzer
11. Where The River Goes
12. Neon
13. Close
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14. Matmos
15. Airborne