DOOM OVER EDINBURGH II
 
BLACK MAGICIAN, A DREAM OF POE, MAELSTROM, FAÇADE, BURIED SLEEPER
GB-Edinburgh, Bannermans - 11. März 2016
Flashback
 
Wir erinnern uns: Das von Miguel Santos und Senhorita Andreia organisierte DOOM OVER EDINBURGH 2015 war ein historisches Ereignis. Es war das erste Doomfestival auf schottischem Boden! Goddess of Doom Peanut und ich hatten sich vor einem Jahr Hals über Kopf ins DOE verliebt und um eine Wiederholung gefleht. Nun war das Jahr rum. Für die beiden Deutschen war die Rückkehr nach Midlothian aber eher von Schwermut als Fröhlichkeit geprägt: Zum einen wollten ihre osmanischen Hauskäufer bald ihr »Eigentum« erobern. Zum anderen drückten die Sorgen nicht nur aufs Gemüt sondern auch auf die Gesundheit. Ohne die horrenden Stornogebühren hätten wir das Fest in Edinburgh abgeblasen. Doch die Tickets waren gelöst, und es fand auch statt. Auch das Veranstalterpärchen hatte sein Ränzlein zu tragen: Das Vorhaben, mit ruhmreicheren Namen, extremerer Ausrichtung, und der Vorverlegung auf den feierseligen Freitag mehr Leute anzulocken, erwies sich als Schlag ins Wasser. Zum einen sorgte die Six-Nations-Europameisterschaft im Rugby für ausgebuchte oder völlig überteuerte Unterkünfte (unsere lag am Sonnabend, dem Spieltag von Schottland gegen Frankreich vor 68
 000 im Murrayfield-Stadion in französischer Hand). Zum anderen schienen die Doomfans im Königreich nur Interesse an ihren eigenen Gruppen zu haben (durch den Wegfall etlicher Glasgow-Bands fehlten auch die Begleiter aus Glasgow). Nach anfänglichen Überlegungen, die Neuauflage in einer Halle auszurichten, war erneut die höhlenförmige »Bannerman´s Bar« unterhalb der South Bridge angemietet. Für ein Zwei-Tage-Armband waren 18 Pfund (23 Euro) zu überweisen. Am ersten Tag kamen 69 Zahlende, darunter ein Altdoomer aus dem fernen Aberdeen, wo es keinen Doom gibt. Am zweiten Tag sollen es mehr gewesen sein (was ich aufgrund der mit Ausrüstungsgegenständen belegten Stehplätze anzweifle). Beschämend für eine Studentenstadt wie Edinbarra!
Donnerstag, 10. März
 
Wie im Vorjahr waren wir nach einer fünfstündigen Reise von Deutschland über die Nordsee unter der dichten Wolkendecke im Norden der britischen Insel gelandet. Als Quartier war das »Travelodge« in der Saint Mary´s Street ausgemacht. Außer Schwierigkeiten beim Einbuchen (der örtliche - von der Rezeption unter »rubbish« (Dreck) abgelegte Reisevermittler - hatte unsere Zimmerreservierung versäumt), und den ersten Ales an der Bar, verlief der Tag ohne besondere Vorkommnisse.
 
Freitag, 11. März (1. Tag)
 
Nach einem Dauerlauf entlang der dramatischen Vulkankrater im Holyrood Park bekamen wir abends um sieben das Déjà-vu der doomigen Art. In der Cowgate 212, sprich: der Bannerman´s Bar«, war alles wie vor zwölf Monaten. Wir trafen auf Miguel und Andreia, und ließen uns wieder der Ehre halber aber vom Chef persönlich das Festivalband ums Handgelenk legen. Im Gegensatz zu 2015 lautete der Schlachtruf diesmal jedoch nicht »Enjoy!«, sondern »Fucking amazing!«. »Fucking amazing!« machte allenorts die Runde...
Für den musikalischen Startpeng sorgten die im Studentenlook angerückten Stoner Doomer BURIED SLEEPER aus Glasgow. Deren Darbietung verlief grob gesagt in zwei Akten. Während die beiden ersten Teile - »Falling Man« und »Doem Kraai« - sehr in den Spuren der grungigen Goatsnake respektive in denen von Warning wandelten, wühlte das noch unveröffentlichte, fast viertelstündige und als »favourite« angesagte »Paneaea« mit seinen postrockig flackernden Trossen tief in den Gefilden von Buried at Sea. Ferner trug der Sechssaiter unverhohlen seine Sympathie zu den Spiritual Beggears zur Schau: sowohl als Leibchen wie auch als ewigliches Tattoo auf dem Unterarm. Clapham, Hardy, Sutherland und Wigman hinterließen einen äußerst empathischen Eindruck und waren auch später am Andenkenstand hinreißend offen. Welch ein Auftakt!
Mit einer abartig gruftestiefen Stimme, drei melodischen Sechssaitern, tiefem Baß und Schlagzeug, fuhren FAÇADE ganz schwere Geschütze auf. Vor drei Jahren bei den Dutch Doom Days erstmalig in Aktion erlebt, konnten mich die jungen Herschaften aus den Niederlanden damals wenig überzeugen. Zu gewöhnlich kam ihr Death Doom damals daher. Diesmal bewegten sich Ben de Graaff, Klein Haneveld, Stroebel, van der Stel, van Dijk und van Golen durchaus schon auf Headliner-Niveau - und ihre Entwicklung ist noch lange nicht am Ende. Façade waren brutal abgründig, im Grunde mehr Funeral als Death Doom, und ihr kolossaler Titel »Forlorn« sollte am heutigen Abend zu einem der absoluten Herausstecher emporsteigen. Das massiv verhallte »Insanity Restored« besiegelte die Schau aus Dordrecht.
Mein Erlebnis mit MAELSTROM begann in der beengten Latrine. Der Frontmann hatte dort ein kleines Abspielgerät drapiert, einen Kleiderbügel mit einem weißen Hemd und einem schwarzen Schlips an die Tür gehängt, und war im Begriff, sich unterm Pfeifen eines Britpop-Liedchens für den Auftritt in Schale zu werfen. Der Autor dieser Zeilen war angefixt und ab 21 Uhr kam im Konzertraum der Durchbruch. Uniform in Bestatter-Look gekluftet, präsentierte die Staffel aus Glasgow um ihre Köpfe Hay und Simpson eine frostige, postapokalyptische Mischung aus Black Metal und Black Doom. die man auch Arthouse Doom nennen könnte. Mit diesem Gesamtbild waren Maelstrom zwar nicht ganz »my cup of tea« - und sie waren auch die Ersten der Festivalgeschichte, die im Publikum nicht so gut ankamen. Eine Handvoll sah die Kerle aus der Arbeiterstadt mit affigen Spielchen direkt vor der Nase des Masterminds als Aussatz geradezu. Doch Maelstrom waren vom unerschütterlichen Schlag der Schotten. Sie fesselten mit stoischer Unbeirrbarkeit, alptraumhaften Instrumenten, psychotischen Schreien, verächtlich bis regelrecht luziferisch blitzenden Pupillen, einigen Teufelsanbetungen, und der Cure-Übernahme »A Forest«. Wenngleich sehr schräg, waren Maelstrom ein cooles Spektakel. Very british eben!
Mit Miguel Santos und Kaivan Saraei hatten A DREAM OF POE zwei Leute, die sich vom Doom verzaubern ließen, und fern der Heimat (Santos stammt von den Azoren!) für ihre Träume kämpfen. Melodischer Death Doom ist der bevorzugte Stil, und »Metal« hatte der Frontmann unmittelbar vorm Auftritt versprochen. Viel mehr war nicht bekannt. Alle waren gespannt, wie sich Santos, Saraei, Skirving, Cameron und McPherson präsentieren würden. Voller Melancholie und fragiler Düsternis klangen die Apparillos. Die Texte strotzten vor epischer Tragik. Alles war mit Herzblut gemacht. Doch im Mittelteil leierte der Grundton ein bißchen und drohte im Verbund mit dem zuckerig-sonoren Gesang ins Melodramatische abzugleiten... bis Sir Lord Santos erstmals im Leben live zum Mikro griff - und dem Rudel mehrere Moll tiefer eine neue Bedeutung gab. A Dream of Poe waren etwas zum Mitleiden. Das anrührende Meisterstück »Lady of Shalott«, die gutturalen Vokale des unentwegt über die Planken rochierenden Santos, und gewisse Details wie der Eisenschmuck und die schwarz lackierten Fingernägel von ebenjenem, retteten die Schau. An das wuchtig-lyrische Albumdebüt 'The Mirror of Deliverance' von 2011 reichten A Dream of Poe in der Bühnenbesetzung aber nicht ganz heran.
BLACK MAGICIAN lavierten einige Zentner schwerer und zwei Gänge langsamer als ihre Vorgänger. Mit ihrem Olde English Pastoral Doom kehrte die Quinte aus Liverpool in eine magische, vehement an Cathedral erinnernde Wunderwelt aus wuchtigen Zeitlupenriffs und alles durchdringenden Gesangslinien zurück. Wobei der Sänger in den Augen meiner Adjutantin gar nicht singen konnte. Doch das kann Lee Dorrian ebensowenig. Liam Yates operierte mit kruder Sprechstimme, dazu stifteten die Gefährten kraftvolle Unterstützung aus tiefgelegten Saiten, einer okkulten Orgel und der stoischen Trommel. Trotz ihrer fabelhaften, leicht folkig angehauchten Performanz, mußten die Albions mit einem unerklärlichen Abzug der Meute klarkommen. Eine halbe Stunde vor Mitternacht verlor sich nur noch ein halbes Dutzend in der Katakombe. Und für die zelebrierten Black Magician eine Zugabe. Daß Mister Yates nicht nur für den eigenen Auftritt nach Odinburg gekommen, sondern auch an der Kultur interessiert war, zeigte sich anderntags. Der Frontmann weilte mit seiner norwegischen Flamme im Quartier von Peanut und mir, und teilte sich mit uns zwei weitere Tage den Frühstückstisch (leider etwas arrogant und einsilbig). Doomy night, Odinburg............
.:: ABSPIELLISTEN ::.
 
BURIED SLEEPER
(19.30-19.55)
1. Falling Man [unreleased]
2. Doem Kraai
3. Paneaea [unreleased]
 
FAÇADE
(20.15-20.44)
1. Veil of Deceit
2. Forlorn
3. Insanity Restored
 
MAELSTROM
(21.04-21.34)
1.-3. unbekannt
4. Sunlight
5. A Forest [The Cure]
6. The Beating of His Hideous Heart
 
A DREAM OF POE
(21.54-22.29)
1. Egregore
2. Chrysopoeia
3. Lighthouses for the Dead
4. Lady of Shalott
 
BLACK MAGICIAN
(23.00-23.49)
6 Titel, alle unbekannt
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Text: ((((((Heiliger Vitus)))))), 20. März 2016, Bilder: Doom Over Edinburh & Vitus