DOOMRIDERS, COLISEUM, DESERT BENEATH THE PAVEMENT
D-Frankfurt am Main, Elfer Music Club - 21. November 2014
Auf der Suche nach Doom wurden wir vom Frankfurter „Elferclub“ wieder mal hinters Licht geführt. Für den Freitagabend hatte das Wochenprogramm „Sludge/HC/Rock“ vermeldet. Die Beschreibung war genauso treffend, wie die US-Boys Doomriders etwas mit Doom am Hut hatten. Und noch verdrießlicher: Auch die Einlaß-Zeit führte in die Irre! 19.00 Uhr ging´s fast schon los! Laut Facebook tummelten sich heute 69 Besucher im Klub ganz am Anfang der Sachsenhäuser Klappergasse. Den Stempel auf den Handrücken gab´s für 16 Euro...
Als ich mit meiner Adjutantin halb acht im Keller einschlug, war ausgerechnet die mutmaßlich doomigste Gruppe schon weit fortgeschritten. Auf DESERT BENEATH THE PAVEMENT war ich am meisten gespannt. Hörproben ließen durchdachten Postrock mit massiven Zeitlupenpassagen erhoffen. Inhaltlich ging´s um die Vergewaltigung der Natur. Und dann daß! Die fünf jungen Semester aus Mannheim und Frankfurt hatten unmittelbar nach dem Einlaß begonnen, und sorgten mit ihrer Spielzeit von 19.15 bis 19.53 Uhr für ein absolutes Novum im Elfer. Wie Desert Beneath so waren? Ein äußerst Fachkundiger umschrieb sie so: „Hatten drei, vier Stücke. Waren eher langsam.“ Tja, Pech gehabt. Erst recht, wenn man das Album 'Transit' kennt, und der frühe Beginn nicht in der Hand der Band lag... Einer der Gitarristen und die Schlagzeugerin verscherbelten die hochwertige Digipak-Version zusammen mit dem grauen Shirt „Electrical Tower“ für 15 Euro.
Ab 20.13 Uhr durfte ich mich an einer Dreiviertelstunde Punkrock ergötzen. Aus Louisville, Kentucky, war das Powertrio COLISEUM angerückt. Dabei erinnerte ihr bärtiger Glatzkopf Ryan Patterson nicht nur optisch etwas an GG Allin. Nein, er hing auch sichtlich den Anfängen der Punk-Community nach, und gab sich als Kämpfer für das Gute und gegen den Hunger auf Erden. Für Frankfurts Wolkenkratzer hatte er hingegen nur Verachtung und verglich deren Lichter mit denen eines Bumslokals. Fortan hatten die Amis einen Narren an den Bankentürmen gefressen und machten „Fuck Disco!!!“ zu einer Art Running Gag. Musikalisch bewegten sie sich mit ihren simplen Liedern und dem robusten Gesang zwischen Antiseen und Motörhead. Nachdem Patterson die Meute gleich zu Beginn vor die Bühne zitierte, und den einen und anderen sogar am Arm nach vor zog, entschied man sich später selbst zum Rückzug ins Dunkel. Die letzten Teile wurden unter Blaulicht serviert. Und einmal rieb Patterson sogar seine Sechssaitige am Lautsprecher. Fuck Disco!!!
Nachdem sich der Vokalist und der Trommler die Spielstangen des Kickertischs symbolisch ins Geschlecht gestoßen hatten, und nachdem alle ihre Abspiellisten zusammengefaltet und sorgfältig versteckt hatten, stürmten die DOOMRIDERS aus Boston auf die Bretter. Nate Newton, Chris Pupecki, Jebb Riley, Q waren mit ihrem Neuwerk 'Grand Blood' aber leider nicht von Doom geritten, sondern lieferten mit ihrem herbspröde herausgschrienen Mix aus Post-Hardcore und Post-Metal den perfekten Stoff für die Fraktion „Zicke-Zacke-Hühnerkacke“. Dabei nahmen sie den Stab ihrer Landsmänner auf, und kommentierten und quittierten jede Nummer mit „Fuck Disco!!!“ (Vielleicht hab´ ich auch was verpaßt und eins der vielen Lieder trug diesen Namen.) Jemand mit Oktoberfesthut und Doomriders-Emblem an der Hutschnur stolperte ins Szenario, der Abend nahm seinen Lauf, und er ging unter der Losung „Aufhören weniger zu trinken“ in eine Abwärtsspirale. Nach knapp einer Stunde - kurz nach zehn - kam die Erlösung. Eine Version von Overkills resp. Dead Boys´ „Sonic Reducer“ konnte den Abend nicht mehr retten. Sah man von einigen entschleunigten Versatzstücken ihres etwas älteren Bassisten einmal ab, erwiesen sich die Doomriders als das, was immer im Elfer läuft: harter, neurotisch überschallender Postcore. Fuck Disco!!!
 
Auf der Suche nach der alten Zeit begleitete mich Peanut ein paar Holpergassen weiter... in die geheime Flüsterkneipe „Speak Easy“. Nicht nur die Onkelz, Motörhead, Tankard oder Crowbar waren schon oft zu Gast in der Großen Rittergasse 42. Mit seiner Eröffnung 1987 war das „Easy“so was wie meine Einstiegsdroge in den Speed und Thrash Metal... und ist auch dreißig Jahre später Frankfurts unangefochtener Hard´n´Heavy-Place Nummer eins. Im „Easy“ war heute fast alles wie damals, als man von der Wirklichkeit entfernt nur Langhaarige, Alkohol und Metal hatte!
 
 
Text und Bilder: Heiliger Vitus, 25. November 2014