ELEVENTH DREAM DAY
D-Frankfurt am Main, Das Bett - 16. Juli 2011
Peanut kannte Eleventh Dream Day noch aus den Achtzigern (wo sie ihr aber zu weich waren), ich selbst hatte mich von einem Rundschreiben des „Bett“ locken lassen, daß das Mitwirken von Douglas McCombs ankündigte (der Mitte der Neunziger als Bassgitarrist von Tortoise einer der Mitgründer der Sparte Postrock war). Ein tolles Konzertfilmchen im Netz tat ein Übriges, daß wir uns am späten Sonnabend noch mal in die Subkultur stürzten. Um zehn Uhr waren wir am Bett angekommen. Draußen vertrieben sich zwei Dutzend die Zeit mit Glimmstengelhalten, innen herrschte tote Hose. Später waren´s etwa sechzig Gäste, darunter die Eltern und Geschwister der Schlagzeugerin aus Amerika, die den Tisch neben uns besiedelten. Um 22.13 Uhr trat Klubchef Diedrich an den Tisch, um Missis Janet Beveridge Bean mit Fingerzeig auf seine Uhr mitzuteilen, daß ihr „two minutes“ bis zum Showstart blieben...
Immerhin um 22.20 Uhr legten die vier Gestandenen aus Chicago, Illinois los. Ein laszives „Hello“ aus dem Munde der Trommlerin stimmte auf das kommende Stündchen im Bett ein. Es war dann aber weder der erhoffte Postrock oder abgefreakter Esoterikstoff, sondern alternativer Indie-Rock, der - immer von Bean mit „One, two, three, four“ angezählt - fortan den Raum erfüllte. Eleventh Dream Day auf der 'Riot Now!'-Tour. Knochentrockene Elektrogitarren paarten sich dabei mit Rückkopplungseffekten und zweistimmigem Gesang, zum einen durch die an Stevie Nicks (Fleetwood Mac) erinnernde Stimme der Trommlerin, andererseits durch das Neil-Young-inspirierte Country-Geschwurbel von Frontmann Rizzo. Dazu boten die Amis eine Performanz so lasch wie ich sie selten erlebte. Lichte Pilzköpfe, biedere Hemden, langweilige Bluejeans, rebellisches Gehabe. Nur Lady Bean spendete im Kleinen Schwarzen etwas nuttige Freude im Nichts. Und es sollte ewig dauern bis der „Tall Man“ auch das Ohr erquickte. Aber „That´s What´s Coming“ und „Diving for Water“ waren gleich wieder Totalausfälle. Für Erheiterung sorgte stattdessen der Sänger, der neben einem Rüffel für den Lichtonkel auch hin und wieder seine Schnürsenkel neu band... was McCombs schließlich veranlaßte, das Publikum nach dem deutschen Wort für „shoe“ zu fragen. An der neunten Stelle folgte der einzig echte Herausstecher durch die Punk- und New-Wave-Droge „Satellite“. „Satellite“ war stark und endete mit dem Verlust des linken Bottens von Rizzo, der diesen mit einem wilden Tritt in den schmückenden Wandbehang kickte. Als Dacapo flog ein Gegenstand aus der Menge auf die Bretter, und Peanut mutmaßte schon: „Na, die werden doch wohl nicht auch noch ihre Gitarren zertrümmern!“ In der Zugabe folgte erst eine Nummer in der es um „Violence“ (Gewalt) ging. Dazu eine Neuvertonung von Pink Floyds „Astronomy Domine“ (was aber niemand erkannte). Um 23.28 Uhr war der Elfte Traumtag vorbei. Das Schönste war das weißgepunktete Kleidchen mit dem tiefen Ausschnitt, die hellen Knie und die dunkelerotisch hingehauchten Ansagen von Janet Bean.
 
 
Text und Bild: Heiliger Vitus, 18. Juli 2011