FACED REALITY
D-Dresden, Heavy Duty - 14. Mai 2005
Am Tresen flätzen Typen mit langen Haaren, grinsenden Grimassen und Totenkopfhemden. Man labte sich an Bier. An schwarzem, an hellem und an Odins Trunk. Und das geht auch nie aus! Böse Lieder hallen in den dicken Mauern der Louisenstraße Nummer 28... Im „Heavy Duty“ ging auch im Jahr 2005 alles seinen Heavy-Metal-Gang. Es darf gern etwas härter und lauter sein. Manchmal auch in echt. Gewöhnlich sonnabends. Wie heute im Mai...
... mit den Death-Metallern Dr. Fleisch (Stimme), Matten und Patty (Gitarre), Behni (Bass), Max (Schlagzeug) und Uli (Keyboard). Gegen 22 Uhr 40 waren hundert Schwarze Seelen mit einer Wand aus Dark und Death und Neuer Deutscher Härte 'Willkommen zur Revolution'! Mit kalten, maschinellen Stahlsaiten gleich Kalaschnikows im Dauerfeuer, mit brachialen Tiefsequenzern, zuweilen heroischen Düsterorgeln, und mit extrem expliziten germanischen Texten zog die Jungschar in den totalen Krieg gegen die Welt. Wut, Haß und Tod gleich zum Auftakt durch den „Blutmessias“. Nebst der Durchsage „Wir sind FACED REALITY aus Leipzig, und wir machen auch gleich weiter!“ „Hunde des Krieges“ hieß die nächste Kreatur. Der gleich einem entleinten Rottweiler umhertobende Fleisch hatte von brennender Luft und menschlichen Fackeln gesungen. Oder besser: geröchelt und gerüpelt. Es gingen Salution nach Brasilien, an die Guerilla Sepultura mit „Refuse/Resist“. Dazu Dankesworte an einige wild die Schädel werfende Langhaarige: „Ihr seid unsere Rettung!“ Das nächste Brecheisen, „Mörder“ genannt, war dann wieder als irres Sperrfeuer runtergeschrubbt. „Mörder“ war ein steinharter Grinder; er war mit Gift und Galle ins Mikro gekotzt und hatte die sogenannte Nationale Sicherheit im Fadenkreuz. Entschleunigt, nahezu erhaben dagegen, kamen die von der Tastenfrau begleitete Nummer über eine Kindstöterin ( „Deine Mutter“ ) und der finstre Todesmetaller zum deutschen Schuldkult „Vergiftet und verdorben“ daher. Um Hirten und Schafe und dem Traum von einem besseren Herrschergeschlecht ging es dann im „Blutlecker“. Und mit dem Priest´schen Gesetzesbrecher „Breaking the Law“ war die erste Angriffswelle abgeschlossen. Eine zweite rollte an. Eingeleitet von einem Totengedenken für die Rasse Mensch in Form des langsamen Zermahlers „Schweig“. Es war nun Mitternacht. Die Metaller aus Nordsachsen bedauerten, daß sie Schluß machen müßten. Doch es ging noch was: mit blutrünstigen Werwölfen in den Bergen Schottlands ( „Beane Family“ ), einem weiteren Lied vom Tod ( „Ruhe in Frieden“ ), und der Sprengbombe Made in Australia „T.N.T.“. Null Uhr zehn riß Matten ein Slayer-Riff. Es blieb bei diesem. Mehr konnten Faced Reality nicht.
.:: ABSPIELLISTE FACED REALITY ::.
(22.40-0.13)
 
1. Blutmessias
2. Hunde des Krieges
3. Refuse/Resist [Sepultura
4. Mörder
5. Deine Mutter
6. Blutlecker
7. Vergiftet und verdorben
8. Sing und tanz
9. Breaking the Law [Judas Priest]
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10. Schweig
11. Vater aller Dinge
12. Reincarnation
13. Kunstwerk
14. Beane Family
15. Ruhe in Frieden
16. T.N.T. [AC/DC]
Derweil die Leipziger den Tatsachen ins Auge blickten, war auch der seit Monaten Autos, Reifenlager und Baracken abfackelnde Feuerteufel wieder unterwegs. Ganz Dresden gruselte sich wegen ihm... Ich nahm einen letzten Odin-Trunk, Schankweib Steffi machte zum Abschied einen Knicks vor mir, und gegen halb drei fiel ich nach kostenloser Rückfahrt im Anruflinientaxi „Alita“ mit meinem Mädel in die Falle im sternenklaren Lockwitzgrund. Vitus hat ihn gesehen, den Mann unter der schwarzen Kapuze!
 
 

Text und Bild: Heiliger Vitus, 12. Juni 2005