GEWAPEND BETON, FUSILLI FUNGHI
D-Frankfurt am Main, Raumstation Rödelheim - 30. August 2008
Wenn kurz vor einem Marathon noch ein Besuch im Untergrund sein soll, dann nur einer ohne Anstrengungen und Folgen: das war unsere eigene Vorgabe. Am letzten Augustsonnabend war solch eine Gelegenheit. Das Hardcore-Punk-Trash-Psychobilly-Ska-Magazin „Goin´ Nowhere“ hatte zwei Combos für das einen Handgranatenwurf entfernte Widerstandsnest „Raumstation Rödelheim“ klargemacht. 20.00 Uhr sollte Einlaß sein, 21.30 Uhr der Beginn. Punkt halb zehn schlugen wir im Hinterhof der Insel 14 ein. Dort waren Holztische aufgebaut. Sechzig Punker und Punketten - echte, mit Nieten und Zackenfrisuren - konnte ich im Halbdunkel ausmachen (bei Licht besehen u.a. Besetzer aus der Au und dem Ex Frankfurt, eine Clique aus Mannheim sowie seltsamerweise ein Ex-Mitarbeiter vom „Rock Hard“). Vereint erfreute man sich seines Erdendaseins und feierte mit Volksküche und Stimulanztropfen, wie exotischen Öko-Limonaden und geradem Mate nebst Bier und Nikotinkräutern die laue Sommernacht. Und dies friedlich, sittsam und entspannt! Nur von Livemusik war keine Spur. - Für „4 Piepen Damage + 1 Euro Soli (freiwillig)“ stand die Tür zum treppauf gelegenen Konzertkabuff offen. Wie gesagt: 21.30 Uhr sollte es losgehen. Ging es aber nicht. Auch nicht um zehn. Und auch um 22.30 Uhr noch immer absolut kein Anzeichen eines Konzerts. Toll für jemand, der morgens 38 Kilometer gelaufen war und tags darauf wieder zum Bimsen muß! Vergrault dachten wir bereits über sofortigen Rückzug nach...
... als um 22.45 Uhr FUSILLI FUNGHI plötzlich losrödelten. Obwohl FF aus der nahen Wetterau kamen, hatten sie sich wohl verwirrt und waren letztlich schuld an allem Verdruß. „Wir sind die erste David-Hasselhoff-Coverband Deutschlands und haben maßgeblich zum Mauerfall beigetragen. Hier ist 'Looking for Freedom'.“ Sollte darüber noch einer lachen? Und dann dieser Aufzug: einer im lächerlichen Bon-Jovi-Hemd, einer als Verfechter der Darwinschen Evolutionstheorie (Affe-Mensch-Bluse), einer mit linksradikalem „Good Night White Pride“-Aufdruck, und Nummer vier wiederum neutral wie Gott ihn schuf. Aber dies soll nun kein totaler Verriß werden. Denn Wille zum Kampf war erkennbar. Fusilli Funghi servierten den zwei Dutzend Interessierten anfangs ein giftiges Süppchen aus Grind und Crust. Hysterisch-vulgäres Gegrunze und Gekeife (mal deutsch, mal englisch) traf auf hoch aggressive Katjuschagitarren und krudes Maschinengewehrgeratter. So als würden Napalm Death A.O.K. bumsen. Nach einer längeren Unterbrechung aufgrund einer gerissenen Saite, schalteten Guckert, Reiser, Bumbes und Tobi ab der Hälfte einen Gang zurück und frönten einer etwas milderen Hardcore-Punk-Rezeptur. Das rotzige „Leidkultur“, in dem es um Sozialschmarotzer und Lebensqualität ging, war meines Erachtens die beste unter 15 ruppigen Splatter-Nummern. Nach 28 Minuten reiner Spielzeit waren die Hessen durch.
 
Danach sollten die Embryo-Punx GEWAPEND BETON ran. Viermal die jugendliche Panzerfaust aus Amsterdam, deren Mitglieder Fetzen der Leitbilder trugen. Lappen von Gruppen, zu deren Glanzzeiten sie selbst eher Sandkastensand als Eisenbeton anrührten. Man spricht hier von Black Flag und Cock Sparrer... Droogs don´t run... Einen der blutjungen netten Buben von Nebenan konnte ich beim Bierholen kurz verhören, wann sie denn beginnen würden. „In zwanzisch Minude“, so die Auskunft. Ein halbes Stündchen also noch... so gegen Mitternacht... vielleicht auch später... Egal, zu spät für uns. Zumal Frankfurt die Endstation der langen Tour der Nederpunks war, und allein dieser Fakt eine Sause bis in die Puppen erahnen ließ. Treu dem Plattentitel '17 Until We Die'! Heute aber ohne uns.
 
23.40 Uhr sind wir von Bord gegangen. Dem Türpersonal hatte die Aktion von FF übrigens auch nicht gefallen.
 
 

Text und Bild: Heiliger Vitus, 1. September 2008
.:: ABSPIELLISTE FUSILLI FUNGHI ::.
(22.45-23.20)
1. Samstags wird net gekämpft
2. Kofferbomber
3. Reste
4. Waiting for the Train
5. Es schneit Schicksal
6. Sessellift
7. Parkbankrodeo
8. Anal
9. Flotte Bienens
10. Teenage Sucker
11. Tired
12. Leidkultur
13. Alone
14. Die freien Radikalen
15. Das Neueste