HAMMER OF DOOM X
 
PENTAGRAM, SORCERER, PATH OF SAMSARA, CROSS VAULT
D-Würzburg, Posthalle - 20. November 2015
Prolog
 
Novemberzeit ist Hammer-Of-Doom-Zeit. Mit My Dying Bride, Candlemass und Pentagram hatte der herbstliche Ableger des fränkischen »Keep It True«-Festivals zum Jubiläum gleich drei Legenden geködert. Trotzdem könnte es sein, daß die zehnte Auflage zugleich die letzte für Frau Peanut und mich war. Denn nicht allein, daß sich der Eintritt gegenüber dem Vorjahr um ein Drittel verteuerte (und zwar nicht wie das Fanticket behauptet: auf 65, sondern auf 75 Euro fürs Wochenend-Ticket - im Vorverkauf zzgl. Gebühren), nein, »Hammer Of Doom« geriet erneut zu einem der bierselig aufgepeitschten Massenzusammentreffen, die nicht so unser Geschmack sind. Im Grunde glich die Erfolgsreihe einem Ringelpiez mit Verkaufsständen, Saufbuden, Pöbelkost und der heillos dicht belagerten Bühne an ihrem Rande. Trotz drastisch erhöhter Preise trudelten an beiden Tagen so viele Besucher wie nie zuvor ein. Es waren jeweils weit über eintausend. Viele davon kamen aus der Fremde, hatten südländisches Aussehen, trugen Kutte, waren betrunken oder standen unter sonstigen Narkotika. So etwas wie Doom-Fieber kam für uns in der Posthalle nie auf. Ebenso selten erlebten wir dort emotionale Tiefe. Jedesmal gehen die Gedanken mit Wehmut zurück - an die untergrundigen Dutch Doom Days zwei Wochen zuvor in Rotterdam...
 
Freitag, 20. November (1. Tag)
 
Eine Panne erlebten wir diesmal auch angesichts der Quartierwahl. Die Privatzimmervermittlung hatte sich mit einem E-Mail-Anhang vertan, und unsere alte Bleibe anderweitig vermietet. Im letzten Moment überließ uns eine Dame ihren Dachboden in der Wolframstraße. Dummerweise war der Weg zur Posthalle weiter, und ausgerechnet am Abend öffnete sich der Himmel richtig. Wie bei Kälte und strömendem Regen zum Venue kommen, ohne sich den Tod zu holen? Per Droschke? Diese Idee hatten scheinbar viele. Denn erst nach zwanzig Minuten war eine Leitung zur Taxizentrale frei. Doch da hatten Cross Vault schon begonnen... Keine Geschenke zum Jubiläum wurden ferner am Einlaß gemacht. Ein etwas übereifriger junger Ordner verlangte an der Schleuse eine Akkreditierung für meine Kamera - die ich aber nicht besaß. Nur dank der gutgelaunten Rothaarigen von der Orga wurden wir per Handzeichen überhaupt durchgewunken...
Unser Zuspätkommen wurmte mich sehr. Denn CROSS VAULT (deutsch: Kreuzgewölbe) kredenzten einen absolut fesselnden, lebensnahen und berührenden Stoff, der alle Zutaten des traditionellen Doom Metal enthielt: erhabene Gitarren, schwere Trommeln, eine dunkle, kräftige Stimme, und eine nostalgisch-melancholische Grundausstrahlung. Die Mitglieder hielten sich streng geheim, doch der Vokalist stach mit der Statur eines übermenschlichen Kampfmonsters optisch heraus. »Cross Vault«: so stellte sich das Quintett aus dem Teutoburger Wald unmittelbar vorm vorletzten Lied amtlich vor... bevor nach »Home« vom phantastischen Debüt 'Spectres Of Revocable Loss' die Messe leider schon gesungen war. Die meisten Gruppen reizten ihre Spielzeit nicht aus. Cross Vault zählten dazu. Trotzdem: welch ein Auftakt! Und niemand ahnte, daß Cross Vault eine der ganz wenigen Gruppen des zehnten Hammer Of Doom mit »richtigem« Doom war...
Das nächste Rudel hatte einen Altar voller Kerzen, esoterischer Schälchen und einem Totenkopf ins Zentrum der Bühne gestellt, und die Szenerie in geheimnisvollen Weihrauch getaucht. Die drei Schwarzgeklufteten von PATH OF SAMSARA waren aus dem Freisinger Land rings um München angerückt, und trugen alles andere als hopfenselige Klänge im Sturmgepäck. 'The Fiery Hand' hieß ihr brandneues Werk. Die darauf enthaltenen Stücke, das glockenklare Organ ihres Sängers, und ihr düsterer, dezent an Danzig erinnernder Black Magic Rock, wurde vom Publikum jedoch enorm gut aufgenommen. Dies war ein artfremdes, aber sehr gediegenes Set!
Nach ihrem Koitus interruptus jüngst bei den Dutch Doom Days in Rotterdam (Abbruch nach sechs Liedern aufgrund verspäteter Ankunft wegen Nebels), hatten die Epic-Doom-Metaller SORCERER heute die Möglichkeit zur Rehabilitation. Ab 21 Uhr stellten sich die Schweden dem übermächtigen Schatten von Pentagram entgegen. Unter einer Nachtwächterkutte versteckt, leuchtete ihr Frontmann zu Beginn mit einer Laterne den ersten Sturm in der Menge aus. Dann begann eine Schlacht, die Sorcerer nicht gewinnen konnten. Dafür waren sie viel zu lange verschwunden. In einer flammenden Laudatio gestand Mastermind Engberg, daß Sorcerer nach einem Vierteljahrhundert Kälteschlaf erst durch ihren Auftritt in Würzburg 2010 neuer Atem eingehaucht wurde. Die endgültige Wiederbelebung erfolgte durch das anschließende Langeisen 'Sorcerer'. Und deshalb war »Lake of the Lost Souls« als Dank an Würzburg zu verstehen. Man fühlte sich geehrt, beim Hammer Of Doom zu sein. Neben viel Euphorie, Pomp und Pathos und der von Gitarrengewittern orchestrierten, eindringlichen Liedstimme, lieferten die Nordmänner auch immer wieder Berührendes. Etwa die Altigkeit »The Battle« aus einer Zeit, als Demos nicht als »E-Mail«, sondern als Kassetten mit »Rewind«-Funktion verschickt wurden. Sorcerer waren nur entfernt Doom. Doch die Warnung »Here is the sorcerer / Watch out, beware / Here is the sorcerer / Look out, take care!« ging so manchem noch Tage danach nicht aus dem Kopf...
Daß ich nicht gerade zu den glühendsten Verehrern von PENTAGRAM zähle, gebe ich gern zu. Dafür ist mein Verständnis zum Doom einfach zu verschieden. Aber aktuell präsentierten sich Robert Liebling, Victor Griffin, Greg Turley und Neutrommler Pete Campbell in Bestform. Im Gegensatz zu Wiesbaden 2014 trug Liebling heute keinen schändlichen roten Ringelpulli, sondern doomiges Schwarz. Natürlich konnte sich der gebrechliche Frontwicht und Exjunkie seine epileptischen Zuckungen und todesgeilen Verrenkungen, die fratzenartigen Grimmasen mit irre aufgerissenen Glubschaugen und Gollum-artigem Schnalzen der Schnute ebenso wenig verkneifen, wie die Griffe ans Geschlecht und das eine und andere verzückte Veitstänzchen. Die Protagonisten aus USA machten einen gesunden Eindruck und ordentlich was her. Und das Wichtigste: Pentagram zelebrierten überwiegend Doom! Abgesehen von »Dying World« (als Knüppel für den aktuellen Terror), wälzte sich nur magische Zeitlupe durch die pickepackevolle Halle. Allen voran die Übernummern »Deathrow«, »All Your Sins«, »Forever My Queen«, »Wartime« etc etc... Damit verstrichen die 84 Minuten wie im Fluge - so man einen Sinn für die obsolete Variante des Doom besaß. Die Verlängerung wurde angeführt von »Last Days Here«, in welchem Liebling seine Entscheidung zum Verbleib auf der Erde schilderte.... bevor das in meinen Augen einmalige »Be Forewarned« ertönte. Über »20 Buck Spin« legt man eher das Mäntlein des Schweigens. Pentagram wurden abgefeiert als gäb´s keinen neuen Morgen...
 
... doch am Ausgang der Posthalle lockte noch wie jedes Jahr der Tanzboden mit den DJs zur schwermetallischen AFTERSHOWPARTY. Laut Kischde - respektive der Erhellung durch dessen Komplizen Uli - legte eine Dame des Würzburger Plattenladens »H2O« bis morgens um vier auf. Obwohl P. und ich hurtig verschwanden, lagen wir auch erst gegen drei Uhr in unserer Suhle unterm Dach...
 
 

Worte und Bilder: Heiliger Vitus, 27. November 2015
.:: ABSPIELLISTEN ::.
 
CROSS VAULT
(19.00-19.40)
1. Void Of Old, Void To Come
2. Revocable Loss
3. The Words That Pierce No Soul
4. The All-consuming
5. Home
 
PATH OF SAMSARA
(20.00-20.45)
unbekannt
 
SORCERER
(21.03-22.12)
1. Born With Fear
2. The Dark Tower Of The Sorcerer
3. Lake Of The Lost Souls
4. Northern Seas
5. Sumerian Script
6. The Gates Of Hell
7. The Battle
8. Prayers For A King
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9. In The Shadow of The Inverted Cross
10. The Sorcerer
 
PENTAGRAM
(22.40-0.04)
1. Death Row
2. All Your Sins
3. Close the Casket
4. Sign of the Wolf (Pentagram)
5. Forever My Queen
6. The Tempter Push
7. When the Screams Come
8. Wartime
9. Dead Bury Dead
10. Curious Volume
11. Dying World
12. Devil's Playground
13. Relentless
******
14. Last Days Here
15. Be Forewarned
16. 20 Buck Spin
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Text: Heiliger Vitus, 27. November 2015, Bilder: Main-Ding.de, Vitus