Klubs und Hallen, Kunst und Vergnügungen...
Diese Orte sollte man kennen:
  DRESDEN
   FRANKFURT
   ANDERE
 
.:: DRESDEN ::.
Beatpol - Altbriesnitz 2a, (0351) 4210397
Der Beatpol in Dresden West erblickte 1896 im Ballsaal vom »Gasthof Briesnitz« das Licht, diente jahrzehntelang als »Film-Eck« als Lichtspielhaus, und wurde nach der Wende vom Electra-Musiker Aust als »Star Club« zu Sachsens Hauptquartier im gehobenen Untergrund geführt. Die Lokation atmet Charme und Würde. Blutrote Säulen stützen eine massive Stuckdecke, an den Wänden baumeln legendäre Konzertplakate aus alten Tagen, und der Grund verschwimmt in tiefem Schwarz. Um seine Bewegungsfreiheit muß keiner fürchten. Geschubse und Geschiebe wie anderswo gibt´s auch bei voller Auslastung mit vierhundert Leuten nicht. Gebrechliche können sich auf rotem Leder ausruhen. Die bestens sortierte Bar verwöhnt mit Zauberelixier aus Sachsen und der Tschechei zu volkstümlichen Preisen. Die Crew ist korrekt und die Beschallung klasse. Einziges Dilemma: Eintrittskarten werden vom Einlaß einkassiert. Im Star Club und Beatpol gaben sich zahlreiche Legenden die Klinke in die Hand. Das Kapitel »Hall of Fame« listet Gruppen, die die heilige Halle beehrten.
Die Sonne geht im Osten auf!
Chemiefabrik - Petrikirchstraße 5, (0351) 7968931
Wer einen Ausweich zum Kneipen- und Szenekiez Äußere Neustadt sucht (respektive der Antonstadt, wie das Gebiet zwischen Bischofsweg, Priesnitz, Bautzner und Königsberger Straße eigentlich heißt), ist in der »Chemo« goldrichtig. Denn mehrmals die Woche geht es rund im Schatten der backsteinroten Petrikirche hinterm Großenhainer Platz. Dafür steht ein Tanzraum mit Platz für 150 Kunden zu Verfügung. Es erklingt Punk, Hardcore, Rockabilly, Stoner Rock und Metal - und manchmal auch Sludge und Doom! Im angrenzenden Barbereich sitzt man in ausrangierten Zugabteilen; von der Decke baumeln äußerst kunstvolle, zu Lampen umgearbeitete Stahlhelme der NVA. Und für alle, die den freien Himmel lieben, lodert draußen ein ewiges Lagerfeuer. Wer einfach mal etwas abseits des Treibens zwischen der Königsbrücker und Bautzner Straße sucht, und es schmutzig, laut und feucht bis in die intimsten Winkel mag, geht nach Pieschen!
Im Kreml brennt noch Licht!
Club Puschkin - Leipziger Straße 12, (0351) 30954234
Mußte Rußlands erster Dichterfürst als Namenspatron herhalten? War es der angrenzende Platz? Oder die zu DDR-Zeiten zum »Puschkinhaus« umgestaltete Villa Grumbt auf der gegenüberliegenden Straßenseite? Wie auch immer: Mit seiner Vergangenheit als Teil des Alten Schlachthofs bilden die rostroten Mauern des Puschkin eine der robustesten Lokationen der alternativen Musik in Dresden. Die drei Räume (Floor 1 bis 3) können für Feiern, Tanz und Clubkonzerte auch gemietet werden, voll ausgestattete Bühne (Licht und Beschallungssystem) inklusive! Im Mainfloor steigen Rock-, Metal-, und Hardcore-Konzerte für bis zu dreihundert Leute genau so wie technoide Feten. Dazu wird im Regal hinter der langen Bar neben Schwarzbier auch das 1979 eingestellte und jüngst wiederbelebte »Vollbier« aus dem VEB Dresdner Felsenkellerbrauerei gekühlt.
Die gedrungenen, bulligen Flaschen mit dem grün-gelben Etikett aus dem Holzkasten...
Groovestation - Katharinenstraße 11-13, (0351) 8029594
So was wie der Pulp Fiction unter Dresdens mitunter abgefahrenen Klubs. Der Liveclub »Groove« vereint Waschsalon, Internetcafé, Billardraum, Bar, Kneipe, Disko und Bühne alles in einem, und ist zusammen mit dem Tanzklub »Down Town«, der Tanzhalle »Lofthouse«, dem Hostel »Mondpalast« sowie der Kunstgalerie »Treibgut« im Kulturhof der »Kataharine« integriert, und bei einem Besuch des Gründerzeitviertels Äußere Neustadt ein Muß. Treu dem Konzept lassen es hier Gruppen von Garagenpunk bis Rockabilly krachen.
Der punkrockende Waschsalon neben der Zahnpastabude »Putzi«
Heavy Duty - Louisenstraße 28, (0172) 8169215
Abstoßende Gestalten lümmelnd an der Theke - voll bis zum Gehtnichtmehr (oder bereits den letzten Atemzug getan)... Dresdens geilstes Metalkneipchen steht in dem Stadtteil, der schon lange vor der Flut des Westens fest im Griff von Randgruppen war, wo noch immer ein etwas anderes Modell gelebt wird, wo sich im Grunde alles versammelt: der Äußeren Neustadt. Väter der metallischen Enklave waren 1999 Willi und mein Schwippschwager, genannt »Langer«. Glutrote Wände und eine mit Devotionalien dekorierte Bar bilden den oberen Eingangsbereich des »HD«. Einem schmalen Gang mit der »Südkurve« schließt sich unten ein solide gemäuerter Saal von 80 Quadratmetern an. Jeden zweiten Sonnabend lassen es hier Gruppen live krachen. Plätze gibt es auch: 50 zum Sitzen und 250 zum Stehen. Aus den Speakern rieseln Schwarz- und Todesstahl. Motörhead gaben sich nach ihrem Auftrittt in Dresden 2000 die Ehre. Lemmy wollte den Tag im HD ausklingen lassen, entdeckte aber einen Filmenden, befürchtete die Presse und blies zum Rückzug. Doch auch mit dem Rest der Motorenköppe wurde die Nacht Legende. Nicht zu vergessen sei der Blickfang, das Gemälde »The Last Supper« mit den Aposteln Russell, Wyndorf, Osbourne, Cooper, Simmons, Kilmister, Hetfield, Steele, A.Young, Blackmore, Meine sowie Willi und Frank. Von Letztgenannten ist noch viel zu erwarten. Sie sind ambitioniert, jung und frei. Und wenn verlorene Doomer aus dem Westen einreiten, fließt Odin-Trunk!
Everything louder than everything else! (Kein Abschied für immer!)
Junge Garde - Karcher Allee, (0351) 43131-0
Die Freilichtbühne im barocken Großen Garten bietet endlos lange, feste Bankreihen mit fünftausend Sitzen. Einst Schauplatz für legendäre Auftritte der alten Garde des Ostrock, gastiert in Dresdens amphitheaterhaft erhöhtem Halbrund heute auch die erweiterte Welt des Rock und Pop. So folgten den unvergessenen Nächten mit »Maschine« und seinen Puhdys keine anderen als »Petrus T. Steele« und Type O Negative aus Amerika. Das Fluidum ist dabei immer einzigartig und verzaubernd. Besonders wenn die Abendbrise über die Wiesen und durch die Baumkronen weht, Grillen zirpen, und die Sterne am Himmel funkeln. Die »Garde« war so was wie meine erste Liebe.
... denn wir waren jung und hatten kein Geld!
Ostpol - Königsbrücker Straße 47, (0351) kein Anschluß
Auf dem Balkon einer alten Villa unterhalb der »Schauburg«-Lichtspiele steht eine Nachbildung der Elbufer-Skulptur »Bogenschütze«. Das ist die Selbstbedienungsgaststätte Ostpol. Dort führt eine Freitreppe in die DDR der 60er- und 70er-Jahre. Was einen erwartet, ist aber kein Plunder aus dem Netz, sondern abgewetzte Dielen und Tapeten, nostalgische Türknaufe, funktionierende Bolleröfen und waschechte Sitzgruppen und Relikte von damals. So finden sich in einer Vitrine Puppen des Fernsehfunks neben Andenken von der Friedensfahrt der Radfahrer wieder. Hinter der Bar steht ein Heimrechner Robotron Z 9001, in der Gaststube eine Jukebox von Sachsenklang. Die Uhr darüber ist fünf vor zwölf stehengeblieben. Man trinkt Bier. Sächsisches und tschechisches. Schwarzes und helles. Aus Humpen und Flaschen. Zu sozialistischen Preisen. Im Hinterzimmer finden regelmäßig schweißtreibende Konzerte statt. Die Rubrik »Flugschau« zeigt Titelblätter der Monatsprogramme. Prost Ost!
Eens geht noch!
Scheune - Alaunstraße 36-40, (0351) 8026619
Dresdens Indieherz schlägt im Zentrum der Äußeren Neustadt an der Kreuzung Alaun/Louise, die wegen zwei hier Kuchen backenden und verkaufenden Schwestern früher »Kuchenloch« genannt wurde. Sechs Jahre nach dem Krieg auf dem Grundstück eines ausgebombten Turnvereins erbaut, war das mit Koch- und Nähzirkeln und sonstigen nützlichen Dingen der Nachkriegszeit beginnende »Jugendheim Martin Andersen Nexö« 1951 zugleich das erste Jugendklubhaus der DDR. Ende der Fünfziger fanden erste Jugendtanzabende und Musikveranstaltungen statt, bevor in den Sechzigern Combos zum Rock-´n´-Roll-Ersatz »Lipsi« aufspielten. Später in den Siebzigern war die Scheune eine Wohngebietskneipe mit Schlagerdisko. Mit der Zuwanderung vieler Studenten in den Achtzigern hielten subversive Blueser und Langhaarige Einzug. Heute befindet sich im Parterre ein Foyer, in dem vor der Wende die ersten Punkkonzerte stiegen. Dazu das hedonistisch angehauchte »Scheunecafé« mit seiner urwüchisgen Einrichtung aus viel Holz, einer mistelbezweigten Decke, kleinen Fenstern und vielen originellen Requisiten. Das Obergeschoß besteht aus einer Bar und dem Großen Saal. Etwa dreihundert Leute finden darin Platz. Das Programm deckt alle möglichen Richtungen von Jazz über Folk und Rock bis hin zum Metal ab. Im Außenbereich und auf dem Vorplatz öffnet sich im Sommer im Schatten wuchtiger Bäume ein lauschiger Biergarten. Seinen Namen erhielt das Gebäude mit dem Erwachen der Subkultur in den Achtzigern. Er bezieht sich auf dessen Erscheinung: Der einstige Landesvater soll gesagt haben: »Dieser Scheune gebe ich meinen Namen nicht!«
Das Kulturzentrum an der zentralen Kreuzung des Szeneviertels
Skullcrusher - Reisstraße 42, (0176) 45829883
Dresdens erster Heavy Metal e.V. since 1999. Nach der Güntz- und Lohrmannstraße nun in Niedersedlitz ansäßig.
Metal - in seiner reinsten Form
In Memoriam
 
The Church, Bautzner Str. 32a († 2004)
Titty Twister, Prießnitzstr. 10-12 († 2010)
 
.:: FRANKFURT A.M. ::.
Batschkapp (1976-2013) - Maybachstraße 24
Zu Frankfurts erstem selbstverwalteten und finanzierten Kulturzentrum entwickelte sich die Batschkapp (hessisch für Baskenmütze - unter diesem Hut sollte das Außenseitertum Platz finden). Ursprung war ein in Kneipchen am Eschersheimer Bahndamm: Der Wirt der Fußballerkneipe »Elfmeter« suchte einen Nachfolger. Die trinkfesten »Spontis« Scheffler, Trebes, Beltz und Fischer meldeten sich - und übernahmen gleich noch das Bumslokal »La Baya« im ersten Stock. Für 40
 000 Mark Abstand und 4000 Mark Miete waren im November 1976 die 1000 Quadratmeter des gesamten - als »Wirtschaft am Bahnhof« Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Gebäudes - samt drei Wohnungen mit zehn Räumen und ausgebautem Erdkeller einverleibt. Am 11. Dezember stieg die Begehungsfete, und am 21. Januar 1977 durften die Frankfurter Octopuss die Bühne entjungfern (und bekamen dabei einen Stromschlag). Alle anderen Phantasien von einer Krabbelstube, einem Schülerzentrum, Theater, einer Bücherei oder Filmwerkstatt waren schnell verworfen. In den Achtzigern folgten Kloppereien zwischen Skins und Punks, der Ankauf des Grundstücks für 600 000 Mark (auf Pump)... bis man Anfang der Neunziger wegen zunehmenden Konflikten mit Anwohnern (verstellte Parkplätze, Krach aus Autoradios, nächtliches Gerede, Gelächter und Türeschlagen) fast zum Umzug in den Bockenheimer Schönhof verdonnert worden wäre. Doch das Stadtsäckel war leer. Also blieb die »Kapp« - von Realos längst professionell und kommerziell durchorganisiert - im Frankfurter Nordwesten, und stieg über die Jahre neben der Zeche Bochum und der Markthalle Hamburg zur renommiertesten Rockhalle der BRD auf. 400 Personen dürfen amtlich rein, nicht selten sind es aber 600 - und manchmal kommen noch 200 von der Gästeliste dazu. (Die Clubnacht »Idiot Ballroom« war in Glanzzeiten sogar mit 1300 überausverkauft.) Man kommt sich zwangsläufig körperlich nah, und im Sommer rinnt die Brühe von den schwarzen Wänden. Das außen prangende Graffiti »Welcome to the Underworld« hat sich längst ins Gegenteil verkehrt. Auf der Agenda stehen oft Popsöngchen, und für warmes Binding aus dem Plastebecher zahlt man vier Euro - Tendenz: steigend! Das Publikum wird immer abstoßender. Mit dem neuen Jahrtausend verkam die Batschkapp zu einem Tummelplatz von Selbstdarstellern, Allwissenden und aufgeblasenen Wichtigtuern. Die Zeiten ausgelassenen Trinkens und Headbangens sind vorbei. Wirklich gut ist die Akustik. Verirrt sich mal eine interessante Kapelle nach Frankfurt, dann in den 400 Quadratmeter großen Saal von Onkel Ralle. Und deshalb geht man immer wieder hin.
Nachtrag:
Nachdem jedes Maß verloren war, zog das Unternehmen im Herbst 2013 in eine absolut unglamouröse, fensterlose Zweckhalle in Seckbach um. Im Mai 2015 wurde das alte Gebäude abgerissen.
Tod der Raffgier!
Clubkeller - Textorstraße 26, (069) 66372697
Äußerst intimer, sehr atmosphärischer und nicht leicht zu findender Mikro-Kellerklub mitten zwischen den Apfelweinkneipen von Alt-Sachsenhausen. Es läuft Independent, Postrock, Pop und anderer kluger Untergrundkrach. Offiziell ist der niedrige, hutzelige Raum für 120 Leute bei Tanz, und für 80 bei einem Live-Auftritt zugelassen. Letzte machen sich in letzter Zeit jedoch rar. Der Schallschutz...
Nichts für Klaustrophobiker!
Das Bett - Schmidtstraße 12, (069) 60629873
Nach seinem Umzug vom verlotterten Kneipenviertel Alt-Sachsenhausen ist das Bett nun via-à-vis von Maserati und Ferrari in einer ehemaligen Fabrikhalle im Stadtteil Gallus im Frankfurter Westen einquartiert. Im pragmatisch-minimalistischen Stil konzipiert, bietet es Licht und Luft, und Live-Musik und Tanz-Nächte in den Gefilden des Rock, Pop, Indie, Wave, Elektro, Ska, Soul, Funk sowie geistreichen Untergrunds, mit Raum für bis zu 450 Bohemiens. Seinem Namen macht´s zwar wenig Ehre, doch das Personal ist nett, alle Flüssigkeiten sind wohltemperiert, und die Frauen hinter der Bar eine Augenweide.
Wir gehen ins Bettchen.
Elfer Music Club - (1976-2013) - Maybachstraße 24
Ein »Elfmeter« steht in Studentenkreisen für einen Faustschlag ins Gesicht. Unser Strafstoß liegt im Parterre der Batschkapp, und war nichts anderes als die Keimzelle des besten Rockschuppens der Republik! Der damalige Pächter im »Elfmeter« hatte das Handtuch geworfen - und Scheffler & Co. übernahmen den Laden, da sie selber in ihren Stammkneipen Lokalverbot hatten... Heute ist der Elfer ein Szeneschlupfwinkel zum Biertrinken (vor und nach Batschkapp-Konzerten) sowie eine urige Kneipe mit strammer Phonezahl und deftigen Partysanen. Das Tragen eines bedruckten Leibchens ist ein Muß. An Wochenenden drängen an die 300 in die engen Räume. Im Live-Klub im Keller steigen mehrmals die Woche Konzerte vor bis zu 140 Besuchern.
Nachtrag:
Im Herbst 2013 zog der Klub nach Sachsenhausen um, und im Mai 2015 wurde das alte Gebäude mit der Batschkapp abgerissen.
Hart und (meist) herzlich
Festhalle - Ludwig-Erhard-Anlage 1, (069) 75750
Frankfurts große ehrwürdige Kuppelhalle, die »Gud Stubb«, faßt zirka 14
 000 Zuschauer. Die Onkelz, AC/DC, Black Sabbath, Iron Maiden, Motörhead, ZZ Top - alle waren hier, in der Gala-Kathedrale der Stadt.
Pomp & Gloria
MJH Hausen - Ludwig-Landmann-Straße 338, (069) 78995716
Offenes Haus der Arbeiterwohlfahrt im Brenner-Gelände im Westen Frankfurts. Die 2010 im Energiesparstil und mit fester Bühne neu erbaute Baracke im Grünen - je nach Tageszeit auch Jugendtreff oder Botanischer Garten - faßt rund 200 Personen. Konzerte werden selbstbestimmt, im nichtgewerblichen Stil durchgeführt. Der Chef vom Dienst durfte Jimi Hendrix bei seinem letzten Auftritt 1970 auf Fehmarn noch leibhaftig erleben. Folglich sind laute Gitarren ausdrücklich erwünscht.
Alte Schule im jungen Gewand
Nachtleben - Kurt-Schumacher-Straße. 45, (069) 20650
Modern, entspannt und öfter was Neues: So ist die dritte Niederlassung aus dem Dunst der »Batschkapp«, zugleich deren schillerndste, und unser ganz persönlicher Lieblingsort in der belebten Frankfurter Innenstadt. 1993 in der Betonkasten-Ästhetik des Möbelhaus Hess eröffnet, ist das Nachtleben nicht nur eine Unterzentrale der »Kapp«, sondern ein Selbstläufer für das andere, etwas jüngere Publikum. Tagsüber kann man sich ebenerdig - im lichtdurchfluteten Café und am Halbrund der Bar - bei Bierchen, Cocktails, Milchkaffee und kühlen Klängen einlullen lassen; im Sommer wird der Vorplatz zur Straußwirtschaft umfunktioniert; und für die Nacht steigt man eine Treppe tiefer in den plüschrot-blümeranten Keller mit Bühne, Tresen, Disco und Raum für dreihundert Leute.
Dorthin, wo alles gespielt, nur kein Techno!
Ponyhof - Klappergasse 16
Kleiner Laden für die Denkenden und Sehenden abseits des Mainstroms nah bei »Fraa Rauscher«, gewißermaßen: mitten im alten Filz von Alt-Sachs. Im Ponyhof steigen regelmäßig Feten aus den Richtungen Soul, Funk, Elektro und Indie. Mit achtzig Leuten ist dabei gut Party. Bei Konzerten ist der Schwerpunkt eher in Garage und Independent zu verorten. Muß man nicht haben, man kann es aber durchaus versuchen...
Heiliger Schlauenstall dribbdebach
Sinkkasten - Brönnerstraße 5-9, (069) 280385
Der Sinkkasten (wahlweise auch Gully) wurde 1971 von Studierenden als erschwinglicher Zufluchtsort für Beatmusik und Rock and Roll in einem leersetehenden Weinkeller in der Mainstraße 2 eröffnet. 1979 »mußte« man wegen Ruhestörungen von der Frankfurter Altstadt mitten in die Innenstadt umziehen, und übernahm im ersten Stock der Brönnerstraße die Räume des Jazzlokals »Storyville« und der Disko »Zoom«. Direkt neben der großen Kaufhausmeile Zeil zuhause, bietet der Traditionsklub mit kurioser Einrichtung auf einer Fläche von 800 Quadratmetern Platz für 450 Leute. Sie können an ausgedienten Caféhaustischen, in Rattansesseln und roten Kinobänken sitzen - teils nur drei Meter von der Bühne entfernt. Weiterhin bemerkenswert ist die endlos lange verwinkelte Bar, an deren Ende die Ruhezone »Café Treibhaus« liegt. Dem angerosteten Stil entsprechend reicht das Spektrum von Jazz über Blues, Populämusik und Hardrock bis Prog. Die aufgetreten Künstler genießen mitunter Legendenstatus!
Zeitgeistverweigerer!
Speak Easy - Große Rittergasse 42, (069) 618075
»Nur die Besten sterben jung« - dieses Lied widmeten die Böhsen Onkelz ihrem Kumpel Trimmi, der im Speak Easy erdolcht wurde. Er ist ein hartes Pflaster sozusagen, Rhein-Mains führender Heavy-Metal-Schuppen. Gegründet wurde er am 4. April 1987, in einer Zeit als im Ebbelweidistrikt noch Fäuste flogen, und nicht nur bei den amerikanischen Besatzungssoldaten ein Messerchen zur Grundausrüstung gehörte. Rechts vom »Easy« befand sich damals die Hardrockbar »Alabama« - welche vom Gesundheitsamt wegen Vertierung dichtgemacht wurde. Neben den Onkelz gaben sich u.a. auch Motörhead ein Stelldichein in der geheimen Flüsterkneipe. Sie hat selbst dürre Jahre in Verkommenheit und ohne Belüftung durchstanden. Einzig vermißt wird umtriebige Bedienung Larissa. Profan das Interieur: links der umlagerte Tresen, rechts die DJ-Kanzel und ein Billard-Raum, dazwischen lange Holzbänke unf Tische. Die Preise sind niederschmetternd. Doch in Heavy-Metal-Schuppen fließt der Gerstensaft in Strömen...
Heaven and Hell für stabile Seelen und Freunde der Maßlosigkeit!!
The Cave - Brönnerstraße 11
Treppe runter und tief untertauchen... um den (in)offiziellen Nachfolger vom »Negativ« zu erleben! Seit 1998 gibt´s den Untergrund-Musikklub mitten in Frankfurt. Davor hieß er »Funkadelic«, und war ab 1983 das Aushängeschild in Sachen »Black Music«. Im heutigen »Käfig« - einem geduckten Kellergewölbe von drei Metern Höhe, mit diversen Stützsäulen, aber ordentlicher Akustik - wird indes Alternatives, Independent, Wave, Gothic und Rock bevorzugt. Überwiegend sind DJs vor Ort, doch von Zeit zu Zeit findet auch ein Konzert statt. Gelungene Klublichter helfen einem bei der Reise in andere Welten. Ziemlich frech sind allerdings die Preise: Für Bier aus Bremen muß der Besucher vier Euro blechen!
Drink with class!
R.I.P. Memories of happy days
 
Backstage, Rothschildallee 36 (1990-????)
Batschkapp, Maybachstraße 24 (1976-2013)
Bubble Gum, Leipziger Straße 1 († ca. 1988)
Der Blinde König, Uhlandstraße († 1990)
Die Halle - Wächtersbacher Straße 84 († 2010)
Elfer, Maybachstraße 24 († 2013)
Hard Rock Café, Taubenstraße 11 (1978-ca. 2005)
Kult, Bolongarostraße 45 († ca. 1993)
Music Hall, Voltastraße 74-80 (1985-1994)
Negativ, Walter-Kolb-Straße 1 (1989-1995)
Volksbildungsheim, Eschenheimer Anlage († 1996)
Yellowstage, Westerbachstraße 47 († 2012)
 
.:: ANDERE ORTE ::.
Alte Post - Denkmalplatz 1, Langenzenn, (09101) 2899
Frankens Deathmetalhexe Nummer eins, die strohblonde Steffiistcrazyfromeggenhausenforrestinthetalofzenn-middelfrea(n)ken, befand´s »verygeil«! Holy Vitus folgte ihr. Einer der urigsten Klubs im Raum Nürnberg-Fürth, leckeres »Ammerndorfer Hell 666« inbegriffen. Das offizielle Faßungsvermögen liegt bei 120 Personen.
November´s Doomsday..... es war einmal.....
Baroeg - Spinozaweg 300, NL-Rotterdam, 0031 (0)10 - 4325735
Lauschig: Damit ist die Lage des Poppodiums »Baroeg« in Rotterdams südlicher Teilgemeinde Lombardijen treffend umschrieben. Der bei seiner Errichtung 1981 nach dem radikalen Philosophen Baruch Spinoza benannte, blau und mit Drachen bemalte Pavillion, steht auf einer Wiese neben einem der tausenden das Land überziehenden Wassergräben. Nach einem schmalen Eingangsbereich und einer Bar gelangt man in die bis zu 400 Personen fassende Konzerthalle. Dort steigt subkulturelle Musik aus den Bereichen Rock, Metal, Hardcore, Punk, Psychobilly, Elektro und Industrial. Dazu richtet das Baroeg jährlich im Zuiderpark ein Freiluftfest aus. 2007 wurde der Klub vorübergehend geschlossen: Ein Punk war erschlagen, die Täter gefaßt und verurteilt worden. Und alljährlich im Herbst wird das Baroeg auch zur...
... Thingstätte der Dutch Doom Days!
Bessunger Knabenschule - Ludwigshöhstraße 42, Darmstadt, (06151) 61650
1878 für die Kinder von Bessungen errichtet, gilt das ehrwürdige Anwesen nunmehr als das größte soziokulturelle Zentrum Hessens. Im Keller steigen oft Punkgigs, in der ehemaligen Schulturnhalle größere Geschichten für bis zu zweihundert Personen - so der »Halloween of Doom«...
Der Atem der Geschichte
Hugenottenhalle - Frankfurter Straße 152, Neu-Isenburg, (06102) 33260
Mehrzweckhalle mit 2500 Stehplätzen südlich vor Frankfurt
Für zivilisierte Hottentotten
Jazzkeller Hofheim - Hattersheimer Straße 6b, Hofheim am Taunus, (06192) 24601
Der Name führt in die Irre. Dieser kleine, zünftige Klub mit seinem etwas schrulligen Personal befindet sich weder steil treppab unter der Erde, noch wird hier Jass gespielt. Vielmehr handelt es sich beim »Keller« um das seit 1959 mehrmals umgezogene Heim der Jazzfreunde, welches sich seit 1994 in einem stillgelegten Bahnhofsgebäude befindet. Das Programm reicht querbeet von Rock und Blues über Punk und Metal bis hin zu Keltenfolk, Psych und Doom. An der Bar wird erlesener True Malt Whisky und auch ein Landbier ausgeschänkt. Jeder ist willkommen. 150 passen rein.
Auf halber Strecke zwischen Frankfurt und Wiesbaden... distinguiert von der Straße
Schlachthof Wiesbaden - Murnaustraße 1, Wiesbaden, (0611) 974450
Auf dem 1990 stillgelegten Schlachthofgelände von 1884 errichtetes Kulturzentrum mit dem Konzertklub »Räucherkammer« (für rund dreihundert Personen) und Großem Saal (bis zu 1800). Für Indie- und Alternativ-Anhänger ist das Programm ein Leckerbissen. Auch für die Abteilung Doom ist der »Schlachter« zur führenden Adresse im Rhein-Main-Gebiet aufgestiegen. Die Preise für Eintritt und Getränke liegen im humanen Rahmen. Nur auf Stinker kann man gern verzichten!
Beware... Der Schlachter!
Stadthalle Offenbach - Waldstraße 312, Offenbach, (069) 8570600
Mehrzweckhalle mit einer Kapazität von bis zu 3600 Personen. Mit Slayer und Overkill ging 1988 hier der Teufelstanz los.
Die Große in Offenbach am Main
Waggon am Kulturgleis - Mainstraße 100, Offenbach
Exquisite Konzerte, DJs, Lesungen, Filme etc. in einem ausrangierten und abgekoppelten Güterwagen [sic!] auf einem Nebengleis am Ufer des Mains.
Wer nicht Waggon, der nicht gewinnt!
Z-Bau - Frankenstraße 200, Nürnberg, (0911) 3766290
Der 3000 Quadratmeter große, westliche Seitenflügel der ehemaligen SS-Kaserne ist heutzutage eine Brutstätte für die Kreativen und Chaoten der Nürnberger Subkultur. Dazu zählen der »Kunstverein« (nichtgewerbliche Konzerte, bevorzugt Punk und Doom), der »Rote Salon« (Independent-Auftritte und Liederabende), die »Große Halle« (vielfunktionelle Kinovorführungen und Konzerte), der »zOOm-Club« (Elektro-Feten) sowie diverse Ateliers, Tonstudios und sonstige Ausdrucksformen. All dies ist untergebracht in den bunkerdicken Mauern des Krieges. Außer Betrieb fangen sie die Klänge der neuen Zeit in ihrer ursprünglichsten Art ein: laut, roh und explosiv.
Bombensicherer und unzerstörbarer Eisenbeton!
Zentralcafé im K4 - Königstraße 93, Nürnberg
Im Laufe seiner wechselvollen Geschichte brachte es das 1910 errichtete Künstlerhaus Nürnberg als »Komm« ab 1973 als eins der ersten selbstverwalteten Kulturzentren Deutschlands zu turbulentem Ruhm. Mit dem Ende der Autonomie 1996 etablierten sich in dem ehrwürdigen Bau am Eingang zur Altstadt solide Klubs, darunter das 150 Leute fassende, schwermetall- und doomtaugliche »Zentralcafé« im Erdgeschoß.
Unterm Dach eines hundertjährigen Bauwerks
R.I.P.
 
CBGB, 315 Bowery, USA-New York City
Hafenbahn, Hafen 2a, D-Offenbach
Stand: März MMXVII