SOMMER-SERIE 2010
 
Limeslauf Krotzenburg, 2.5.10
Brunnenfestlauf Oberursel, 30.5.10
Offenbacher City-Lauf, 19.6.10
 
32. LIMESLAUF GROSSKROTZENBURG, 2. Mai 2010
(Halbmarathon)
Unterwegs in Kohlenstaub und zertrümmerten Atomen
 
Drei Wochen nach einem Marathon sagt die Regel eine Bestzeit über die Halbdistanz voraus. Wir wollten das versuchen, und waren nach ROTTERDAM weitere drei Wochen brave Engel geblieben, um alles für schnelle 21
Kilometer zu tun. Zum Ziel war Großkrotzenburg am Main auserwählt. Krotzenburg liegt aber nicht idyllisch am Wasser, sondern im Würgergriff der himmelhohen Schlote vom Kohlekraftwerk Staudinger und dem Spannungsfeld des Versuchsatomkraftwerks Kahl! Zweitausend Jahre davor, verlief hier die Grenze des Römischen Reiches, der L i m e s! Das alls Entscheidende aber: die Strecke sollte pfeilschnell sein. Die Auskunft las sich so: »Vom Limeslauf gibt es offiziell kein Streckenprofil. Zur Strecke gibt es aber folgendes zu sagen: Die ersten und die letzten ca. 300 Meter geben über asphaltierte Ortsstraßen - der Rest der Strecke geht über befestigte Waldwege. Insgesamt ist die Strecke eben, lediglich bei der Bahnunterführung müssen ein paar 'Höhenmeter' überwunden werden. Der 10 Kilometer Lauf findet auf einer Runde statt, während die Strecke beim Halbmarathon zweimal zu durchlaufen ist.«
 
Mild und wolkenverhangen schien der Tag wie gemacht für Rekorde. Wären da nur nicht die dicke Luft von Staudinger und eigene Schlafprobleme gewesen. Nur 45 Minuten hatte ich Ruhe gefunden. Bei einem frühen Start um 8.45 Uhr sollte das gerade noch gehen. Hoffte ich. Und um ein Haar hätte ich fast noch Presse bekommen: Ein Journalist aus Stuttgart, der in Krotzenburg an einem Seminar der der kroatischen Zeitung »Slobodna Dalmacija« (Freies Dalmatien) teilnahm, befragte mich unmittelbar vorm Start zu den Renndistanzen. Für mehr reichte die Zeit nicht...
 
Mit dem Peng hatte ich die zweite Stelle übernommen. Der Vorjahressieger Kothe war nicht zu halten und lieferte ein losgelöstes Rennen mit acht Minuten Vorsprung ab. Auf dem Weg zum Niederwald war ein Bahntunnel zu durchqueren. »Sie sind nicht allein auf der Welt«, hatte mich ein Paar mit Köter in der Röhre angequäkt. Wohl wahr: Ein Lindwurm von 778 Waldäufern jagte hinter mir her. Mit 3.36 und 3:50 Minuten hatte ich die Anfangskilometer eindeutig überzogen. Die Quittung setzte es nach fünf Kilometern, als mir erst ein Solist und gleich darauf ein Fünferrrudel die Hacken zeigte. Zur Halbzeit konnte ich mich mit einem Zurückgefallenen vom SSC Hanau-Rodenbach zusammenschließen, der unter einem Belastungsasthma besorgniserregende Laute von sich gab. Wir mußten beide husten und kotzen wie alte Männer, konnten aber immerhin noch einen abfangen. Und da mir keiner mehr folgen konnte, fand ich mich am Ende auf dem sechsten Gesamt- und zweiten Alterklassenplatz wieder. Kläglich gescheitert war jedoch das Experiment »Superkompensation durch Marathon«. Einerseits waren es fehlende Spritzigkeit und Frische im Kopf, zum anderen der Schmutz von Staudinger. - Peanut hatte sich als 14. Frau mehr als wacker geschlagen. Mit 1:50:37 Stunde erreichte sie das beste Halbmarathon-Ergebnis ihrer Karriere!
 
Die Ehrungen wurden von Krotzenburgs Bürgermeister anmoderiert. Endlich war auch die Stunde gekommen, die Früchte der letzten Monate auszukosten. Im Trubel des Festplatzes habe ich einige Glaabsbräu versenkt, und im Limes-Forum wartete mal kein Obst, sondern Käffchen und Kuchen, Schinkenbrote und Würstchen. Zur Mittagsstunde wurden die Brötchen von einer Helferin sogar für einen Euro unterm Volk verteilt. Beim fröhlichen Abmarsch sind wir noch dem 10-Kilometer-Sieger Spielvogel begegnet, der mutterseelenallein auf dem Bahnhof wartete. Bei einem Plausch gab uns Lars Einblicke in ein Läuferleben, das mit zwölf Jahren begann und bald drei Jahrzehnte andauert. Tags zuvor hatte Spielvogel schon den Zehner des Niedererlenbacher Volkslaufs bestritten - und gewonnen...
 
Wermutstropfen
Durch einen Sponsoren-Wechsel stand der Limeslauf ganz im Zeichen des 10-Kilometer-Laufs. Nicht die Halbmarathonläufer wurden mit Funktionstrikots gewürdigt, sondern die Beteiligten der Unterdistanz. Ferner erhielten nur die Klassenersten der Cup-Wertung ein Handtuch als Geschenk.
 
 
ZAHLEN UND ZEITEN
 
Wetter:
wechselnd bewölkt, 15ºC, schwacher bis mäßiger Wind aus unterschiedlichen Richtungen
 
Teilnehmer gemeldet:
778 (HM, 10 km, 5 km, 1 km, NW)
Teilnehmer im Ziel: 670
Halbmarathonläufer im Ziel: 194 (M: 146 / W: 48)
 
Männer
1. Steffen Kothe (Frankfurt) 1:14:12
2. Jörg Maurer (TSG Kleinostheim) 1:22:19
3. Ulrich Amborn (LG Offenbach) 1:22:29
6. Kampfläufer Vitus (Spiridon Frankfurt) 1:24:28 (2. M45)
 
Frauen
1. Martina Osmann (LT Nordlichter 03) 1:31:24
2. Regina Blatz (TV Salmünster) 1:35:56
3. Nadine Richter (Team Erdinger Alkoholfrei) 1:36:19
14. Peanut (Spiridon Frankfurt) 1:50:37 (PB, 4. W45)
 
Ergebnisse

Team Endzeit
Der Kampf in einer BILDERTAFEL... anklicken............
 
7. BRUNNENFESTLAUF OBERURSEL, 30. Mai 2010
(Halbmarathon)
Auf Kampfroute in der Südflanke des Taunus
 
Ein Höhenunterschied von 400 Metern, die Länge der Steigungen sechs Kilometer, die Maximalste hatte 14 Prozent. Das sind die anstrengenden Zahlen des Brunnenfestlaufs. Da zudem ein Drittel aus regendurchweichten Naturwegen bestand, konnte es in Oberursel nur um Platzierungen, nicht aber um schnelle Zeiten gehen. - Seinen Anfang nahm der Kampf auf dem schönen alten Marktplatz. Nach dem Wanderweg »Malerische Natur« durch den Maasgrund folgte ein Anstieg mit 120 Höhenmetern hinauf zum Roten Born. Nun ging die Strecke durch den Stadtwald bis an die berüchtigte Kanonenstraße heran (in der Abfahrt vom Feldberg stürzen jährlich viele Kradfahrer in den Tod). Über den Kohlenweg und das Franzoseneck ging es von der Hohe Mark zur Königsteiner Straße, die mit starkem Gefälle vorbei am Signorino-Kreuz und durch die Gassen der Altstadt ins Ziel auf dem Markt führte. Die Halbmarathonläufer mußten die Strecke zweimal bewältigen, der 10-Kilometer-Lauf war nach einer Runde beendet.
 
Der »Schlager-Grand-Prix« hatte mir leider eine kurze Nacht beschert und damit meinen Lauf beeinträchtigt: Einige Tiefflieger mußten um Mitternacht noch Böller abfeuern. Bei Sonne und Regen erfolgte um zehn der Start. Nachdem sich die 10-Kilometer-Läufer von den Halbmarathonis abgesetzt hatten, fand ich mich zur Halbzeit plötzlich weit vorn wieder. Ich war Vierter und der vor mir Laufende in Sichtweite. Nach einem zähen Zermürbungskampf bei der zweiten Erklimmung des Roten Borns war er abgefangen und niedergemacht. Oben angelangt, empfing mich der Fahrradbegleiter mit dem Schild »3. Mann HM« am Lenker, der mir sagte, »daß er mich ab sofort durch die Strecke führen würde«. Die verbleibenden sieben Kilometer wurde ich wie ein Held über die Südflanke des Feldbergs eskortiert und vom neutralen Begleiter sogar noch angefeuert. Ohne dem wäre mir die Leistung nicht möglich gewesen! Zumal mich unterwegs auch noch Erinnerungen an eine dunkle Vergangenheit einholten. Denn zwanzig Jahre zuvor hatte mich im Zenit meiner Pillenkarriere im »Heidekrug« ein übles Hirngespinst ereilt. Der Heidekrug wurde heute zweimal passiert... Alles vergangen, alles Geschichte. Am 20. Kilometer gab es obendrein Ansporn aus der Skispringerfamilie Thoma. Der flüchtig bekannte Georg war an die Strecke gekommen, um den Läufern Beifall zu spenden. Unter zweihundert Startern errang ich einen unerwarten 3. Platz im Halbmarathon, nur 3 ½ Minuten hinter dem Sieger Winter aus Wiesbaden! - Peanut war ohne Orientierung gewesen: Ihre Uhr hatte nach fünf Kilometern den Geist aufgegeben. In der zweiten Runde wollten die Oberschenkel nicht mehr. Sie hat es danach entspannt angehen lassen, ist den Knüppel hoch zum Roten Born gegangen, und nach zwei Stunden ins Ziel gelaufen. Direkt vor ihr lief der Organist der Jazzkapelle Saxomaniacs über den Strich, die 15 Uhr ein Konzert beim Brunnenfest gaben.
 
Ab 12.55 Uhr fanden auf der Marktplatzbühne die Ehrungen mit dem Bürgermeister und der Brunnenkönigin statt. Noch mit den Erdklumpen vom Rennen an den Beinen, hatten wir bei Kuchen und Bier vom Faß unter zweitausend lustigen Zechern beim Brunnen der Heiligen Ursula ausgeharrt - um großen Verdruß zu erleben. Es wurden nur die Rennsieger- und Zweiten honoriert, nicht aber die Gesamtdritten! Die rüstigste 70jährige wurde in »Orschel« ebenso geehrt wie die der flinkste Gebrechliche über fünf Kilometer - nur der Bronzene des Halbmarathons nicht! Das muß man sich mal vorstellen! (Laut Organistor war dies eine Auflage des Leichtathletikverbandes.) Nachdem ich meiner Enttäuschung Luft gemacht hatte, und Orga-Chef Bieasch mir einen Sachpreis (Freixenet-Sekt) überlassen hatte, war immerhin das Meldegeld zurückgeholt. Der Ruhm war damit nicht hergestellt.
 
Ausblick
2011 wird Oberursel Gastgeber des Hessentags sein. Die Ausrichter planen für das Landesfest einen Marathonlauf, der dann aber nicht über den Roten Born führen wird. Wegen dem Hessentagsmarathon wird im 2011 kein Brunnenfestlauf stattfinden.
 
 

ZAHLEN UND ZEITEN
 
Wetter:
Sonne und Regen, 16ºC, mäßiger Wind
 
Teilnehmer im Ziel:
702 (HM, 10 km, 5 km, Schüler, NW)
Halbmarathonläufer im Ziel: 186 (M: 141 / W: 45)
 
Männer
1. Thorsten Winter (TV Waldstraße Wiesbaden) 1:23:37
2. Karsten Diehl (LG Brechen) 1:26:08
3. Kampfläufer Vitus (Spiridon Frankfurt) 1:27:20 (2. M45, 3. Gesamt)
 
Frauen
1. Prisca Lepper-Schwarzer (RFC Oberstedten) 1:36:16
1. Pia Anthes (Bad Soden) 1:40:22
3. Jennifer Sagert (TSG Oberursel) 1:45:53
21. Peanut (Spiridon Frankfurt) 2:01:41 (5. W45, 131. Gesamt)
 
Ergebnisse

Team Endzeit
Kamera vom Marktplatz Oberursel
Webcam Marktplatz
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15. OFFENBACHER HEERBACH CITY-LAUF, 19. Juni 2010
(Halbmarathon)
Im Zickzack durch die Hauptstadt des Verbrechens
 
Denkt man an Offenbach, fallen einem Multikriminalität und Abneigung für Frankfurt ein. Offenbach liegt im Ballungsraum Rhein-Main. Kaum denkbar, daß sich an einem verkaufsoffenen Juniabend im Stoßverkehr der Großstadt ein Halbmarathon durchführen läßt. Ein schneller dazu. Vor drei Jahren war ein Türke die 21 Kilometer in 64 Minuten gerannt! Diesjahr hatte der Offenbacher Leichtathletkklub zusammen mit der Stadt Offenbach am Main das Rennen durch die Innenstadt zum 15. Mal ausgerichtet.
 
Die Runde maß sieben Kilometer. Begrenzt wurde sie im Norden von der Mühlheimer Straße, im Osten vom Landgrafenring, im Süden vom Hessenring und von der Senefelderstraße im Westen. Gestartet wurde in der Fußgängerzone Frankfurter Straße, das Ziel lag vorm Rathaus. Man mußte die Strecke als sehr kontrastreich, turbulent und nicht ganz unproblematisch bezeichnen. Dies galt für den Belag - Asphalt, Parkwege und Katzenkopfpflaster -, wie für ihre Führung durch die Großstadt mit all ihren Schattierungen: von verlotterten Betonkästen über Siedlungshäuser und Prachtvillen bis hin zum Migrantenviertel. Mit der Berliner und der Waldstraße mußten zudem Hauptverkehrsadern gekreuzt werden. Dreimal war die Runde für den Halbmarathon insgesamt zu durchlaufen. - Nachdem Tausende die Offenbacher Schulmeisterschaften und die Unterdistanzen beklatscht hatten, sorgten schwere Wolken und ein Schauer für eine Flucht vorm Hauptrennen. Einige Hundert hatten dennoch ausgeharrt...
 
... als um 18:01 Uhr der Startschuß für die Langstrecke fiel. Aus der ersten Reihe startend, hatte ich im Bereich um den Marktplatz in Führung gelegen. Gänzlich unerwartet, denn ich war in der Nebensaison mit all ihren Gebrechen für Körper und Gemüt. Nach einem Kilometer hatten mich die Favoriten und späteren Ersten Lehr und Grupp jedoch geschluckt. Und auch die dritte Stelle war bald verloren. Nachdem mir zwei weitere Duos die Hacken gezeigt hatten, konnte es nur noch um die Rettung eines einstelligen Gesamtplatzes gehen. Nach einer Hatz durch ein Wirrwarr aus Eckkneipen, Bordsteinen, Bahnhofstunneln, Trinkbüdchen, Zechbrüdern, bekifften Hängehosen und wild hupendem Blech, wurde ich Gesamtneunter und Klassenzweiter. 190 kamen bei dem Abenteuer ins Ziel. Der äthiopische Titelverteider Ararsa, der sich im Rathaus neben mir präpariert hatte, gewann diesmal über die 7-Kilometer-Strecke.
 
Die Ehrungen erlebte ich während des Spiels »Danish Dynamite« Dänemark gegen »Die unzähmbaren Löwen« Kamerun im Rahmen der Fußball-WM 2010 beim »Public Viewing« in der Pizza-Factory. Die Halbzeitpause bot eine Gelegenheit für einen Sprung von der Weizentheke... über die Berliner Straße... rüber zum Rathaus, zur Gratulation am Treppchen. Ab 20.50 Uhr wurden auf dem Rathausplatz die Preise ausgehändigt. Die Sieger erhielten Pokale, der Zweite und Dritte eine Viererstiege
Erfrischungetränke aus dem Spessart. Nicht zu vergessen sei, daß im Startgeld von neun Euro ein Ankommertrikot und die Nachhausesendung eines Ergebnisheftes nebst Urkunde auf Papier enthalten waren!
 
Vielen Dank
an meinen früheren Arbeitskollegen Kuttich und den Streckendienst für einen reibungsfreien Ablauf, und den schönen Sommerabend in Offenbach.
 
 

ZAHLEN UND ZEITEN
 
Wetter:
wolkig mit Auflockerungen und etwas Regen, 16ºC, mäßiger Wind
 
Teilnehmer im Ziel:
706 (HM, 7 km, 1,4 km, Rolli, Schulmeisterschaften)
Halbmarathonläufer im Ziel: 190 (M: 160 / W: 30)
 
Männer
1. Markus Lehr (TuS Naunheim) 1:17:45
2. Michael Grupp (Skills 04 Frankfurt) 1:20:13
3. Martin Dröll (DSW Darmstadt) 1:20:27
9. Kampfläufer Vitus (Spiridon Frankfurt) 1:24:23 (2. M45, 9. Gesamt)
 
Frauen
1. Astrid Staubach (LG Vogelsberg) 1:29:57
1. Susan Dietrch (DSW Darmstadt) 1:31:09
3. Mandy Sammet (DVAG Marathon-Team) 1:34:41
 
Ergebnisse

Offenbacher LC
Der Kampf in einer BILDERTAFEL... anklicken............
Kampfläufer Vitus, 21. Juni 2010