ORCHID, DAMAGE
D-Frankfurt am Main, Das Bett - 8. Juni 2015
Auf der Suche nach andauerndem Glück im Bett ergab sich am zweiten Montag im Juni eine neue SKY-HIGH-Fete mit Orchid. Zugleich brachte die Abendbrise im Westen Frankfurts ein Revival mit alten Bekannten, die ich schon ewig nicht mehr gesehen hatte: Evi, Jörg, Ron... Zuvor hatte mir allerdings schon eine chinesische Kellnerin nach dem Schmaus ums Eck mit einem 62prozentigen Kao Liang (Reisschnaps) das Gehirn aus dem Kopf geblasen... Immerhin kam man pünktlich, und schlug - doom aber glücklich - kurz nach acht im Bett ein. Dort herrschte weit weniger Gerammel als bei den letzten Malen. Und durch den gleichzeitigen Verzicht auf die Lichteffekte im LSD-Look kam diesmal eine fast schon kuschelige Dark-Room-Stimmung auf... Der Herr des Betts sollte sich am Ende des Tages auf einen weiteren »Verriß« in Sachen Erlebnisbericht freuen... Asche aufs Haupt: Nicht alles läßt sich schöntrinken.
Über die kuzrfristig zu einem Schuß kommenden DAMAGE hatte ich mich von vornherein geärgert. Damit war der Abend unnötig aufgebläht, aber die zwanzig Euro Eintritt wenigstens ansatzweise gerechfertigt. Zwei auf der Ebene von Orchid wären natürlich schöner gewesen. So prangte »Vintage Hard Rock« auf dem Fähnlein der Vorhut aus Frankfurt-Sachsenhausen. Großes war nicht zu erwarten. Mit Denim, Turnschuhen, gespreizten Beinen, im Hubschrauberstil quirlenden Armen, wild herausgeschrienen Chören, und räudigem Krawall nach der Rotzrock-Formel, waren Dan, Dr. Bats, Chuck Belly und Lil ´Val so was wie die Auferstehung der Garagen-Rocker The Hellacopters, Backyard Babies und Gluecifer. Aber wir schrieben nicht das Jahr 1995 sondern 2015. Die auf Spektakel getrimmten Posierereien gingen mir schon damals auf die Ketten. Was sollte sich daran geändert haben? Prall, grell, schnell und tags drauf vergessen: Damage!
Auch ORCHID aus USA ließen die Vergangenheit nicht ruhen. Nachdem sie vor knapp zwei Jahren beim »Hammer of Doom« die achtziger Doom-Metaller Trouble verehrt hatten, beamte uns das Quartett aus San Francisco heute bis in die frühen Siebziger zurück, und huldigte den Okkult-Rockern Black Sabbath. Getragen wurde ihr Sound in erster Linie durch den Sänger. Theo Mindell ging glatt als Alter Ego von Ozzy (Stimme) und Wino (Optik und Mimik) durch. Er sah aus und bewegte sich wie der Vokalist von Saint Vitus, und sang wie der von Sabbath. Mindell, Baker, Nickel und Kennedy präsentierten sich stimmungsvoll, psychedelisch und wuchtig, aber nicht zündend bis zum Letzten. Vielleicht lag´s am lethargischen Publikum, vielleicht forderte das Leben auf Achse nach der ersten von drei Wochen bereits seinen Tribut: Es fehlte an Eigenständigkeit, an Originalität, und je weiter der Auftritt voranschritt, desto erahnbarer wurde er. »It´s a happy monday«, befand der Mann in der verschwitzten Lederkutte mehrmals sichtlich pikiert. Nach einem zu rockigen Auftakt, drosselten die Amis das Tempo ab der Hälfte wohltuend, und zelebrierten mit »Silent One« ein sehr berührendes Teil nah am Doom. Aber Doom waren Orchid heute leider nicht. Der brandneue Rocker »Sign of the Witch« unterstrich das am Ende noch mal. Und nach einigen schrägen Berührungen im Laufe des Abends war für mich auch die Luft raus. Der ergreifendste Moment ergab sich erst nach dem Konzert: Nachdem er auf der Bühne den Starglanz von Ozzy und Wino gezeigt hatte, strandete der Frontmann an der Bar vom Bett, um dort mit einer verschwitzten Lederweste über den Schultern, traurig allein im Tequila in sich zusammenzufallen. Das Autogramm von Theo Mindell war das schönste und und eins der ehrlichsten, das ich je bekam. Es kam von einer echten Seele in einer kalten Welt.
 
 

Text und Bilder: Heiliger Vitus, 10. Juni 2015
.:: ABSPIELLISTEN ::.
 
DAMAGE
(20.26-21.19)
1. Lime Light Addicts
2. Unbekannt
3. Unbekannt
4. Road Crew
5. Trouble Mouth
6. Lone Soul
7. Black Flag
8. Long Hair, Long Nights
 
ORCHID
(21.44-22.56)
1. Helicopters
2. The Mouths of Madness
3. Eyes Behind the Wall
4. John the Tiger
5. Silent One
6. Capricorn
7. Sign of the Witch
8. Son of Misery
9. No One Makes a Sound
10. Black Funeral
11. He Who Walks Alone
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12. Saviours of The Blind
13. Eastern Woman
14. Wizard of War