PILOT TO GUNNER, COLOURFUL GREY
D-Frankfurt am Main, Ponyhof - 7. März 2014
'It´s So Ok' rollte vor genau zehn Jahren aus dem Presswerk - und aus diesem Anlaß trafen sich Frankfurts Postpunker Colourful Grey nach ihrer Auflösung 2007 einander zu einem einmaligen Konzert im „Ponyhof“ wieder. Eingeladen waren die alten Kumpels Pilot the Gunner aus Brooklyn, mit denen sie 2004 mit dem Debüt im Gepäck ausgiebig durch die Klubs tingelten. - Um acht gingen die Gatter in der Klappergass´ hoch, und da ab 22.00 Uhr bereits der Indie-Tanz „Rock City Radio“ steigen sollte, dachten Peanut und ich: kommen wir besser rechtzeitig. 20.15 Uhr schlugen wir in der Pflastergasse gegenüber vom „Elfer“-Klub auf. Zu der Zeit tummelte sich ein Dutzend im Ponyhof. Was wir nicht ahnten: Es sollte noch eine ganze Weile dauern bis zum Beginn... Ab neun drängten - wie abgemacht - ganze Scharen von Gästen auf die achtzig Quadratmeter des Ponyhofs. Bei Colourful Grey war er alles andere als ein ebensolcher. Hundert Leute können es gewesen sein: viele Frauen im besten Sex-Alter, Kerle um die dreißig - die vor den Amis wiederum fast geschlossen gingen. Die Gunner hatten rund 50 Gesichter vor sich.
Frei nach dem Motto „back in style“ enterten ab 21.35 Uhr Philipp Lemhöfer, Boris Werth, Simon Lukas, Jan Geißler und Martin Loos die Planken - als wären sie die letzten sechs Jahre nie weg gewesen. Im Unterschied zum Abschiedskonzert präsentierten sich heute aber fünf Charaktere - laut dem Sänger die Väter von COLOURFUL GREY - die es umso strammer trieben. Das Wissen, nichts verlieren zu können, macht bekanntlich frei und brachte noch mehr Lockerheit in den Auftritt. Colourful Grey fuhren von der ersten Sekunde ein atemloses Powerplay auf. Der Glimmer von früher fehlte, man gab sich heute im Look der Straße. Das Debüt 'It´s So Ok' wurde fast vollständig, in der selben Liedfolge, und zum letzten Mal zelebriert. Dabei war der zwischen Sturm und Schwermut wogende Stoff kompakter und andrenalinhaltiger als er es jemals war. Werth stieg zum zweiten Vokalisten auf. Die Reise begann mit „Brand New Day“, führte über das älteste Stück „When I Scream“, durch Ansagen voller Witz und Esprit, sie beinhaltete fünf Schnäpse, und endete an der „Theke“. Zugaben entfielen, es war bereits zu spät. Freunde und die Gruppe selbst filmten den Auftritt mit. Colourful Grey verschenkten ihrereseits vier Stapel Silberlinge, sprich: alles; dazu Plakate zum Konzert. Wer wollte, konnte nach Lust und Laune auch 49 Cent in eine Büchse werfen. Vielleicht kommt´s zum Jubi des zweiten Albums 'Songs for Solitary Soccer Star' zu einer abermaligen Reunion? „The Spirit of Green“ war schon mal ein Ausblick.....
Können PILOT TO GUNNER die Schau der Lokalmatadoren kontern? Das Interesse des Publikums war bereits in der Pause merklich abgeflaut. Ihre größten Anhänger hatten sie wohl direkt vor sich in den Mitgliedern von Colourful Grey. Mit dem Auftakt durch „Get Saved“ um 22.42 Uhr gingen Scott Padden, Patrick Hegarty, Martin McLoughlin und Kurt Herrmann deutlich düsterer, harscher und geradliniger zur Sache als ihre Weggefährten aus Frankfurt. Andererseits besaßen Pilot to Gunner nicht die Fulminanz; ihr Bühnenbild war schlichter, die Performanz starrer. Pilot to Gunner und ihr aktuelles Werk 'Guilty Guilty' atmeten vielmehr den rauhen Charme ihrer Heimat New York, den Schmutz und das Eisen der alten Millionenstadt. Trotz einiger Trudler und der zu kurz geratenen Spieldauer von 36 Minuten überzeugten die Yankees als starkes Porträt einer Zeit zwischen Wut und Gefühlen. Vom World Trade Center nach Brooklyn war es ja nicht allzu weit. Letztlich rettete Pilot to Gunner ihre lange Erfahrung noch aus dem alten Millenium und das unerschütterliche Selbstvertrauen der Amerikaner.
 
Vor und nach deren Auftritt hatten wir für ein paar Augenblicke das Vergnügen mit Colourfuls Boris. Das Rock City Radio haben wir uns indes erspart. Mit Indie, Pop, Punk, Rock und Alternative aus der Konserve wurden Peanut und ich heute zur Genüge berieselt. Drei Stunden Im-Schmutz-Sitzen, Beine-in-den-Bauch-Stehen und Nikotin-Inhalieren in der Klaustrophobie des Ponyhofs: das reichte!
 
 
Heiliger Vitus, 11. März 2014
(Bilder: Hl. Vitus)
ABSPIELLISTE COLOURFUL GREY
(21.35-22.23)
1. Brand New Day
2. Scared
3. All Fall Down
4. Date Me, Destiny
5. Crime Scene Part 1
6. When I Scream
7. Western Suburbs
8. Start Today
9. Sleeping Beauty
10. There Is A Light That Never Goes Out [The Smiths]
11. The Spirit Of Green
12. Theke!
 
ABSPIELLISTE PILOT TO GUNNER
(22.42-23.18)
1. Get Saved
2. Metropolitans
3. L.A.
4. We Got Games At Highspeed
5. If We Make It Black East
6. Put It in the Post
7. All The Lights
8. It´s So Good to Be Here in Paris
9. Barrio Superstarrio
10. We Die Today