SAMAVAYO, PLAINRIDE
D-Dresden, Chemiefabrik - 28. April 2022
Samavayo und Plainride waren die beiden Gruppen für Stoner- und Heavy-Rock-Süchtige, die der Organisator von Elbsludgebooking am letzten Montag im April nach Dresden geholt hatte. Ich hatte wenig Lust auf Krawallkino. Zumal eine destruktive Konzertnacht mit meinem kommenden Radrennen kollidierte. Aber Frau Peanut wollte unbedingt hin, raus aus dem Alltag. Und als Partner und ehemaliger Stoner-Junkie nimmt man in der noch jungen Post-Corona-Zeit auch jedes Konzert mit. Im Unterschied zum Psychedelic-Overkill vor zehn Tagen an selber Stelle mit Naxatras hielt sich der Andrang zurück. Für zwölf Euro Eintritt fanden sich rund sechzig Kunden in der „Chemo“ ein. Strippenzieher Frido begrüßte seine Gäste mit einem frischen „Guten Abend“!
Showstart war schon fast traditionell eine halbe Stunde nach amtlichem Beginn. PLAINRIDE läuteten den Abend ein. Das Quartett aus Köln hatte sich dem Heavy Rock verschrieben und lieferte eine sofort zum Headbangen animierende Räuberpistole aus Motörhead, Hellacopters und Fu Manchu. Dummerweise kam es schon vorm dritten Lied zu einer technischen Panne. Denn nach einem minutenlangen Kojotengeheul des Sängers am Ende von „El Coyote“ brach der Snare-Ständer. Die Situation hätte sich stündlich ändern können (wir hätten auch an die Bar gehen können), war aber letztlich rasch gelöst. Wir waren ohnehin in der „Vorhalle des Bossanova“ gefangen. In der Folge ritten Plainride rasant, energetisch und schräg durch die Nacht. Harte Fuzzgitarren prallten auf eine rohe, dunkle Kehle, die etwas an Glenn Danzig erinnerte. Intelligente Sprüche und diverse Sprachduelle mit dem Publikum nervten unterdes genauso wie Plainrides geschüttelte Susi-Frisuren und Steilvorlagen wie eine „(H)Ode an den Gerstensaft“ namens „Beermachine“. Ferner wirkte die Performanz etwas überambitioniert, hatte zu viel „Action“ und fixierte sich viel zu sehr auf den im Mittelpunkt stehenden Frontmann. Originell waren andererseits sowohl die Decknamen der Mitglieder: Max Rebel, Fabe van Fuzz, Leo Lionthatch und Flo Schenker; wie auch deren Setliste, auf der jeder der elf Titel zusätzlich mit kleinen Sinnbildern umschrieben war. Dazu rockten Plainride als Vorgruppe über eine Stunde! Trotzdem ließen mich die vier Mittdreißiger vom Rhein ziemlich kalt. Heavy Rock war und ist der Feind!
Zum Glück schalteten SAMAVAYO zwei Gänge runter. Haschisch durchwehte die Halle. Die Akteure kamen nacheinander aufs Geviert: zuerst der Bassist (der die Schau mit einem Solo einleitete), dann der Schlagzeuger, zum Schluß der Fronter. Vor fünfzehn Jahren waren die Voland-Brüder Andreas und Stephan zusammen mit Vokalist Behrang schon mal in der „Chemo“, nach einem weiteren Auftritt ebenda sowie einem im „Sabotage“ war es heute deren vierter in Dresden. Nun kamen sie also zurück - und prompt flogen ihnen die Herzen nur so zu. Mit Samavayo verband mich ein kleiner Schriftverkehr aus der Jahrtausendwende. Andreas hatte mich damals kontaktiert: Neben einem Hang zum Stoner Rock einte uns der Familienname. Verwandt waren wir allerdings nicht. Obwohl im Sturm-und-Drang-Alter der Kölner, wirkten die Namensvettern aus dem Osten wesentlich entspannter und tiefer. Wie bei Plainride spürte man in keiner Sekunde, daß dies erst ihr drittes Konzi nach zwei Corona-Jahren war, und es sich „surreal“ anfühlte. Seltsamerweise waren viele aus der Meute abgezogen. Sie hatten etwas verpaßt, so sehr mischten Samavayo die Chemo mit ihrem Wüstenrock auf. Samavayo verpackten ihn mit Tiefe, Gefühl und einem Hauch Exotik ganz frisch und unverbraucht. Wummernde Bässe waren von kräftigen, mitunter tribalartigen Trommeln und einer klaren, hellen Stimme wie der von Kyuss oder Soundgarden untermalt. Neben dem zwischenzeitlichen Höhepunkt „Afghan Sky“ und dem persischen Lied „Talagh“ hatten Samavayo mit „Hate of Thousands“ und „So Long“ zwei Doomer, die an die Psychedelic-Ära von Trouble erinnerten. Am Ende des regulären Teils stand ein Lied zum Mitsingen. Es hieß „Rollin´“, und war das einzige, bei dem auch Andreas am Mikro stand. Die Zugabe „Running“ sollte an Samavayos punkige Wurzeln erinnern und ein Dank an den Punkerschuppen „Chemo“ sein. Treu ihres altindischen Gruppennamens kam es im Anschluß zu einer „Zusammenkunft“ der ganzen Halle am Andenkenstand von Samavayo.
 
 
Text: Heiliger Vitus, 1. Mai 2022; Bilder Peanut, Konzertplakat: Goat ov Pike
.:: ABSPIELLISTEN ::.
 
PLAINRIDE
(20.32-21.39)
1. Devil at Your Heels
2. El Coyote
3. Hello, Operator
4. Black Wolves
5. Bite Back
6. Texas Labyrinth
7. Thunder & Awe
8. Hour of the Mumakil
9. Beermachine
10. Shepherd
11. Anaximander
 
SAMAVAYO
(22.00-23.11)
1. Dakota
2. Vatan
3. Sirens
4. Afghan Sky
5. Intergalactic Hunt
6. Hate of Thousands
7. Talagh
8. Transcend! Exceed!
9. Rollin´
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10. So Long
11. Running