STONEWALL NOISE ORCHESTRA, DEVILLE, DUNE PILOT
D-Frankfurt am Main, Das Bett - 18. Mai 2016
Von Heimweh geplagt und von Nöten gejagt: Mit diesen Gefühlen erfolgte unser heutiger Ausflug zur Heavy-Stoner-Rock-Nacht in Frankfurt... Noch vor einem Monat wäre der Verfasser dieser Zeilen um ein Haar einfach auf dem Bahnhof in Dresden stehengeblieben. Nur eine mysteriöse Frau konnte ihn zur vorübergehenden Rückkehr nach Hessen zwingen. Doch die Zeiger ticken im schneller weiter voran... Wir mußten Entscheidungen treffen... Heute fuhren wir als Solidargemeinschaft mit wechselnden Unterkünften im Osten und Westen zwecks Zerstreuung ins »Bett«. Am Ende sollten es vier Lieder sein, für die sich der Weg lohnte... Der vormalige »High In The Sky«-Organisator Laiki war zum Einlaßdienst degradiert wurden. Nachdem sich um acht neben Frau Peanut und mir nur ein weiteres Pärchen im Klub verlor, füllte er sich nach und nach mit sechzig Gesichtern locker auf. Darunter befand sich auch der schwarze Pilzkopf von »Feinstaub«-Betreiber Tamo Echt. Leicht zeitversetzt fing der Support kurz nach acht an...
Sechssaiter Schmidt und Trommler Bruchner führten die Linie der 2009 formierten Hardrocker Yuma fort, um sich als DUNE PILOT mehr im Stoner Rock zu suhlen. Komplettiert wurden sie durch Herrn Andris hinterm Mikro sowie dem eine Susi-Frisur tragenden Bassisten SH. Dune Pilot: Ein Schelm, wer bei dem Namen an »Pilot the Dune« dachte. Doch so wie die verblichenen Kalifornier Slo Burn klangen, tönte auch das Quartett aus München. Zumindest im Ansatz. Rein instrumental erlebte das Bett ein Stoner-Rock-Rodeo aus lauten, wuschigen Bässen und etlichen Rhythmuswechseln, das jedoch durch einen allzu heißspornigen, rotzigen Gesang und eine ziemlich blasse Ausstrahlung entwertet wurde. Andererseits bewiesen Dune Pilot Demut. Sie dankten dem Stonewall Noise Orchestra, daß sie mit auf Tour genommen wurden, spielten allerlei »Scheiß und neuen Scheiß«, und mündeten final im unbestritten geil groovenden Psychrocker »Stamina«. Vor »Stamina« befahl der Vokalist noch »Köpfe nach unten! Auf geht´s!«... und nach einem Luftschnapper: »Auf geht´s! Runde zwei!«. Nach 28 Minütlein waren die Bajuwaren schon durch. Die ersehnte Verwirbelung blieb aus.
Deutlich entschleunigter, härter, ernster und finsterer gingen es die Nächsten an. »Thanks, we are DEVILLE from Malmö, Sweden«, lautete die Salution nach dem wuchtigen Fuzzrocker mit dem unheilsschweren Titel »Burning Towers« gleich zu Beginn. Es folgten einige eher gleichgeschaltete Kraftrockminuten. Doch Bengtsson, Nilsson, Wulkan und Åkesson bestachen mit einer unglaublichen Entspanntheit und Unaufgeregtheit. Deville waren vier gute Kerle voller Testosteron, die einfach stark spielten, zwischendurch erklärten, daß »Skål!« der schwedische Trinkspruch für »Prost!« ist, die ihren Postrock-Monolithen »The Knife« mit einem kecken »Eins, zwei, drei, vier« anzählten, die mit »Life in Decay« ein weiteres starkes Stück kredenzten, und die final endgültig die Kraft der Langsamkeit entdeckten. Denn was am Ende der zehnten Stunde durch die Halle dröhnte, stellte ziemlich alles bisher Geschehene im Bett zu Frankfurt in den Schatten. Die Bühne wurde verdunkelt, der Gitarrist zog sich das Hemd von der Brust, und Deville lavierten sich in einen regelrechten Rausch. Die Tre Kronor zelebrierten als Plattmacher ein Teil namens »Rise Above«, welches nicht nur als Kniefall vor Lee Dorrians gleichnamiger Doomfirma betrachtet werden konnte, sondern das den Klub als moderner Doom-Metal-Gigant mit einem immer wiederkehrenden Riff gestreckt über gefühlte zwölf Minuten, mit maximaler Inbrunst und in manischer Zeitlupe in seine Einzelteile zerlegte. Allein mit »Rise Above« brachen Deville unsere Herzen! Skål!
Einige Schippen mehr Tempo legten im Anschluß die Grooveteufel vom STONEWALL NOISE ORCHESTRA auf. Die Quinte aus dem mittelschwedischen Borlänge zeigte sich (wieder mal) in neuer Besetzung. Neben den Urmitgliedern Snicken, Wahlberg und Mr. Pillow bedienten heute mit einem gewissen Tony und Viktor zwei Neue das Mikro und die Rhythmusgitarre. S.N.O. lieferten weitgehend neuen und etwas ziellos dahinstampfenden Heavy Rock, der für die heutige Zeit aber immer noch gehörig knallte. Dabei gab man sich nicht mehr durchgebrannt wie früher, sondern zurückhaltend bis gezähmt geradezu (womöglich gepaart mit etwas Lustlosigkeit angesichts des schnell entleerten Klubs). Nach dem Höchststand bei Deville standen jetzt weniger als zwei Dutzend mit Händen in der Tasche rum. Auch die vier queeren Damen, die sich unter »Stonewall« wahrscheinlich etwas in der Art des Homoaufstands in New York vorgestellt hatten, waren verblasen. Einzig ein langes Leiden mit Brausebüchse und Strohhalm tanzte von Anfang bis Ende durch. Wer ausharrte, wurde mit zwei wundervollen Anwandlungen überrascht. Beide Altigkeiten. Beide Stoner-Rock-Walzen vorm Herrn. Zum einen mit »Skyscraper Moment«. Zum anderen mit »Clone Baby«. In der eher nichtigen Verlängerung »Dead Eden« ballerten sich die Sechssaiter wie in einem erbitterten Duell Auge in Auge die Riffs entgegen. Dabei glichen Snicken und Viktor mit ihren spindeldürren Leibern und zerzausten Meckifrisuren eineiigen Zwillingen. Das Finale rettete die Schau. Um es mit den Worten meiner Konzertkumpeline zu sagen: Dune Pilot waren die Stonerrockigsten, Deville die Intensivsten, und Stonewall Noise Orchestra hatten die zwei besten Lieder!
 
So, und jetzt sag´ ich noch mal »Skål!«.
 
 
Text und Bilder: Heiliger Vitus, 20. Mai 2016
.:: ABSPIELLISTEN ::.
 
DUNE PILOT
(20.14-20.42)
1. Waste
2. You Ain´t the First
3. Pony
4. Lucy
5. Cold December
6. Stamina
 
DEVILLE
(21.10-22.05)
1. Burning Towers
2. Lava
3. Mind on Hold
4. Chief
5. Out of the Black
6. The Knife
7. Make it Belong to Me
8. Deserter
9. Over the Edge
10. Life in Decay
11. Drive
12. Rise Above
 
STONEWALL NOISE ORCHESTRA
(22.30-23.30)
1. The Fever
2. Welcome Home
3. Into the Fire
4. Die Die Die
5. Black Cat Bone
6. Stone Crazy
7. Superior #1
8. Chemical Sky
9. The Machine, The Devil & The Dope
10. Skyscraper Moment
11. Sideshow Messiah
12. A Song for the Fool
13. Clone Baby
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14. Dead Eden