SUNGRAZER, BLACK LIZARD
D-Frankfurt am Main, Das Bett - 18. Juli 2012
Wie gewonnen, so zerronnen: Unter dieser Binse stand der heutige Abend für mich. 24 Stunden zuvor noch beim Training mit der Leistungsgruppe von Spiridon, war die schwer erarbeitete Form heute im Bett-Klub gleich wieder dem Untergang geweiht. Eigentlich stand der Abend gar nicht auf unserem Plan. Ganz kurzfristig war die Stoner/Psych-Veranstaltung ins Programm aufgenommen worden. Eigentlich hatte ich keine Lust, Peanut wollte aber hin... und noch bevor die ersten Takte durch die Halle im Gallus dröhnten, ergaben sich drei interessante Unterhaltungen für mich: zuerst mit dem Klubbetreiber persönlich, dann mit dem Frontmann von Wight, und zuletzt noch mit dem aus der South Bronx stammenden Bill von Bushfire, welche kürzlich einen Auftritt mit Saint Vitus beim „Stoned From The Underground“ hatten. Mangels Werbung war das Bett mitten in der Woche mit fünfzig Wichten eher luftig gefüllt. Die Hälfte stellte die Szene aus Darmstadt.
Vier Schwergewichte aus Südhessen stiegen zuerst auf die Planken. Klänge in Kyuss-Manier machten den Anfang; am Ende stand ein Gruß: „Hallo, wir sind BLACK LIZARD aus Darmstadt, und ihr habt noch was vor euch!“ „Forest Rock“, nennt der Vierer aus den Wäldern vor Frankfurt seine Ausrichtung. Damit läßt sich wenig anfangen. Eher schon mit der Spezifizierung „Proper Heavy Riff Rock“. Short Andi, Malte the Brave, The Dude und iDDi KONG servierten ein Gebräu aus Heavy-, Stoner- und Doom Rock, zuweilen sogar rassereine Doomriffs. Im Mittelpunkt stand dabei der bullige, sich am Mikro festkrallende Short Andi, der sich die Lungen auf eine äußerst bissige Art herausschrie. Dabei erinnerten die Lyriks schwer an die US-Bands moderner Prägung. Mir klang das etwas zu hart. Aber alle neun gebrachten Stücke waren mit viel Willen, oft brachial und durchweg packend gespielt. Gespickt wurden sie durch Ansagen voll finsterem Humor, nur an der Ausstrahlung haperte es noch, zwei Mitgliedern fehlte es ein bißchen an Schwung. Bester Mann war der Bassist, der nicht nur für gehörig Groove sorgte, sondern auch das Gefühl „Stoner Rock“ perfekt aufs Geviert brachte. Nach einer Dreiviertelstunde war der Trupp mit dem schönen Namen durch. Mit fünf Piepen für einen Silberling und einem Zehner fürs Hemd, hinterließ die Schwarze Eidechse eine bleibende, gute Spur.
Von Peinlichkeiten war der „If“ betitelte Beginn der Nachhut begleitet. Nicht nur Herr Vitus hatte den Bewußtseinserweiterern tüchtig zugesprochen, nein, auch der Sänger von Bushfire. Letzter war schon so weit abgetrieben, sich mit zwei wie Eselsohren aus den Löffeln ragenden Tempos vor den Niederländern ablichten zu lassen. Jene hatten ihre Schau mit einem „Hello, wir sind SUNGRAZER! You enjoyed Lizard? Fuck up!“ gestartet. Auch Sungrazer besaßen Vokalisten: gleich deren zwei. Das nach der sonnestreifenden Kometengruppe benannte Trio aus der Provinz Limburg zelebrierte einen Mix aus der psychedelischen Variante des Stoner Rock und typisch niederländischem Entertainment. Dabei teilte sich der Gitarrist das Mikro mit dem Bassisten, oft sang man zusammen, auf eine entspannt bluesige Weise. Von kosmischen Geräuschen berieselt, begannen die Lieder meist prickelnd und endeten stets völlig verwässert. Ich will nicht von Valiumrockern reden, aber spätestens nach der dritten Nummer hatte ich die Hoffnung auf Tiefe aufgegeben. Mies schlugen einem zudem die hochnäsigen bis zynischen Fragen und Floskeln auf Englisch aufs Gemüt. Mal eine Anspielung auf Kyuss, dann ein Vergleich des Publikums mit Hippies. Im Großen und Ganzen waren Rutger Smeets, Haagmans und Mulders ganz manierlich, mehr auch nicht. Doch man ein Dutzend Tänzer auf seiner Seite. Ziemlich am Ende brachten die Oranjes noch eine etwas absurde Aktion: Der zuvor als gestohlen gemeldete „Backdrop“ - ein oranges Plakat mit der Aufschrift „Kebab Connection“ und den Karikaturen dreier Unbekannter - war unter mysteriösen Umständen wieder aufgetaucht, um final als Angriff auf die Kebab-Bewegung entrollt zu werden. Nur die Sonne und wir waren Zeugen. „Wild Goose“ war das beste Lied des Abends. Zehn Minuten nach Mitternacht - nach 77 (!) Minuten Sungrazer - mußten wir Leine ziehen.
 
 

Text und Bilder: Heiliger Vitus, 20. Juli 2012
.:: ABSPIELLISTEN ::.
 
BLACK LIZARD
(21.05-21.50)
1. Intro
2. KK
3. Uffs Maul
4. Wolfsong
5. Madras Egg
6. Bear
7. Parliament of Owls
8. FBTGGHM
9. Brogge
10. Groovin
 
SUNGRAZER
(22.24-XXX)
1. If
2. Octo
3. Sea

4. Dopo
5. Sleepy Dream
6. Wild Goose
7. Zero Zero
8. Common Believer
9. Behind