UFOMAMMUT, CONAN
D-Wiesbaden, Schlachthof (Kesselhaus) - 22. April 2015
((((((O)))))) Sechzig Kilometer sind es von der Wetterau nach Wiesbaden. Ein Handgranatenwurf für Riesen - aber nicht für Zugreisende... Die Karten für Ufomammut waren vor Langem gesichert. Und dann legte ausgerechnet am Tag vorm Konzert die Lokführerschaft ihre Arbeit nieder. Immerhin wurde ein Notfahrplan aufrecht erhalten. Mit einer stündlich rollenden Schnellbahn und dem stündlich getakteten Anschluß ab Frankfurt gelangten Miss Peanut und ich wie durch ein Wunder nach Wiesbaden - und auch wieder zurück. Früher als sonst aufgebrochen, präsentierte sich uns das Schlachthof-Areal dadurch mal im ungewohnten, gleißend hellen Licht. Während wir die Stunde bis zur Dämmerung mit Bier und Pasta in den rostbraunen Backsteinwänden der neuen »60/40«-Bar im Wasserturm verstreichen ließen, tummelten sich im angrenzenden »Kesselhaus« knapp 200 Zahlende: zu achtzig Prozent nicht nach Doom aussehende Schlaumeier, dazu zwei Spieglein, Spieglein-Gothic-Miezen mit Patchouli und Mode-Tattoos auf der Haut, sowie ein alter Sack aus Hoyerswerda, der an allen bisherigen Malta-Doom-Metal-Festivals teilnahm. Der Abbau der Kasse ermöglichte etlichen einen freien Zutritt. Bei Ufomammut füllten rund 250 Personen den Klub gut auf.
Hail CONAN! Ein halbes Jahr nach den Dutch Doom Days in Rotterdam gab´s ein Wiedersehen mit der unter subversiven Kapuzen und Mützen versteckten Gruppe aus Liverpool. Davis, Fielding und Lewis ließen pünktlich auf die Sekunde ab 21 Uhr ihren »Caveman Battle Doom« aus den Lautsprecherboxen krachen. Mit ihren knallharten und kargen Instrumenten und dem zornig herausgebellten, hellen Sprechgesang entfesselten sie erneut ein Inferno. Doch heute wirkten alle Lieder gleich. Sie begannen treibend, raserisch geradezu, und fielen dann in einen massiven Riffwall, der sich immerzu wiederholte und von hochgradig aggressiver Propaganda durchsetzt war. Dazu lag die Lautstärke weit über der Schmerzgrenze (selbst im Vorraum mußte man sich anschreien). Alles wirkte perfekt durchstrukturiert - aber auch in sonderbarer Weise rasterartig und gefühlskalt. Nach gerade mal 32 Minuten kam so was wie ein Abschied durch »Thank you Wiesbaden for coming!« Doch Conan machten ihre Dreiviertelstunde voll. - Später zeigten sich die Saitenmänner unmaskiert. Der Bassist würdigte mein Hemd von Iron Void. Chris selbst hatte Iron Voids kommendes Album 'Doomsday' aufgenommen. Beim Anblick des Frontmanns (ohne Mantar-Kapu) blieb mir kurz die Spucke weg...
Ave UFOMAMMUT! Auch die Nächsten waren keine Unbekannten. Poia, Urlo und Vita hatten wir vor einem Jahr in einem kleinen Klub in Rom erlebt. Mit ihren langen Haaren und Bärten sahen die drei aus dem Piemont erneut wie Steinzeitjäger aus einer vergangenen Welt aus. Sie zelebrierten das gleiche Programm, etwas gekürzt, in anderer Liedfolge, von »Oroborus« angeführt und mit »Odio« beendet. Im schicken Wiesbaden war aber alles einige Nummern größer. Die Synthese aus Psychedelic, Stoner und Sludge Doom wurde von aufwendigen, wandfüllenden Filmen mit den Urgewalten der Natur unterstützt. Daß sich das Auge dabei mitunter in den leuchtenden Farben verirrte und das Geviert überladen schien, wurde durch die Echtheit der Akteure ausgeglichen. Da auch alle Regler bis zum Anschlag aufgerissen waren, entstand eine ganz eigene, betörend bedrohliche Apokalypse zwischen Himmel und Hölle. Im Unterschied zu den bissigen Conan klangen die Italiener erhaben, empirisch, mitunter auch spirituell, und verloren damit keinen Hauch an dunkler Strahlkraft. Vielleicht fehlte etwas der meditative Augenblick. Trotzdem fesselten Ufomammut bis zur letzten Minute. Nach einem hochdeutschen »Dankeschön« um 23 Uhr 05 kam es zu vier Verlängerungen, die wie ein haar- und sinneverwirbelnder Monolith standen. - Während Ufomammut doomten, vertickte ihr zwergenhafter Handelslord in einem Fetzen mit »Smoke Meth & Hail Satan« nicht nur die in einer riesigen Mappe steckenden Kunstplakate, sondern auch Bodengeräte für bis zu 50 Euro! Für mich ergab sich noch eine nette Unterhaltung mit Bassist Urlo. Was man eben so in einer fremden Sprache zusammenkriegt...
 
 

Text und Bilder: ((((((Heiliger Vitus)))))), 24. April 2015
.:: ABSPIELLISTEN ::.
 
CONAN
(21.00-21.45/ohne Gewähr)
1. Dying Giant
2. Satsumo
3. Neues
4. Total Conquest
5. Foehammer
6. Hawk as Weapon
7. Battle in the Swamp
 
UFOMAMMUT
(22.15-23.30)
1. Oroborus
2. Stigma
3. Sulphurdew
4. Eve
5. Stardog
6. Hellcore
7. God
8. Destroyer
9. Odio