UFOMAMMUT, MORASTH
D-Wiesbaden, Schlachthof (Kesselhaus) - 8. November 2016
Wow, das war ein doppelt schwerer Schlag. Am Abend stempelte uns die Mannschaft vom »Schlachter« als Zeichen zum Eintritt ein DAGEGEN! auf die Hand. Und am Morgen war man dagegen, daß Donald Trump Präsident wird. Aber wir waren dafür! Für den befreienden Doom-Schlag durch Ufomammut und Morasth. Und gegen Mos Generator, Brant Björk und Swans, die als ähnlich Geartete in den Tagen vor und nach den Ufos in bunter Abfolge in Wiesbaden auftraten. Dem nicht genug bot das Schlachthofareal heute mit der Dudelsackkapelle Red Hot Chilli Pipers gleich noch eine Parallelvergnügung in der angrenzenden Halle an. Im Klub »Kesselhaus« fanden sich bei winterlichen Werten rund 120 Leute ein, darunter ein Kommünchen mit der Flagge Tibets auf dem Rücken. Die Hälfte indes kam als Freundeskreis von und für Morasth. Maximal sechzig erlebten die Helden aus Valenza, Italia. Mit einem von ihnen - Trommler Vita - wäre Frau Peanut im Vorraum beinahe frontal zusammengebumst. Der Klassiker: Du gehst nach links, ich gehe nach rechts... Halb neun begann die Nacht der (((Schallwellenreiter)))...
Gleich zu Beginn türmte sich eine gigantische Probe! Treu Sunns Gebot »Maximale Lautstärke ergibt maximales Resultat« zerquetschten uns MORASTH von der ersten Sekunde an mit einem Gemisch aus alptraumhaft entschleunigtem Ambient-Doom und tonnenschwerem Post-Metal. Selbst Ohrstöpsel schützten hier kaum. Das Kommando aus Mainz, dessen Identität geheimgehalten wird, bezeichnete es als »Dröhnende Post-Doom Rituale«. Wir erlebten zwei Parabeln. Beide jeweils eine Viertelstunde lang. Zuerst die ultratief brummende Drone-Finsternis »Katharsis« vom noch unveröffentlichten Album 'Chasma' aus dem Jahre 2015 (das zugleich der Auslöser für unsere Reise nach Wiesbaden war). Und - nach einer Neuausrichtung der Gitarren - den etwas lichteren, mit flackernden Trossen gespickten Postmetal-Trip »And One Celestial Shores I Build Enormous Sepulchres«. Beide waren ruhig, gut und vollkommen wortlos vorgetragen. Doch nach dreißig Minuten war auch plötzlich Schluß. Im mittlerweile unübersichtlichen Postcore-Spektrum stachen Morasth durch ihre ehrliche und glaubwürdige Art heraus. Wer auf M-Gruppen wie Malasangre, Moss, Monarch!, Monuments (NL) oder auch Bunkur oder Hemelbestormer stand, lag bei Morasth goldrichtig!
Bevor sich Italiens Space-Doomer UFOMAMMUT auf ihr neues Material konzentrieren, wollten sie sich vom bereits im Herbst 2014 entstandenen Werk 'Ecate' verabschieden. Nachdem sie über Nordamerika und Ozeanien gezogen waren, zelebrierten Poia, Urlo und Vita nun auch in zehn Orten Europas ein letztes Mal die alten Lieder von 'Ecate'. Heute im Rheingau. Und zwar in der Reihenfolge wie auf dem Album - erweitert um ein Brandneues sowie die traditionell gebrachten »Stigma« und »Hellcore«. Alle neun ähnelten sich im Aufbau. Sie wurden von Geräuscheffekten und verstörenden Alienlauten eingeleitet, um Entmenschlichung und Bedrohung zu demonstrieren - und anschließend mit ungeheurer Urkraft alles in Schutt und Trümmer zu doomen. Während Gitarrist Poia und Trommler Vita dabei gewohnt buddhistisch-meditativ zu Werke gingen, erstaunte der wild headbangende Bassist Urlo heute durch schier ausschweifende und bis zur Unkenntlichkeit verhallte Gesangslinien. Währenddem zeigten uns im Hintergrund unentwegt wechselnde Wackelbildkamera-Animationen eine Welt zwischen irdischer Unterwelt und den Geheimnissen des Sternenreichs. So ergab sich ein durchdringendes Ereignis für Kopf und Bauch, psychedelischer Raumdoom wie aus dem Bilderbuch, der leider nach 73 Minuten verglühte... Wie immer bewiesen Ufomammut viel Gespür fürs Publikum. So schämte sich Urlo nicht seiner Gefühle, und lehnte vorm finalen »Hellcore« in einer Mischung aus Erschöpfung und Entnervung völlig ausgepumpt mit verborgenem Gesicht über einem der grünen Speaker. Lange zuvor war gleich beim ersten Stück minutenlang das Mikro zu, nach dem vierten das Kabel am Bass zerfetzt, gefolgt von einem Fluch auf Italienisch. Nein, heute war kein guter Tag für die Instrumente. Aber es war umso größer, was Ufomammut daraus machten, und daß sie 'Ecate' mit uns teilten. Auch die finalen Handschläge und Unterhaltungen mit der Menge, ihre originell gestalteten Setlisten und die ästhetische Kunst am Andenkenstand gehören längst zu einem Ritual mit Ufomammut. Hoffentlich sehen wir den kleinen Tross aus dem Piemont bald wieder!
 
Mit dem DAGEGEN!-Stempel auf der Hand kamen P. und ich heute schon eine halbe Stunde nach Mitternacht in Frankfurt an. Das Konzert mit Morasth und Ufomammut war phantastisch. Es war eins der besten Doom-Konzerte im Schlachthof Wiesbaden überhaupt, das doomigste im »Kesselhaus« sowieso.
 
 
Text und Bilder: ((((((Heiliger Vitus)))))), 11. November 2016
.:: ABSPIELLISTEN ::.
 
MORASTH
(20.32-21.02)
1. Katharsis
2. And One Celestial Shores I Build Enormous Sepulchres
 
UFOMAMMUT
(21.-27-22.40)
1. Somnium
2. Plouton
3. Chaosecret
4. Temple
5. Revelation
6. Daemons
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7. New one
8. Stigma
9. Hellcore
Setliste Ufomammut