UNSKILLED, IRESIST, ABE KAMUI
D-Frankfurt am Main, Raumstation Rödelheim - 24. August 2007
»Betrunken sein, könnte deutlich zum Vorteil sein! Das Sportband an die Brille gemacht und ab zum Ärsche versohlen in die Pit!« So hörte sich die schöne Parole zum Konzert auf Myspace an. Schön für alle, die sie in Taten umsetzen konnten. Schlecht für Frl. Peanut und mich, da wir wegen unserer Vorbereitung auf den Berlin-Marathon mit Straight-Edge-X auf den Handrücken zur »Raumstation« navigiert waren. Vierzig Kilometer waren wir vormittags gelaufen - ebenso viele Leute waren am Abend zur Veranstaltung von Chaos In The Barn Records gekommen. Die Schlagzeugerin von Iresist verdingte sich als Türpersonal. Drei Euro Einlaß mußten hingelegt werden, für drei weitere gab es eine CD der Veranstaltergruppe. Im Übrigen sollte es ein schöner Abend werden... in einer - abgesehen von einem zu später Stunde aufkreuzenden Dunkelhäutigen in »Good Night White Pride«-Shirt - heute völlig entpolitisierten Raumstation...
»Herzlich willkommen zur Museumsufer-Kontraveranstaltung! Wir sind ABE KAMUI aus Frankfurt und Hofheim, und jetzt gibt´s was auf die Mütz´!« Die nach einer alten japanischen Feuergöttin benannte Rotte vollzog um 21.15 Uhr den Auftakt. Und zwar mit dem gehaßten wie geliebten Screamo. Mit zweistimmig herausgeschrienen Psychonummern auf Deutsch und wahnsinnigen Schreien, die oft in bizarren Verzerrungen gipfelten. Mit harten und schnellen Instrumenten, die manchmal auch ganz unorthodox in experimentell stille Gefilde abglitten. Postrockiges Ambiente schimmerte zuweilen durch. Wobei Abe Kamui inhaltlich aber stets dem Geiste des Hardcore verpflichtet waren. Eins der Lieder - übrigens alle um sechs Minuten herum - war den Tieren gewidmet. Ein anderes - »Maschinen sein« - ging speziell an die Autonomen Rödelheims. Und bei »Wir bauen Ruinen« durfte sich jeder sein eigenes Bild machen. Den Überflieger - das mit den Göttern Isis flirtende und ziemlich unter die Haut gehende »Abe Kamui« - hatten sich die vier fürs Ende aufgehoben. Und weil niemand nach Zugabe schrie, gaben die phantasievollen Feuergötter diese selbstbestimmt von sich aus. Abe Kamui zauberten eine Dreiviertelstunde. Sie waren richtig gut und verdammt Fähige an ihren Apparatschiks!
Ab 22.26 Uhr trat das schwer whiskytriefende Gegenstück auf den Plan. Fortan hagelte es schweres Sperrfeuer durch Frankfurts IRESIST (Eigenschreibweise: Ire$i$t). Seit Stunden schon hatten sich »Vocal Terrorist« Aprea, die »Axemans« Kreck und Casas, »Low End Berserker« Fix sowie »Rythm Machine« Petri (eine Frau!) mit einer Pulle Scotch und martialischen Posen und Kraftausdrücken heißgemacht. Man ahnte, was folgen mußte: Dröhnende Stromgitarren (mit der Kraft aus 17 tiefgestimmten Saiten!), hämmernde Snares, und dazu brachiales Keifen und Grölen am Anschlag. »What´s Left Inside« hatte das Feld für die IG Schwermetall geebnet. Eine gute halbe Stunde lang bombardierten nun die gegen alle Welt Resistenten die linke Zentrale mit tonnenschwerem, höllenlautem Sludge und Thrash. Ungefähr so wie Crowbar mit Pantera auf 45 Umdrehungen. Wobei jedes Teil mit einem beschwörenden »Jesus Christ« begann. Derweil Iresist - allen voran ihr bulliger Sänger und ein Edelfan - in selbstzerstörerischer Manier die Schädel schüttelten, fanden es die Punketten hinterm Mischpult möglicherweise nicht ganz so spaßig. Denn nachdem ihm schon im Mittelteil kurz der Saft abgedreht wurde, nahm die Rote Zora die niederrüpelnde Propaganda von Iresist mitten in der letzten Kampfansage »Condition Red« gänzlich vom Sender. Derweil Aprea frustriert das Weite suchte, machte der Rest kurzen Prozeß und gab bekannt: »Das Konzert ist vorbei! Es geht weiter mit Unskilled zu Ehren von René Marenga!« - Nach dem Coitus interruptus gesellten sich Gitarrist Alex und Trommlerin Manu zu uns, um unsere Meinungen zu hören. Kreck hatte keinen Gesang auf dem Ohr und war sauer auf die eigenen Verspieler.
Um 23.25 Uhr bezogen die Altpunker von UNSKILLED aus dem Taunus Stellung. »Wollt ihr nackte Menschen sehn?« Mit Marengas Anstiftung durfte nun endlich die Pogofraktion ran. Punks tanzten zu direktem, aggressivem und krachigen Hardcore Punk galore. Ein ausgestreckter Mittelfinger hier, ein Rudel schwergewichtiger Rempeltänzer dort. Mal ein Skashuffle, mal ein vulgäres »Wichser«, dann wieder eine Saalrunde Wodka aus Bechern, und zwischendrin Unflätiges wie »God Save My Penis« und »Fuck You«. Eins wie das andere: rüde, ansatzlos und boshaft grinsend aufs Maul - und ebenso schnell vorbei. Nach einer von zynischem Geheule unterlegten Ohrfeige für den Emocore namens »You Pussies« (der Special-Edition liegt zudem eine Packung Rasierklingen bei), mußten wir weg. Denn um 0.00 Uhr MESZ fiel im japanischen Osaka der Startschuß zur Fernsehübertragung der Marathon-WM. Aber um Mitternacht wäre in der Raumstation eh das Licht aufgegangen. Der Vollständigkeit halber die erhaltenswerten Decknamen und Rollen des Kommandos Unskilled: Mr. René Marenga (Shouts, Heineken und Tittenfilme), Sir Alex Mennie (Gitarre, Nudelsalat und Kraftausdrücke), Bast 'E' English (Gitarre, Zwieback und Claustahler), Té Té Sept (Bass, Germania-Bräu und Lötkolben) sowie Beate Hardmusic (Schlagzeug, Dosenbier und viel zu knappe Unterhosen).
 
Eine zum Himmel gereckte Faust eines bärtigen Langhaarigen im Hof der Raumstation bedeutete die metallische Verabschiedung von Iresist-Sänger Domenico Aprea an unsere Adresse!
 
 

Text und Bilder: Heiliger Vitus, 26. August 2007
.:: ABSPIELLISTEN ::.
 
ABE KAMUI
1. unbekannt
2. Reflex
3. So wie Hunde
4. Maschinen sein
5. Reich sein
6. Wir bauen Ruinen
7. Abe Kamui
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8. unbekannt
 
IRESIST
Intro
1. What´s Left Inside
2. Picture of You
3. Call Out
4. No Holds Barred
5. Trust
6. Correlation (Rise from the Ashes)
7. Hunter & Prey (X)
8. Snake-face Suicide
9. Condition Red
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10. Ride the Bullet
 
UNSKILLED
1. All I Love
2. Too Short
3. God Save My Penis
4. Fuck You
5. Not in Our Name
6. Rising Up
7. You Pussies
8. Got to Drive