AGALLOCH, C R O W N
D-Frankfurt am Main, Nachtleben - 19. August 2015
Um den sommerlich dumpfen, bunten August nicht vollends ereignislos abzuhaken, hatten wir uns zu einem Konzertbesuch im Frankfurter »Nachtleben« entschlossen. Wir hätten besser die Finger davon gelassen... Ein Pöbel aus rund 250 Feierabendmetallern, deren Fickhennen und sonstigen Wichtigtuern, hatte sich am dritten Mittwoch des Monats im Zentrum der großen Stadt am Main versammelt. Objekt der Begierde waren die angesagten US-Dark-Metaller Agalloch. Manche kamen dafür extra aus Süddeutschland, andere aus Nordhessen. 19 Piepen waren an der Kasse zu blechen. Und dann tötete der rammelvolle Schwitzkasten unter der Konstablerwache mit dem immergleichen flachen Cliquentum jedes Gefühl im Ansatz ab... Doch der Gram, unter Ölsardinen nicht headbangen zu können, war völlig umsonst. Denn auch die Protagonisten hielten nicht, was sie versprachen. Die Etikette »Voll-Doom« auf dem Hemd eines Bekannten suchte man vergebens. Damit verkam unser Ausflug zu einem weiteren unnötigen Abend in Frankfurt. Die Gesellschaft war nur mit Alkohol zu ertragen. Und jenen gab´s bloß in Flaschen - der Drittelliter für drei Euro...
Mit einer schwebenden Einleitung vom Band bestritten C R O W N pünktlich um neun den Auftakt. Das mit dem Gitarristen und Sänger von Zatokrev zum Terzett aufgeblasene Gitarre- und Bass-Neutronen-Gespann aus Colmar, Frankreich kam mit einer geklonten Drum-Maschine in primitivster Achtzigerjahre-Digitalästhetik daher. Mit drei Saiteninstrumenten und empirischen Beats marschierten P. G, S.A. und Rotter gegen maues Material an. Im Grunde funktionierte jedes Lied nach derselben Masche: Sie fingen alle mit endzeitlichen Schreien und wildem Körpereinsatz raserisch schwarzmetallisch an, dümpelten dann in fadem Ambient-Leerlauf vor sich hin, und mündeten schließlich in belangloser, unscheinbarer Nichtigkeit. Ein Teil ging nahtlos ins andere über. Mit sinnigen Bärten und rasierten Schädeln machte man auf esoterisch und rituell, war dabei aber leider zu blutleer. Es fehlte an Leidenschaft. Der Ansatz stimmte, aber insgesamt war der Auftritt enttäuschend, und ähnelte eher dem einer Industrial- als einer Doom-Gruppe. Schade, denn nach Hörproben von 'The One' hatte ich brachialen Sludge im Stile von Conan erwartet. Immerhin klangen Crown doomiger als Agalloch, und sie kredenzten ganz am Ende auch den einzigen Doomer der Nacht. »God« wurde darin angefleht. Aber eine echte Trommel hätte Wunder gewirkt...
Auch bei AGALLOCH hielt eine minutenlange sphärische Einspielung aus der Konserve als Ouvertüre her. Dazu wehte Nebel. Mit ihrer Gründung 1996, fünf Langrillen, sowie diversen Minialben, verfügte die nach einem hocharomatischen Baum benannte Gruppe aus dem Nordwesten Amerikas über enorme Erfahrung. Dazu stand man schon mindestens zwanzig Mal im Weltflughafen Frankfurt. Nur zu einer Schau in der Mainstadt hate es bislang nicht gereicht. Das holten Haughm, Anderson, Walton und Aesop heute gründlich nach. Final stand eine Spieldauer von fast zwei Stunden! Agalloch waren so was wie Oregons monströse Antwort auf frühe Burzum oder Nocturnal Depression (Gekeife) und späte Paradise Lost (Melodien), sprich: in der Nebelung von Post Black Metal und Dark Metal zu verorten. Nichts blieb unversucht, einiges wurde melodramatisch entschleunigt, manches gar mit einem Hauch Doom veredelt, und im Grunde war auch alles großartig gemacht. Dazu gesellte sich das Wissen um die Inhalte, die vom Menschen, der Natur und der Vergänglichkeit handeln. Schade nur, daß es den Amis am Durchdringenden fehlte. Es blieb eine sehr professionelle, wuchtig-gefällige, modern durchdesignte Show Made in U.S.A.! Für Metalfans war das sicher in Ordnung, aber für Doomer wirklich kein Muß. Als Lichtblicke verblieben die einzigen Langsamen, als »old one« angesagten »Ghosts of the Midwinter Fires« (2010) und »... And The Great Cold Death of the Earth« (2002), sowie der in die Endlosigkeit ausufernde, nahezu rein instrumentale Plattmacher »Plateau of the Ages« zur Mitternacht.
 
Im Anschluß tummelten sich noch etliche Anhänger, englischsprachige Banker und zwielichtige Gestalten von der Konstablerwache an der Nachtlebenbar. Kurz vor eins mußten Frau P. und ich zum letzten Zug. Um drei fielen wir ins Bett.
 
 

Text und Bilder: Heiliger Vitus, 20. August 2015
.:: ABSPIELLISTEN ::.
 
C R O W N
(21.00-21.40)
Intro
1. Abyss
2. The Words You Speak Are Not Your Own
3. Wings Beating Over Heaven
4. Tension of Duality
 
AGALLOCH
(22.08-0.00)
Intro: Serpens caput
1. The Astral Dialogue
2. Vales Beyond Dimension
3. Limbs
4. Ghosts of the Midwinter Fires
5. Dark Matter Gods
6. Of Stone, Wind, and Pillor
7. Hallways of Enchanted Ebony
8. ...and the Great Cold Death of the Earth
9. Into the Painted Grey
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10. Falling Snow
11. Plateau of the Ages