A PALE HORSE NAMED DEATH, MOLYBARON
D-Dresden, Beatpol - 25. Oktober 2019
Über der heutigen Nacht schwebte eine etwas gruselige Atmosphäre. Denn mit Sal Abruscato und Johnny Kelly befanden sich im US-Gothic-Metal-Kommando A Pale Horse Named Death zwei ehemalige Gefährten der verblichenen Legende Lord Petrus Steele. Als Peter Steele 2010 mit 48 Jahren ging, war Abruscato - mit dem er 1989 TYPE O NEGATIVE gründete - mit dabei. Mit Steele starben auch Type O Negative. Ein Teil lebt nun in A Pale Horse Named Death fort. Heute kamen die Amis in den Beatpol Dresden.
 
Mit an Bord war das französisch-irische Prog-Metal-Quartett MOLYBARON. Wegen falscher Uhrzeit auf der Netzseite des Klubs - statt 20 Uhr Beginn stand dort 21 Uhr - hatten etliche Leute die Vorgruppe komplett verpaßt, darunter Frau Peanut und ich. Trotz des Fehlers der Orga verlangte die Kasse den vollen Eintritt von 26 Euro pro Person. Der Blick in den Saal sagte mir, daß A Pale Horse Named Death auf noch weniger Interesse stießen, als ihre postmetallischen Landsmänner Pelican vor achtzehn Tagen. Grob durchgezählt kam ich auf vierzig Köpfe, viele hatten lange Haare.
Der Showstart für Sal Abruscato, Joe Taylor, Eddie Heedles, Eric Morgan und Johnny Kelly kam zur ungewöhnlich frühen Stunde von 21 Uhr. A PALE HORSE NAMED DEATH waren an zwei Äußerlichkeiten zu erkennen: Sie hatten - mit Ausnahme des Bassisten - Haare bis zum Arsch. Und: Auf dem rechten Oberarm des Schlagzeugers prangte das tätowierte Symbol von Type O Negative - der Kreis mit dem Minuszeichen. Dazu hing an der Wand das Gruppenemblem mit dem skelettierten Pferdeschädel. Das traurige Schicksal von Peter Steele spielte zwar höchstens eine symbolische Rolle, wurde aber trotzdem einfühlsam und ohne Pathos angedeutet. Abruscatos dunkle Stimme, die Präsenz der vier Langhaarigen und die düstere Stimmung erinnerten sehr an die Spätwerke von Type O Negative, etwa an 'World Coming Down' - dessen Titel für das Neuwerk 'When World Becomes Undone' entliehen schien... Aber es war keine tumbe Kopie, es waren zwei ganz reale Weggefährten in Fleisch und Blut dabei. Wenngleich mir persönlich viele Lieder etwas zu weich, zu glatt, zu geschliffen waren, war „Ein blasses Pferd namens Tod“ allemal besser und viel echter als viele andere Combos der Stilart. Berührend oder gar emotional wurde es allerdings nicht. Peter Steele wurde mit keinem Ton erwähnt. Manche Ansagen kamen ziemlich sarkastisch rüber. So wurde ein manischer Tänzer mit nacktem Leib mit der süffisanten Bemerkung „I like this very much“ bedacht. Mit der Frage „Do you like birds? You like birds?“ wurde wiederum „When Crows Descend Upon You“ angesagt - ein grungiges Lied, daß auch von Nirvana stammen konnte. Ansonsten war viel Routine, aber auch ein leiser doomiger Charme im Spiel der selbsternannten „Lords of Doom“. Richtiger Doom war es allerdings nicht, eher eine als Doom getarnte Gotenstahl-Elegie. Final kamen drei markante Lieder. Erst die desillusionierende Hymne „Die Alone“, dann die späte Bandvorstellung „We are A Pale Horse Named Death from Brooklyn, New York. Thanks for hanging around with us!“ - gefolgt vom raserischen „Killer By Night“... bevor nach anderthalb Stunden beim Schlußakkord „Closure“ der ganze Saal in einem schroffen Gewitter erzitterte!
.:: ABSPIELLISTEN ::.
 
MOLYBARON
(20.00-20.45)
1. Lucifer
2 Fear Is Better Business Than Love
3. Prosperity Gospel
4. Amongst The Boys and the Dead Flowers
5. Animals
6. 24 Hours
7. Something For The Pain
8. Slave to the Algorithm
9. Incognito
 
A PALE HORSE NAMED DEATH
(21.00-22.30)
1. The Woods
Tribal Intro
2. To Die In Your Arms
3. Devil In The Closet
4. Love The Ones You Hate
5. Sleeping Death
6. Shallow Grave
7. Vultures
8. Growing Old
9. Fell In My Hole
10. Pill Head
11. Splinters
12. When Crows Descend Upon You
13. Cracks in the Walls
14. Die Alone
15. Killer By Night
16. Closure
Die wahren Fans mußten den Abend erst mal sacken lassen. Etliche standen noch lange draußen vorm Beatpol, während Peanut und ich einen Schluck im „Briesnitz-Stübchen“ gegenüber nahmen. Später bin ich noch mal in den Saal zurückgekehrt, um ein Shirt zu erstehen. Vorm Händlertisch stand der Schlagzeuger Johnny Kelly in einem von Type O Negative...
 
 
Text: ((((((Heiliger Vitus)))))), 27. Oktober 2019, Bilder: Peanut