HAMMER OF DOOM XIV
 
ULI JON ROTH, THE SKULL, ANTIMATTER, ORODRUIN, CRESTFALLEN QUEEN
D-Würzburg, Posthalle - 15. November 2019
Prolog
 
Die größte Doom-Metal-Schau Deutschlands ging in eine neue Runde - die vierzehnte und mußtmaßlich vorletzte. Erstmals 2009 ausgetragen, zählte der „Hammer“ nach dem Umzug vom Bechtolsheimer Hof in die Posthalle jedes Jahr zweitausend Besucher. Eine stimmungsvolle Umgebung und gute Akteure waren dabei natürlich Pflicht. Mit der Hardrock-Legende Uli Jon Roth, den Doom-Metal-Pionieren The Skull, traditionellem Doom von Lord Vicar, Mirror of Deception und Orodruin, oder den Himmelsstürmern Khemmis und Messa, hatten die Macher wieder illustre Szenenamen versammelt. Aber wie oft auf Festivals, finden sich auch unter den Unbekannten manchmal Überraschungen. Gute Momente und Begegnungen gibt´s immer. Mit 72 Euro fürs Wochenend-Ticket blieb das Monetäre stabil, und diesmal gab es am zweiten Tag sogar eine Gruppe mehr, sprich: zehn in einem Rutsch. Wenngleich mehr DOOM und Klasse statt Masse schöner gewesen wären: Hammer!, wir - „Goddess of Doom“ Peanut und Vitus - waren dabei!
 
Freitag, 15. November (1. Tag)
 
Wie jedes Jahr gab sich Würzburg genau zum Doom herbstgrau. Diesmal sollte es unterm Zackendach der „Poha“ zu etlichen Revivals des legendären Doom-Shall-Rise-Festivals kommen. Neben den Gruppen Orodruin, Mirror of Deceprion und Lord Vicar gaben sich auch Mitglieder von Dreaming, Lahar, Naevus und DSR-Macher Hellweg nebst neuer Freundin ein Stelldichein. Dazu wirkten in einigen Gruppen Leute mit, die schon mal beim Doom Shall Rise als Akteur am Start waren. Auch der „Doom-Dealer“ hatte wieder seinen Händlerstand aufgezogen. Die Besucherzahl entsprach in etwa der des Vorjahres. Ausverkauft war die Poha nicht, und auch davor drängte sich keine Schlange (obgleich diesmal gefilzt wurde wie nie zuvor, sogar die Kette an meinem Geldbeutel schien eine Gefahr!). Am Freitag mögen es 1000 Zahlende gewesen sein, am Sonnabend ein Drittel mehr, um die 1500. Viele redeten fremde Sprachen.
Das frühen Freitagabend bestritt seit Längerem wiedermal eine fraugefrontete Gruppe. Sie hieß CRESTFALLEN QUEEN, kam aus Stuttgart und spielte - man glaubte es kaum! - keinen siebziger Hippierock, sondern eine dunkle Mixtur aus Okkult-Rock und dem Proto-Doom der ersten vier Sabbath-Platten. Die Rolle der „Gestürzten Königin“ hatte eine Frau inne, die schwarze Tarnschminke und Tattoos trug und sich geheimnisvoll „E“ nannte, während der langhaarige männliche Geleitschutz die Kürzel K, G, H und A trug. Mit ihren mal deathig geröchelten, mal dunkel hingehauchten Vokalen war das Kommando um die zugleich Synthesizer spielende E eine ziemliche Wucht und wirkliche Entdeckung. Optisch forciert wurde die Darbietung durch einen riesigen, sakralen Triptychon im Hintergrund. Crestfallen Queen lieferten ihr Albumdebüt 'Queen Of Swords', verschenkten allerdings acht Minuten ihrer Zeit. Das gute halbe Stündlein wirkte zu kurz und die Gitarren etwas leise ausgesteuert. Überdies glich die Stimmung im Publikum dem eines Schlafsaals. Trotzdem: Alle Achtung, Crestfallen Queen!
Als Punkt 19 Uhr ORODRUIN auf der Bühne standen, blieb nur Staunen. Das Quartett aus Rochester, New York, war Anfang der Nullerjahre mit der zweiten Generation und dem Wiedererwachen der Doom-Szene nach oben gespült worden. 2004 erlebten wir Orodruin bei denkwürdigen Ritualen im „Doom Shall Rise“ in Göppingen und der „Belgian Doom Night“ in Gent. Fünfzehn Jahre ist das her... es schien, als habe die Zeit stillgestanden: Vor uns stand äußerlich nahezu unverändert die glockenreine Stimme Mike Puleo mit den sichtlich angefassten Gitarristen John Gallo und Nick Tydelski, sowie der neue Trommler Kevin Latchaw. Orodruin kamen wie aus einer lange untergegangen heilen Welt. Sie klangen nach traditionellem Doom Metal und bewegten sich genau so wie früher, selbst die schwelgerischen Moves von Gallo: alles war magisch und unbefleckt wie ehedem. Nach sechzehn Jahren Funkstille an der Studiofront stellten die Amis heute ihr vor Nostalgie triefendes Zweitwerk 'Ruins Of Eternity' in voller Länge vor. Dazu gesellte sich das Titellied des ersten Langeisens aus dem Jahre 2003, „'Epicurean Mass“ - welches allerdings derart verstümmelt rüberkam, daß es praktisch unkenntlich war. Anders gesagt: „'Epicurean Mass“ war verschroben und verpeilt. Kult eben! Das Beste und Doomigste ertönte final durch „Letter of Life´s Regret“. Peanut war völlig aus dem Häuschen!
Die goldene Mitte des Freitags besetzten ANTIMATTER aus Liverpool, England. Auch bei den zwergenwüchsigen Tommys um Mick Moss wirkte alles wie vor drei Jahren am selben Ort. Antimatter lieferten eine Art Gothic Rock von der Sonnenbank. Sie strahlten eine sehr reife, grundpositive innere Ruhe aus, und glänzten mit glockenreinem Gesang und sehr natürlichen Gitarren. Antimatter wären der perfekte Support für Pink Floyd oder die Sisters of Mercy. Nur Doom waren sie nicht im Mindesten. Der Name sagt´s ja: eher die „Antimaterie“.
An vierter Stelle sollten meine persönlichen Favoriten folgen: TROUBLE. Doch Mitte September gab die Organisation bekannt, daß „sich Trouble bzw. deren amerikanisches Management dazu entschlossen, die Tour nur zwei Monate vor deren Start abzusagen, da ihnen auf einmal die Gagen nicht mehr hoch genug waren“. Als Ersatz rekrutierten sich die „heißen und motiviertenTHE SKULL mit den Ur-Troublern Eric Wagner und Ron Holzner, um dem Hammer of Doom ein exklusives Psalm-9-Set zu liefern. Aber ich gehe nicht nicht zu Trouble, um mir The Skull anzugucken! Am liebsten hätte ich die Reise abgeblasen. Peanut befand: „Der Ersatz ist aber nicht schlecht, vor allem Psalm 9 und der Wagner als Sänger! Vielleicht sogar besser als Trouble. Wenn die keinen Bock haben und aufs Geld schielen.“ Schlag neun stand der Trupp aus Chicago vor uns. Wagner entschuldigte die Dinge und bat um Nachsehen, daß The Skull nur Lieder von Trouble spielen - mit Zusatz an den Bassisten gewandt: „I´m sure, Ron is in it, too.“ Diese Überlegungen waren phantastisch: The Skull sollten das beste Konzert in der Historie des Hammer Of Doom zelebrieren. Mit der Zeit und viel wechselndem Personal hatten sich Wagner, Holzner und Sechssaiter Lothar Keller als Kern des Trupps herauskrsiallisiert. An der zweiten Gitarre wirkte heute Ex-Blood-of-the-Sun-Gitarrist Alex Johnson mit, am Schlagzeug Ex-Trouble Jeff Olson. Nachdem Holzner und Wagner bereits in ihrer frühen Inkarnation als „The Skull“ live immer wieder Material von Trouble gespielt hatten, überstieg das Heutige alles bislang Dagewesene. Als Erstes beweinte Rosemary ihren geliebten Geist in „R.I.P.“. Und das war nur der Start für zwölf weitere Doom-Metal-Monumente für die Ewigkeit, von denen jedes die Ehrfurcht ständig vergrößerte! Würzburg erlebte die Elite der Alben 'Psalm 9', 'The Skull', 'Trouble' und 'Manic Frustration', geballte Doom-Historie von 1984 bis 1992 Schlag auf Schlag. Ich weiß nicht, ob The Skull selbst damit gerechnet hatten, welchen Eindruck sie mit ihrer Hommage an Trouble hinterließen. Zumindest mir jagten die zutiefst düsteren, eindringlich und voller Stil und Würde gesungen Zeilen Schauer um Schauer übers Kreuz. Wagner sang zum Gruseln gut! Während die Amazone von Thronehammer in meiner Nähe unentwegt „It´s amazing!“s ausstieß und Teufelshörner in die Luft reckte. Fatales geschah fast zum Schluß, als Wagner beim Versuch, der Frontreihe die Hand zu reichen, um ein Haar in den Graben gefallen wäre. Aber welch eine Tragödie, daß Trouble und Wagner sich vor zwölf Jahren trennten!
Rein nominell war der ehemalige Gitarrist und Liedschreiber der Hardrock-Legende Scorpions, Ulrich Roth alias ULI JON ROTH, der schillerndste, jemals vom Hammer Of Doom verpflichtete Künstler. Manche spöttelten im Vorfeld sogar Uli „Doom“ Roth. Herrschte ab 22 Uhr 40 beim Hammer also Rockstar-Alarm? Denkste! Pustekuchen! Die Düsseldorfer starteten dramaturgisch hektisch. Kurze Lieder mit vier wechselnden Figuren, darunter die drei unbekannten Bühnenmusiker, wechselten sich ab. Das Programm stellte sich nicht durch die weltberühmten Rocklieder der Scorpions auf, vielmehr spielte Roth Stoff, den nur Eingefleischte kannten sowie Mottenkistenkram von Electric Sun. Im Nachklapp lief „Little Wing“ von Jimi Hendrix, mit dessen Verlobter er zwanzig Jahre liiert war. Als Zuschauer war man aber bereits nach einer Viertelstunde versucht, sich aus dem Wirrwarr bald zu verabschieden. Erst recht, wenn man sich in der Welt des Mittsechzigers nicht auskennt. Um elf hatten Peanut und ich genug vom seichten Stirnbandträger im gleißenden Lichtdom. Am nächsten Tag berichtete unser schwäbischer Komplize Kishde, daß Roth zwei Stunden spielte, und die von Slayers „Hell Awaits“ angeführte „Aftershowparty“ wie eine Erlösung war.
.:: ABSPIELLISTEN ::.
 
CRESTFALLEN QUEEN
(18.00-18.37)
Titel unbekannt
 
ORODRUIN
(19.00-19.45)
1. Into the Light of the Sun
2. Man of Peace
3. Forsaken
4. Grave Illusion
5. War on the World
6. Hell Frozen Over
7. Ruins of Eternity
8. Epicurean Mass
9. Letter of Life´s Regret
 
ANTIMATTER
(20.00-20.45)
1. The Third Arm
2. Stillborn Empires
3. Partners in Crime
4. Monochrome
5. Paranova
6. Leaving Eden
7. Wide Awake in the Concrete Asylum
 
THE SKULL
(21.05-22.12 / alles Trouble-Cover)
1. R.I.P.
2. At the End of My Daze
3. Come Touch the Sky
4. Fear No Skull
5. Memory's Garden
6. Plastic Green Head
7. All Is Forgiven
8. The Tempter
9. Assassin
10. Revelation (Life or Death)
11. Bastards Will Pay
12. Psalm 9
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13. Psychotic Reaction / For Those Which Are Asleep / Psychotic Reaction
 
ULI JON ROTH
(22.42-0.40(?))
1. All Night Long [Scorpions]
2. Indian Dawn [Electric Sun]
3. Electric Sun [Electric Sun]
4. Sun in My Hand [Scorpions]
5. Don't Tell the Wind [Zeno]
6. We'll Burn the Sky [Scorpions]
7. Just Another Rainbow [Electric Sun]
8. In Trance [Scorpions]
9. Fly to the Rainbow [Scorpions]
10. Pictured Life [Scorpions]
11. Catch Your Train [Scorpions]
12. Yellow Raven [Scorpions]
13. All Along the Watchtower [Bob Dylan]
14. The Sails of Charon [Scorpions]
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15 Dark Lady [Scorpions]
16. Little Wing [The Jimi Hendrix Experience]
Ostdeutsche!
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Text und Bilder: Heiliger Vitus, 20. November 2019