ATOMIC TRIP, MORASTH, BONGBONGBEERWIZARDS
D-Frankfurt am Main, The Cave - 15. Dezember 2017
Rund sechzig Personen hatten sich an diesem Freitagabend zum Doom in der Höhle neben der Shopping-Valhalla Zeil eingefunden - mehr als vor zwei Monaten bei Saint Vitus im oberirdischen »Zoom«. Doom nur, daß sich die Hälfte auf der falschen Veranstaltung befand. Manche wähnten sich auf der Party »Light my Fire« mit den DJs Dose und Lui. Sie fummelten, knutschten und tanzten. Doch die Party startete erst nach dem Konzert um Mitternacht. Noch dümmer: Da der Eintritt zum »Cave« unter der Woche frei ist und die Tür offen stand, kamen etliche umsonst rein - ohne die neun Euro für die Bands zu blechen. Man vergaß, die Kasse zu besetzen... Auf keinen Fall sollten indes Ohrstöpsel vergessen werden. Es sollte laut, aber auch schön werden! Die Lichtverhältnisse waren es allemal. Denn anders als die hierzulande seit geraumer Zeit starr rot ausgeleuchteten Bühnen, lag die des Cave in wechselnder Optik, mitunter in coolem Giftgrün, und auch nie unter blickdichtem Nebel. Das Schlagzeug war um neunzig Grad gedreht und spektakulär seitlich vorm Publilum aufgebaut. Im Eck hinter der Bar hatten Atomic Trip und Morasth einen liebevollen kleinen Andenkenstand aufgezogen. Morasth hatten ihre auf 20 limitierten Shirts mit dem Gruppensymbol mitgebracht. Kurz vor neun ging´s los...
Der Einstieg war so unscheinbar, daß man gar nicht wußte: Ist das noch Probe oder schon Konzert? Die BONGBONGBEERWIZARDS waren so was wie ein Seitensprung von Hexer mit einem von Säule. Die beiden Rudel aus Dortmund hatten sich zu einem Trio vereint, und Frankfurt war ihr erstes Lebenszeichen in natura. Da die Leute von Hexer auf ihre verruchte schwarze Bemalung verzichteten, waren Gesichter zu erblicken. Giehr war vom Sechssaiter hinters Schlagzeug gewechselt; Engels blieb am Bass und lieferte das Gekeif; die Gitarre bediente Jan von Säule. Ohne die Orgel von Hexer fehlte auch weitgehend der unheimliche, heulende Unterton von Hexer. Dafür dröhnten die Riffs mit noch mehr Grobkörnigkeit und stonerigem Groove. Ein Schelm, wer bei dem Gruppennamen an einen bonbonbiergetriebenen Bastard aus Bongzilla und Electric Wizard dachte. Und obgleich das erste Lied gleich eine Ode aufs heimische Billobier »Hansa« war, waren die Wizards auch mitnichten Dosenbierpunker! Sie kamen im Schneckentempo, von ganz unten, steckten voller dunkler Leidenschaft und zelebrierten den puren Doom-Untergrund wie zu Zeiten von Adam und Eva. Und: Die Wizards blieben auch die Doomigsten der Nacht! Ihr Gruß zum Abschied - zugleich die einzige Ansage der Nacht - lautete: »Danke!«
MORASTH verwirrten erst mal mit einem neuen Gitarristen. Furchtlockenträger Könemann fehlte. Die Chemie zwischen ihm und der Gruppe soll nicht mehr gestimmt haben. Uwe war der neue zweite Gitarrist. Mit Thorsten, René und Matze Rodig war das Kommando komplett. So weit der Vorspann. Nun zur Sache: Morasth spielten drei Stücke mit einer Laufzeit von je einer Viertelstunde. Zuerst ein Neues, noch Unbenanntes. Dann mit »Evocatio« die Götterbeschwörung vom Album 'Chasm'. Und zum Schluß das vor einem Jahr vor Ufomammut gebrachte »And On Celestial Shores I Build Enormous Sepulchres« - welches im Januar auf der Splitscheibe mit Blaeck Fox verewigt wird. Obwohl die Musik nicht weit entfernt von den Bongbongbeerwizards war, schien der Post-Doom aus Mainz fast noch besser zu laufen. Zumindest war er feiner ausgelotet. Dazu war die Atmosphäre wie geschaffen, mit mystischem Nebel und grünem Licht die Musik widerzuspiegeln. Riff folgte auf Riff, das Tempo lag katharsisch niedrig, die Laustärke bedrohlich hoch, mancher Nacken drohte zu brechen. Was heute in erster Linie für den Bassisten galt, der mit seiner manisch wiegenden Mähne schön wie der junge Ozzy aussah. Während das Publikum durch den Raum schwebte, erzeugte die Gruppe eine Klangwand, die dafür sorgte, daß es nicht entwich. Aber im Streben nach Perfektion rissen manchen fast die Nerven... Nachdem Morasth zum Warmspielen schon fast alle Riffs von Black Sabbath durch hatten, kam es auch beim Ritual zu Haklern. Der an der Hinterwand des Gewölbes ohnehin fast untergehende Neue schien zuweilen im Boden versinken zu wollen. Drone-Puristen oder Doom-Gourmets dürften auch mosern, die Klangschmiede vom Rhein sei eine Nummer zu leicht und auf postmetallischen Pfaden unterwegs gewesen. Andererseits verbreiteten Morasth damit auch Dynamik und Abwechslung im finsteren Genre. Letztlich stand eine Stunde, die durch ihre hautenge Atmo, die sehr greifbaren, sympathischen Akteure und ein Feuerwerk aus britzelnden Saiten und tief bumsenden Bässen und Trommeln bestach.
Nach den nahezu wortlosen Wizards und den stummen Morasth folgte mit Lyons ATOMIC TRIP noch ein Trupp mit zugeklebtem Mund. Hinter dem eher Speed- oder Thrash Metal suggerierenden Gruppennamen standen drei Franzosen mit den erhaltenswerten Spitznamen Jean Claude Van Doom, Gary McDoom und Grom Tattooer. Die drei an der Paula-Gitarre, dem T-60-Bass und der Gretsch-Trommel feuerten ihren 'Streich #1' mit den Titeln »Bombe #1« und »Bombe #2« ab - wobei das Plattencover im legendären Stil von Black Sabbath´ 'Vol. 4' gehalten war. Mir schwante schon was, angesichts der veröffentlichten Filmchen, die Mützen, Bärte, Tattoos, grüne Speaker und postapokalyptisches Geballer dem alten Reiz der Pioniere vorzogen. Leider stehe ich auf die Vergangenheit. Wie Fuzz, Sludge und Stoner auf dem immerzu gleichen Riff rumreiten, um Electric Wizard, Burning Witch oder Yob aufzudonnern, und dem Doom-Junkie mit immer mehr Härte, Kälte und Drastik zu verklickern, wurde spätestens nach Conan zusehends öder. Atomic Trip waren ein weiteres Beispiel, das bereits von ihren Landsmännern Witchthroat Serpent und Cult of Occult bestellte Schlachtfeld oberflächlich neu zu beackern. Van Doom ist auch der Vokalist von Cult of Occult, und McDoom ein Ex-Mitglied... Mit ihrem übersteuerten, räudig-primitiven Rumpelkrach erzeugten Atomic Trip erst ein äußerst klaustrophobisches Gefühl - und überrollten die Meute schließlich genauso unausweichlich und gefühlstaub wie ein atomarer Wolkenpilz. Als alter Kauz benötigte man viel Zauberelixier, um sie sich schön zu trinken, ein Kreuz für Stoßgebete und zwei Pflöcke fürs Gehör.
 
 
Text und Bilder: ((((((Heiliger Vitus)))))), 21. Dezember 2017 (Wintersonnenwende)
.:: ABSPIELLISTEN ::.
 
BONGBONGBEERWIZARDS
(20.48-21.13)
1. Hansa
2. Satanicbeerslut
3. Koloss
 
MORASTH
(21.45-22.41)
1. Unbenannt
2. Evocatio
3. And On Celestial Shores I Build Enormous Sepulchres
 
ATOMIC TRIP
(23.00-23.44)
1. Bomb #1
2. Bomb #2