BLOODGROUP
D-Frankfurt am Main, Das Bett - 11. Januar 2011
Eine Registrierung im „Gesichterbuch“ hatte mir postwendend eine Einladung ins „Bett“ Frankfurt beschert: zum Tanzen und Ins-Schwärmen-Geraten mit den Islands Bloodgroup. Fünfzig andere wollten an diesem trüben Dienstag im Januar ebenfalls tanzen. Und zwar die glücklichen Erhellten der Generation Y. Sprich: Studenten, Feierpuppen und Partybiester. Piepel, die alles hinterfragen und wissen - nur nichts vom Leben. Aber im Bett kann man sich fallen lassen. Wobei heute viel Geduld vonnöten war: Nach dem Einlaß 20 Uhr und dem angekündigten Beginn von 21 Uhr, dauerte es eine weitere Viertelstunde, bis die Helden des Abends um 21 Uhr 15 zum erstenmal aufkreuzten - mit einem Stapel Pizza-Kartons im Arm. Zumindest ging´s nach dem Essen hurtig zur Sache...
In ihrer Heimat von Elfen und Trollen sollen BLOODGROUP schon zu Popstars hochgejubelt worden sein. Beim Roskilde-Festival hatten sie einen Auftritt. Und heute lag ihnen Frankfurts Bett zu Füßen. Hier kamen Janus, Sunna, Ragnar und Hallur, die neue Nummer eins im Synthie-Pop. „Wars“ markierte den Auftakt zu einem zehnwöchigen Feldzug mit 35 Konzertnächten. Wild und voller Energie wirkten sie, die vier vorm lichtblauen Grund bei ihrer ersten Schau in Europa überhaupt. Während Frontmann Janus die nordische Antwort auf die Ästhetik Rammsteins darstellte und die blonde Sunna ihre Sinnlichkeit unter einem verbotenen Fummel verhüllte, malträtierte Ragnar einem Drachentöter gleich das Elektropiano, und thronte Hallur wie ein General in altem Uniformrock hinter einer ganzen Batterie aus Klaviaturen, Knöpfen und Schiebern. Obwohl die Elektronika dominierten, erhoben sich zum Gesang auch oft Chöre, manchmal zu viert zusammen. Rhythmisch und übersprudelnd kamen Bloodgroup daher. Mitunter jedoch auch richtig sphärisch bis esoterisch geradezu. Nicht zuletzt tönte auch der Internetclip „My Arms“ in echt eine ganze Spur dunkler. „Pro Choice“ wiederum war der martialische Headbanger vorm Allmächtigen. Alles war formidabel und kraftvoll gespielt, bis das okkulte „Red Egypt“ nach einer Stunde den regulären Teil beschloß. Leider war die Präsentation der Zugaben nicht ganz ehrlich. Obwohl man von vornherein vier Verlängerungen auffahren wollte (so war die Setliste erstellt), gab man sich nach jedem Dacapo baff, daß das Publikum immer noch mehr wollte. Und so wurde jede Verlängerung der Verlängerung mit einem „Wow!“ bedacht und zelebriert, als wäre es das Höchste, was man Bloodgroup antun konnte. Mit einem Remix von Men Without Hats´ „Safety Dance“ war unter den Überraschungen auch eine Hommage ans Jahr 1982 zu finden, als Bloodgroup noch mit Kinderklavieren um den Tannenbaum stolperten. Die einen tanzten, andere genoßen´s im Stillen. Obwohl der Schluß Schrott war, ließen Bloodgroup wohl niemand kalt.
 
Wenig zimperlich war wiederum der Preis fürs Vergnügen. Nachdem schon der Eintritt 13 Euro kostete, verlangte der Standbetreiber für die alte CD einen Zehner, für die neue immerhin schon 15 Euro, und für eine Schallplatte mußten gar 20 hingeblättert werden. Aber Millennials „saugen“ ihren Stoff ohnehin aus dem Netz. Eben noch wild abtanzend, verließ die Meute mit dem Schlußakkord fast wie abgesprochen geschlossen das Bett. Meine Assistentin und ich, das arme Personal und der Minitroß aus Island waren um 23 Uhr 15 die Letzten im Bett.
 
 

Text und Bild: Blutgruppe AB positiv, 13. Januar 2011
.:: ABSPIELLISTE BLOODGROUP ::.
(21.42-22.56)
1. Wars
2. Ain´t Easy
3. This Heart
4. First to Go
5. How Do We Know
6. Overload
7. Moonstone
8. Pro Choice
9. My Arms
10. Battered
11. Red Egypt
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12. Dry Land
13. Safety Dance [Men Without Hats]
14. Chuck
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15. Try on