SPACEDELIC ODYSSEY XXII
 
BUDDHA SENTENZA, WOLF PRAYER
D-Hofheim am Taunus, Jazzkeller - 10. Juni 2017
Schnief... Die 22. SPACEDELIC ODYSSEY könnte zugleich die letzte gewesen sein... Zumindest ließ die Erklärung der Cyberwelt - »Die Mission Spacedelic Odyssey wird am 10. Juni 2017 enden. Eine weitere Verlängerung ist mangels Treibstoff nicht mehr möglich.« - sehr darauf schließen. Womöglich war der zuletzt karge Zuspruch der irdische Grund. Andererseits gibt die abschließende Einlassung auch Hoffnung: »Es wird ab Januar 2018 voraussichtlich wieder fünf Umläufe durch die Lücke zwischen den Ringen und der Atmosphäre geben, die letzten Durchläufe werden durch die obere Atmosphäre führen und Messungen von Ringpartikeln und zum ersten Mal direkte Messungen der Saturnatmosphäre erlauben.« - Wie auch immer: Frl. Peanut und ich waren wieder mal in den Vordertaunus gegondelt und für acht Euro in den Wohlfühlsalon »Jazzkeller Hofheim« gepurzelt. An der dortigen Bar fanden sich A4-Bögen mit dem minutiösen Programmablauf in der Sprache der Weltraumfahrer. Aber daß selbst in einem Heile-Welt-Idyll zwielichtige Menschen unterwegs sind, bewies eine ausgetrunkene Flasche Jägermeister auf dem Klo (die stand anfangs nicht dort); ebenso wie ein zu später Stunde aufkreuzender Absonderling mit Skibrille. Im Publikum befand sich ferner der Frontmann von Astropsÿch, der seine Energie in epileptischen (oder crystalforcierten?) Veitstänzen am Bühnenrand rausließ. Rund fünfzig waren da. Alles tiefenentspannt...
Es war eine sonderbare Welt, in die uns BUDDHA SENTENZA entführten. Sonderbar und doch sehr vertraut. Zauberisches erwartete uns wieder mal. Mit ihrem psychedelischen Grundsound und den blubbernden Farbschablonen des Klubs im Hintergrund, katapultierten uns Jesus Malverde, B.B. Blacksheep, Pontifex Maximus, Amnesio Bodega und General Punishment in die Welten der Langhaarfrisuren, Bärte, Clogs und Schlaghosen. Buddha Sentenza waren so was wie die Heidelberger Antwort auf die keyboardgetriebenen Emerson, Lake and Palmer. Drei stachen heraus: der Wahnsinnige am Moog, der besessene Fuck hinterm Schlagzeug, und der löwenmähnige kleine Jesus mit Geige und Gitarre ganz vorn. Währenddem die beiden Saitenmänner am Rand mit ihren geschorenen Schädeln eher den Hauch tibetischer Mönche verströmten. Aber nicht alles schimmerte Golden. Auf der einen Seite schienen Buddha Sentenza mehr Siebziger zu sein, als die zeitgleich in der nahen Festhalle Frankfurt auftretenden Deep Purple. Anderseits standen sie mit ihrem sprachlosen Psych-Prog-Rock auch für eine Musik, die zwar tiefgründelnd, meditativ und ewiglich wirkt, sich nach einer Stunde aber auch etwas im Kreise dreht. Buddha Sentenza balancierten sozusagen auf dem schmalen Grat der psychedelischen Blumenkinderära und feinnervig-verspieltem Pomp. Wir wurden davon regelrecht weggeblasen... und es wäre ein Drama ohnegleichen, wenn mit Buddha Sentenza die Mission »Spacedelic Odyssee« enden sollte. Zumal mit Buddha Sentenza ein Orchester den Schwanengesang bestritt, das wie kaum ein anderes den Veranstaltungstitel derart perfekt repräsentierte!
Eröffnet wurde die Nacht indes durch WOLF PRAYER, auf die besonders meine Adjutantin so heiß war - und die von der ersten Sekunde auch eine unfassbar starke, energiegeladene Performanz ablieferten. Hypnotisch verzerrtes Brummen, hupende und manchmal von Sterneneffekten unterlegte Basslinien, bumsende Trommeln, gepaart mit einer kräftigen dunklen Stimme: Das war der Treibstoff für Wolf Prayer. Der unglaublich stoisch entwickelte, romantische wie dunkle Auftritt des kleinen Rudels aus den Wäldern zwischen der Pfalz und der Saar bestand aus fünf Liedern, die von der Flucht aus der Enge unserer Lebenswelt und den Verleitungen zur Rückkehr erzählten. Genau so wie es Wölfe und ihre Rudel tun. Umrahmt vom psychedelischen Bildertaumel im Hintergrund, verzauberten Wolf Prayer uns dabei mit der authentischen Ausstrahlung ihrer Akteure und betörten mit zeitlos schönen Fuzz- und Stoner-Rock-Welten. Jan, Tim und Matze hatten nur die fünf Lieder, die sie brachten - das letzte war sogar eine Uraufführung! - aber die lagen auf höchstem Niveau. Obwohl keines auch nur eine Spur abfiel, ragten für mich zwei noch hinaus: das hymnisch-wehmütige »According to the Rule« (das Erinnerungen an die legendären Doom-Rock-Gruppen von »Hellhound« weckte); und der repetetiv ausschweifende Zehnminüter »Shape Shifter« (als finale Big-Bang-Supernova - wow!).
 
Zur Mitternacht endete der zweiundzwanzigste und vorerst letzte Trip ins Drüben mit der Flugscheibe SPACEDELIC ODYSSEY. Ob es zu einer Wiederholung kommt, oder ob sie für immer auf der dunklen Seite des Monds bleibt, das wissen nur Jonas und die Sterne...
 
 

Text und Bilder: Heiliger Vitus, 12. Juni 2017
.:: ABSPIELLISTEN ::.
 
WOLF PRAYER
(21.09-21.47)
1. Like a Fool
2. Desert
3. According to the Rule
4. Wolf Prayer
5. Shape Shifter
 
BUDDHA SENTENZA
(22.22-23.58 (?))
1. Jet
2. Greek Ancestry
3. The Monkey Stealing the Peaches
4. Kreen
5. Laika
6. Blood Rust
7. Hieronimo
8. The End is coming, we'll take it from here
9. Kehakeeltekool