COVEN, DUNE PILOT, SONS OF MORPHEUS
D-Frankfurt am Main, Das Bett - 18. Juni 2018
Gift, Gift, Gift! Die heutige Konzertaktion war für mich eigentlich verboten. Ich schleppte ein kleines Geheimnis mit mir rum, und nach dem Wagnis bei Nebula waren nur achtundvierzig Stunden Erholung geblieben. Eine Verletzung hätte böse enden können. Ich wollte auch überhaupt nicht ins Bett! Zwei Leute hatten mich aber angestiftet: Big Simonski nannte Coven aus USA eine Pflicht, und die eigene Partnerin wollte Dune Pilot wiedersehen... Es wurde unser erster Besuch im Bett seit dem Rauswurf seines Ex-Inhabers. Herr Diedrich, der das Bett 2005 in Sachsenhausen errichtete und mit ihm 2009 in den Gallus umgezogen war, hatte den Laden im Frühling 2017 an eine Firma aus München verkauft (um seine Rente abzusichern und sein Brot solange als Programmleiter zu verdienen), und war ein halbes Jahr später von seiner nunmehrigen Chefin, Missy Motown, ausgebootet und gefeuert worden. Mit dem Klubgründer durfte auch sein Assistent gehen. Geschichte war auch der angrenzende „Zhi Wei Guan“, bei dem die Bettgänger gut essen und gut trinken konnten. Auch dieser glückliche Ort wurde am heutigen Montag geräumt. Doch das Leben ging weiter. Und rein äußerlich hatte sich an unserem Bettchen ja auch nichts geändert. Wie vor zwei Abenden im „Orange Peel“ saß erneut Herr Kostis an der Kasse. Hundert Leute füllten es locker auf. Viele, die man lange kennt (zumindest ihr Gesicht)...
Eine verpaßte, nur halbstündlich verkehrende S-Bahn, die nächste dafür mit zehn Minuten Verspätung - und schon waren uns die drei Göttersöhne aus Basel entgangen. Von SONS OF MORPHEUS erlebten wir nur den Schluß. Der glich einer Gruppe auf der schwierigen Suche nach dem richtigen Platz in der Musik. Nachdem sich die Schweizer erst wie ungezügelte Vintage-Rocker zeigten, gestalteten sie den Ausklang mit schwer gedrosselten Instrumenten und doomig-entrückter Mimik. Oder frei nach ihrem Namen: wie Traumgötter...
Derweil die Sonne von ihrem Zenit allmählich versank (in drei Tagen war Sonnenwende), stiegen DUNE PILOT zu neuen Gipfeln empor. Getaucht ins stimmungsvolle Licht des Betts, legte das vierköpfige Rudel aus München einen wuchtigen Auftakt hin und verwandelte den Klub mit seinem treibenden Stoner Rock, der unweigerlich an die Projekte von John Garcia erinnerte, in ein wogendes Meer aus schwitzenden Leibern. Die wuschigen Riffs rissen genauso mit wie der kojotige Gesang, der heute viel gelöster kam. Dazu saß der originale, langbärtige Schrat am Schlagzeuger. Vom alten Bruchner forciert, blühten Andris, Chris und Sarcinella nach ihrer leicht zerrütteten Vorstellung vor zwei Wochen im Kesselhaus Wiesbaden, und einem anschließenden Roadtrip - erst mit Karma To Burn, dann mit Coven - heute richtig auf, und spielten sich in einen regelrechten Rausch. Mit stoischer Ausstrahlung, voller Herz und Charme und diebischem Spaß, grinsend über alle Backen wie die berühmten Honigkuckenpferde, kredenzten Dune Pilot ein leicht gestutztes, aber umso tafferes Programm. Alles lief frei und unbeschwert, viel, viel lockerer und tiefer - kurzum: formidabel. Das Finale machte eine forsche Neunummer namens „Lowlands“. Mit diesem Auftritt festigten Dune Pilot ihren Ruf als aktuell wohl beste Stoner- und Desertrocker hierzulande. Und sie schnappten sich damit auch die Krone der Nacht!
Hex, hex! Sie tauchte auf wie nicht von dieser Welt: Esther Dawson, süße achtundsechzig, blond und aufreizend verführerisch, schien neu im Geschäft - und war doch schon immer da. „Jinx“ wurde sie genannt; ihre Gruppe hieß COVEN (zu deutsch Zusammenkunft oder auch Hexenzirkel). Coven formierten sich anno 1967! Seltsam, daß viele den Namen nicht kannten. Waren Coven eine weitere Ente der Netzwelt? Die trieb mit Schwarzen Messen und Verbindungen zu Charles Manson und Satanspriester LaVey wilde Blüten um Coven. Zumindest die Shirts trugen mit 25 Euro Mainstream-Format. Der „Murmler“ Micha hatte mich vor der Schau erhellt (und beruhigt!), daß er Covens erste Schallplatte 'Witchcraft' „geliebt“ habe, Sängerin Jinx die „Devil horns“ (Teufelsgruß) als ihre Erfindung beansprucht (noch vor Ozzy!), und ihr Bassist pikanterweise „Oz“ Osbourne heißt (aber nichts mit Ozzy Osbourne zu tun hat). Fakt ist auch, daß Covens erstes Lied von 1969 „Black Sabbath“ hieß - bevor sich die Engländer mit ihrem gleichbetitelten Album auf Coven bezogen! Müßig zu spekulieren, ob wir mit mehr Interesse anders rangegangen wären... Der Bund aus Chicago war in dieser Nacht mit Jinx Dawson, Chris Nielsen und den weiteren Urmitgliedern Mike Osbourne und Steve Ross aufgestellt - fast original! Nach schaurigem Geheule und Gelächter vom Tonband, untermalt von exorzistischen Wackelfilmchen, erschienen die Amis unter weiten schwarzen Kutten, so daß nur ihre Umrisse sichtbar waren. Jinx trug ferner eine glitzernde Maske und Handschuhe. Stilistisch und genetisch prallten nun Welten aufeinander. Während die Vorgruppen für die Neunziger standen, waren Coven wie ein archaisches Relikt in den Woodstock-Sechzigern stehengeblieben. Genau so wie die aufgespritzte Geisterfrau die Großmutter des einen oder anderen sein konnte, klangen Coven wie eine Reinkarnation von Jefferson Airplane mit der Stimme von Jex Thoth. Was als mystisches Ritual und zumindest anfangs interessanter Auftritt mit gewissen Gänsehautmomenten begann, wandelte sich mit der Demaskierung vorm zweiten Lied zu einem Mummenschanz. Allzu klar waren die Rollen verteilt. Neben der Egozentrik und Dominanz ihrer Fronterin, die sich unübersehbar für einen Star hielt (Jinx verdingte sich schon als Model und Schaupielerin), wirkten die Männer wie Unterwürfige. Neben einem musikalisch eher unauffälligen Fortgang aus okkultem Endsechziger-Rock, gab es auch andere Mißtöne (wie Jinx´ Ärger über ihren zu langen Umhang, auf den sie mehrmals trat), und kitschige Effekte (wie Jinx´ Flirt mit einem Totenkopf), die noch durch Ansagen im Groschenheftstil verschlimmert wurden. Unmöglich, daß Dawson vor vierzig Jahren schon mal in unserem „Country“ war. Ebenso wenig, daß dies die erste Tour seit 1968 war. Am gruseligsten war aber Jinx´ alabasterne Schönheit. Im November sehen wir Coven beim Hammer-Of-Doom-Fest wieder, die Rekrutierung erfolgte just in dieser Nacht. Dort wird es zur bombastischen Rückkehr der Okkult-Ikone kommen. Meine Eskorte äußerte: „Mir hat das Konzert gestern gut gefallen, Dune Pilot sowieso, aber auch die Coven waren mal was anderes und boten eine gute Show.
 
 

Text und Bilder: Heiliger Vitus, 25. Huni 2018
.:: ABSPIELLISTEN ::.
 
SONS OF MORPHEUS
(20.15-21.05)
Titel unbekannt
 
DUNE PILOT
(21.20-21.54)
1. Speak Up
2. Postman
3. The Willow
4. I´m Your Man
5. Loaded
6. Lucy
7. Lowlands
 
COVEN
(22.17-23.17)
1. Out of Luck
2. Black Sabbath
3. Coven in Charing Cross
4. White Witch of Rose Hall
5. Wicked Woman
6. The Crematory
7. Choke, Thirst, Die
8. Black Swan
9. Dignitaries of Hell
10. F.U.C.K. (For Unlawful Carnal Knowledge)
11. Epitaph
12. Blood on the Snow