CRIPPLED BLACK PHOENIX
D-Frankfurt am Main, Das Bett - 10. April 2012
Iron Monkey waren als eine der ersten Sludge-Horden Ende der Neunziger Helden für mich gewesen. Monkey und Eyehategod: mehr gab es ja in dem Bereich nicht. Die Ohrschmerzwerke 'Iron Monkey' und 'Our Problem' waren fest mit meiner Anlage verrostet. Bis 2002 der Vokalist John Paul Morrow starb - und mit ihm Iron Monkey verblich. Nur einer machte weiter. Justin Greaves tingelte als Trommelhure erst durch Gruppen wie Electric Wizard, Teeth of Lions Rule the Divine, Varukers oder Mogwai, um schließlich 2004 aus den eigenen Gedanken Taten zu machen, und Crippled Black Phoenix zu formen. Greaves´ Vergangenheit war ein Grund für unsere heutige Vergnügung im „Bett“. Der andere eine postalische Blendgranate von Bett-Macher Diedrich, der riet, „besser den VVK zu nutzen“. Tatsächlich war der Klub auch zum Platzen voll. Das bedeutete an die 450 Zuhörer. Die Hälfte davon waren Pärchen, der Rest Cliquen aus Enddreißigern. Als Beginn war 20.30 Uhr ausgegeben. Kurz nach acht waren wir da. Man weiß ja nie... Wir mußten lange rumstehen, so im Mief der Menschen... Für den digitalen Tonträger der Engländer waren 18, für doppeltes Vinyl 25 Euro zu blechen; dazu baumelte hinter der Bühne ein Plakat mit der Losung RISE UP AND FIGHT...
... bis sich endlich der Phoenix in Form eines sakralen Frauenchors vom Tonband erhob. Um 21.05 Uhr war die Auferstehung aus der Asche Iron Monkeys geschafft. Mit CRIPPLED BLACK PHOENIX hatte ich mich nicht weiter befaßt, Greaves´ Wurzeln sollten genügen. Nach dem Einklang kurbelte ein Teil namens „Troublemaker“ den Auftritt mit enormer Wucht an. Wie Pink Floyd in den Sechzigern, nur auf Doom getrimmt: so fing das alles an. Doch schon mit der für die Masse gemachten Sinfonie „Fantastic Justice“ war alles Böse von einst entzaubert. Die folgenden Stücke im Gewand der Siebziger untermauerten eine neue Ausrichtung. Matt Simpkin (Gesang), Justin Greaves (Gitarre und Gesang), Karl Demata (Gitarre), Christian Heilmann (Baß), Miriam Wolf (Keyboard und Gesang), Mark Furnevall (Synthesizer) und Merijn Royaards (Schlagzeug) kredenzten ein Gemisch aus obsoletem Psych und Prog sowie modernem Stoner und Heavy Rock, das man Post-Metal nennen könnte. Womöglich lag der Wandel auch an den wie Freier durch die Gruppe gehenden Musikern. Neben den unter Mützen, Tätowierungen und Gurubärten versteckten Sechssaitern gaben sich heute zwei - milde gesagt - androgyne Blonde an Mikro und Baß, ein dürres Weib am Klavier, einer mit Intellektuellenbrille an der Orgel, sowie ein Trommler mit Dreadlocks bis zum Arsch ein Stelldichein (zwei trugen revolutionäre rote Armbinden, die drei Taktgeber wirkten eher abgesondert). Vom einstigen Nihilismus des Iron Monkey war nichts geblieben - keine angewiderten Inhalte, kein krankes Gekeif, keine durchgeknallten Bässe. Stattdessen wälzte sich tonnenschwerer Bombast ins Bett. Die drei tiefgelegten Gitarren, eine entschleunigte Gangart und Greaves´ lässige-brachiale Posen waren das einzige, was noch an Sludge erinnerte. Dazu ein Totengedenken für Johnny Morrow. (Hierbei schwor Greaves mit der Hand auf dem Herzen, seinen Gefährten nie zu vergessen.) Auf das etwas gequält traurige wie aufrüttelnde „When You´re Gone“ dröhnten Halbballaden voller Sternenglitzer und ewiglichem Gehupe durch den Raum. Sieben klischeebeladene Figuren in triefend schwarzer Kluft feierten sich in üppiger Kulisse, und die Pianisten sang „Of a Lifetime“ (wobei sie so heroisch wie Doro am Morgen klang). Aber das war noch lange nicht alles. Greaves hatte ja gleich zu Beginn gewarnt, daß das ein langer Abend wird. Die zehnminütige Improvisation „Burnt Reynolds“ vom bezeichnenden Album '200 Tons Of Bad Luck' (200 Tonnen Pech) war das letzte Teil vor den Nachbrennern, das letzte in unserer Gegenwart, eine gute Möglichkeit für eine psychoaktive Papirossa für den Trommler, und der Start zu weiteren Ausdruckstänzen für die Schäfchen. Nach hundert Minuten haben wir die Tommys verlassen. Crippled Black Phoenix waren ganz hübsch, aber das Böse hat gefehlt. Weniger Hang zum Mammon, stattdessen Treue zum Untergrund wäre der bessere Weg gewesen. Die 17 Euro Eintritt habe ich bereut.
 
 

Text und Bilder: Heiliger Vitus am Freitag, den 13. April 2012
.:: ABSPIELLISTE CRIPPLED BLACK PHOENIX ::.
1. Troublemaker
2. Fantastic Justice
3. Heart Of Every Country

4. Get Down and Live With It
5. When You´re Gone
6. A Letter Concerning Dogheads
7. The Brain / Poznan
8. Of A Lifetime
9. Laying Traps
10. Burn In A Hurricane
11. Release The Clowns
12. Suggestion (Not A Nice One)
13. 444
14. Whissendine
15. We Forgotten Who We Are
16. Rise Up And Fight
17. Burnt Reynolds
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18. A Partizan / Bella Ciao / El Pueblo
19. Time of Ye Life / Born for Nothing /Paranoid Arm of Narcoleptic Empire