MAGMA RISE, TEXAS CORNFLAKE MASSACRE
D-Frankfurt am Main, JUZ Hausen - 20. April 2012
Ausgangspunkt für diesen Abend waren ein Konzertplakat und drei liebevoll gestaltete F r e i k a r t e n, die Organisator Jochen uns in den Briefkasten gesteckt hatte. In Gedanken waren wir zwar schon neun Tage weiter, beim eigenen Unternehmen „Hamburg-Marathon“, aber nun hielten wir die Karten in den Händen, und ehrlich gesagt: Wann wird Frankfurt schon mal mit Doom beehrt? Magma Rise waren Ehrensache! Auch unsere Afrikanerin wollte diesmal mitkommen - doch dann war die Angst vor den vier verruchten Bartträgern und all dem Unbegreiflichen an jenem unheiligen 20. April zu groß. Damit mußten Peanut und ich ein weiteres Mal allein zur „Lula“ respektive dem „MJH“ - wie der Neubau in der Ludwig-Landmann-Straße jetzt in Kurzform heißt - ziehen. Trotz der vom Stadtteilblatt verbreiteten Falschmeldung „Eintritt frei!“ wurde der Lula nicht die Tür eingerannt. Siebzig Besucher, darunter die Gruppenköpfe von Angst und Elvenpath, viel Weibsvolk, dazu eine Handvoll Mitarbeiter und halbberufliche Reporter, sowie ein weißes Hundsviech, stellten eine lockere Kulisse. Und dann nahm der Abend einen unerwarteten Lauf: Vor drei Wochen hatte eine Gruppe, die schon mal in der Lula war, um einen Auftritt vor Magma Rise angefleht - und der Veranstalter war eingeknickt. Karten und Plakate waren bereits gedruckt, der Eintritt auf einen Zehner festgesetzt, doch die Nachrücker kümmerte das nicht...
Mit „The Human Abstract“ begann der kurze, aber richtig heftige Blitzkrieg der Frankfurter Untergrundeinheit TEXAS CORNFLAKE MASSACRE. Aus ursprünglichem Gram über den unnötig aufgeblähten Abend sollte schon bald alle Achtung werden. Ein Vokalist mit dem irgendwie aus der Seele redenden Hemdenaufdruck FAMOUS HUMAN WASTE, zwei Langhaarige an den Sechssaitern (einer davon erst jüngst dazugestossen), der vermeintliche Gruppengründer am Baß, dazu einer fürs Grobe hinterm Schlagzeug: das tummelte sich auf dem Geviert. Davor warb ein Tänzer im leuchtenden Karton für Cornflakes. Die oben auf der Bühne lieferten Schlag auf Schlag einen Mix aus Death, Thrash und Grind - auch Metalcore genannt -, der sich gewaschen hatte. Donnergegurgel, wahnsinnige Schreie, auch ein paar reine Stimmen, dazu das Gewitter aus Gitarren und Knüppeln, krachten da in einer völlig absurden Optik aufeinander. 36 Minuten lang setzte es die Peitsche nicht nur für den bellenden Freund in Weiß, sondern auch für etwa zwanzig eher auf Rock gepolte Memmen, die es bereits nach wenigen Augenblicken verschreckt hatte. In der Regel ging es mit Volldampf auf die Glocke. Einzig „Love Let Her Forget“ ließ es auch mal etwas entspannter im Karton rascheln. Den letzten und zugleich stärksten Mörsereinschlag setzte es durch „And the Devil Turns the Lights Off“. Um es mit der einzig wahren Haferflockenschachtel zu sagen: „Der Style war geil!“
Als Gabor Holdampf, Sandor Füleki, Kolos Hegyi und Sandor Banfalvi zu den Apparaten griffen, wurde die Hochgeschwindigkeit des Metalcore zu einer Kriechfahrt durch Doom. Als „international bekannte Band aus Budapest, die im Musik-Genre 'Doom Metal' einen außerordentlich guten Ruf genießt“, wurden die Ungarn angepriesen. MAGMA RISE sind nichts anderes als die Überlebenden von Mood und deren Nachfahren Wall Of Sleep. Die Magyaren hatten auf ihrem Feldzug durch Polen, Deutschland und die Schweiz Halt in Frankfurt gemacht. Damit ergab sich nach sieben Jahren ein Wiedersehen mit Gabor und Sandor. Gleich der einleitende Düsterrocker „Time´s Been Given“ war als Dank an den Macher zu verstehen, und mit düsteren Widmungen ging das weiter. Fast schienen die Uhren stillgestanden zu haben. Hast Du schon mal einem Ungarn in die Augen gesehen? Dieses Feuer, diese Herzenswärme... Alle äußeren Veränderungen waren von marginaler Natur. Magma Rise trugen heute Mützen, Bärte, kahlgeschorene Schädel und bullige Körper zu Schau, und verkörperten damit alle Klischees des Sludge. Sie schienen wie die Bulldozercrew Crowbar - fuhren dann aber eine unerwartete Melange aus Blues und Southern Rock auf. Jene fiel nicht nur völlig aus der Zeit, sondern kam leider auch etwas dumpf, etwas stumpf und ohne zündende Idee, wie ein Strom Alteisen daher. Dazu ließen die vier es an der gewohnten Energie fehlen. Zu weise und in sich ruhend wirkten ihre heutigen Aktionen. Womöglich lag´s auch an der undoomigen Umgebung oder an der Beschallung: Geduld war vonnöten, um die auf Dauer gleichförmigen Stampfer durchzustehen... bevor final die Magie des Doom aufblitzte: Erst durch das zeitlupenhafte „Risen“; dann durch das fürs Publikum gemachte „For Those...“ (schließlich kamen Magma Rise bei vielen gut an!); und darauf mit der von einem Sabbath-Riff geprägten Zugabe „Glow, Burn, Scream“. Die zweite Fortsetzung war nichtiger Natur. Nach sechzig Minuten waren Magma Rise durch. Wir haben bis zum Ende mitgelitten und mitgefiebert...
 
... denn die „Lula“ und ihre Konzerte aus einer längst vergangenen Zeit sind der schönste Ort in Frankfurt überhaupt. Einer der wenigen Orte, die man mal sehr vermissen wird.
 
 
Text und Bilder: Heiliger Vitus, 23. April 2012
.:: ABSPIELLISTEN ::.
 
TEXAS CORNFLAKE MASSACRE
(21.18-21.54)
1. The Human Abstract
2. Out of a Frying Pan into the Fire
3. Murphys Law
4. We Are Born to...
5. Love Let Her Forget
6. Exit to the...
7. And the Devil Turns the Lights Off
 
MAGMA RISE
(22.17-23.17)
1. Time´s Been Given
2. Church of Pigs
3. Standby

4. Giant Ball of Lead
5. Risen
6. By the Hand of the Divine
7. Five
8. Tombstone Eyes
9. For Those...
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10. Glow, Burn, Scream
11. By the Hands of the Divine