CROWBAR
D-Frankfurt am Main, Elfer Music Club - 26. Juli 2014
Die weltweit bekannten, 1989 in New Orleans, Louisiana, als The Slugs gegründeten Crowbar, kehrten nach restlos vergriffenen Feldzügen im April 2014 noch mal in ausgewählte Klubs in Deutschland zurück - zu Beginn der Hundstage in den „Elfer“ Frankfurt. Mit ihrem Debüt 'Obedience Thru Suffering' (1992) und den Nachfolgern 'Crowbar' (1994) und 'Time Heals Nothing' (1995) waren Crowbar zusammen mit den ebenfalls zur „NOLA“-Szene gehörenden EyeHateGod die Erfinder des Sludge, der schnellen Hardcore mit langsamem Doom vereint. Im Unterschied zu den etwas anderen EyeHateGod waren Crowbar aber zugänglicher und damit massentauglich. Neben Philip Anselmo als Produzenten hatten Crowbar mit ihren Videoclips ferner einen Stammplatz in MTVs „Headbangers Ball“; dazu brachten Frontmann Kirk Windstein und Bassist Todd Strange zusammen mit Phil Anselmo (Pantera), Pepper Keenan (Corrosion of Conformity) und Schlagzeuger Jimmy Bower (EyeHateGod) das alternative Down-Album „Nola“ raus... Legenden haben ihren Preis. Einiges an Moneten war für den Auftritt im Elfer zu blechen. Eine Besucherin gab den Preis per Funktelefon durch: „18 Euro kostet die Scheiße.“ Neunzig Leute kamen: eine Hälfte stämmige, wie auf Droge umherstürzende Hardcoreler; die andere besoffene Kuttenträger auf dem Weg nach Wacken kommende Woche. Der sympathischste trug einen Nasty-Savage-Fetzen vom „European Blitzkrieg ´88“. Mit diesem Gemenge mutierte der Keller zu einem Schwitzkasten. Zu trinken gab´s angekühltes Flaschenbier, Frauengröße zu Dreifünfzig. Weit über eine Stunde mußte zwischen Einlaß und Beginn durchgehalten werden...
... bis kurz nach neun alle Handtücher am richtigen Platz lagen und die ersten Riffs erklangen. Schon nach zwei Teilen war klar, daß Windstein und Konsorten auf ihre alten Tage noch mal die Sau rauslassen wollten. Die frühen Neunziger, in denen Crowbar Sludge-Metal zelebrierten, und mit Bassist „Sexy T“ einen wahren Bullen als Markenzeichen hatten, sind Geschichte. Matt Brunson, Jeff Golden und Tommy Buckley waren heute die Männer um das einzige Gründungsmitglied (wobei Golden nicht nur genauso glatzköpfig und langbärtig, sondern auch ebenso depressiv wie Windstein daherkam). Mit der neuen Crew ging´s abwechslungreicher zur Sache. Fetter Metalcore amerikanischer Machart wechselte sich mit brachialen Hardcore-Attacken ab. Ein Fressen fürs rempelnde Wacken-Volk - enttäuschend jedoch für die paar Doom-Addikts. Unter 13 Liedern fanden sich mit „Symmetry in Black“, „Liquid Sky and Cold Black Earth“ und „The Lasting Dose“ nur drei ansatzweise Doomer respekive Sludger. Dazu fehlte es der Performanz an Herz und Seele. Zu viel Hitze macht eben stumpf. Die gepresst klagende, voller Pein und Desillusion steckende Stimme Windsteins ging im gewaltigen Gewitter der Gitarren und Trommeln genau so unter wie sämtliche herausgenuschelte Ansagen. Lästig ferner, daß Crowbar ihrem Publikum nach jedem Stück den Rücken kehrte, um die Gitarren neu zu stimmen. Echt freuen durften sich nur die beiden Edelfans, denen der „Riff Lord“ ein Endlosständchen vor deren Augen kredenzte. Crowbar 2014 hatten mit ihren Wurzeln nicht mehr viel zu tun. Der Schluß verlief sang- und klanglos wie die ohnehin feststehende Zugabe durch das Brecheisen „Self-Inflicted“. 18 Euro für 63 Minuten, 15 für eine CD, dazu vier häßliche Männer, und ein Ort wie eine abgegriffene, klebrige Nutte: Das war Beschiß!
 
Die ab Mitternacht steigende Metal-, Hardcore-, Stoner- und Nu-Metal-Sause AUF DIE 12! mit Dj Knospo war geschenkt. Auf unserem Heimweg kamen wir am Affentorplatz noch an einer Gedenkplatte für einen 21jährigen vorbei, der hier 1982 nach einer Berührung auf dem Fußweg von einem 18jährigen mit Schlägen ins Gesicht getötet wurde. In Alt-Sachsenhausen ging´s schon immer etwas brutaler zu!
 
 
Text und Bild: Heiliger Vitus, 28. Juli 2014
.:: ABSPIELLISTE CROWBAR ::.
(21.09-22.12)
 
1. Cemetary Angels
2. Walk With Knowledge Wisely
3. Symmetry In Black
4. Conquering
5. New Dawn
6. Sever The Wicked Hand
7. Liquid Sky And Cold Black Earth
8. Burn Your World
9. The Lasting Dose
10. High Rate Extinction
11. All I Had (I Gave)
12. Planets Collide
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13. Self-Inflicted