DER WEG EINER FREIHEIT, ARROGANZ, FALLEN TYRANT
D-Frankfurt am Main, Elfer Music Club - 5. Januar 2012
Daß Klubs wie Frankfurts „Elfer“ und „Batschkapp“ schon immer ein Problem mit bestimmten Anziehsachen hatten, war mir bewußt. Unvergessen mein Scheitern am Türpersonal eines „Idiot Ballroom“s anno 1991 wegen Tragens einer Pit-Bull-Hose. Die Onkels haben seit den Achtzigern Hausverbot und mir selber wurde beim Posieren mit einem Onkelz-Pulli vor der „Batschkapp“ Kloppe angedroht. Neu war mir bis zu jenem Donnerstag im Januar jedoch, daß auf einem Black-Metal-Konzert Utensilien der Stilgründer Burzum verboten sind.
 
Dirk N., einst Trommler der Stonerdoomer Wight, wußte um meine Schwäche für spirituellen Black Metal und hatte mich als Organisator auf den Auftritt von Der Weg einer Freiheit überhaupt erst aufmerksam gemacht. Wights Bassist Schierhorn sollte beim Eröffner Fallen Tyrant als „Mithras Sol Invictus“ hinterm Mikro stehen. Ursprünglich wollte Dirk das Konzert in der Villa Oettinger in Darmstadt machen. Aber man weiß ja, die Villa... Der „Elfer“ schien besser geeignet, und bei Wolves in the Throne Room 2009 durfte ich auch in Burzum-Kleidung rein. Für heute hatte ich gar die Befürchtung, daß jeder Zweite etwas von Burzum anhaben könnte - und habe trotzdem wieder Burzum getragen.
 
Abends um neun trafen Frau Peanut und ich am Konzertort in Eschersheim ein. Ron vom E-Zine „Not An Emergency“ lehnte allein in einer dunklen Ecke rum. Wir hatten uns ewig nicht gesehen. So um 21.15 Uhr begaben wir uns zu dritt an die Kasse - wo mich ein schlechter Scherz erwartete: „Darf ich mal dein T-Shirt sehen?“ Und: „Mit Burzum kommst du nicht rein!“ Mein Vorschlag, das Leibchen auf Links zu ziehen, wurde mit der Begründung, „an der Hose sind auch Burzum-Aufnäher“ abgelehnt. Zwei Gestalten, die noch gar nicht geboren waren, als Graf Grishnackh bereits mein Held war, verwehrten mir den Zugang zum Keller. Wahrscheinlich kannten sie keine Zeile von Burzum, aber das Auge war geschult. Alles nach Runen, Fraktur und Burzum Aussehende wurde ausgeschlossen. (Argwöhnisch beäugt - doch grollend toleriert - wurden ferner Textilien von Endstille, die absurderweise ein Ex-Mitglied der Antifa in den Reihen hat...) Kurzum: Ron und mein Mädel waren drin, mir blieb das Tor zur Hölle jedoch verschlossen. Der Weg einer Freiheit wollte angeblich kein Burzum im Publikum. Worauf Ron den Gitarristen Nikita um Hilfe anflehte. Und sieh an - der hatte überhaupt nichts gegen Burzum! Nun sollte es laut Einlaßdienst plötzlich der Organisator gewesen sein, welcher den Ausschluß von Burzum-Trägern anwies. Dirk höchstselbst hatte mich aber eingeladen! Nicht auszudenken, hätten Peanut und ich auf der Gästeliste gestanden! Ein Unglück wollte es indes, daß Dirk vor sechs Wochen einen komplizierten Wadenbeinbruch erlitt, und an Krücken nicht erscheinen konnte. Das war´s... Peanut vernahm noch hinterfotziges Gemurmel wie: „Leute mit solchem Gedankengut kann ich grundsätzlich nicht dulden“, und: „Wenn wir den reinlassen, machen wir uns doch unglaubwürdig!“ Zwei Verstrahlte zerstörten uns also das Ereignis, doch Ron hatte noch einen schönen Abend mit Der Weg einer Freiheit. Peanut und ich bekamen den Eintritt (16 Euro) zurück. Wir sind mit den ersten Klängen von FALLEN TYRANT (21.35 Uhr) abgezogen... und kamen nach einem Spaziergang an der frischen Luft und einer Fahrt im Autobus kurz nach halb elf Uhr wieder zuhause an. Ich war heilfroh, unserem Freund Jochen von der Begleitung abgeraten zu haben. So wurde der Abend nur uns Zweien versaut. Aber wir hatten keinen roten Heller ausgegeben, und auch keine schweren Köpfe. Ändern wird man mich sowieso nicht mehr. Niemals werde ich rote Sterne und Baskenmützen tragen. Krakelige und hakelige Runen jedoch immer und ewig!
 
Gute Nacht, „Elfer“! DEN WEG EINER FREIHEIT werden wir an einem bess´ren Ort erleben!
 
 

Text: Heiliger Vitus, 6. Januar 2012 (350 Tage vor Ragnarök), Bild: Der Weg einer Freiheit
Reaktion eines Besuchers (1)
„[...] Mir hat das gestern wirklich die Laune verdorben. Im Publikum stand dann noch ein Individuum in Horna-Kluft mit stolz zur Schau gestelltem Satanic Warmaster Patch auf dem Rücken. Ich hab den einen Wichtigtuer mal drauf hingewiesen und der sagte nur, daß er diese Bands nicht kenne bzw sie nicht auf seiner Liste stünden. Selbst sein mit der AntiFa sympatisierender Kumpel war damit überfragt. Konsequenz mal anders und in lachhaft. Das Konzert an sich war wirklich gut. Sehr schade, daß man Dir diese Erfahrung verwehrt hat. [...]“
 
Reaktion eines Besuchers (2)
Bericht über eine lächerliche pseudo AntiFa Aktion beim gestrigen Konzert von Der Weg einer Freiheit im Elfer Klub zu Frankfurt/Main. Seltsamer Weise konnten in Horna- und Satanic Warmaster Kluft gekleidete Individuen Einlaß erlangen. Auf Nachfrage bei den exekutiv tätigen Personen wurde selbstentwaffenend mitgeteilt, „...man kenne sich in der Szene nicht wirklich aus, aber der Name Burzum wurde explizit als nicht erwünscht genannt.“ Absolut konsequent lachhaft. Im Grunde und demokratisch in Worte gefaßt, kann jeder tragen, was er möchte und der Meinung sein, die er für richtig hält. Politik und Musik haben in meinen Augen nichts miteinander zu tun. Ohne Burzum - egal wie verquert und fragwürdig eine Person wie Varg Vikernes auch sein mag - gäbe es unendlich viele Bands im Genre Black Metal heute gar nicht. Rein musikalisch ist hier nichts in Frage zu stellen. Mir hat diese Aktion gestern wirklich die Laune verdorben, denn Vitus ist ein feiner Kerl. Und mit Dieter Nuhr gesprochen: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten!“ Ende der Durchsage.
 
Reaktion eines Dritten
Ja Vitus, es hat einfach keinen Zweck mit diesen Links-Dogmaten: Die sind genauso scheiße, wie die Rechten. Gerader Blick, kein Platz für nach links und rechts zum gucken. Aber: Unser Kopf ist rund, damit sich die Gedanken in alle Richtungen bewegen können. [...]“
 
Reaktion eines Mitglieds von Der Weg einer Freiheit
Hallo Vitus, ich habe deinen Beitrag sowie die zusätzlichen Kommentare gelesen! Sorry nochmal, daß dir das den Abend so vermasselt hat. Aber wie gesagt, das wurde über unseren Kopf hinweg entschieden und es nervt mich ehrlich gesagt, daß wir als 100% unpolitische Band auf einer politischen Veranstaltung spielen. Das ist sie in meinen Augen genau dann, wenn sie unter dem Banner „gegen rechts“ läuft. Nicht falsch verstehen, wir verabscheuen nationalsozialistischen und faschistischen Abschaum aufs Äußerste und würden natürlich genauso wenig auf einer rechten Veranstaltung spielen, aber wir appelieren mit unserer Musik an das Gute im Menschen, gehen also den humanistischen Weg und nicht den politischen. Dafür habe ich mich entschieden und dabei wird es bleiben. Wir werden uns jetzt und in Zukunft auch nicht weiter auf solche Diskussionen einlassen. Bzw. wollen wir es versuchen, oftmals wird man ja leider regelrecht dazu gezwungen... Ich denke auch, daß es für dich/euch nochmal einige Möglichkeiten gibt, uns zu sehen! :) [...]“