DIE! DIE! DIE!, PIGEON
D-Dresden, Groovestation - 4. Dezember 2017
Unser letzter Besuch in der „Groove“ lag etwas länger zurück. Es waren die Subsonics vor fünfzehn Jahren... Am ersten Montag im Dezember 2017 kam´s zu einem Revival: Aus Jux und Dollerei hatte Frl. Peanut auf der Netzseite des Klubs ihre E-Mail-Adresse ins Feld „Freikarte“ eingetragen... und - palim, palim - eine Stunde später eine Nachricht mit einem Glückwunsch zu einer Freikarte erhalten. DIE! DIE! DIE! mit Pigeon am 4.12.17 dort bei denen im Haus der internationalen Krach-Verschwörung. Sie sollte die E-Mail ausdrucken oder dem freundlichen Mann an der Kasse mit Hilfe ihres Smartphones vor die Nase halten. Die Damen und Herren von „Cool Vacation“ und der Groove freuten sich... Der Laden im Hof der Katharinenstraße präsentierte sich leicht transformiert: Während man sich im Hinterzimmer mit seinen vielen Billard- und Kickertischen eher in einem Casino wähnte, hatte sich im vorderen Teil die Bar mit dem Konzertraum vereint. Durch den Wechsel der Bühne zur Stirnseite ergab sich ein richtiger Saal für zweihundert Leute. Fünfzig waren für Die! Die! Die! rausgekommen: durch die Bank Studierende der Generation Y. Am Einlaß konnten handgezeichnete Konzertplakate (Motiv: Katze, als Siebdruck im A2-Format) gekauft werden.
Gleich die erste Gruppe war der Generation Y wie auf den Leib geschnitten. Mit ihren schnellen, rauhen Schrammelgitarren und den verlorenen, dunklen Schreien, standen PIGEON aus Berlin und Leipzig für eine Generation, der die Welt zwar offen liegt, die aber meist nichts bekommt außer Heimatlosigkeit und steter Sorge. Schon beim zweiten Stück riß eine Saite. Dies führte aber nicht nur zu einem minutenlangen Bruch, sondern auch zu einer gewissen Menschlichkeit. Es war schon etwas anrührend, wie der Gitarrist nach einer Lösung und der Sänger nach Worten suchte - bis der neuseeländische Frontmann von Die! Die! Die! den Dreien kurzerhand seinen Sechssaiter borgte. Und zwar ein Modell mit sehr großem Körper und Gurt in den Regenbogenfarben. Militzer, Paulus und Bieberich lieferten eine halbe Stunde Post Punk, Noise und Gefühlsanarchie tief in der Tradition von Joy Division, die sie offen zugegeben mögen. Es fühlte sich an wie in den Achtzigern. Auch wenn es nicht (mehr) meine Musik war: Pigeon kamen äußerst intensiv und stark - und keineswegs wie Ratten der Lüfte (Pigeon heißt übersetzt Taube)!
Auch DIE! DIE! DIE! verehrten ganz offensichtlich die Achtziger und Joy Division. Sogar die Shirts waren im 'Unknown Pleasures'-Stil bedruckt. Und dabei waren sie mit ihrer Gründung um die Millenniumswende und bereits sechs Lang- und fünf Minialben selbst so was wie die Paten der Post-Punk- und No-Wave-Bewegung Neuseelands. Nun kamen Trommler Prain sowie Gitarrist und Vokalist Wilson als Urmitglieder mit ihrem Langeisen 'Charm. Offensive.' ums Eck. Rory Attwell bediente den Bass. Es war eine kleine Sensation, wie lässig das Trio aus Auckland die alte und die neue Zeit vereinte. Wilson strotze nur so vor Energie; seine Performanz trug sportliche Züge: Vor gerade mal fünf Wochen war er in 4:38 Stunden den Auckland-Marathon gelaufen. Wieder und wieder sprang er vom Geviert, drängte in die Meute. Ungemein druckvoll dröhnten dazu seine lauten Gitarrenläufe und hellen Vokale, die er hauteng ins Mikro schrie, während der Schweiß in Strömen auf den Boden tropfte. Voll nach vorne ging auch der Sound; hart rockende Nummern kopulierten mit Abstechern zum Britpop und Wave. So bekam Dresden eine volle Ladung Punk aus Down Under. Keine Gefangenen machte auch mancher an der Bar. Zurecht, denn das war ein schöner Abend. Aber mit dem „Stirb! Stirb! Stirb!“ in der Groove war es leider noch nicht getan...
 
... denn der letzte Schluck im „Heavy Duty“ stimmte uns sehr traurig. Chef Willi erklärte uns, daß der 1999 eröffnete Metal-Schuppen ab Frühling 2018 in der bisherigen Form nicht mehr existieren wird. Nach 18 Jahren hatten sich Willi und der Lange auseinandergelebt. Auch die Gesundheit spielt eine Rolle. Mit dem „HD“ stirbt eine weitere Instanz in Dresden. In der Nacht vom vierten auf den fünften Dezember nahmen Frl. Peanut und ich das letzte Abendmahl im Schatten des kutligen Gemäldes neben der Bar...
R.I.P., good old memories!
 
 

Text und Bilder: Heiliger Vitus, 12. Dezember 2017
.:: ABSPIELLISTEN ::.
 
PIGEON
(20.23-20.58, unvollständig)
1. Hoisin
2. Tiny
3. Gaping
 
DIE! DIE! DIE!
(21.22-22.18)
1. People Talk
2. Blinding
3. HowYe
4. S I N I S T E R
5. A.T.T.I.T.U.D
6. Harmony
7. Window In My Pocket
8. My Friend Has A Car He Starts With A Hammer (What Has Been Seen Can't Be Unseen)
9. Whitehorses
10. How Soon Is Too Soon (It's Not Vintage It's Used)
11. Bottlecaps And Phones (I Can't See You)
12. Shyness Will Get You Nowhere
13. Ashtray! Ashtray!