GORILLA MONSOON
D-Dresden, Heavy Duty - 21. Juli 2001
Vorwort
 
Dieser Konzertrapport über Gorilla Monsoon 2001 ist mein erster überhaupt. Die ersten Heavy-Horden hatte ich allerdings in den Achtzigern des vorigen Jahrhunderts erlebt. »Monsters Of Rock« 1984 in Nürnberg und Slayer mit Overkill 1988 in Offenbach am Main waren die Funkenschläge im großen und kleinen Stil, so was wie die Gnade der frühen Geburt... Meine Komplizin Peanut verdingte sich zu der Zeit noch im Punk- und Indie-Untergrund. Im Winter 2000 schafften wir uns den ersten eigenen PC an. Im Sommer 2001 - fünf Jahre nach Öffnung des Cyberkosmos, forciert durch eine Software aus dem Elektromarkt und kurz nach ebenjenem Gorillakonzert - ging das Unternehmen »Heiliger Vitus« auf Sender. Seither wird Außenseitermusik festgehalten. Der nachfolgende Bericht, der auf persönlichen Erinnerungen und zwölf mitgefilmten Videominuten beruht, schildert den ersten Live-Auftritt einer Gruppe aus Dresden, der wir noch oft begegnen sollten.
 
Nachdem P. und ich am Vorabend auf einem nicht weiter erwähnenswerten Hardcore-Gig im Keller des Friedrichstädter »Riesa Efau« mit Draw The Line und Estimate waren, führte unser Weg heute zur Metal-Enklave »Heavy Duty« im Szeneviertel Äußere Neustadt. Der Klub war 1999 von Willi und meinem Schwippschwager »Langer« gegründet worden. Im Jahr darauf waren uns die Beiden mit ihren langen blonden Haaren bei einem Streifzug durch die Alaunstraße zum erstenmal aufgefallen. Die Tür, durch die sie gingen, hatten wir uns genau gemerkt - es war das Heavy Duty. Dies lag schön plaziert zwischen dem subkulturellen Epizentrum »Scheune« und dem Fluchtweg zur Straßenbahn in der Königsbrücker, im Erdgeschoß der Louisenstraße 28. Jeden zweiten Sonnabend stieg dort ein Konzert. Die Louise 28 kannte keinen Türsteher und kostete auch keinen Eintritt. Weil niemand Geld hatte und sich auch niemand dafür interessierte. Die meisten hatten lange Haare und gaben sich eindeutig heterosexuell, gern ein bißchen kauzig, schrullig und derb. Frauen kamen mit ihrem Freund. Zwar wurde draußen auch gekifft, die beliebteste Droge war aber ganz eindeutig Bier. Schwarzes, helles, Odintrunk. Zu essen gab es nichts, dafür war die Auswahl an Zauberelixier umso größer. Ein Ort der Freude. Rund zweihundert kamen an jenem dritten Sonnabend im Juli 2001, um eine geile neue Band zu bestaunen. Damit war der Laden rammelvoll. So entwickelte sich eine Art Überlebenskampfspirit. Ich selber zog die Ruhe neben der schummrigen Bar vor, und schaute von der »Südkurve« den wilden Headbangern und Irokesenpunkern zu. Daß dieser Konzertabend legendär werden sollte, konnte damals allerdings niemand ahnen. Gorillas, hier standen wir - unterhaltet uns!
Nach dem Ende der langgedienten Power-Metaller Trojan blieben mit Trommler Drumster und Vokalist SB zwei, die weitermachen wollten. Nachdem sich im Indieklub »Groovestation« ein Kerl namens Stringster für den Viersaiter fand, konnte letztlich auch noch der passende Sechssaiter in Gestalt von Jack Sabbath rekrutiert werden. Damit war das Rudel komplett. Die Akteure trugen lange Haare, Mörderkoteletten, Tattoos oder sahen sonstwie nach »Metal« aus. Bürgerliche Namen trug man nicht. Als GORILLA MONSOON wollten sie der Welt Stärke zeigen (getreu dieser Devise hieß das zweite Demo auch »Demonstrating Heaviness«). Nach ersten Treffen im Mai 2001 befahl Willi, daß die neue Gruppe ihr Bühnendebüt im Heavy Duty geben soll. Zwei Monate später folgten Taten. Dresdens kommende Heroes sollten sich an diesem Abend die Seele aus dem Leib spielen. Wem betrunkener, verdrogter und zugedopter Southern-Sludge gefiel, den erwartete eine Mixtur voller glühender Emotionen zwischen Crowbar, Down und Entombed. »Hellrock« nannten sie ihre Musik selbst, bei der sich wuchtige, basslastige Riffs mit treibenden bis zerschmetternden Attacken abwechseln. Wie gemacht dafür leuchtete von der Wand neben einer Südstaatenflagge auch Motörheads Plattencover von '1916'. SB litt sich mit verschwitztem freien Oberkörper und hymnisch dunkler, psychotisch angehauchter Stimme durch die noch blutjungen Lieder. Mit seiner Kappe und den rotierenden Armen erinnerte er mich etwas an Nicke von den Hellacopters, stimmlich an Panteras Anselmo. Unterstützt wurde SB vom manisch lässigen Sabbath, der das Antlitz meistens mit seinen langen Haaren bedeckte, dem coolen Bassisten Stringster und dem superenergetisch wirbelnden Drumster (ebenfalls mit Mähne). Gorilla Monsoon schlugen roh und zu Beginn nicht immer rund aus der Art, waren aber voller Leben, Hingabe und dem gewissen Etwas gespielt, und gerade deswegen sehr spannend. Authentisch genug allemal, um uns in den Bann des Hellrock zu ziehen. Seinen speziellen Reiz bezog die Performanz durch ihre mitunter bis aufs Schneckentempo gedrosselte, auch »doomig« genannte Tiefe. Und Doom war damals noch weitgehend unbekannt, keineswegs eine Mode für die Masse! Der Abend beschwörte Weiterführungen herauf. Und die sollten in rauhen Mengen folgen... beim »Stoned From The Underground«, »Doom Shall Rise« und »Wacken Open Air«, um nur drei zu nennen...
.:: ABSPIELLISTE GORILLA MONSOON ::.
 
Nur Arbeitstitel, u.a.:
Deflowered World
Alone Now
Fuck Humanity
Black Sun Disease
Vitus & Willi
Nachwort
 
Mit Drumster und Jack Sabbath haben zwei Mitglieder bis heute durchgehalten. Während Drumster nach wie vor die Stellung hinterm Schlagzeug hält, übernahm Sabbath zur Gitarre schon bald auch den Gesang. An Mikro und Bass ergaben sich einige Wechsel. Nachdem die klassische Crew mit Jack Sabbath, Phil, Chris und Drumster jahrelang stabil schien, wurde Phil 2011 durch KK am zweiten Sechssaiter ersetzt. - Schwarze Wolken waren unterdes über das Heavy Duty gezogen. Willi offenbarte im Winter 2017, daß sich die Chefs etwas in die Haare bekommen hatten und das »HD« als die Institution in Sachen Metal in Dresden im Frühling 2018 Geschichte sein wird.
 
 

Text: Onkel Vitus, 10. Januar 2018; Bilder: Peanut und - mit freundlicher Genehimgung -: Gorilla Monoon