HEMELBESTORMER, VALBORG
D-Dresden, Chemiefabrik - 3. März 2019
Der erste Sonntag im März in Dresden führte zwei Gruppen zusammen, die ich schon mal erleben durfte: Hemelbestormer aus Flandern und Valborg aus Bonn. Beide hatten sich zusammengetan, um unter dem Banner GLORIFICATION OF LIGHT einen blauen Ring von Aachen über Heidelberg, Dresden, Braunschweig und Siegen zu ziehen. Denn: 'A Ring Of Blue Light' heißt das neue Werk von Hemelbestormer. Dresden war für beide Gruppen so was wie die Feuertaufe ganz im Osten. Licht wurde hier indes nicht glorifiziert: Die Bühne der „Chemiefabrik“ war in Tintenschwarz getaucht. Davor tummelte sich wider Erwarten nur eine verschwindend kleine Schar (und daß bei zehn Euro an der Abendkasse...). Kurz nach neun ging die Post ab.
Nach zwei Jahren gab´s für mich ein Wiedersehen mit VALBORG. Im April 2017 hatte ich das „German Metal Monster“ als Support der US-Post-Black-Metaller Pillorian in Frankfurt erlebt. Der Auftritt glich einer Wiederholung der Ereignisse: Buckard, Kolf und Toyka zelebrierten wieder weitgehend ihr damals brandneues Langeisen 'Endstrand'. Und sie trugen - bis auf den Trommler; der hatte ein Valborg-Shirt an - erneut einheitlich schlichte schwarze Kleidung. Was in Kombination mit den baugleichen weißen Gitarren und einer diesmal arg zurückgenommenen Körperlichkeit eine etwas monochrome Optik ergab. Das Entscheidende - die Musik, eine Verschmelzung der martialischen Brutalität von Rammstein (Musik) und dem radikalen Nihilismus von Totenmond (Texte); man könnte es auch Neue Deutsche Härte nennen - fesselte trotzdem. Seinen Reiz bezog die Schau in erster Linie durch die unterschiedlichen Liedstimmen: einerseits dem kruden Organ des Sechssaiters; anderseits der harschen Stimme des Bassisten (die in meinen Augen etwas besser zum finsteren Grundton passte). Final stand eine atemlose runde Sache von fünfzig Minuten.
HEMELBESTORMER lieferten wieder mal einiges fürs Auge. Und sie schufen mit ihrem Mix aus wuchtigem Post Metal, transzendental entrücktem Postrock und gewissen Drone-Doom-Passagen eine völlig andere Atmosphäre, Das flämische Kommando um Driesmans, Dupont, Hensels und Cosemans sieht man hierzulande äußerst selten; es dürfte nur den eingeweihtesten Anhängern bekannt sein. Ich war gespannt auf die Reaktion der Dresdner. Die lauschten versonnen, um es mal so zu sagen. Während drei, vier besessen ihre Mähne warfen, ließen die meisten einfach die Musik für sich sprechen. Zusammen mit den enigmatisch erhellten Symbolen links und rechts der Bühne, verströmten die sternengleichen Klänge und die Aura der vier bärtigen Flamen etwas Außerirdisches. Auf der anderen Seite fand sich die malmende, düstere Stimmung mancher Riffs auch im Wesen der Belgier und ihrer oft rauhen, kargen Heimat wieder. Alles lief wortlos: keine Ansage, keine Stimme im Off, kein Jubel aus dem Publikum, keine verzogene Miene der Akteure, nicht die kleinste Geste. Nichts unterbrach die Darbietung. Die Stunde mit Hemelbestormer war eine zum Genießen, für die Sinne. Und: Hemelbestormer waren ihren gepuschten Landsmännern Amenra in Sachen Echtheit und Ehrlichkeit erneut himmelhoch überlegen.
.:: ABSPIELLISTEN ::.
 
VALBORG
(21.05-21.50)
1. Orbitalwaffe
2. Ich bin total
3. Plasmabrand
4. Stossfront
5. Blut am Eisen
6. Werwolf
7. Alphakomet
8. Ave Maria
9. Beerdigungsmaschine
10. Massaker in St. Urstein
11. Exodus
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10. Sakrale Vernichtung
10. Astral Kingdom
10. Eerie and Old
 
HEMELBESTORMER
(22.10-23.05)
Titel unbekannt (HMBS spielten ohne Liste)
Durch den intimen Rahmens ergaben sich Plaudereien mit den Akteuren. So offenbarte sich der Chef von Valborg als passionierter Mountainbiker. Der von Hemelbestormer wiederum, würdigte meine Kapuzenjacke von Marche Funèbre (extra für Hemelbestormer angezogen!) mit den Worten „Ahhh, belgian support!“ Das Unglaublichste war heute für mich allerdings ein Radrennen am Vormittag auf der Radrennbahn in Heidenau. Mit der Anmeldung bei meinem alten Verein Dynamo (heute: Dresdner SC) und einem ersten zarten Kräftemessen nach Jahrzehnten in einem wärmenden flämischen (!) Trikot, hatte ich einen Neustart im Radsport gewagt. Von einem Tag auf den anderen hatte sich alles geändert. Vorher war ich frei. Und plötzlich in der rauhen Welt des Sports. Die Stunde im Oval holte alte Geschichten in die Gegenwart. Was wäre, wenn man sein Leben zurückdrehen könnte? Oder ein zweites bekäme?
 
 
Text: Heiliger Vitus, 6. März 2019; Bilder Vitus und Goat ov Pike (Konzertplakat)