KARMA TO BURN, DUNE PILOT
D-Wiesbaden, Schlachthof (Kesselhaus) - 3. Juni 2018
Der auf Schritt und Tritt auf die Parkwege gespritzte Vierzeiler „16.06.18 QUEENS OF THE STONE AGE“ warb im Vorgelände des „Schlachters“ bereits für die Freiluftveranstaltung der reichen Wüstenfüchse aus Kalifornien. Im Programmheft stand heute aber die rauhe Fassung aus dem Appalachenstaat West Virginia: Nach dem „Freak Valley Festival“ tags zuvor in Netphen, lieferten die Stonerrocker Karma To Burn in Wiesbaden ihren zweiten von 32 Auftritten im Sommer in Europa ab. Der Sommerdunst und der Eintritt von 22 Euro hatten viele vergrault. Sechzig Leute füllten den Klub „Kesselhaus“ nur locker auf. Doppelt so viele zogen den Biergarten vom „60/40“ oder ein Sonnenbad im Park vor. Daß Karma To Burn trotz ihrer Gründung 1993 nach wie vor tiefster Untergrund sind, zeigte sich auch an Bassist Clutter, der draußen völlig unerkannt eine paffen konnte.
Niemand könnte schöner von DUNE PILOT erzählen, als meine Eskorte. Frau P. war die treibende Kraft hinter diesem Besuch und auch die, die im Anschluß voller Begeisterung eine Platte und ein knappes Girlie-Shirt erstand. Es war das letzte und mußte „nur gut eingetragen werden“... Doch Frau ziert sich zu reviewen, und so lag der Part bei mir. Als Doom-Junkie fehlte mir im Fuzz und Stoner Rock naturgemäß die Tiefe. Dazu kam der harte Klang im Kesselhaus; hier hört sich jede Gruppe greller und schneller als sonst an. Der Gesang wirkte etwas gepresst; dazu kamen kleinere Macken in der Melodie und im Takt, und eine anfängliche Verkrampfung. Manches wirkte etwas gewollt, mit zuviel Druck auf dem Hahn. Die kleinen Holprigkeiten wurden wettgemacht durch den Bart des Gitarristen, die Bodenständigkeit der Münchner und deren Faszination für Kyuss, Slo Burn und Unida. Man merkte, daß sie Fans des legendären John Garcia sind; nicht umsonst erinnerte der Gruppenname an ein Lied von Slo Burn: „Pilot the Dune“... Letztlich brachte die Meute Dune Pilot trotz Sicherheitsabstands auf Spur. Dune Pilot hatten ihre neue Platte 'Lucy' mitgebracht, und pilotierten uns praktisch auch durch die komplette neue Platte - erweitert um zwei Altigkeiten in der Zugabe. Mit „Waste“ und insbesondere „Stamina“ lieferten Andris, Chris, Sarcinella und der Geist an den Trommeln zugleich die stonerigsten und besten Lieder ab. Im Nachhall kümmerten sich die beiden Frontmänner am Andenkenstand sehr anrührend um ihre Devoties.
Peggy Lees lasziv hingehauchter Evergreen „Fever“ leitete die Schau von KARMA TO BURN ein... um sich nahtlos mit „Nineteen“ zu paaren. Die gesungenen Zeilen von „Fever“ blieben auch die einzigen. Daß Karma To Burn rein instrumental sind, war allerdings klar. Trotzdem wird mit der fehlenden Stimme die Seele verschenkt. Kyuss, Fu Manchu und die Queens lebten immer durch ihre Sänger. Dafür hatten die Karmas mit dem lässigen Kauz Will Mecum, dem knochentrockenen, verschmitzten Eric Clutter und dem schwarzmähnigen Wildfang Evan Devine drei gefühlsechte Dudes im Truckerlook. In dieser Besetzung hatte ich die Amis bislang nicht erlebt. Heute war das dritte Mal im Vier-Jahres-Abstand - und es war die beste Crew. Wie letztmals in Rotterdam 2013 gab Mecum dem Auftritt mit lakonisch dahingegrummelter Ironie im Tonfall von Tom Waits die Würze. Eine lautete: „Everybody went to church today? Oh, ya, you are in church now!“; eine andere „Sunday is funday“; die nächste ging an alle Liebenden, und wieder eine andere an den Merch-Boy. Das Gewitter an Riffs und Grooves, diese Urgewalt aus getrommelten Eruptionen und malmenden Fuzzlawinen war erneut grandios, und entwickelte einen unwiderstehlichen Sog. Dabei scheinen Karma To Burn auch nie an ihre Grenzen zu stossen. Heute vertrauten sie bewährtem Material. Neben „Nineteen“, „Five“, „Eight“, „Fifteen“, „Thirty“ und dem alles überragenden „Twenty“, stonerten lediglich drei Teile jüngeren Datums' in die Meute. Nachdem Mecum, Clutter und Evans einen rituellen Schnaps gekippt hatten, lag die Wahl der Nachbrenner beim Publikum. Das wünschte zwei weitere Altigkeiten, nämlich „Thirty-Four“ und „Twenty-Eight“. Ich staunte, daß bei der Durchnumerierung jemand den Überblick wahrte. Denn Karmas Liedtitel trugen Zahlen statt Worte. Final stand ein fast achtzigminütiges Rodeo voller starker Melodien.
 
Am nächsten Morgen stand dem Tross eine sechs- bis siebenstündige Fahrt von Wiesbaden über die Autobahn nach Dresden bevor. Dort traten sie im „Beatpol“ auf, einem Ballsaal von 1896.
 
 
Text und Bilder: Heiliger Vitus, 8. Juni 2018
.:: ABSPIELLISTEN ::.
 
DUNE PILOT
(20.11-20.54)
1. Speak Up
2. Postman
3. The Willow
4. I´m Your Man
5. Loaded
6. Lucy
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7. Stamina
8. Waste
 
KARMA TO BURN
(21.18-22.33)
Intro: Fever [Peggy Lee]
1. Nineteen
2. Five
3. Sixty-One
4. Fifteen
5. Eight
6. Fifty-Seven
7. One
8. Thirty
9. Twenty-Nine
10. Sixty-Two
11. Thirty-Two
12. Twenty
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13. Thirty-Four
14. Twenty-Eight