MAMMOTH MAMMOTH, BUSHFIRE
D-Frankfurt am Main, Das Bett - 25. Juli 2015
Feste soll man feiern wie sie fallen... und das längst zum Lieblingsort in Frankfurt aufgestiegene »Bett« versprach am letzten Sonnabend im Juli sinnesverbiegenden Stoner Rock aus Melbourne (zumindest die Straßenköter-Variante)... Im Gegensatz zum »Zhi Wei Guan« nebenan - wo wir eine halbe Stunde auf unsere Glückskekse warten mußten -, war das Bett heute mit achtzig Gesichtern eher mäßig bestückt. Unter den durchweg unbekannten Gästen befand sich auch eine Schwanzfrau mit Social-Distortion-Bluse und äußerst schwachem Stehvermögen, sowie eine Lady aus dem nordenglischen Manchester, die eigens für dieses Wochenende im Bett eine Profi-Kamera gemietet hatte.
Mit einer Dreiviertelstunde Zeitverzug vermittelte Frontmann Bill Brown jr. mit stoischer Miene die Schwulitäten mit denen die Seilschaft aus USA, Portugal, Italien und Deutschland zu kämpfen hatte: in der Luft Tornados, im Bus ein Alligator und, und, und... BUSHFIRE lieferten ein Gebräu aus Blues, Southern- und Heavy Rock. Eine kauzig-räudige Röhre zwischen Pearl Jam und Orange Goblin paarte sich mit bassigem Krawumm, Weisheit und Zynismus, sowie einem kräftigen Schuß saurem Moralins, das in der Bush-Ära um die Jahrhundertwende hängengeblieben schien. Dazwischen mischten sich Ansagen voller grimmigem Humor, und zuweilen ließ sich der Sänger auch in der Meute verorten. Für jene gab es mit der Single »Like a Elephant« den »shortest Bushfire-song ever«. Und für denjenigen, der das Ende erkannte und zuerst klatschte, war ein Preis ausgelobt. Der schlimmste Wichtigtuer der Nacht siegte - und verspritzte die gewonnene Flasche Wasser prompt übers Publikum. Im Unterschied zum Frontmann, der so was wie Seele und Aura verströmte, wirkte der Rest bieder. Es war wie ein Aufeinanderprall von Welten: hier der Schrat aus Amerika mit langen Haaren, wucherndem Bart, wildtraurigen Augen und Bildern unter der Haut - dort die einen Kopf kleineren Saitenschrubber aus Europa mit Sitz in Darmstadt, klugen Brillen und Hipsterfrisur. Es kam zu zwei Alibizugaben, für die Brown allerdings dem Bassisten die Wiederaufnahme seines schon hingepfefferten Instruments befehlen mußte. Nach einer Stunde faltete der Mann aus Amerika seine Hände zu einem stummen Gebet. Peanut resümmierte: »Die Lieder waren 08/15, aber der Frontmann riß es raus. Insgesamt waren Bushfire ganz okay« (und für manche besser als der Hauptakt).
Nach ihrem Kreuzzug mit Kyuss´ John Garcia, dem jüngsten Einsatz beim »Stoned From The Underground«, ihrem gigantisch überhöhten Gruppennamen, dazu dem packenden Filmchen »Fuel Injection Suicide Machine«, und einem Merchandiser, der aussah wie ein bärtiger Einsiedler, standen bei MAMMOTH MAMMOTH alle Zeichen auf Stoner Rock. Dachte man... Denn ab halb elf war das Bett zum Abschuß freigegeben: Australiens derzeit heftigste Rockband wurde von der Leine gelassen. Frontmann Mikey Tucker vermeldete die »last show« der Tour, und daß Mammoth Mammoth Party machen wollen: »Feiern eine Party in German«. Um das zu unterstreichen, goß er sich konsequenterweise (und nach 17 Nächten in Folge »hammered« wie eine Haubitze) eine Pulle Bier übers Haupt und eine in den Rachen, wovon die Hälfte als ausgespiene Fontäne im Publikum landete. Doch Tucker gab sich auch jovial und ließ eine Gallone Whisky rumgehen... denn »Frankfurt is Rock´n´Roll-town« (wenn er da mal nicht irrte...). Während der Vokalist Pogo mit der Meute machte, über die Bar mäanderte, und sich selbstzerstörerisch am Boden wälzte, mußte der Bassist die letzte Nacht mit verletztem Finger im Hospital verbringen. Aber er hatte ja noch neun andere... Tucker, Couzens, Bell und Trobbiani verzichteten auf kolossale Bassorgien ebenso wie auf psychedelisches Geschmuse. Vielmehr glich ihr Auftritt einer völlig entfesselten Sause zwischen MC5, AC/DC, Hellacopters und Hardcore Punk. Mammoth Mammoth kamen in spröde donnernder Aussiemanier derb und direkt daher. Anders als Bushfire monierten sie dabei nicht LSDirks unpassende Psychlights, denn ihnen war alles egal. Das löste auch bei Bettchef Frank Verblüffung aus... Wenigstens wurde es nie langweilig! Mit »Electric Sunshine« zelebrierten Mammoth Mammoth nur einen ansatzweisen Stonerrocker. Dafür kamen sie nach den beiden regulären Zugaben (darunter eine rasende Version von »Kick Out the Jams«) spontan für zwei weitere noch mal raus: zuerst gab´s Kyuss´ »Green Machine« (forscher und nicht so schön wie das Original), und final »Weapon of Mass Self Destruction« vom Minialbum 2008 (das Sabbath und Pentagram im Blut hatte). Mit dem wirklich allerletzten Ton (0 Uhr 48) mußten wir los... Tags drauf bestieg der Heavy Murder Fuzz in Frankfurt den Flieger nach Down Under...
 
 

Text: Heiliger Vitus, 27. Juli 2015; Bilder: Lydia Denise Pope
.:: ABSPIELLISTEN ::.
 
BUSHFIRE
(21.15-22.12)
1. Black Ash Sunday
2. Failure
3. N.W.O. 33
4. Glossololia
5. Hungry
6. Objector
7. Like a Elephant
8. Useless In So Many Ways
9. The Fiend
10. Little Man
 
MAMMOTH MAMMOTH
(22.34-0.48)
1. Dead Sea
2. Hell´s Likely
3. Lookin´ Down the Barrel
4. Electric Sunshine
5. Fists
6. Fuel Injected
7. Go
8. Shortfuse Lifestyle
9. Sittin´ Pretty
10. Kick Out the Jams [MC5]
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11. (Up all night) Demons to Fight
12. Life´s a Bitch
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13. Green Machine [Kyuss]
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14. Weapon of Mass Self Destruction