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12. AWH-Straßenradrennen Lochau, 13. September 2026 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Prolog Trotz abgründiger Starterzahl (nur 38 Rennfahrer verloren sich im Vorjahr in Lochau), trotz Kritik an der Streckenführung mit ihrem wuchtigen Anstieg zum Schluß, trotz horrender Spritpreise auf immer neuen Rekordhöhen, und trotz schwindender Begeisterung für den Radsport überhaupt, hatten die Macher der SG Motor Halle und Eisfelder RC Mansfelder Land nicht aufgegeben, und auch diesjahr ihre knapp acht Kilometer lange Runde auf der Deponie abgesteckt, die beiden Zelte mit Anmeldung und Bewirtung aufgebaut, und den Chemnitzer Herrn Lohr für einen weiteren Dienst als Rennleiter von Sachsen ins böse, böse Sachsen-Anhalt mobilisiert. Und dann gebärdete sich erst Petrus als Verderber, und dann bildeten 22 Lizenzfahrer einen Friedhof auf Rädern. Das ist das Leben... | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| .:: DIE STRECKE ::. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Gefahren wurde auf der einzigen Anhöhe weit und breit: der mit 95 Metern über NN recht überschaubaren, 2005 stillgelegten Mülldeponie im Kohlerevier Halle. Sie liegt in Lochau, einer Tausend-Seelen-Gemeinde südöstlich der Saalestadt. Die Rennstrecke führte über eine namenlose Ringstraße - nennen wir sie „Waste of Life“ - direkt am oberen Rand der Riesengrube entlang. Neben dem Wind war vor allem der 750 Meter lange, selektive Anstieg ausgangs jeder Runde die große Herausforderung: Mit dreißig Höhenmetern und bis zu zwölf Prozent Steigung verlangte er den Fahrern alles ab. Sechsmal mussten die Masters 4 den 7,6 Kilometer langen Rundkurs bewältigen, ehe der Sieger auf dem giftigsten Mont Ventoux Sachsen-Anhalts feststand. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| .:: DAS RENNEN ::. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Düster und windig startete der Morgen in den Tag. Doch was im heimischen Dresden noch trocken begann, entwickelte sich auf der Autobahn auf halbem Weg ab Döbeln zu einem Landregen. Es war wieder einmal dramatisch verflucht: Wochenlang fiel kein Tropfen vom Himmel - und ausgerechnet am Renntag öffneten sich die Schleusen. Eine Stunde vorm Start hatte Frau Peanut meine morschen Knochen zum aufgestapelten Müllberg in der unbewohnten Einöde vor Schkopau hinkutschiert. Mit Kelli, Grossi, Leschi und dem Jenser standen schon vier der üblichen Verdächtigen plaudernd und lachend auf dem Parkplatz herum - während Conrad und Slavik die Anspannung ins Gesicht geschrieben stand. Vor der Anmeldung äußerte der Rennleiter von Motor Halle angesichts meines inzwischen sechsten Starts auf der Deponie: „Damit warst du bei der Hälfte dabei!“ | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Elf Fahrer stellten sich dem Starter und verließen nach einer Fahrt durch die tiefen Pfützen der Start- und Zielgerade das Betriebsgelände. Nach vier Kilometern und einer entschlossenen Attacke führte der Kasselaner Schmelz zusammen mit dem Hamburger Conrad. Hier erschienen mit den Leipzigern Keller und Matzel sowie dem Kasselaner Slavik zum ersten Mal weitere Sieganwärter in der Spitze - ein Zeichen, daß der lange Zermürbungskampf ernster wurde. Gleich beim ersten Knüppel nach sechs Kilometern war ich mit dem Leipziger Bethke zurückgefallen, während sich das „Feld“ als Verfolgergruppe weiter vorarbeitete. Bei der ersten von sechs Zieldurchfahrten lag ich fünfzig Meter hinter der Meute. Unaufhörlich verschlechterte sich meine Situation, während die Spitze erbarmungslos davonzog. Als die zweite Runde in strömendem Regen beendet war, rückte das Feld wieder zusammen. Doch erst als Großegger und „Luise“ Keßler abfielen, war die Spitzengruppe gereinigt von allen Außenseitern und lieferte sich jetzt einen erbitterten Kampf. Eingangs der vierten Runde wurde ich von Leuendorff und Schaefer, und damit den Überfahrern der vor uns gestarteten Masters 3 überrollt, die einem ungefährdeten Sieg zusteuerten. Ich hoffte, daß die beiden mich wieder an meine Masters 4 heranführten, doch genau in dem Moment setzten sie zu einem Zwischenspurt an, und meine Kräfte waren verbraucht. Damit wurde dieses Straßenrennen für mich zu einem vierzig Kilometer langen Einzelzeitfahren. Schmelz und Keller erreichten die Zielgerade als Erste mit einem knappen Vorsprung vor dem Feld und Matzel an dritter Stelle. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Epilog Die nach uns startenden fünf (!) der Masters 2 mussten leider warten, bis ich ins Ziel kam. Dafür durften sie in einen blauen Himmel und eine gnädige Sonne blicken. Bethke wurde vorzeitig rausgewunken und mit Rundenrückstand gewertet. „War bestimmt fies, das ganze Rennen auf so einer Runde allein fahren zu müssen“, bemitleidete Grossi mich. Aber so schlimm war es nicht. An diesem Sonntagvormittag im September 2026 durfte ich mutterseelenallein über den baumgesäumten Ring der Deponie Lochau pedalieren, als freier Vogel das Rennfahrerleben im Spätherbst in Sachsen-Anhalt geniessen, und das Rauschen der Birken, das Perlen des Regens und den Duft von Fäulnis inhalieren. Unterstützung lieferten mein Mädel, der die Glocke bimmelnde Sprecher Lohr, der applaudierende Rennleiter, und ein alter Mann namens Merker. Er kannte noch die alten Dresdner aus den Sechzigerjahren - Namen wie Deckert, Mosch und Reinfeld - und feuerte mich bei jeder Erklimmung des Biestes an: mal mit „Denk an deine Heimat Dresden!“, dann „Der Berg ist scheiße!“, mit einem schlichten „Joh, joh“, und final mit „Gleich hastes geschafft!“ Beim Abflug ergab sich eine nette Unterhaltung mit dem Regenbogentrikot tragenden Michael Schaefer. Der WELTMEISTER aus Leipzig entpuppte sich als angenehm ruhiger, geradezu scheuer Sportskamerad, der ganz zufällig das gleiche Trek Madone fuhr - welches ich wenige Tage zuvor verscherbelt hatte. Schaefer steigt im kommenden Jahr in die Masters 4 auf und wird diese Klasse über Jahre unangefochten DOMINIEREN! Vitus, 14. September 2026, Bilder: Peanut | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| .:: ZAHLEN UND ZEITEN ::. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Wetter: regnerisch, 13ºC, schwache Brise aus Südwest (17 km/h) Typ: Rundstreckenrennen Länge: 46 km Im Ziel: Masters 2: 5, Masters 3: 6, Masters 4: 11, Hobby: unbekannt Masters 4 Gemeldet: 11 Am Start: 11 Im Ziel: 11 1. Bernd Schmelz (TSV Ippinghausen) 2. Ralf Keller (RSG Muldental Grimma) 3. Jens Matzel (LVF Oberholz) 4. Rüdiger Conrad (Harburger RG) 5. Viktor Slavik (Melsunger TG 1861) 6. Andreas Leschert (RC 07 Fulda) 10. Mario Voland (Dresdner SC 1898) Ergebnisse Rad-Net | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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