7PM MEETING, SINTRASH, THE ROLLIN´ RACKETEERS
D-Frankfurt am Main, Raumstation Rödelheim - 31. Januar 2009
In der Not frißt der Teufel Fliegen - und manchmal auch die Töne des Feindsenders... Mangels Konzertvergnügungen haben wir heute einer Musik gefrönt, die mir schon immer am Arsch vorbeiging: dem Rock ´n´ Roll! Der einzige Grund sich aufzuraffen: Es war nicht weit, wir konnten hinlaufen. Die Schau stieg vor unserer Haustür, Frankfurts neuem Spielhallen- und Geldwäschemekka 60489 Las Roedelheim. Und: Unter den drei Combos schien zumindest eine zu sein, für die der Spaziergang durch die Winterluft lohnte... Die gewöhnlich von Punkern und Linken belagerte „Raumstation Rödelheim“ war heute im Griff einer völlig unpolitisierten Subkultur. Heute war die Parade der Rockabellas und Rockabillies, der versauten Krawallschachteln und Kings of Kerosin! Viele waren gekommen. Mit fünfzig Leuten platzte der kleine Orbit aus allen Fugen! Jeder Fleck war von leeren Flaschen bedeckt. Auch andere Gesetze waren heute außer Kraft gesetzt: Trotz absolutem Rauchverbots ist nie ganz auszuschließen, daß es in den Lokationen Hessens qualmt. Es war wenig feierlich in der Raumstation Rödelheim!
Mit angemessen coolem Zeitverzug legten um 22 Uhr THE ROLLIN´ RACKETEERS - nicht aus Memphis, Tennessee - sondern aus Rüsselsheim, Rheinmain los. Babyface Frankie, Riechie Rocket, Deinis Uranus, Schniggi Tornado sowie Billy Stacciatella - allesamt mit Tollen, Koteletten, Hornbrillen, Bowlinghemden und umgekrempelten Jeans ausgestattet - frönten ihrem gemeinsamen Steckenpferd, dem amerikanischen Rock ´n´ Roll-Vorboten Rockabilly. Und dies in sehr überzeugender, um nicht zu sagen: hoch authentischer Manier. Neben den perfekten Klamotten trugen die fünf auch für die heutige Zeit völlig ungewöhnliche, wertvolle Instrumente zur Schau: handgemachte Westerngitarren, einen wuchtigen Kontrabass, ein betagtes Schlagzeug, dazu mal ein Waschbrett, und stets ein Saxophon. The Rollin´ Racketeers lieferten eine Dreiviertelstunde Zeitgeschichte aus den rebellischen Nachkriegsjahren, und steckten spätere Untergrundhelden wie Eddie Cochran, The Clash und The Cramps in das dem Rockabilly eigene Gewand aus Rhythm & Blues und Country. Zum heimlichen Höhepunkt stieg dabei Gloria Jones´ verdorbene Hitsingle „Tainted Love“ empor. Und „Tainted Love“ hauten die Hessen in der Zugabe auch noch mal raus. Diesmal in einer etwas flotteren Version von 45 Umdrehungen. Es war ein bißchen wie zur Jugendzeit unserer Eltern. Sehr knisternd, sehr gemütlich, sehr romantisch, sehr rocka! - Nun hätten 7pm Meeting folgen müssen...
... Es ging dann aber mit den fünf Punk-´n´-Roll-Underdogs SINTRASH weiter. Sintrash hatten auf der Latrine eine Parole entdeckt. Und die hieß: „SEXIST_INNEN AUFS MAUL“! Dementsprechend hatten sie als Auftakt eine Nummer ausgeheckt, die das genaue Gegenteil besagte (etwas im Sinne ihrer Myspace-Parole „If you don´t like oralsex, keep your mouth shout“): „Haßt uns!“ hatten sie gehöhnt, und zum Gruß den „One Night Hero“ durch die Boxen geprügelt. Darüber hinaus bedienten die Weilburger alle Klischees ihrer Stilrichtung. Zu Tattoos, Piercings, Eightballs, Arschketten und gespreizten Beinen gab´s Bums aus Punk und Rock. Einen schmuddeligen, sinnfreien und hyperventilierenden Krach, der vor anderthalb Dekaden gewissen Schweinerockern aus Schweden Weltruhm brachte (The Hellacopters und Backyard Babies grüßen). Wobei sich die Gang von der Lahn noch ein Weilchen im Schummer kleiner Keller abschwitzen darf. Es war alles schon mal da. Nur mit mehr Kitzel und Spannung. Tiefgründige Titel wie „Diary of a Sinner“ oder „Rockbitch“ redeten für sich... Nach dem Stück gegen alle Spießer - „Never getting Serious“ - sind wir etwas enttäuscht abgezogen. Sintrash dürften bis in die Geisterstunde reingezockt haben...
 
... und nach dem folgenden Pausentee wird es nicht vor halb eins mit den Punkrockern 7PM MEETING weitergegangen sein, auf die wir so gespannt waren. Es war einfach zu spät. Wir hatten am Vormittag ein Marathontraining von 40 Kilometern, und am Tag darauf ging das schon wieder weiter! Schade, denn die Meetings besitzen mit „Mommy won´t go to Heaven“ ein nachtschwarzes Gänsehautteil vorm Herrn! Aber wir haben niemand von denen gesehen......
 
 
Text und Bilder: Heiliger Vitus, 2. Februar 2009
.:: ABSPIELLISTEN ::.
 
THE ROLLIN´ RACKETEERS
(22.00-22.45)
1. The Rollin´ Racketeers
2. I Fought the Law (The Clash)
3. The Wanderer (Dion)
4. Shorty
5. Springtime
6. Summertime Blues (Eddie Cochran)
7. Rip It Up
8. Folsom Prisom Blues (Johnny Cash)
9. I Was a Teenage Werewolf (The Cramps)
10. Wipe Out
11. Keep On Dancing
12. Somethin´ Else (Eddie Cochran)
13. Tainted Love (Gloria Jones)
14. Rocka!!!
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15. Tainted Love (Gloria Jones)
 
SINTRASH
(23.10-XXX)
1. One Night Hero
2. The Song for One
3. Diary of a Sinner
4. Never getting Serious
5. Rockbitch
6. 8 Ball
7. Slushy Fools
8. The Original Sinblues
9. Friends
10. Rock ´n´ Roll is my Business
11. Heartbreakers & Soulshakers