THE LAST RESORT, TOWER BLOCKS, STAGE BOTTLES
D-Frankfurt am Main, O25 - 21. Mai 2008
Troi der Parole „15 Jahre sagen mehr als tausend Worte“ fand im Mai 2008 die Jubi-Feier des Frankfurter Streetware-Herstellers „Hooligan“ statt. Schauplatz war der Bunker in der Ostparkstraße 25, nur einen Steinwurf entfernt von einer Bildungsanstalt in der ein gewisser Andi Möller sowie der heilige Vitus vor Jahren eine Lehre zum Bürokaufmann machten. Neben den Stage Bottles und den Tower Blocks sollten sich Englands Oi!-Helden The Last Resort die Ehre geben! Für zehn Oiro war man dabei. Blöderweise stieg zur selben Zeit im Stadtteil Bockenheim eine Parallelveranstaltung mit einer der führenden französischen Ska-Punker Les Chameleons. Obendrein lief in der Glotze das Champions-League-Finale Manchester United gegen Chelsea. Sodaß sich nur um die 150 Leute in dem Tonnengewölbe aus zwei langen Röhren verloren. Wie auf einem Oi!-Konzert zu erwarten: böse Nichten und Neffen mit rasierten Köpfen, bulligen Körpern, Koteletten, Tattoos, Schiebermütze, Polohemd, Kilt, Shermans, Braces, Jeans und Boots. Das volle Programm gewissermaßen... Etliche genossen die Blaue Stunde draußen im Biergarten beim Nationalgetränk „Ebbelwei“, mit kühlen Blonden und Würstchen mit den klingenden Namen „Feuerdildo“ und „Pfälzer Lümmel“...
Nicht wie geplant (um 21.30 Uhr) sondern mit gehörigem Zeitverzug eröffneten 22.40 Uhr Frankfurts Vorzeigepunks Nummer eins seit 1993, die SHARP-Skins STAGE BOTTLES die Glatzenparty im großen Saal. Und zwar mit einer Beileidsbezeugung für den Zweitliga-Absteiger Kickers Offenbach. Sprachrohr Olaf hatte sich speziell für diese Nummer mit Narrenkappe und Kasperle-Halskrause herausgeputzt. Dazu schwang er eine rote Gummikeule. Und neben der Keule auch die gewohnt dicke Lippe. Sei es mit einem „Fickt die Nazis!“ (posthum für den toten Skrewdriver-Sänger, vor „Dead But Not Forgiven“), oder einer Ohrfeige „für die nichtssagenden Poser in der Subkultur, für all die Aufgeblasenen und Zutätowierten, die sich in der Szene breitmachen (vor „Big Delusions of Grandeur“).“ Neben verbalen Eiertritten gab es auch Tonkunst. Lauten, lockeren und lässigen Straßenpunk mit hymnischen Melodien am Fließband und dank gelegentlicher Saxophoneinsätze einer Note Ska. Das Ganze ohne Haken und Zacken, aber immer voller Herzblut und beseelt vom Glauben an die Ahnen von ´69. Siebzig Krawallbrüder und andere United Drinkers of Bembeltwon wollten die Lokalmatadoren sehen. Die andere Hälfte vergnügte sich im Garten oder mit Fußballgucken in der Bar. Die beste Nummer war das hart gespielte „All You Need is Hate“, bei dem sich Olaf mehrfach das Mikro an den kahlen Schädel schlug und so einen einzigartigen Effekt erzeugte. Eine flammende Hymne, bei der sich ein Ruhrpott-Renee namens Melanie die Ehre gab, um weiblichen Gesang beizusteuern, beschloß den Auftritt der antifaschistischen Fünf. Wer nicht tanzte, war Nazi. Vermutlich nur aus Solidarität mit der folgenden Gruppe hatten Olaf, Marcel, Easy Dan, Kimba und Till diesen auf fünfzig Minuten beschränkt...
... denn die TOWER BLOCKS mußten nach der Schau schnurstracks abrücken, um ihren Flieger nach Berlin zu kriegen. Nach einem Dienst bis in die Abendstunden an der Ostfront, mal rasch auf einen Sprung an den Main, und halsüberkopf zurück in die Stadt an der Spree - zum Dienst am Folgetag. Alle Achtung! Damit ließen die Towerblocks die kurzfristig kneifende Horde aus dem Ruhrpott ziemlich mies aussehen. Die Towerblocks waren mir durch einen Kontakt mit einem Skingirl vom Berliner Fanzine „Oi!Mania“ ein Begriff (das Renee mit den „Ficken Oi!“-Shirts war mal mit dem Sänger befreundet). Das Kommando aus dem Osten und Westen der ehemaligen Mauerstadt setzte an, wo die Bottles aufgehört hatten: beim Straßenpunk. Einfache, kämpferische Lieder mit treibenden Gitarren und krudem Gegröle rund um die schönsten Dinge der Welt, um Fußball, Frauen, Alkohol und das Leben als Skinhead überhaupt. Wobei die Preußen ihrem Sound an Tempo und Räudigkeit noch eine Etage drauf setzten. Sonst indes war alles wie gehabt, wie bei den Gesinnungsgenossen aus Hessen. Holgi, Steph, Zoppel, Kacke und Struppi widmeten ihre Lieder Freunden in Brandenburg (den richtigen!), dem Robert de Niro unter den Taxifahrern, einer 20sekündigen Beziehungskiste, sowie der geilsten Streetpunkband der Neunziger, den Oxymoron. Keine Grüße gingen explizit an die Kommerzkicker der TSG Hoffenheim! Die Hymne „General Boredom“ und der Schlachtruf „Das einzige was zählt, ist Eisern Union!“ besiegelten den Blitzkrieg der Towerblocks.
 
Als Pausenberieselung diente - wie schon nach den Bottles - völlig szenebrechend das schwarze Album von Metallica: nach „Enter Sandman“ nun „The Unforgiven“ und „Wherever I May Roam“...
Ab 0.45 Uhr hieß es Zeitmaschine an, und ab in die frühen Achtziger, in die Gründerjahre des Oi!, in die Ära der Vorkämpfer Cockney Rejects, Angelic Upstarts, 4-Skins, The Business und - THE LAST RESORT! Denn Letzte hatten - nachdem sie 1981 daheim in London einen kleinen Rassenkrieg ausgelöst hatten - heute ganz lebendig das O25 erstürmt. Ja, die Last Resort aus England! Nachdem mir schon den ganzen Abend über ein häßlicher, kleiner Freak mit defektem Auge, zu langem Zinken, kaputten Zähnen und fettigem Haar aufgefallen war, stakste jener nun grinsend wie ein Honigkuchenpferd mit Juckpulver im Schritt vor unsren Augen über die Bretter: Roi Pearce, Kopf und Stimme der Oi!-Legende; im Verbund mit „Beef“ Hillyer und „JJ Kaos“ Pearce von der Anti Nowhere League an den Gitarren, sowie Chris Jonesy hinterm Schlagzeug. Auf Last Resort hatten alle gewartet. Eine Stunde lang tobten nun Pogo und Chaos. Mit dem „King of the Jungle“ gestartet, nagelten die Veteranen der Bewegung in der dritten Halbzeit alles Vorangegangene an die Wand. Von markanten Gitarren getrieben, schrie dieser krank und gebrechlich anmutende Spargeltarzan nun alles aus sich heraus, was ihm so durch den Kopf ging. Den ganzen Zorn, die Aggressionen und Frustrationen, die Geschichten vom Rand der „Gesellschaft“. Wut und Weisheit in einem. Und fast schien es, als könnten die farbigen Tattoos auf Rois Haut ihre einstige Leuchtkraft zurückgewinnen. Zwischen all den steil gehenden Old-School-Punkern wie „Evil“, „Working Class Kids“, Right to Riot“ und „Violence in Our Minds“, hatten sich auch zwei Außergewöhnliche geschlichen: der fast unbemerkte, kurz und knackig servierte 4-Skins-Klassiker „A.C.A.B.“, sowie das sehr düstere „Fear No Foe“. So soll Oi! sein! Drei Zugaben machten nach einer Stunde den Sack zu.
 
Im Anschluß berieselten die DJs Tanzen & Ficken den Roten Salon. Das Ende blieb offen... Nach der verpaßten letzten U-Bahn brauchten wir ein Taxi und den Nachtbus. Auf dem Weg dorthin eskalierte in den Straßen des Ostends ein Streit zwischen einem Skingirl und einem Skinboy. Wir selbst fielen vier morgens in die Falle.
 
 
Text und Bilder: Hoiliger Vitus, 23. Mai 2008
.:: ABSPIELLISTEN ::.
 
STAGE BOTTLES
(22.40-23.30 / Titel ohne Gewähr)
1. Mr Punch
2. Hope You Gonna Save Your Life
3. We´ve Got to Fight
4. Dead But Not Forgiven
5. Big Delusions of Grandeur
6. Hooligan
7. Time Machine to 1969
8. Sometimes Anti-Social But Always Anti-Fascist
9. unbekannt
10. Too Young to Die
11. All You Need is Hate
12. You´ll Never Walk Alone
13. unbekannt
14. Skinhead Reggae
15. Come Together
16. Skinhead Life
17. Give Them Strength...
 
TOWER BLOCKS
(23.45-0.31)
1. Trash
2. Football Junks
3. Having a Laugh & Having a Say
4. Drunk in Public
5. Watch Your Back
6. Night in The City
7. For the Good of the Game
8. (B)eat the Rich
9. Wimps and Rebels
10. Soldier on Speed
11. Crash Cab Driver II
12. Same Old Story
13. Life´s a Bitch
14. General Boredom
(15. Walk On)
 
THE LAST RESORT
(0.45-1.45)
1. King of The Jungle
2. English Rose
3. Freedom
4. Held Hostage
5. Evil [The 4-Skins]
6. Bolthole
7. My Retribution
8. Working Class Kids
9. Fear No Foe
10. Right to Riot
11. A.C.A.B. [The 4-Skins]
12. You´ll Never Take Us
13. Land Fit for...
14. Violence in Our Minds
15. Rebels with a Cause
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16. We´re Gonna Get Ya
17. Resort Boot Boys
18. Chaos [The 4-Skins]