THE METEORS, THE APETONES
D-Frankfurt am Main, Das Bett - 23. November 2012
„Eilt sehr“: Mit dem auf die Hand gedrückten Eintrittsstempel ist zu jenem Novemberabend im Bett schon alles gesagt. Das Konzert mit den Meteors war auf dem Mist meines Mädels gewachsen. Peanut ist Meteors-Verehrer der ersten Stunde und hatte von denen 1987 eine Schallplatte im Flieger von London nach Frankfurt gebracht. Die 'Teenagers From Outer Space' hatte sie rauf und runter gehört. 25 Jahre später ergab sich nun die Gelegenheit, die Helden von damals lebendig zu sehen. Ich hatte gewarnt, daß mir bei der wilden Musik langweilig wäre, bin aber mitgegangen. Der Eintritt von 15 Euro ging gerade noch... Um die 200 Personen hatten das Bett wie erwartet ganz hübsch aufgefüllt: Traditionalisten, prätentiöse Musikliebhaber, vergraute Bierwänste, Skinhead-Crops, etliche grundherzliche Schränke, ein auf verlorenem Posten stehender Langhaariger. Dazu ein aus Frankfurts „AU“ bekanntes Pärchen, welches nach eingetretenem Kindssegen aus dem Besetzerhaus auszog, um ein bürgerliches Dasein in Rödelheim zu führen - und das im Bett irgendwie auch nichts zu suchen hatte. Denn heute gab´s keine Politik, nur wilde Herzen!
Den Warmbläser machte ab 22 Uhr ein langes Leiden mit schriller New-Wave-Frisur und Namen THE APETONES. Deren Sänger und Gitarrist Jimi Teardrop war aus Frankfurts Vorort Oberursel angerückt, und hatte als Helfer einen Herrn mit Sonnenbrille, Gitarre und Minitrommel in klassischer Sitzhaltung mitgebracht. Nach zwei, drei durchaus anrührenden Fünfzigerjahre-Rockern mit sensibler Note, zog die zweite Hälfte alles runter. Ein flapsiges „Danke, das war´s. Viel Spaß mit den Meteors!“ bedeutete nach acht Nummern in zwanzig Minuten das unerwartet frühe Ende der Groschenheftunterhaltung aus dem Taunus.
 
Nachdem vorm Konzert die Meteors vom Band liefen, hielt als Heißmacher auf Selbige die Sesamstraße als Hintergrundmusik her. „Der, die, das. Wer, wie, was? Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm...“
„Guten Abend! Thank you for coming out!“ Ein Mischmach der Sprachen läutete um 22.44 Uhr den Auftritt von THE METEORS ein. Von der Gruppe, die 1979 aus dem amerikanischen Rockabilly der Fünfziger, dem englischen Punk der Siebziger und dem Blut aus Horrorfilmen einen Stil namens „Psychobilly“ kreierte (Psycho von Hitchcock), ist nur einer übriggeblieben. Seit Partner Nigel Lewis (für Peanut der bessere Sänger) nun nicht mehr da ist, und nachdem in der Folge ein gutes Dutzend anderer Musiker durch die Meteors gingen, wurde Vokalist und Sechssaiter Paul Fenech (aktuell in Duisburg ansäßig) heute von Simon Linden und Ralf Kordemann an Kontrabaß und Schlagzeug begleitet. Obwohl ich mit Rock auf Kriegsfuß stehe: Die Atmosphäre im Publikum hatte etwas Elektrisierendes. Man hatte Ideale, trug kurzgeschorene Schädel, Fetzen von den Meteors und den Geist der alten Zeit im Herzen. Als die Helden dann auf die Bühne traten, gab´s kein Halten mehr. Das halbe Bett tanzte, Ellbogen wurden gestoßen, Arme zuckten, Rücken bogen und schoben sich im Rhythmus der Könige des Psychobilly. Fenech bestach dabei nicht nur mit verrückt aufgerissenen, unentwegt rollenden Augen und koboldartigen Bewegungen, sondern auch mit dem Charisma eines gealterten Rockers und vielen schrulligen, „Fuck!“- und „Fuck you!“-bespritzten Brit-Durchsagen von der Straße. Eine gewisse Nähe zu Lemmy Kilmister ergab sich durch das krude Organ, das Alter - und damit auch einigen Abnutzungserscheinungen. Das von Peanut ersehnte „My Daddy is a Vampire“ wurde nicht gebracht. Stattdessen gab´s einen Streifzug durch bald dreißig Studioalben mit sage und schreibe 27 Liedern. Herausstecher gab´s für mich keine. Es war alles handgemacht, gnadenlos rasant und krawallig entspannt auf die Glocke, allerdings auch ohne Tiefgang und ohne die alte Begeisterung der Akteure. Die Meteors rockten 74 Minuten. Für mich waren das im Grunde 74 Minuten verballerte Lebenszeit, ein Saufabend mit Legendenbonus: mehr nicht. Der Psycho ist tot, aber der Billy lebt: So ähnlich fand es auch das ehemalige Psychobilly- und Indie-Addict Peanut, deren Freude sich in Grenzen hielt.
 
 
Heiliger Vitus, 26. November 2012
(Bilder: Hl. Vitus)
ABSPIELLISTE THE METEORS
1. Halloween
2. Shout Addicts
3. Maniac
4. Fire Fire
5. Psycho for Your Love
6. Endless
7. Maniac Rockers from Hell
8. I Hate People
9. Wolfjob
10. My Kinda Rockin´
11. Night of the Werewolf
12. Rawhide
13. Lil´ Red Riding Hood
14. Rhythm of The Bell
15. Deep Dark
16. Berta Lou
17. Domino
18. Graveyard Stomp
19. The Crazed
20. Girl Meat Fever
21. Chainsaw
22. I´m Not Mad/Get Off My Cloud
23. Wreckin´ Crew
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24. Ex Men Boogie
25. Mutant Rock
26. I Don´t Worry About It
27. Lonesome Train