THE VISION BLEAK, AHAB, SCHWARZER ENGEL
D-Frankfurt am Main, Nachtleben - 26. Oktober 2010
Eine Aktion der Bahn bewirkte, daß die S-Bahnen heute überhaupt nicht fuhren, oder mit reichlich Verspätung ankamen. Der Nahverkehr streikte, und Peanut lag nach einer schmerzhaften Zahnbehandlung flach. So kam es, daß ich erstens allein, und zweitens zwanzig Minuten nach dem deklarierten Beginn von 21 Uhr im Klub „Nachtleben“ eintraf. Am Einlaß habe ich 15 Piepen BEZAHLT. Der Einlaßstempel auf der Hand hatte noch am Morgen danach Bestand. Es waren hundert Leute gekommen: Schwarzgekleidete, Waldorfschulenvolk und Vogelscheuchen mit schwarzumränderten Augen.
 
SCHWARZER ENGEL aus Stuttgart waren mir komplett entgangen. Damit war auch der verbreitete Konzertbeginn Verrat gewesen. Schwarzer Engel müssen eine halbe Stunde früher losgelegt haben. Sie hatten deutschen sinfonischen Dark Metal gespielt, der für mich im Netz wie ein Rammstein-Replikat klang. „Planet Hass“ einmal angehört, ist man erhellt. Zwei Tage zuvor in Torgau sollen Schwarzer Engel vor vier Besuchern gespielt haben...
Auf die Minute genau mit meiner Ankunft brachte sich der Anlaß meines Ausflugs in die Frankfurter Innenstadt in Stellung. Nach ihrem Auftritt im Vorjahr am selben Ort ist der angestammte Gitarrist ins Boot von AHAB zurückgekehrt. Chris Hector verstärkte die Gitarrenfront, und Droste, Norz und Althammer waren die anderen im Bunde. Außer der Erweiterung des Fischzugs um „O Father Sea“, zelebrierten die Heidelberger das gleiche wie im Frühling 2009. (Am neuen Album wird noch gearbeitet, wie Daniel mir später verriet.) Ahab zelebrierten ihren Funeral Doom, der von der Geschichte „Moby Dicks“ handelt, von der Jagd eines verbohrten Kapitäns nach einem Wal. Satzfetzen, die im Nichts versanken, kreuzten sich mit drei dräuenden Gitarren, dazu hämmerte im Hintergrund ein Schlagzeug von bleierner Schwere. Andererseits kamen Ahab für Funeral-Verhältnisse heute schon sehr dynamisch daher, zuweilen regelrecht furios geradezu. Dazu ließen es Ahab heute auch etwas an der Glaubwürdigkeit fehlen. Ahab wirkten auf mich schon fast zu ausgebufft - was sich auch in einer gewissen menschlichen Distanz äußerte. Aber vielleicht war es auch die Einbettung des Doom in die aufgemotzte Verhuschtheit der Vor- und Nachhut, die mit Doom überhaupt nichts zu tun hatte. Die Schau ging in Ordnung, sie allein war das Geld wert, und der Verfasser dieser Zeilen durfte die Doomer fünfzig Minuten haarewirbelnd unterstützen. Damit stand ich ziemlich allein auf weiter Front. Die Tage der langhaarigen Krieger scheinen gezählt.
„Set Sail To Doom & Horror“, lautete die Losung zur Tour. Ahab standen für den Doom, THE VISION BLEAK für den Horror. Inhaltlich bezogen sich Letzte dabei auf die Klassiker der Horror-Literatur, und hier besonders auf H.P. Lovecraft; musikalisch ließen sich Ulf Theodor Schwadorf und Allen B. Konstanz, ergänzt um die Bühnenmusiker Habermann und Thelemnar dem Gothic Metal zuorden. „Düstere Aussichten“ für mich, um es mal mit dem Gruppennamen zu sagen. Was sich da so an die elfte Abendstunde heranlärmte, war ein hartes und schnelles Inferno der Gitarren. Die Optik war edel, die Schädel rotierten wild, der Schauwert lag hoch... aber für meinen Geschmack war die Riege aus der Rhön auch viel zu aufgepumpt, zu reißerisch und überladen. Nach fünf Nummern bin ich abgedampft.
 
Mit meiner Rückkehr an die Erdoberfläche und dem Wiederabtauchen in den S-Bahn-Tunnel wechselten auch die Farben von Lackschwarz nach Königsblau: Der Bahnhof Konstablerwache war gefüllt mit gutgelaunten Schalke-04-Anhängern, die ihren Pokalsieg über den FSV Frankfurt feierten.
 
 
Text und Bilder: Heiliger Vitus, 27. Oktober 2010
.:: ABSPIELLISTEN ::.
 
SCHWARZER ENGEL
unbekannt
 
AHAB
(21.20-22.10)
1. O Father Sea
2. Old Thunder
3. The Divinity of Oceans
4. The Hunt
 
THE VISION BLEAK
(22.30-23.45)
Intro
1. Carpathia
2. The Black Pharaoh Trilogy: Part II: The Vault of Nephren-Ka
3. Kutulu!
4. I Dined With the Swans
5. Wolfmoon