Die 30 größten Langwerke aller Zeiten
BUNKUR - Bludgeon (Deserted Factory, 2004)
Erst gellen Todesschreie. Darauf folgen dumpf polternde Trommeln, sonor dröhnende Bässe und hintersinnige Botschaften. Mit spärlichem Einsatz von Licht und definitiv keinen Melodien erzeugen M07 (Dröhnen, Todesgeschrei), K03 (Wehklagen, Gedröhn), T13 (Trommel) und F21 (Orgel) von Anfang an das Gefühl von Verlorenheit und Einsamkeit. Ultra Doom nennt es das Selbstmord-Service-Überdoomkommando aus Tilburg selbst. 'Bludgeon' (Knüppel) ist eine Parabel aus zwei Fellationen mit transparenter Länge: Zuerst »Bludgeon« (65:08 Min.). Danach eine Salution an Burzum durch »Erblicket die Töchter des Firmaments« (16:16 Min.).
What is this life but perpetual torment I see nothing, I hear nothing, I feel nothing, my life was nothing
BURZUM - Filosofem (Misanthropy, 1996)
So schwierig Varg »Count Grishnackh« Vikernes´ Ideologien auch sein mögen: Die Klangkunst seines singularen Einsatzkommandos Burzum ist einzigartig. 1993 wegen Kirchenniederbrennungen und dem Mord an Euronymus zu 21 Jahren Lagerhaft verurteilt, entstanden einige Alben hinter Mauern. 'Filosofem' ist kein reines Schwarzmetall-Werk, aber das faszinierendste. Fiebrig halluzinierende Saiten kreuzen sich mit düsteren Trommeln und transzendentalen Orgeln, dazu heult und schreit der Graf wie bei einer üblen Exorzion. So entsteht eine Aura, die in ihrer Mystik dem Dunkel einer Polarnacht gleicht. Wer »Jesus´ Tod« hört, vergißt das nie!
I wonder how life will be with a death that I shall never see / I wonder why life must be a life that lasts eternally
ESOTERIC - Esoteric Emotions - The Death Of Ignorance (Independent, 1993)
Funeral Doom auf drogendurchtränkten Pfaden... Sperr dich in die Dunkelkammer, drehe alle Regler nach rechts, und sinniere 82 Minuten zu acht teufelsschwarzen Tiraden galore! Die längste davon währt zwanzig Minuten. Mit Worten zerdehnt über eine Minute. Die Birminghamer Esoteric sind die abstrakteste und extremste Misanthropie, die der Humanoid sich auch nur vorstellen kann. Ultralangsame Gitarren schaffen Schwermut, Orgeln spielen mit dem Licht der Unendlichkeit. Doch plötzlich schiessen einem synthetisch kalte Bässe in den Magen, fiebriges Gelächter, Mumiengeröchel, gefauchte Nazgul-Schreie, Morddrohungen. Todesangst penetriert dich!
Look through the confusion to find knowledge / Look through the knowledge to find confusion
EYEHATEGOD - In The Name Of Suffering (Century Media, 1992)
»Hardcore Blues« nannten die fünf Sickos aus New Orleans ihren Krach. Sludge nennt´s der Rest. Nenn´ es wie du willst: Eyehategod sind die Verzapfer jener Melange aus Crust, Sumpf und Doom. EHG waren und sind die erste Randgruppe des Dooms seit 1988. Die Horde aus Louisiana kontaminiert dunkle Trossen mit schlagenden Trommeln und einer zotigen Fistelstimme. Abscheu vor dem Leben verbunden mit Meditation und allen möglichen Rauschgiften (biologische wie synthetische), schufen Einmaligkeiten wie »Depress«, »Shinobi« oder »Hit a Girl«. Dazu leeren die »Kinder des Doom« einen Kübel Eiter über die Nichtswürdigkeit des Homo sapiens.
When I'm with you I'm falling/ Peace is a word of the sea and the wind/ Peace is a word of a day without end
FEINDFLUG - Feindflug [3. Version] (Black Rain, 2009) [2-LP]
Mit Elektromusik habe ich wenig am Helm. Feindflug sind die Ausnahme. Denn was Felix und Banane machen, ist in seiner Art einmalig und ungemein faszinierend. Mit einer Antenne für Ästhetik und martialische Rhythmik schrauben Feindflug ein Sperrfeuer aus Bässen zusammen, das an Größenwahn grenzt. Nur niederhämmernde Tasten und Trommeln (in echt gitarrenverstärkt), und - außer geschnarrten Bekenntnissen vom Tonband - zugeklebte Münder. Nach einer Vergangenheit im Industrial bewegten sich die Flieger aus Sachsen später mehr zur EBM hin. Feindflug [3. V.] ist die Wiederauflage des gesuchten Demos von 1999 auf unausrottbarem Vinyl.
Stukas... Stukas... Stukas... Da unten sind sie, Backbord unter uns! Stukas! Los geht´s, wir greifen an!
HESSAJA - Hessaja (Devil Eject, 2014)
Hessaja sind fünf Doomer der alten analogen Art mit allen Merkmalen, die den traditionellen Sludge Doom ausmachen: nihilistisch bis zum Anschlag, mit feinen Instinkten und einem ausgeprägten Konflikt mit dem Leben. 'Hessaja' ist jedoch spannender als die übliche Stilkost. Neben den gedrosselten Apparillos besitzt das Album Atmosphäre, philosophische Tiefe, wahnsinnige Texte, geniale Melodien, das gewisse Feuer im Herzen, und es hat Akteure, die das Thema dicht, vielschichtig und einfach sehr wahr wiedergeben. 'Hessaja' ist ein äußerst bedrückendes Werk: Es ist dem Bruder des Sängers geweiht, der sich das Leben nahm.
Ich weiß wenigstens, was der Tod ist / Ich weiß, daß es unklar bleibt, warum ich lebe...
IRON VOID - Iron Void (Barbarian Wrath, 2014)
Hier waren Fans am Werk! Englands Iron Void sind keine Begnadeten. Aber sie leben ihre Begeisterung und huldigen als Langhaarige mit Stirnband, Denim und Bandshirts den Ahnen und Helden. Sealey, Wilson und Park zelebrieren obsoleten Doom Metal und nichts sonst. Wummernde, schleppende und rumpelnde Saiten und Trommeln krachen auf wechselnde klare und kieselige Vokale. Im ersten Augenblick klingt´s verstaubt. Doch bald wird das Doomherz von den Hymnen aus Yorkshire überwältigt. Auf der Plattenhülle tut eine astrale nackte Göttin auf dem Schoß des Lichtbringers das Ihre. Iron Void sind »true« und Kult gleich noch dazu! God bless Iron Void!
Marching on through the centuries/ Spilling innocent blood/ Freedom now a distant memory/ Buried in the mud
LORD VICAR - Fear No Pain (The Church Within, 2008)
Der düsteren Signifikanten alias »Herr Pfarrer« sind wie die Fusion von Reverend Bizarre und Count Raven, und deren Erstling das Einswerden von Hochgefühl und Schwermut, Weisheit und Abenteuer. Nachdem es beim Rezensent ein endloses Mauerblümchendasein fristete, stieg 'Fear No Pain' im verflixten siebenten Jahr zum Dauerbrenner empor. Jeder Augenblick sagt alles über die Herkunft seiner Macher. Die vom Bizarren Reverenden bekannte, okkult-hymnische Fuzzgitarre trifft auf die leiernd-leidende Kopfstimme von Chritus. Bass und Trommeln geizen nicht mit Tiefe. Das Resultat ist reinster, traditioneller Doom Metal in euphorisierender Art.
Let the whole world remember: We took our sacred oaths and never ran.
MARCHE FUNÈBRE - Roots Of Grief (Shiver Records, 2013)
Die Plattenhülle zeigt »Rebirth«, ein Bild der amerikanischen Künstlerin Brooke Shaden mit einer fallenden jungen Frau zwischen den Wurzeln eines Baumes. Und genau so klingt das Zweitwerk von Marche Funèbre aus Mechelen: wie eine bizarre Situation zwischen Leben und Tod. 'Roots Of Grief' ist flämischer Death Doom in dunkler Urgewalt: schlicht, roh, animalisch, und reich an Spirit und starker innerer Leidenschaft. Die sieben Lieder erzählen von Schmerz, Einsamkeit, Vergänglichkeit und der Ewigkeit. Es wird zumeist klar gesungen - bis rasendes schwarzmetallisches Gerumpel höllisches Röcheln und gurgelnde Schreie mit sich zieht.
I am still here,but not alive/With no one to help/Why can´t I tell you/Why can´t you help me/Please,help me die
MIRROR OF DECEPTION - Past & Present (Independent, 2000)
Kaum jemand schmiegt meine Gefühle so schön in Klänge wie die unorthodoxen Epic-Doomer um Fopp und Siffermann. Mit ihren Demoaufnahmen von 1993 bis 2000 schuf die Rotte aus dem Dunst um Stuttgart ein Schlüsselwerk im traditionellen Doom. Mit Liedern voller Einsamkeit und Niedergeschlagenheit, vorangetrieben mit Grips und Psychologie, mit großen Melodien wie in »Yearn« und »Leaves«, und der deutschen Doomhymne »Weiss«, zählt 'Mirrorsoil' zum Berührendsten, was je das Licht der Welt erblickte. Erhaben flirrende Gitarren und eine verletzliche Stimme schaffen Traurigkeit in Vollendung. Genau das Richtige für einen nebligkahlen Herbsttag.
Ich kann in deine Augen sehen und weiß, die Kraft der Gefühle unterschätzt man so leicht.
MOTÖRHEAD - No Sleep ´til Hammersmith (Bronze, 1981)
Der Ahnvater wurde 1945 geboren: Ian »Lemmy« Kilmister. Seine erste Gruppe, die Acidrocker Hawkwind, schasste ihn wie in einer Ironie wegen eines Drogenvorfalls. Lemmy nahm seine letzte Komposition mit und benannte nach ihr seinen neuen Trupp: »Motorhead«. Der erzeugte aus dem Hardrock und Heavy Metal der frühen Achtziger eine krud donnernde Bestie vorm Herrn. Mit dem Doppel-Bassdrum-Inferno 'Overkill', dem Feuerregen 'Bomber' und dem Urknall 'Ace Of Spades' bliesen die Engländer seinerzeit die ganze Welt weg. Die Aufnahmen aus Leeds und Newcastle präsentieren das Ursprungstrio Lemmy, Fast und Philthy Animal auf dem Höhepunkt.
I don´t share your greed, the only card I need is / The Ace Of Spades
NOCTURNAL DEPRESSION - Four Seasons To A Depression (Sun & Moon, 2007)
Im Unterschied zu ihren Frühwerken konzentrieren sich Herr Suizid und der mit einem Stigma an der Hand geborene Lord Lokhraed auf 'Four Seasons' auf die Natur und den Kreislauf des Lebens. Voller Melancholie und Verzweiflung durchleiden sie ein Jahr mit seinen vier Kapiteln. Trügerisch süß, hypnotisch geradezu, beginnt es. Der Frühling wandelt sich in einen doomig langsamen Sommer. Doch auch der Sommer kann zur Hölle werden. Darauf umarmen einen die Schleier des Herbstes mit einer ungeheuren, lebensmüden Atmosphäre. Bis sich das Jahr dem Ende neigt, und alles in einem schwarzmetallisch herausgeröchelten Wintersturm explodiert.
For now I´m haunting your world... I spread the sorrow among you... And death open her arms...
BÖHSE ONKELZ - Onkelz wie wir... (Metal Enterprises, 1987)
Zwar kein Doom, aber Teil meines Lebens: die Onkäls! Hysterie und Hexenjagden wie damals nach Noreira konnten die 1980 gegründete Legende nicht zerstören. Einst Kult für die Skins, nahmen Stephan, Kevin, Gonzo und Pe mit dem Lied »Erinnerungen« Abschied von ihrer Vergangenheit - und blieben Reizfiguren. 'Onkelz wie wir' sind neue böhse Lieder von böhsen Menschen; weg vom verbotenen Oi!, hin zu krudem Straßenrock. Es geht um Frauen, Alkohol und Gewalt, das Gehaßte, Verteufelte, Verklärte. Schwere Entscheidung im Dickicht der Onkelzdrogen... 'Onkelz...' sind verdammt schöne Memoiren an eine wahnsinnige Zeit in Frankfurt.
Hast Du auch schon mal Mama´s Kleider probiert / Vor´m Spiegel in Strapsen onaniert...?
OPHIS - Stream Of Misery (Imperium Productions, 2007)
Ophis sind sehr fordernd für mich, speziell wenn die Seele am Boden liegt. Ausgerechnet in der miserabelsten Phase meines Lebens traf ich beim Ende von »Doom Shall Rise« (remember 2013?!) erstmals auf die Rotte aus Norddeutschland. Ein Freund hatte mich noch gewarnt - und danach war alles anders. Ophis stehen für alles, was echten Doom bedeutet - und so mordsgefährlich für mich macht: Finsternis, Auswegslosigkeit und tiefsten Nihilismus und Weltekel. Die Klänge bewegen sich zwischen funeraliger Langsamkeit und schwarzmetallischen Blitzstrahlen. Es wird haßerfüllt gekeift und bestialisch gegrunzt. Ophis kommen direkt aus der Hölle!
Storms of suicidal vibes/The urge to end this suffering/Yet we will not find peace/In our sleep our endless night
OPIUM WARLORDS - Taste My Sword Of Understanding (Svart, 2014)
S.A. Hynninen war der Magister, Hexenfinder, Sir und Spermaesser von Reverend Bizarre. Jene sind Geschichte, doch einer trug ihren Spirit weiter. Das dritte Pflänzchen der Opiaten beginnt wie die Musik zu einem Horrorfilm. Danach nimmt es einen anderen Weg. Die verflossene Liebe bricht wieder auf, und entwickelt dank Alberts eindringlicher Stimme und einer genial untertourigen Tonspur eine irre Faszination. Bald folgt »The God in Ruins« und stellt den Doomladen erneut auf den Kopf. Hynninen leidet und winselt sich Einsamkeit und Verzweiflung aus dem Leib. Der bedrückende Hintergrund läßt einen das Material mit anderen Augen sehen. Auftritte verboten!
Love was given/ And love was lost/ You are together in suffering/ I am alone and out of your reach/ 3-5-0-1-2-5
OUR SURVIVAL DEPENDS ON US - Jumping Once Too Often Into The Ocean That Had Always Been Our Inspiration (mjuorg, 2004)
»Was wir bieten, ist Fleisch und Blut. Schlichte Wirklichkeiten, die den Wurzeln unserer Schöpfung Nahrung geben. Musik, die einen Wind mit sich führt, der die toten und hohlen Bäume umbläst.« Besser als Osdous Eigengeständnis läßt sich dieses Werk nicht beschreiben. Der tantrische Doomer aus den Bergen bei Salzburg wurde 100 Prozent live, analog, echt und unverfälscht aufgenommen. Man erlebt alles wie es war: die Geräusche im Raum, die schlechte Luft, die schweren Köpfe in der Nacht - und eine unter die Haut gehende Leidenschaft.
Your masterplan is a suicide pact / It was this that made us switch... Armageddon inside
PARADISE LOST - Gothic (Peaceville, 1991)
Anno 1988 begannen fünf Angelsachsen mit einem unter Agoraphobie leidenden Sänger schwermütige Musik zu machen. Grottentiefes Todesmetallgeröchel unterlegt von schleppenden Heavygitarren und der elfenhaft zarten Kehle einer Opernsängerin, dazu hupende Kirchenorgeln, schufen einen ganz neuen, weinenden Nazarener am Kreuz: den Gothic Metal. Das Original wurde nachgeahmt bis es seinen bittersüßen Reiz verlor. PL selbst mutierten später zu armen Depeche-Mode-Replikaten. 'Gothic' indes bleibt das Meisterwerk der dunklen Schmiedekunst und das perfekte Szenarium für stimmungsvolle Kerzenmessen mit Rotwein.
In agony we are now / Twisted unblessed we must strive...
REVEREND BIZARRE - Magick With Tears (Tyrannus, 2008) [2-LP]
Eine schwarze Runde mit langer Reise. Nach 2 Jahren, 4 Monaten und 6 Tagen schlug eine von 153 Kopien von 'Magick' von der Isla de Maipo (Chile) in Deutschland ein. 'Magick' kann als Demoaufnahme von Magister Albert, Peter Vicar und Earl of Void bezeichnet werden. Die Stücke vom Dezember 2000 sind auf 'In The Rectory', und das rohe, unbehauene Vinyl ist organischer noch als das Album. 'Magick' ist ein Fegefeuer aus doomiger Urgewalt und zynischer Misanthropie. Ton um Ton türmt sich ein gigantischer, nach Schwefel stinkender Koloß auf. Oft langsam - bis ein Mörser alles wegsprengt. Wuchtig, dunkel und unheilvoll wie eine Wagneroper!
Remembering the days of joy, not so long ago / Those memories just increase grief...
SAINT VITUS - V (Hellhound, 1989)
Weil Vitus Gott mehr als alles auf der Welt liebte, sperrte man ihn in des Reiches düsterstes Verließ, marterte ihn mit siedendem Öl und hetzte Löwen auf ihn. Der gepeinigte Vitus vollführte ekstatische Bewegungen - Veitstänze. Dem gleich ist die Musik der Reinkarnation, der Sakrosankten des Doom. Im heißen Höllenfeuer zelebrieren die finstersten Gringos Kaliforniens schwarze Stories um Tod und Teufel, Drogen und Depressionen. Legende Wino paralysiert mit gottbegnadetem Timbre, Jesus Chandler peinigt den Sechssaiter und mein Seelenbruder Lord Chritus hatte mit den Erzengeln einen Flirt. Die Ahnen des Doom sind verstummt. Für immer.
Dreams were made for mortals / None were left for me / So I´m living backwards / The past is all I see
SKEPTICISM - Stormcrowfleet (Red Stream, 1995)
Vier Finnen in einsamer Verbundenheit zur Natur und den Ahnen: Mit ihrem ersten Langeisen inszenierten Skepticism eine aufwühlende Seelenstudie um Verfall und Erlösungssehnsucht, die einen mit Urkraft umklammert und am Ende nach einer Pause gnädig in einen dunkelgrünen Wald entlässt. Bis dahin entfaltet sich ein Werk von wagnerianischem Ausmaß. Schlichte Worte, eine abgründige Stimme, grobkörnige Trossen, eine malerische Orgel, gepolsterte Stöcke, und eine ungeheuer schwerblütige, wehmütige Aura in tiefster Zeitlupe: Damit war Funeral Doom begründet. Der Zweitling ist anspruchsvoller, doch die 'Sturmkrähen' sind der Ursprung!
From these mountains I swear the world. I am a hammer. I am lightning.
SLAYER - Live Undead (Metal Blade, 1987)
Schneller, härter, lauter! Der schwarzen Staffel Slayer war die Welt im Jahre 1982 zu schwach. King, Araya, Hanneman und Lombardo strebten nach dem absolut Bösen. Und das war alles vernichtender Speed- und Thrash Metal aus messerscharfen Riffs, apokalyptischen Bässen und radikalen Inhalten. Das Kokettieren mit Reichssymbolik, das Mengelelied »Angel of Death«, der Fanclub »Slaytanic Wehrmacht« und rassistische Aussagen kamen im sensiblen Germania nicht so gut an. Gilt 'Reign In Blood' als brutalstes Stück Musik aller Zeiten, so ist 'Live Undead' das faszinierendste Livewerk für immer. Nach Slayer kommt verbrannte Erde.
Cursed / Black Magic Night / We´ve been struck down / Down in this hell
SOLITUDE AETURNUS - Into The Depths Of Sorrow (Roadrunner, 1991)
Äußerst heftig kriecht dieser Epic-Doom-Monolith aus den Lautsprechern. Mit zerschmetternden Metalriffs und einer kristallklaren Stimme erzeugen Solitude eine Himmelfahrtssymphonie voller unendlicher Isolation in Zeitlupe. Verzweiflung und Ausweglosigkeit schaukeln sich in die Höhe, werden schmerzhaft geradezu, und wirken beängstigend tief. Vielleicht fühlt man erst dann, wenn man es selbst erfahren hat, wie abgrundtief schrecklich ewige Einsamkeit sein kann. Alle Verlassenen, Vergessenen und Suizidbereiten wird es nicht weiter berühren. Dies ist Musik, die man nie mehr vergißt. Ekstatisch, erschütternd und nichts für schwache Naturen!
I sat upon grassy linen, looking far into my thoughts... and destiny falls to ruin...
SPANCER - Countdown To Victory (Eigenproduktion, 2001)
Wer sich eine Woche lang nicht wäscht und lange Bärte wachsen läßt, um darauf U-Boot-Rituale mit »Das Boot«, Cognac-Saufen, Dosenbrot-Fressen und »Silent Hunter« (U-Boot-Simulation) zu veranstalten, kann nicht alle Hühner auf der Veranda haben. Kein Wunder, daß die Spacken Spancer von der Stasi beschattet wurden. York, Kaptain666, Markus, Kappe und Jan sind die so ziemlich schrägsten Absonderlinge im Doom-Laden. Die Nordlichter machen Sludge mit zwei apokalyptischen Bässen und tonnenweise Ironie, das einem der Lebenssaft in den Venen brodelt. Und der Kapitän klönt mit Carlos Castaneda bei Becks und Slivovice aus Einweckgläsern.
Der 40. Seetag. Seit einer Woche Sturm....Wasserbrecher... Wasser... Mann über Bord!!!...
TOTENMOND - Lichtbringer (Massacre, 1996)
'Lichtbringer' war eine der Erneuerungen im Untergrund der Neunziger überhaupt. Als Wermut formiert und 1990 in Totenmond umbenannt, definierten Pazzer, Senz und Konsorten den Dunst zwischen Punk und Metal radikal neu. Mit dem Effekt einer ultrafeisten, ultrazerrenden Ausgeburt von grindend Schnell bis zermalmend Langsam, zwischen krudem Hoolgerüpel, furchteinflößendem Doom und bizarrer Avantgarde. Eine knarrende Tür hier, rumpelnde Instrumente da, dazwischen überfallartig losbrechende, abscheukalte Misanthropie verschlüsselt in ausdrucksstarkem Deutsch und provokanter Reichsästhetik. Mit Totenmond eint mich der Haß aufs Leben.
Peritus veritas / Sagenwelt ist das Buch der Lüge / Euer Gott ist ein Arschloch
TYPE O NEGATIVE - Slow, Deep And Hard (Roadrunner, 1991)
Nach den skandalösen Carnivore sind Type O Petrus T. Steeles neues böses Korps. Deren Erstwerk ist an Brutalität kaum zu übertreffen. Steele kotzt und schreit seinen Frust und Haß (auch gegen sich selbst!) mit einem einzigartigen, gruftestiefen Wehrwolfsorgan ins Mikro und zieht dich in einen Strudel aus Sex, Gewalt und Suizidgelüsten. Preßluftgehämmer, Kettengerassel und Kreissägen erzeugen einen kalten Hauch von Industrial und öffnen eine neue Dimension fröstelnd zynischer Doom-Welten. Nach Explizitem wie »Der Untermensch« hagelte es Faschovorwürfe. Auftritte auf deutschem Boden mußten nach Drohungen der Roten ausfallen. Killer!
Trust and you will be trusted says the liar to the fool...
 
URFAUST - Geist ist Teufel (GoatowaRex, 2004)
Mit ihrem Debüt schockten IX und VRDRBR die aufziehende Post-Black-Metal-Bewegung regelrecht. 'Geist ist Teufel' ist eine mit minimalsten Mitteln aufgenommene, in natürliche Töne getauchte, vor Leben wimmelnde Lo-Fi-Black-Doom-Welt, in die auch Anhimmlungen für Burzum passen. Wie ein vom Opernsänger zum romantisch betrunkenen Clochard Verzauberter singt IX mit väterlicher Inbrunst seine Rituale über die kleine Narrenwelt des Menschen, dazu stiftet er mit dem Verderber Apparillos, die trotz ihrer leiernden Schlichtheit einmalig berührend sind. Zwischen Raserisch und Zeitlupe steigt »Auszug aller tödlich seinen Krafte« zu einem Genever pur empor!
Black Metal Okkultists!
VERSUS THE STILLBORN-MINDED - Audibly Bleeding (Independent, 2004)
Abstrakte Aufmachung, abstrakte Klänge, abstrakte Protagonisten: In Pergamentpapier gehüllter Sludge von fünf Doomboys aus Franken. Oder mit Boris, Satti, Sturmkind, Torsten und Robin eintauchen ins Karma des Doom. Ein puristisches Schlagzeug, ein grummelnder Bass, zwei Doomgitarren und ein höllendüsteres, gequältes Organ: mehr braucht es nicht. Versus sind ein gigantischer Koloß, gleich einem sich im Todeskampf windenden Wal. Mal aufbäumend, dann wieder versteinert, mal weinend, und am Ende still. Inhaltlich geht es um menschliche Abgründe, auf Drogen basierende Illusionen und um Selbstvernichtung.
How could it be, the eye of the storm cannot be peaceful / It always beholds destruction, so do the most of us
WARNING - The Strength To Dream (The Miskatonic Foundation, 1999)
Eine meiner feuchtesten Perlen. Fünf ultraschwere Trauermärsche in fünfzig dramatischen Minuten. Ich bin gewiß kein Defätist, heulen muß ich nur aller Jubeljahre mal. Doch hier ist alles anders. Gleich der seelentiefe Doomer zum Auftakt jagt einem die Schauer nur so übers Kreuz, und Tränen ins Gesicht. Diese Welt ist eine Lüge! Und es braucht viel Kraft, Träume nicht jung sterben zu lassen. Pat Walkers kauzige Stimme wird immer mehr von Resignation überwältigt, sie bebt - und erstickt schließlich in Schluchzen. Schwermütige Apparillos begleiten ihn und lösen erhebliche Angst aus. Ich falle in ein Meer, die Wellen schlagen über mir zusammen.
And as I dream of all that could happen I let depression take control, I love you!
WEISSGLUT - Etwas kommt in deine Welt (Sony Music, 1998)
Sie kamen mit Liebe, aber nicht in Frieden! Der aus Rheinhessen stammende NDH-Mythos Weissglut faszinierte mit unglaublicher emotionaler Härte. Die Texte sind deutsch, esoterisch und umstritten: Neben Nietzsche verbergen sich Metaphern (für den, der sie versteht). Frontmann JK lebte die Lieder ergreifend bis aufs Blut. Seine Obsession war eine wahnsinnige Gabe - und zugleich Anlaß für Ärger. Eine Vergangenheit mit Forthcoming Fire holte ihn ein, und Kontakte zum Black Metal brachen ihm das Genick. Am Ende währte der Tanz nur einen Sommer. Hymnen voller unerhörter Seelenpein blieben als Vermächtnis. Von Thronstahl sind in Stellung.
Kein Leben / Keine Liebe / In meinen Träumen bist du bei mir
WINTER - Into Darkness (Nuclear Blast, 1990)
Auf Winter stieß ich durch einen Langhaarigen aus der Frankfurter Metalszene, der den führenden Plattenladen am Main Anfang der Neunziger mit Winter quälte. Der Kerl war der Zeit genauso weit voraus wie die Neu-Yorker Alman, Flam und Gonclaves. Winter waren die Ersten, die gegen den Untergrund schwammen. Ob Punk, NY-Hardcore oder Death Metal: alles mußte schnell sein. Winter waren zwischen diesen Stilen - nur um viele Gänge runtergeschaltet. Mit derben Trossen, gegurgelten Vokalen und postapokalyptischen Visionen, die den Sludge auf ewig inspirieren sollten. Nach wenigen Auftritten und einem Album lösten Winter sich auf und wurden Mythos.
The stench of rotting corpse fills the air, streets now flow with rivers of blood
30 gottbegnadete Lieder
¤ Apostle of Solitude - Sincerest Misery (1.000 Days)
¤ Atragon - Jesus Wept
¤ Benediction - Forget in Fire [Anvil]
¤ Böhse Onkelz - Die Stundes des Siegers
¤ Bunkur - Bludgeon
¤ Burzum - Jesus´ Tod
¤ Cathedral - Cosmic Funeral
¤ Deadwood - Dresden
¤ Esoteric - Bereft
¤ Feindflug - Stukas im Visier
¤ Hessaja - Nista
¤ Lake of Tears - Headstones
¤ Magog - Der Gesalbte
¤ Mirror of Deception - Weiss
¤ Nocturnal Depression - Fjaer
¤ Opium Warlords - The God In Ruins
¤ Paradise Lost - Shattered
¤ Reverend Bizarre - Dunkelheit [Burzum]
¤ Saint Vitus - Living Backwards
¤ Skepticism - Sign of a Storm
¤ Slayer - South of Heaven
¤ Solitude Aeturnus - Destiny Falls to Ruin
¤ Suicidal Tendencies - How Will I Laugh Tomorrow
¤ The Ruins of Beverast - Mount Sinai Moloch
¤ Totenmomd - Sagenwelt
¤ Type O Negative - Prelude to Agony
¤ Urfaust - Der Hässlichste Mensch
¤ Warhorse - Scrape
¤ Weissglut - Alles was dein Herz begehrt
¤ Winter - Destiny
Stand: 1. Juli MMXVII