DOPETHRONE, HIGH FIGHTER
D-Dresden, Chemiefabrik - 12. August 2019
Geschlagene drei Monate waren seit unserem letzten Abstecher zur Konzertfront ins Land gezogen. Nach dem Dudefest mit Saint Vitus und Dopelord in Karlsruhe war nur Schrott unterwegs, Nichtigkeiten, die den Besuch nicht wert waren. In der Zwischenzeit hatte ich die eigenen Unternehmen forciert und neun Radrennen bestritten, darunter sowas wie die Deutsche Meisterschaft der Masters. Am Tag nach dem Velorace in Dresden beehrte eine weitere Gruppe mit dem magischen „Dope“ im Namen die heiligen Hallen der „Chemo“: Dopethrone aus Montreal. Dazu gesellten sich High Fighter aus Hamburg. Beide waren uns bekannt, die Eintrittskarten lange gesichert. Mit dreihundert überwiegend langhaarigen Gästen war die Chemo heute rammelvoll und brütend heiß. Die Körperflüssigkeiten rieselten in Strömen!
Ein wilder Heavy-Rock-Song und ein „Guten Abend Dresden! Wir sind HIGH FIGHTER aus Hamburg. Schön, wieder hier zu sein!“: So begann der Auftritt des Quintetts Miluski, Boysen, Pappas, Wüst und Wildelau. Es folgten zwei weitere Heavyrocker. Oh nein, die gleiche Leier wie vor zwei Jahren, dachte ich. Doch das wußten außer den Akteuren eben nur die Gäste von damals, als High Fighter im Dresdner „Puschkin“ für Conan eröffneten. Aber es sollte besser werden! Nach dem lässigen Aufgalopp wurde es eher brutal. „Wir haben eine neue Platte draußen“, vermeldete Frau Miluski mit rauchiger Stimme, „Die heißt 'Champain'. Und wir spielen jetzt ein paar Lieder davon.“ Es wurden fünf. Das erste nannte sich „Shine Equal Dark“ und leitete eine mutmaßliche Neuausrichtung von High Fighter ein. In der Folge changierten die Hamburger zwischen Verzweiflung und Zorn, und wirkten nicht zuletzt durch die gequälte Mimik der Sängerin und die trotz aller Heftigkeit sehr feinfühlig gespielte Leitgitarre oft wie ein Gekreuz aus Crowbar und Downfall of Gaia, von denen Frau Miluski eine Bluse trug. Mit ihrem sehr hardcorelastigen Sludge Metal, den sie heute spielten, lagen High Fighter in der Machart auf einer Linie mit Dopethrone - und sie waren denen mindestens ebenbürtig (vor allem variantenreicher). Das finale „Dankeschön Dresden! Viel Spaß mit Dopethrone!“ war so gesehen ein klassischer Fall von falscher Bescheidenheit.
DOPETHRONE hatten wir letztes Jahr zusammen mit Church of Misery, Bongzilla und Sons of Otis in Wiesbaden gesehen. Mit ihrer Frische und Kratzigkeit waren Vince, Vyk und Shawn damals das ganze Gegenteil zu den Genannten: die sprichwörtlichen jungen Wilden. Auch heute lieferten die Kanadier harten Stoff. Von Electric Wizard oder Stoner Doom waren die Männer vom Mount Hell so weit entfernt wie Montreal vom Mars. Statt einer Bong hatten sie eine Gallone Jim Beam und weibliche Eskorte mitgebracht. Julie Unfortunate war mit ihren arschlangen Rastazöpfen nicht nur das optische Pendant zu Vince Houde, nein, auch ihr morbides Geröchel schien der Kehle des Frontmanns entnommen. Am verstörendsten waren aber die Tätowierungen, die Julie Unfortunates Gesicht wie eine Maske verdeckten. Mit ihr als Leadsängerin hatten Dopethrone sich noch weiter vom Doom entfernt. Zwei gestörte Psychen und zwei wildgewordene Methusalems lieferten heute als eine Art Quartett infernale schnellen, derben Sludge Metal mit latentem Hang zum Crust (oder auch „Slutch“, wie es auf einem ihrer vielen mitgebrachten Shirts stand). Dopethrone mieden die üblichen psychedelischen Effekte, die den Stonerstoff und ihre ersten Platten ausmachen. Sie brachten keine Katharsis und auch keinen Grund, in entrückte Ekstase zu fallen. Statt manischer Zeitlupe wählten sie einen abgewrackten Bulldozer, statt waberndem Dope teuflisches Gelächter, statt Friede-Freude-Eierkuchen verdrehte Augen, rausgestreckte Zungen und durchgeschnittene Gurgeln. KILL EVERYONE NOW: Die Worte auf Vince´ Shirt waren Dopethrones Religion!
 
 

Text und Bilder: ((((((Heiliger Vitus)))))), 15. August 2019
.:: ABSPIELLISTEN ::.
 
HIGH FIGHTER
(21.32-22.20)
1. Before I Disappear
I Will Not
2. Two Steps Blueskill
3. Black Waters
4. Shine Equal Dark
5. Kozel
6. Dead Gift
7. Another Cure
8. Darkest Days
9. Champain
 
DOPETHRONE
(22.40-23.45)
1. Snort Dagger
2. Planet Meth
3. Tweak Jabber
4. Porcelain God
5. Tap Runner
6. Dark Foil
7. Host
8. Wrong Sabbath
9. Sultans of Sin
10. Scum Fuck Blues
11. Killdozer