IRA
D-Frankfurt am Main, Clubkeller - 14. November 2007
[[[o]]] „You will all die, all things will“ Trefflicher als dieser Aufkleber im Knabenklo des „Clubkeller“ konnte die Überleitung von der Überwirklichkeit (den von uns neun Tage zuvor gehuldigten Dutch Doom Days von Rotterdoom) und der Wirklichkeit (dem heutigen Clubkonzert im Ebbelweiparadies Sachsenhausen) kaum sein. Um 21.30 Uhr sollte es losgehen. Halb zehn hatten wir „Hibbdebach“ mit „Dribbdebach“ getauscht, waren von der Nord- zur Südseite des Mains gegondelt, und nach Umtausch von sechs Euro in Luft drin im luftarmen Keller der Textorstraße 26. Sechzig Zuhörer waren da: Endzwanziger, Altstudis, Superhirne und Durchschnittsmenschen, die miteinander bekannt waren und in Klugheit erstarben. Es muß schon anstrengend sein, ein Bier zu bestellen, ohne zuvor die Quadratwurzel dem reellen Inhalt von 0,4 l Bex gezogen zu haben... Helle Köpfe unter Wollmützen, biedere Frisuren und pfiffige Augengläser wohin man auch blickte. Leider waren die Hauptdarsteller noch essen, so daß sich der Beginn erheblich verzögerte.
„Schönen guten Abend, Frankfurt. Schönen guten Abend, schöner Clubkeller. Wir sind IRA aus Konstanz.“ Endlich (22.20 Uhr) ertönten dann die ersten Live-Klänge. Ira, die sich „Eira“ aussprechen, haben nichts gemein mit der Irisch-Republikanischen Armee. Ira steht für das lateinische „Zorn“. Frankfurt erfuhr monolithischen Sludge-Metal im Dunst von Isis, Mogwai und Cult of Luna, mit denen sie mal Bühnen teilten - die allemal größer als die im Clubkellers waren. Fünf Leute lagen heute im Würgegriff der zwischen Tresen und Tanzboden eingequetschten „Bühne“: Hoffmann am Mikro, Hartmann und Rosczyk an den Sechssaitern, Viersaiter Fromm sowie Klaus hinterm Schlagzeug. Womöglich lag es an der Enge, daß die Iraisten anfangs nicht so recht in Gang kamen. Zwar forsch und ohrenzerfetzend laut, aber etwas zu friedlich und glatt kamen die ersten beiden Nummern daher. Es sollte zwanzig Minuten dauern, bis das mächtige, leicht angedoomte „Empire in Your Back“ das Eis brach. Doch dann wurde es auch richtig packend. Poesie verband sich mit Hartkern, persönliche Gedanken mit arktisch klirrenden Gitarrenwällen im epischen Format. Das Schmuckstück, den doomig-harschen Viertelstünder „Soil“, hatten sich Ira fürs Finale aufgehoben. Einzig mein trotz 120 Dezibel mit dem Schädel auf dem Tresen entschlummerter Barnachbar erlebte diesen Koloss nicht mehr. „Kein Lärm mehr?!“ Nein! Weil treppauf Menschen wohnten, mußten die zornigen Krieger vom Bodensee nach einer Stunde aufhören. Aber wer zu spät kommt, den bestraft bekanntlich das Leben!
 
Mit vier Mitgliedern von Daturah und den am Ende dazugestoßenen Velveteen hatten auch die Topstars der Frankfurter Independent-Kultur interessiert das Konzert verfolgt. Im Bonusprogramm servierten die DJs der Mental Maps Ralf & Mathias Indie, Space, Stoner, Folk und Rock. - Halb zwölf sind wir mit einer der superben Ira-Schallplatten 'The Body And The Soil' unterm Arm abgezogen.
 
 

Text und Bild: Heiliger Vitus, 15. November 2007
.:: ABSPIELLISTE IRA ::.
(22.20-23.20)
1. Neues
2. Neues
3. Empire in Your Back
4. Neues
5. Soil