LOW FREQUENCY ASSAULT VII
 
VERSUS THE STILLBORN-MINDED, VOODOOSHOCK, OMEGA SOUL
D-Nürnberg, Z-Bau (Kunstverein) - 10. Dezember 2010
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Auch am Anfang großer Berichte steht immer erst eine tintenschwarze Seite. Erstmalig erstreckte sich der LOW FREQUENCY ASSAULT über zwei Tage. Großes Ereignis oder Abschied für immer? Die Abschiebung des »Kunstvereins« aus der Südkaserne stand seit Jahren zur Debatte. Zudem jährte sich diesjahr die Entstehung der Veranstaltergruppe Versus The Stillborn-Minded zum 10. Male. Warum also das Fest nicht aus guten Gründen nicht zu Grabe tragen? Aus gegebenem Anlaß hatte ich sogar mein Slayer-Shirt von der World-Sacrifice-Tour 1988 aus der Mottenkiste gekramt. 22 Jahre hat das auf dem Buckel! Mit Black Shape of Nexus, Spancer und Tekhton hatten drei Gruppen ihren Auftritt im Vorfeld abgeblasen. Neun andere stellten trotzdem ein großartiges Aufgebot dar. Erstmalig waren sogar 100 Einlaßkarten gedruckt worden. Der Preis für die zweitägige Doom-Fahrkarte betrug 15 Euro; für einen Tag lag er bei 7 Euro (Freitag) und 10 Euro (Sonnabend). - Ungewöhnlich früh - Ende November - hatte Schneefall eingesetzt. Ungeachtet davon, war ich am Mittwoch, den 8. Dezember, mit Frau Peanut noch auf dem Wiesbadener Konzert von Motörhead gewesen. Dabei hätten die Eröffner Grand Magus die doomige Einstimmung auf den Low Frequency Assault werden können - wurden es aber nicht:
...... Motörhead, Doro und Grand Magus
 
Doomerstag, 9. Dezember
 
Im Anschluß war durch die Nacht hindurch eine neue Schneefront über Hessen gezogen. Die Reisewarnungen der Bahn hatten wir in den Wind geschlagen, und uns Donnerstagmittag auf gut Glück zum Frankfurter Hauptbahnhof bewegt. Nach 50minütiger Verspätung in Frankfurt, und nachdem unser ICE in Würzburg auch noch einen evakuierten Zug aus Berlin aufnehmen mußte, waren wir am Abend in der angestammten Pension im Nürnberger Süden eingetroffen. Da unsere Doomgefährten aus dem Osten noch Dienst schieben mußten, durfte ich mich den Rest des Tages allein mit meinem Weib im Gasthof vergnügen. Nach einer Nacht mit der lautesten Band der Welt nicht die schlechteste Sache...
 
Freitag, 10. Dezember (1. Tag)
 
In der Nacht hatte Frau Holle auch in Nürnberg ganze Arbeit geleistet. Aber mit dieser Woche hatte für uns auch schon die Vorbereitung auf die Frühjahrsmarathons begonnen - und von etwas kniehohem Schnee lassen sich Läufer nicht unterkriegen. Nach einem Dauerlauf »Rund um die Nürnbergruinen« (Peanut: 9 Kilometer; Vitus: Halbmarathon plus einen Kilometer, also 22 Kilometer), traf am Nachmittag die Brandenburg-Anhaltinische Seilschaft Kalle und Micha ein. Ich weiß gar nicht mehr, wann wir letztmalig zusammen waren... Wir haben beim Griechen gegessen, viel getrunken, noch mehr geredet, und uns auf den Weg zum Doom gemacht. Abends um kurz nach acht trafen wir am Festivalort in der Südkaserne ein. Nach dem vorgestrigen Erlebnis mit Motörhead war mir sehr schnell klar, was man an den »kleinen Leuten« hat! Die Kulissen waren schlicht, aber mit Herzblut gerichtet. Zum bekannten Bier aus Hetzelsdorf und dem »Kanone« war diesmal neben der Bar ein grünes Eck mit Sitzgruppen hergerichtet. Das Mischpult hatte die Seite gewechselt und war nun vor der Theke aufgebaut. Dennoch muß die Einrichtung auch 2010 als unbehaglich bewertet werden. Fünfzig Leute hatten Zwei-Tages-Karten reserviert. Dazu kamen heute vierzig Spontanbesucher. Damit war der erste Tag von 90 Zahlenden bevölkert.
Mit »Lizard On A Cold Black Stone« und 37 Minuten Zeitverzug leiteten OMEGA SOUL aus Nürnberg um 21 Uhr 07 den LFA ein. Schon zuvor war mir ein Typ mit schwarzer Melone und Jack-Nicholson-Shirt aufgefallen, der in seiner Aufmachung wie eine Kreuzung aus »Uhrwerk Orange« und »Shining« aussah. Es sollte sich dabei um einen gewissen Herrn Herr handeln, der laut Veranstalter Boris einer der wenigen ist, der alle Austragungen des LFA erlebt hat (neben dem Omega-Bassisten und dem Schlagzeuger, einer Rothaarigen mit lauter Stimme, und Peanut und mir). Herr, Dörfler, Kröner und Kraus waren als Proberaumkumpel von Boris eingeladen und boten einen Stil, der nur am Rande etwas mit Doom gemein hatte. Omega Soul verquickten stampfende Rhythmen und verquaste Hetfield-Vokale zu einer Art Southern Rock, dem jeder Verve abging. 'The Last Man On Earth' heißt das Album der Lokalmatadoren. Und ein Lied das mit einem langen Gitarrensolo begann, und im zweiten Teil »The Untold Song« betitelt war, beendete lange 53 Minuten.
Ab 22 Uhr 30 wurde es hell: VOODOOSHOCK zogen uns in ihre voodoomagischen Welten. Die Dreierbande mit Sitz in Stuttgart war heute so was wie die Butter zwischen dem Brot aus Franken. Kultfigur Groebel und die sehr leidenschaftlich agierende Bass-Sektion Müller-Engelhardt präsentierten weitgehend ihr Programm vom Doom Shall Rise 2009. Prickelnd war das Ganze. Und psychedelisch wie immer. Voodooshock klangen wie gemalte Bilder aus einer goldenen Zeit, die vorbei ist, und die es nie mehr geben wird. Der Kommentar eines Besuchers sprach für sich. Als »Jammern auf hohem Niveau« wurden Voodooshock da zugenölt. Nun, der Mensch ist von Grund auf schlecht, das ist einfach so. Wie zur Revanche fuhren Voodooshock mit einer düsteren Neunummer, die noch keinen Namen hat, den treffenden Tränenzieher auf. Am Ende witterte alter Krempel durch die Halle, darunter der schnelle Doomrocker »Amazing Fire«. Voodooshock hatten wohl noch ein Dessert dabei - das sie nach kurzer Wirrnis dann aber doch nicht servierten. So währte das Dreigestirn aus Württemberg und Franken 45 Minuten. Frau Peanut äußerte: »Die hätten noch weiter spielen können!«
Zur Jahrtausendwende hatten Vokalist Breuer, Schlagzeuger Pürschel und Gitarrist Trautwein die Gruppe mit dem enigmatischen Namen gegründet. Für die Aufnahmen zur ersten Schallrille 'Audibly Bleeding' stieß mit Gitarrist Satt ein vierter Mann dazu, und Trautwein übernahm den Baß - bevor schließlich über die Freundesclique mit Sturmkind Partheymüller auch noch ein zweiter Gitarrist in den Kader rückte. Nach einigen Querelen schied Trautwein im achten Jahr aus und wurde durch Alex Raab ersetzt. Soweit der Abriß zur Vergangenheit. Heute durften VERSUS THE STILLBORN-MINDED die Beastie Boys der Nacht sein. Zehn Jahre Kiffen, Kotzen, Kopulieren und Krachmachen! Zehn Jahre äußerster Inkompetenz. Zehn Jahre perverse Spiele auf den Bühnen der Erde. Wenn das kein Grund zum Feiern ist... Völlig in Rotlicht war die Bühne ab 23 Uhr 40 getaucht, als die Sonderschau mit einer analen Entblößung und »Climax of Delusion« begann. Der Mann mit der Reibeisenstimme nahm die zentrale Position hinterm Mikro ein, und auch ich war nun in den ersten Sturm verdonnert. Dort faltete mir eins der Mitglieder einen schönen Joint Haschisch. Der Name bleibt ein wohlgehütetes Geheimnis. Bekannt ist allerdings, daß Blackblood und Doomvolki auch an der Lunte ziehen durften... Bei Versus selbst war alles beim Alten: Doomige Apparaturen, hardcorige Vokale und eine Attitüde zwischen Alberei und Beklemmung und Witz und Wahn, vereinten sich zum vertrauten, alles niedertrümmernden Psychope Sludge Doom. Unter vollem Prozessionsbeschuß zelebrierten Versus heute ferner viel Drone-Gedröhn... bevor man im Schlußakt Entombed huldigte. »Out of Hand« war auserwählt. Nach Einnahme diverser Hausmittelchen duellierte sich final nicht nur der neue Bassist mit den Kollegen, sondern auch der Mann mit dem schwarzen Bowlerhut durfte noch mal auf die Planken - um mit Boris ein zweitesmal »Out of Hand« rauszuschrein. Nachdem Mitternacht viele zur letzten Bahn mußten, nachdem die alkoholischen Entartungen überhand nahmen, und nachdem Kalle auch noch fremdes Erbrochenes wegwischen mußte, klagte auch Boris irgendwann über Übelkeit. Sturmkind hätte »alles gespielt«, wie er mir sagte, doch der Chef machte um 1.16 Uhr kurzen Prozeß. Nachdem bereits vorm Auftritt einer von Versus wie ein Halm im Wind schwankte, fiel mit dem Aufdrehen des Lichts am Ende der Bassist wie von der Axt gefällt ins Schlagzeug...
 
»Performanz, nennt man das!« Der das äußerte, war bis 2008 der Bassist von Versus gewesen, und demonstrativ erst nach dem Auftritt der Verflossenen in den Kunstverein gekommen. Um 1.45 Uhr habe ich das letzte Bier bestellt. Ich durfte noch etwas mit Festivalmacher Sebastian sinnieren, der im Abspann als Plattenaufleger in Aktion trat. Kurz vor zwei Uhr sind wir weg. - - In der Unterkunft angelangt, saß dort jemand schnarchend auf dem Etagenklo. Als ich kurz vor drei Uhr das letztemal pinkeln war, war der Abort frei. Dafür lag ein Flugblatt vom »Monsters of Närmberch« daneben...
 
 
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Doom, Fascination und Gewalt: ((((((Heiliger Vitus)))))), 22. Dezember 2010
.:: ABSPIELLISTEN ::.
 
VOODOOSHOCK
1. Timeless Illusion
2. Marie´s Sister´s Garden
3. New Nuernberg
4. The Golden Beauty
5. Amazing Fire
6. Fountain of Freedom
7. Tommorow´s Bloom
> Tuanrepus <
 
VERSUS THE STILLBORN-MINDED
1. Vivamus CLIMAX of lust
2. just a CUT in the dick
3. HIDDEN pudenda (haha!)
4. my FAINT lady in love
5. VIVAMUS phallii
6. bokorn, bobier, boschnaps und BOVINE
7. SHED!, yo!
8. penis OUT OF HAND (this just hat to happen!) [Entombed]
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9. NO LAND´S MAN
10. Out of Hand [Entombed]
Kinder des Doom:
M-04, AE-20 & KH-13
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