GROßER PREIS DER SPARKASSE SÜDPFALZ IN ROSCHBACH
Roschbach, 12. Juli 2026
Prolog
 
Roschbach 2026 hatte neben unendlichen Weinhängen und dem erhabenen Blick auf den Gebirgszug der Haardt auch seine tragischen Kapitel, die umfangreich genug waren und leider erneut mich trafen. Die sprichwörtliche Gebrechlichkeit, die sich durch das ganze letzte Jahr zog, ist auch im Süden der Pfalz nicht geschwunden. Für Elite und Nachwuchs war Roschbach Sehnsuchtsort der 27. Internationalen Südpfalz-Tour, bestehend aus einem Zeitfahren am Freitag und zwei Rundstreckenrennen auf unterschiedlichen Kursen am Samstag und Sonntag. Auf der langen Runde am Sonntag kämpften zusätzlich Masters und Jugend. Der aus Minfeld stammende und dieser Tage in der Tour de France sprintende Pascal Ackermann trat als Unterstützer im Geiste auf.
.:: DIE STRECKE ::.
Für die 6,3-Kilometer-Schleife waren vom ausrichtenden RV Edelweiß urwüchsige Landstraßen ausersehen worden. Vom Ortsausgang Roschbachs führte der Weg an Rebstöcken entlang über Chausseen, schlängelte sich durch die pfälzischen Dörfer Böchingen und Flemlingen, und über einen Feldweg vor Hainfeld mit kniffliger Spitzkehre zurück nach Roschbach. Durch das Westtor kamen die Fahrer in großem Bogen wieder auf den Zielhügel in der Böchinger Straße, auf dessen Kuppe sich unter einem großen Banner die Ziellinie befand. Trotz der Verschiedenheit der Straßenoberfläche, trotz des Anstiegs in Roschbach, und trotz zum Teil gefährlicher Kurven, ergab sich eine schöne und selektive Runde mit 33 Höhenmetern. Die Masters mussten sieben Mal rum.
.:: DAS RENNEN ::.
Am Morgen des zwölften Juli war das zwischen Pfälzerwald und Rhein eingebettete Winzerdorf Roschbach also Ausgang und Ende des Grand Prix der Sparkasse. Jener besiegelte das große Radsportwochenende an der Südlichen Weinstraße. Ein Bollerwagen mit Nana Mouskouris „Guten Morgen, guten Morgen, guten Morgen, Sonnenschein“ diente bei unserer Ankunft um halb acht als Wecklied für hunderte, in kleinen und großen Karren an der Strecke kampierenden Fahrer und Betreuer. Manche waren aus dem nahen Frankreich angereist. Ich selbst kam mit dem verheerenden Karma zweier TÖDLICHER UNFÄLLE auf meiner Trainingsstrecke: In der Kanonenstraße hinauf zum Großen Feldberg waren binnen acht Stunden zwei Motorradfahrer mit Autos zusammengeprallt, und hatten neben Polizei-Markierungen Grablichter, Schreine und riesige Blutlachen auf dem Asphalt hinterlassen, die mich fortan im Taunus wie ein FANAL verfolgten, und Radfahren zu einer Last auftürmten, die schon lange zu groß ist.
Der Start für das 62köpfige Feld der Masters erfolgte im gleißenden Morgenlicht um neun Uhr. Voraus lagen vierundvierzig Kilometer. Kurze Rennen in welligem Gelände bedeuten Kampf vom ersten Meter an. Und dies war einer mit zu unterschiedlichen Waffen. Seit einem Jahr versuchte ich fehlendes Bahn- und Gruppentraining durch Umfänge, Berge und Schildersprints auszugleichen, um dann im entscheidenden Augenblick durch jüngere Gegner mit besserem Material außer Gefecht gesetzt zu sein. Ein Teufelskreis! So musste ich zusehen, wie die teils ein Vierteljahrhundert Jüngeren unter hitzigen Bedingungen davonzogen. Heute ließ ich es mit mir geschehen, trug als Solist vierzig Kilometer lang die rote Laterne. Doch meine Rivalen Baumann, Rommelfanger und Weir waren kaum besser dran, und wurden nach einer halben Runde abgehängt. Wellner unterdes, seit Jahren einer der verbissensten Mastersfahrer, der beständig vorne mitmischt und auch heute Anwärter aufs Treppchen war, wurde in Runde zwei in einen Massensturz verwickelt, und mit zerstörtem Rad eingangs Roschbach aus dem Rennen geworfen. Unter den Gestürzten befand sich auch der mehrmalige deutsche Ranglistensieger Beckers aus Nettetal. Hoffnungen auf einen vorderen Platz mussten auch andere zu Grabe tragen, die im Sankra abtransportiert wurden. Zwölf kamen nicht ins Ziel; die Favoriten Schlude, Slavik und Kratz waren nicht am Start erschienen. Ein weiteres Mal konnte ich meine alten Leistungen nicht wieder erreichen. Monatelange Vorbereitung im lebensgfährlichen Verkehr war vergeblich geleistet. Immerhin hatte ich noch das Glück, bis zur Ziellinie durchzudringen, um einen zehnten Platz zu holen, der sechs Ranglistenpunkte brachte. Denn auch dies war nicht garantiert. Ließ der Sprecher doch verlauten, daß es sich „die Rennleitung vorbehält, aussichtslos zurückliegende Fahrer aus dem Rennen zu nehmen“. Stirnrunzeln herrschte auch bei Baumann und Rommelfanger, die weder einen Ruf noch eine Glocke als Signal zur letzten Runde hörten. War das Rennen nach Überrundung durch die jüngeren Mastersklassen vorbei? Unsere zur Sicherheit gedrehte siebente Schleife war geschenkt. Rommelfanger bedauerte hier, daß das Grupetto nicht auf mich gewartet hatte, es hatte mich nicht im Blick.
Epilog
 
Verdrießlich geriet der Ausgang ferner für den Zweitplatzieten Walter Antoni. Der pfälzische Kannibale wurde von seinem Allgäuer Erzfeind Gericke geschlagen, und überdies in einem Kommunique wegen „Nichtbeachtung der Hinweise der Kommissäre“ zu 50, und wegen „erneuter Passage der Ziellinie entgegen der Rennrichtung mit befestigter Rückennummer“ zu weiteren 20 Euro Bußgeld verdonnert. Ein Kampfrichter hatte Walter beim Kreuzen der Ziellinie am Arm gepackt, Der hatte ihm daraufhin ein „Finger weg!“ ins Gesicht geschleudert... So musste mancher der alten Kämpen ruhmlos aus der tiefsten Pfalz in die Heimat zurückkehren, ohne daß man ihm nachsagen könnte, ein schlechter Kämpfer gewesen zu sein. Wir saßen noch ein Weilchen im Biergarten am Ziel. Wein und Bier gehören in der Pfalz zur Kultur. In mir wüteten zum ersten Mal tiefe Frustration und Resignation. DIE ZEIT DER KÄMPFE IST VORBEI!
 
 
Vitus, Bilder: Peanut, 14 Juli 2026
.:: ZAHLEN UND ZEITEN ::.
Wetter: sonnig, 28ºC, leichte Brise aus Nord (9 km/h)
Typ: Rundstreckenrennen
Länge: 44 km
 
Meldungen: 193
CT und Elite-Amateure: 63, Amateure: 45, Masters 2+3: 44, Masters 4: 16, U17: 25
 
Im Ziel: 101
CT und Elite-Amateure: 25, Amateure: 25, Masters 2+3: 25, Masters 4: 10, U17: 16
 
Masters 4
Meldungen:
16
Am Start:
12
Im Ziel: 10
1. Heiko Gericke (RSC Kempten) 52:49
2. Walter Antoni (TSV Neupotz) + 0:03
3. Stephan Klein (SRS Altenkirchen) + 3:19
4. Michael Asel (RV All-Heil 1910 Kerzenheim) + 4:53
5. Matthias Lang (RSC Schönaich) + 6:18
6. Peter Daicsak (RIG Vorderpfalz) - 1 Rd.
10. Mario Voland (Dresdner SC 1898) - 1 Rd.
 
Ergebnisse
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