2. KRITERIUM DES RSV SPEICHE
Althen (Leipzig), 12. April 2026
Prolog
 
Das Kriterium des RSV Speiche erinnerte sehr an Rund in Hohenheida vor fünf Jahren. Obschon beide Veranstaltungen Sachsens größter Stadt Leipzig zugeordnet waren, stiegen sie im von Feldern und Wäldchen geprägten, ländlichen Umland vor der Toren der Messestadt. Wie im urtümlichen Hohenheida schien auch im Dörfchen Althen alles aus der Zeit gefallen. Weltnetz und soziale Medien hielten sich bedeckt, zur Strecke existierte keinerlei Information.
.:: DIE STRECKE ::.
Tja, was erwartete die Fahrer beim zweiten Crit Race des renommierten RSV Speiche? Schnelle Rennen in einem eintausend Meter kurzen Oval mit breiter Straße, zwei Geraden und zwei rasanten Kurven - perfekt zum Durchtreten, wie auf einer Radrennbahn geradezu! Trotz der gleichförmig erscheinenden Runde inmitten eines Solarfeldes auf dem brettebenem Oertgering war das Rennen in jedem Augenblick prickelnd. Die Masters 4 hatten den Ring 28 mal zu bewältigen. Alle fünf Runden läutete die Glocke zu einem Wertungssprint.
.:: DAS RENNEN ::.
Als intimes Trio hatte sich Masters-3-Akteur Kunath mit mir und der Juniorin Tuchscherer halb elf in Dresden aufgemacht. Und je näher wir Leipzig kamen, desto mehr finstere Wolken brauten sich am heutigen Sonntag überm Freistaat zusammen. Es war mein viertes Rennen in diesem Jahr. Und es sollte erneut kalt sein und regnen. Althen fand sich im Osten von Leipzig. Dort trafen wir auf Sportler unter Helmen, Radbrillen und langem Lycra; sie saßen auf Carbonrädern und lagen in Vorstartfieber. Es waren die gleichen wie immer. Doch im Hof des Mäzens - einer Autowerkstatt - stießen wir auf entspannte Stände. Einer bot selbstgebackenen Kuchen, der andere Bier und Süßigkeiten für Spende oder umsonst, und der dritte schwarze Teamkleidung des RSV Speiche zwischen zwei und sieben Piepen - ebenso geschenkt gewissermaßen.
Unter neuerlicher Leitung von Herrn Dietmar Lohr aus Chemnitz ging es um 13 Uhr 30 vorm Oertgering Nummer 18 los. Ein Pfiff aus der Trillerpfeife diente als Kommando zum Start der jeweils neunköpfigen Schar aus Frauen und Masters 4. Entgegen der Ausschreibung war das Rennen von 40 auf 28 Runden verkürzt worden. Damit konnte die Startzeit des anschließenden Kampfs der jüngeren Masters eingehalten werden. Auch ohne Vorwissen zur Strecke konnte man dem Geschehen um Positionskämpfe, Sprints und Ausreißversuche in diesem kleinen Feld gut folgen - geriet aber auf den nassen Schleusendeckeln manchmal auch etwas ins Schlingern. So wurde Sportfreund Wellner aus Wuppertal schon nach wenigen hundert Metern wie in einer Showeinlage von einem eisernen Deckel mit einem Salto kopfüber in den grünen Seitenstreifen katapultiert. Doch er hatte Riesenglück im Unglück, blieb unverletzt, erhielt am WA-Wagen eine Rundenvergütung und konnte den Kampf im verschmutzten Trikot wieder aufnehmen. Baumgarten, Keller, Matzel, Slavik, Großegger: Jeder der üblichen Dauergegner versuchte mit kurzem, energischem Antritt abwechselnd eine Flucht aus dem Rudel - doch nur unsere Juniorin Tuchscherer fuhr auf ihrem schweren Canyon der australischen Profifahrerin Tiffany zusammen mit der Chemnitzer Elitefrau Nollau sechs Runden vor Schluß der Meute davon. Da waren im Kampf der Männer die Würfel schon gefallen. „Grossi“ munkelte im Ziel, daß „Kelli“ Keller Baumgarten den Sieg überließ. Die NADA ließ sich natürlich wie immer im Osten nicht blicken.
Finale
 
Nachdem unsere Juniorin gemeinsam mit anderen Girls zum Sportinternat Chemnitz abgedüst war, bestritten Jens und ich die Heimfahrt zu zweit. Wie in einer bitteren Ironie des Schicksal gondelten wir dem schlechten Wetter hinterher. War es morgens in Dresden trocken und in Leipzig triefend nass, hatten sich die Zeichen am Nachmittag ins Gegenteil verkehrt. Dresden gebärdete sich grau und nass und kalt.Auch nach dem vierten Rennen haderte ich mit dem Radsport und meiner Zukunft. Hatte ich in diesem Leben wirklich schon alles erreicht? War hier schon Endstation?
 
 
Vitus, 17. April 2026; Bilder: Reinhard Rohrmann
.:: ZAHLEN UND ZEITEN ::.
Wetter: stark bewölkt mit Niesel, 7ºC, schwache Brise aus Südsüdost (15 km/h)
Typ: Kriterium
Länge: 28 km
 
Im Ziel: 147
Amateure: 14, Masters 2+3: 15, Masters 4: 9, U19: 1, U17: 23, U15: 15, U13: 15, U11: 11, Weibliche Klassen: 21, Hobby: 9, Fette Reifen: 14
 
Masters 4
Meldungen:
9
Am Start:
9
Im Ziel: 9
1. Toralf Baumgarten (RSV Osterweddingen) 38:35, 20 Pkt.
2. Ralf Keller (RSG Muldental Grimma) 17 Pkt.
3. Jens Matzel (LFV Oberholz) 15 Pkt.
4. Steffen Kirchner (RSV AC Leipzig) 12 Pkt.
5. Markus Weller (RC Musketier Wuppertal) 11 Pkt.
6. Viktor Slavik (Melsunger TG 1861) 10 Pkt.
8. Mario Voland (Dresdner SC 1898)
 
Ergebnisse
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