LANDESMEISTERSCHAFT EINZELZEITFAHREN
SACHSEN-ANHALT UND SACHSEN
Sülzetal-Bahrendorf, 7. Mai 2022
Prolog
 
Contre la montre - gegen die Uhr. Vor einem Jahr hatte ich bei der Sachsenmeisterschaft im Einzelzeitfahren eine sichere Chance aufs Treppchen. Sie scheiterte an der langen Anreise von Dresden in die Magdeburger Börde und mangelnder Kommunikation im Verein. Eine Wunde, die nicht heilt! Nun kam es zur Neuauflage am selben Ort. Auch die Erinnerung ans Kriterium vor drei Jahren im nahen Osterweddingen war noch frisch. Damals verweigerte meine Elektroschaltung ihren Dienst. Heute indes schlug ich mich mit einer Prellung am Oberschenkel rum: Ein drei Zentner schwerer E-Bike-Fahrer hatte mich jüngst auf dem Elberadweg abgeschossen. Kurioserweise stieg heute auch parallel zum Zeitfahren in Bahrendorf in Budapest das Zeitfahren des Giro d´Italia.
.:: DIE STRECKE ::.
Start und Ziel waren am Ortsausgang von Bahrendorf. Von dort führte eine kerzengerade Landstraße in südlicher Richtung durch die Äcker der Börde nach Borne. Nach viereinhalb Kilometern kam am Ortseingang von Borne eine Wendeschleife. Dann ging es wieder zurück nach Bahrendorf mit einer Kehrtwende an der Ortsgrenze. Flach wie ein Brett war das Gelände. Allerdings war die Strecke windanfällig und hatte einige Zieher, die weh taten. Bis zum Ziel in Bahrendorf standen 18 Kilometer mit vierzig Höhenmetern an.
.:: DAS RENNEN ::.
Nachdem der Mannschaftsbus des Dresdner SC ursprünglich morgens um neun im Ostragehege aufbrechen wollte, änderte sich Abfahrtzeit am Vortag des Rennens erst auf 7.30 Uhr... und zu später Abendstunde nochmals wegen Staugefahr auf der Autobahn 14 auf 7 Uhr. Damit stellte ich den Wecker auf 4.30 Uhr. In der Früh um sieben ging die Reise los. Neben den beiden Chauffeuren saßen zwei alte und vier junge Männer im Gefährt, darunter das Talent Hannes Rohrmann, der die U17-Nationalmannschaft anpeilt. Punkt zehn Uhr trafen wir am Schauplatz südlich von Magdeburg ein. Damit mußten bis zum Start fast drei Stunden (!) mit Sinnlosigkeiten totgeschlagen werden. Dann stand urplötzlich mein Doomfreund Micha aus dem Nachbardorf Altenweddingen hinter mir - mit Pedelec, Hund, Wallebart und exquisitem Electric-Wizard-Shirt. Wir klinkten uns aus dem Renngeschehen aus und Micha zeigte mir sein Daheim. Um zwölf kehrte ich zurück.
Seit 10 Uhr ertönten im Minutentakt die Starts für die zweihundert Fahrer. Jene erfolgten nicht wie bei Zeitfahren üblich - von einem Offiziellen am Sattel gestützt, mit eingeklickten Schuhen - sondern wie bei einem normalen Straßenrennen. Tausendmal klicke ich auf Anhieb ins Pedal - doch bei einem Rennen ist manches anders... Unter gleißender Mittagssonne rollte ich in den Startbereich - mit wenig Schlaf, einem Pferdekuß, drei quälerischen Autobahn- und drei zermürbenden Wartestunden, sowie zwanzig Einrollkilometern in den Beinen. Dazu einem betagten Straßenrennrad unterm Hintern. Bei einem Zeitfahren sind aber Pedaleure mit speziellem Gerät begünstigt, sprich: einer Zeitfahrmaschine mit Zeitfahrlenker und Scheibenrad als Hinterrad. Ich wollte aufs Podest, aber realistisch war es mit diesem Nachteil nicht. 12.48 Uhr zählte der Starter die letzten Sekunden runter und schickte mich als Ersten der Masters 4 ins Rennen. Beim Einklicken verlor ich Zeit, dazu lag die Kette auf dem kleinen Blatt. Wobei man diese Strecke auch ohne Umwerfer mit zwei Gängen drücken konnte... Durch die beiden Mißgeschicke waren zehn Sekunden futsch. Vom Vordermann sah ich nichts, den nach mir gestarteten alten Widersacher Großegger hielt ich auf Distanz. Bis zum Horizont sah ich nur ein mal leicht steigendes, mal leicht fallendes, überwiegend jedoch waagerechtes, rauhes Asphaltband, gesäumt von lichten Bäumen und Äckern. Vier Mal ging es zwischen Bahrendorf und Borne hin und her. Nach achtzehn Kilometern und achtundzwanzig Minuten Vollgas kam ich bei Gegenwind auf der flachen Zielgeraden vor Bahrendorf an. Am Ende eines Zeitfahrens steht immer Ungewissheit: Wo kommt man am Schluß raus? Halb zwei wurden die Ergebnislisten ausgehängt. Ein Fahrer aus der Pfalz hatte alle aus dem Osten düpiert. Ich landete auf der sechsten Stelle. Zwei potenzielle Doper und den Auswärtigen abgezogen, wäre das Bronze in der Landesmeisterschaft von Sachsen gewesen. Zwei Jungs aus unserm Bus fuhren aufs Podest, den Männern blieben Holzmedaillen. Für große Aufmerksamkeit sorgte eine 49jährige Bajuwarin, die mit im Windkanal ausgetüffteltem Material nicht nur souverän das Rennen der Frauen gewann, sondern zu einer der schnellsten Zeiten des Tages raste. Dopingkontrollen wurden nicht durchgeführt.
.:: ZAHLEN UND ZEITEN ::.
Wetter: sonnig, 22ºC, leichte Brise aus Westnordwest (11 km/h)
Typ: Einzelzeitfahren
Länge: 18 km
 
Meldungen: 212
Im Ziel: 189 (Elite: 6, U23: 8, Masters 2: 7, Masters 3: 6, Masters 4: 11, U19: 14, Frauen: 7, U17: 33, U15: 42, U13: 24, U11:13, Hobby: 18
 
Masters 4 / Landesmeisterschaft Sachsen-Anhalt/Sachsen
Meldungen:
12
Am Start:
11
Im Ziel: 11
1. Bernd John (RV Einigkeit Rodenbach 1930, Rheinland-Pfalz) 26:55
2. Klaus Müller (Team Isaac Torgau, Sachsen) 27:18
3. Uwe Rübling (Dresdner SC 1898, Sachsen) 27:54
4. Marco Großegger (SC DHfK Leipzig, Sachsen) 28:01
5. Andreas Kluge (Chemnitzer PSV, Sachsen) 28:15
6. Mario Voland (Dresdner SC 1898, Sachsen) 28:41
 
Ergebnisse
RSV Osterweddingen
Rad-Net