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OFFENE LANDESMEISTERSCHAFT EINZELZEITFAHREN SACHSEN-ANHALT U. SACHSEN Sülzetal-Bahrendorf, 2. Mai 2026 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Prolog Verheerender kann eine Vorgeschichte zu einem Rennen kaum sein. Verfall, Erkrankungen, Existenzsorgen, elendige Reiserei, übermächtige Rivalen, unterlegenes Material. Und dabei kommt es gerade in einem ganz speziellen Fall wie einem Einzelzeitfahren, dem Kampf gegen die Uhr, auf gutes Material, gute Technik und eine gute Sitzposition an. Schon lange war ich in einem Alptraum ohne Ende versunken. Wenn man soweit unten ist, ist man eigentlich schon tot. Ich saß da - allein - und dachte: Oh, oh, oh, was soll das werden? Im Grunde sprach ALLES gegen einen Start in Bahrendorf. Partnerin Penaut sagte: „Du wirst deines Lebens nicht mehr froh, wenn du dort nicht mitfährst!“ | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| .:: DIE STRECKE ::. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Anfang und Ende war die Ortsgrenze von Bahrendorf. Von dort zog sich die Strecke kerzengeradeaus in südlicher Richtung durch Ackerland nach Borne. Nach viereinhalb Kilometern kam am Ortseingang von Borne eine Wendeschleife. Dann ging es wieder zurück nach Bahrendorf mit einer nicht leicht zu steuernden Kehrtwende an der Ortsgrenze. In der Magdeburger Börde sind es keine Anstiege, die der Fahrer zu fürchten hatte, sondern möglicherweise der Wind. Die einsam gelegene Landstraße war anfällig für ebendiesen, und hatte einige Zieher, die weh taten. Der Mastersklasse standen achtzehn schattenlose Kilometer mit vierzig Höhenmetern bevor. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| .:: DAS RENNEN ::. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Während sich die Gegner in Ruhe auf ihren eigenen Zeitfahrmaschinen vorbereiten und im behaglichen Fahrzeug anreisen konnten, stand mir drei Tage vorm Rennen eine Überfahrt von Frankfurt nach Dresden bevor, die nach drei Staus und unendlichen sieben Stunden endete. Peanut schaffte es auf der letzten Speiche nach Dresden - um als Lohn für ihren Fahrservice am Morgen danach von einer Corona-Variante niedergestreckt zu werden. Nach drei Tagen war sie halbwegs auf dem Damm, und hatte mich dank getrennter Betten auch nicht angesteckt. Dafür traf mich in den Stunden vorm Kampf Faustschlag um Faustschlag ins Gesicht. Erst bot mir der Verein ein Red Bull-Zeitrad an, welches wie aus der Elbe gezogen wirkte. Bevor am Nachmittag vorm Rennen die für das Para-Team D fahrende Lara Wolleschensky ihr Argon 18 freigab. Nachteile des kanadischen Boliden: Er hatte eine elektronische Schaltung für die kein Ladekabel existierte, die Bremsen griffen nicht in die Felgen, im Reifen mit Spezialventil fehlte Luft - und vor allem: Das Ding war mir zwei Nummern zu klein. Aber auf diese Weise bekam ich ein Gefühl dafür, was es heißt, sich richtig „kleinmachen“ zu müssen. Denn dies war heute vonnöten angesichts schlechter Laune und durchbrennenden Sicherungen. Der Hühnerstall aus zwanzig angespannten Menschen war für mich die Hölle. Doch ich wurde mitgenommen. Der DSC 1898 reiste mit vollem Ballett: zwei Busse mit je sechs Sportlern, einer morgens halb sieben (samt dem Argon 18), der andere halb neun; dazu acht privat, Vor Ort versprühte Betreuer Axel ruhig Blut, riet mir wegen eines drohenden Akkuausfalls, die Kette am besten gleich aufs große Blatt zu legen. Und in Bahrendorf konnte ich endlich meinen direkten Kontrahenten begegnen: Männern mit RESPEKT, ANSTAND und DISZIPLIN. Nach einer Dreiviertelstunde hatte ich mich auf dem Argon zurechtgefunden und zugunsten des windschnittigen Scheibenrades gegen das eigene Straßenrad entschieden. Überschattet wurde das Warmfahren vom Unfall des Leipziger Juniors Tyler Nehring, der ins Heck eines Fahrzeug plauzte und nach Magdeburg ins Krankenhaus transportiert wurde. Nach dem Chaos war ich mir nicht sicher, ob ich überhaupt noch etwas auf die Straße bringen kann. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Es war sonnig, über dreißig Grad, dazu blies teils böiger Wind aus südlicher Richtung, der auf der Pendelstrecke wechselnd als Gegen- und Rückenwind wirkte. Zum Rennen nicht angetreten waren die Mitfavoriten Kiefl (Torgau) und Slavik (Melsungen). Der umstrittene, ruhmreiche Lokalmatador Baumgarten äußerte, daß ihm wegen einem verlorenen Teilchen nur ein Ritzel bleibt, um sich am Start eine von einem Helfer gereichte Flasche Wasser ins Genick zu kippen. Im Prinzip waren es erneut drei Wettkämpfe in einem: die Landesmeisterschaft von Sachsen-Anhalt, die der Freunde aus Sachsen, und das deutschlandweit offene Zeitfahren - welches es in der Form nur in Bahrendorf gibt, Denn in allen anderen Bundesländern haben bei Landesmeisterschaften nur Sportler mit Wohnsitz respektive aus Vereinen des jeweiligen Landesverbandes Startrecht! Auf diese Weise ließen sich die Ostdeutschen wiedermal ihrer Früchte berauben. Für mich als Fünftem der Masters 4 schlug die Glocke um 13 Uhr 11. Während ich die Minute vorm START ins Pedal eingeklickt auf das „Go!“ wartete, wurde ich von einem Helfer am Sattel gestützt. Der verlor die Balance, ich musste aus- und Sekunden vorm Start wieder einklicken, und benötigte nach dem Malheur und zwei miesen Kilometern gestemmt gegen den Wind acht Minuten für das erste Viertel. Von Anfang an bekam ich zu wenig Luft, hatte einen Geschmack von Eisen im Mund, schmerzten die vom kleinen Rad eingezwängten Arme. Bei der zweiten Wende kreuzte ein Unbeteiligter die Strecke. Ich mußte ausweichen und verlor weiter an Boden. Die Entscheidung fiel auf dem zweiten Hinweg gegen den Wind. Der zwei Minuten nach mir ins Rennen gegangene Baumgarten übertrumpfte mich. Erst der als Letzter auf den Kurs gegangene Göttinger Nagel, zwei Minuten nach Baumgarten gestartet, erreichte mit „großer Mühle“ eine noch bessere Zeit. Im letzten Teil half der Wind. Nach 28er Endzeiten in den vier Vorjahren blieb ich erstmals über der 30-Minuten-Grenze. Die Durchschnittsgeschwindigkeit des knapp fünf Minuten schnelleren Siegers: 41,5 Stundenkilometer. Der ehemalige Wismut-Gera-Staatsprofi Jahn hatte Bronze voll verdient! | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Finale Versöhnt und verwöhnt wurde der Tag durch meinen Doomfreund Micha, der wie jedes Jahr wegen mir aus dem benachbarten Altenweddingen nach Bahrendorf kam. Und zwar diesmal mit seiner neuen Freundin. Natürlich kippten wir Bierchen - genauso wie Bikescheune-Profi Baumgarten. Am liebsten wäre ich gleich im Sülzetal geblieben. Doch in Dresden wartete Peanut und die Mitstreiter im Bus drängten zur Heimfahrt. Mit einer Minute Rückstand auf den Chemnitzer Zeitfahrspezialist Kluge durfte ich zum vielleicht letzten Mal in diesem Leben ein Podest besteigen, und eine SILBERMEDAILLE mit heimnehmen. Damit hatte sich jedes Training, jeder Kilometer, jede Stunde, jede Demütigung und Erniedrigung der letzten Zeit gelohnt. Ein „Fick dich!“ an den unbekannten blinden Passagier, der sich wie vor Wochen in Leipzig im letzten Drücker in unsere Karre zwängte, und den Sportlern als Krönung nach ihrem mörderischen Tag die Luft zum Atmen nahm. Das war ein außerordentlicher Tag, ein unvergesslicher Tag! Nachhall 48 Stunden nach dem Kampf brachen alle Dämme in mir, knockte mich eine fiese Seuche aus. Danksagung Micha und Ines für nicht endende Treue und Freundschaft Meine Peanut, dem besten Mensch der Welt Vitus, 5. Mai 2026 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| .:: ZAHLEN UND ZEITEN ::. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Wetter: sonnig, 30ºC, schwache Brise aus Süd (20 km/h) Typ: Einzelzeitfahren Länge: 18 km Meldungen: 230 Im Ziel: 196 Elite: 5, Masters 2: 10, Masters 3: 6, Masters 4: 6, U23: 6, U19: 10, U17: 28, U15: 24, U13:27, U11: 19, Weibliche Klassen: 32, Hobby:18, Paarzeitfahren: 5 Masters 4 / Offene Landesmeisterschaft Sachsen-Anhalt/Sachsen Meldungen: 9 Am Start: 6 Im Ziel: 6 1. Carsten Nagel (RSG Göttingen) 25:38 2. Toralf Baumgarten (RSV Osterweddingen) 27:09 3. Andreas Kluge (Chemnitzer PSV) 28:54 4. Mario Voland (Dresdner SC 1898) 30:18 5. Hans-Jürgen Ludwig (ZG Kassel) 30:45 6. Mathias Jahn (SV Sachsen 90 Werdau) 36:02 Masters 4 / Landesmeisterschaft Sachsen Meldungen: 4 Am Start: 3 Im Ziel: 3 1. Andreas Kluge (Chemnitzer PSV) 28:54 2. Mario Voland (Dresdner SC 1898) 30:18 3. Mathias Jahn (SV Sachsen 90 Werdau) 36:02 Ergebnisse Rad-Net | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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