LONELY KAMEL, BEEHOOVER, ANIMAL BIZARRE
D-Hofheim am Taunus, Jazzkeller - 20. April 2018
Von der Psych- und Stonerstaffel „Spacedelic Odyssey“ angesteckt, sind Frau Peanut und ich sechs Tage nach dem Ereignis gleich noch mal nach Hofheim am Taunus gegondelt. Auslöser war ein Rundschreiben vom Stonernoiseduo Beehoover mit vier exklusiven Auftritten im April - einem davon in Hofheim... Doch nicht nur die Akteure drehten heute in anderen Umlaufbahnen, auch der Eintritt (15 Euro), die Ausstattung (ohne die gewohnten psychedelischen Lichtprojektionen), sowie das Publikum (weitgehend frei von Nerds). Es war alles etwas anders. Sogar das Wetter, daß sich ausgerechnet am 20. April wonnig sonnig gab und damit alles andere als Konzertgefühle erregte. Im „Jazzkeller“ wiederum, ging´s anstelle von intergalaktischen Klängen heute Tierisch zu: Erst mit bizarren Animalen, dann mit Bienen, am Schluß Kamele mit Motten... Nach großem Tamtam im Fakebuch und relativ großer Zahl an Reservierungen, fanden sich letztlich nur siebzig Zahlende ein. Neben einem grotesken Busenwunder stand ein gewisser Big Simonski vom E-Zine „Time For Metal“ an der Bar. Big Simonski war extra für Lonely Kamel mit dem Auto aus Koblenz angereist und erstmalig hier. Auch Spacedelic-Macher Jonas war da - im letzten echten Rockschuppen des Rhein-Main-Gebiets...
Eröffnet wurde der Spaß durch ANIMAL BIZARRE aus dem wenige Kilometer entfernten Wiesbaden. Animal Bizarre kamen als Dreier mit einem langmähnigen Bassisten, einem weiblichen Energiebündel in Seitenansicht am Schlagzeug, sowie einem Fronter, der trotz langen Dreads, Stirnband und Tätowierungen derart angestrengt lässig wirkte, daß es mitunter nervte. Optisch ein Mischling aus Mötley Crüe, Rush und Earth, passte hier auch klanglich wenig zusammen. Nicht nur der verwegene Bezug zu Reverend Bizarre blieb eine schöne Fantasie. Vielmehr lieferten Animal Bizarre eine sprunghafte Räuberpistole aus Heavy-, Alternativ- und altbackenem Südstaaten-Rock (auch innerhalb eines Lieds). Ihrem Namen wurden die drei vom Rheingau zu keiner Sekunde gerecht. Animal Normal träfe es besser. Vollends überflüssig war ferner die Erklärung, daß „Angel of Death“ kein Cover von Slayer sei. So blieb als einziger Lichtblick der instrumentale Track „Traktor“, der massiv doomig begann - dann aber auch in nichtiges Geschrammel abkippte...
Nach unseren Erlebnissen mit BEEHOOVER auf den Doom-Festivals „Doom Shalle Rise“ und „December´s Doomsday“ 2006, dem „Low Frequency Assault“ 2010, und nicht zuletzt dem grandiosen Klubgig im Vorjahr im Ponyhof Frankfurt, war für mich klar: Viel besser werden sie nicht mehr. Nach all den Jahren sind Doc Petersen und der heute in hornissenorangenem Shirt angetretene Trommler Claus Hamisch (Orange ist das neue Schwarz!), wie ein altes Paar, von dem man weiß, was man kriegt. Abweichungen bewirken in erster Linie der Konzertort. Und der geriet heute zum Manko. Der Tatsache geschuldet, daß Beehoover im Sitzen spielen, konnten nur die Frontreihen etwas von den Akteuren erblicken (der Rest starrte auf eine leere Bühne und die schwarze Wand im Hintergrund). Und zweitens brummte der „Bienensauger“ in der Räumlichkeit des Jazzkellers weniger tief und organisch, und auch überhaupt nie doomig. Das mit den legendären Doomfesten aufgewachsene Duo streifte diesmal in keiner Sekunde seine Wurzeln, folgte eher seiner verrückt-raffinierten Indieversion und wirkte damit - für mich! - unterm Strich etwas eindimensional. Fünf Minuten vor zehn waren die Württemberger völlig unbemerkt in ihre Darbietung hineingeglitten, und die währte eine knappe Stunde. Wobei das Programm um drei gute Lieder rasiert war. „My Artillery“, „Monolith“ und „Heavy Zooo“ wurden geopfert, dafür „Rocking Chair“ neu aufgenommen. Der in einem kuriosen 80er-Metalsolo gipfelnde Stonerrocker „Damn You, Charlie Brown“ rückte final die Dinge gerade.
Was bei Beehoover ganz fehlte, war bei den Letzten zu viel: Die Akteure von LONELY KAMEL sprengten glatt das Geviert. Die Stammriege um Brenna, Helle und Nesset war um zwei Bühnenmusiker erweitert, wodurch zuweilen vier Gitarristen Schulter an Schulter wie Chorknaben aufgereiht ins Mikro schrien. Die Norweger hatten mich mit Filmchen im Netz begeistert, lupenreinem Stoner Doom in Aktion! In der Wirklichkeit traten allerhand Abweichungen zutage. Vor allem das angeschlagene Tempo war anders als bei den Konzertmitschnitten und vergraulte mich als Doom-Addikt damit erheblich. Die nominelle Headliner-Schau aus Oslo (die eigentlichen Helden blieben Beehoover!), inszeniert von langen Haaren, Bärten und Tattoos, produziert mit geradezu überspitzter Saiten- und Stimmenpower, getrieben von wuchtigen Trommeln, setzte auf nach wie vor angesagten Heavy Blues Rock mit melodramatischem Unterton. Es ließe sich auch sagen: Die skandinavischen Brüder Turbonegro und The Hellacopters nahmen vereint den Keller auseinander. Ausgerechnet ein Stück namens „Fascist Bastard“, gebracht gleich zu Beginn, sollte die doomigsten Schwingungen erzeugen. Schnelle, auf Retro getrimmte Nichtigkeiten, folgten. Die meisten kamen vom neuen Langwerk, dem bereits fünften, das von einem Totenkopfschwärmer geziert ist. Nach der Halbballade „The Day I´m Gone“ (vor der Zugabe, bei Anbruch des Sonnabends) haben wir die Mücke gemacht.
 
 

Text und Bilder: Heiliger Vitus, 23. April 2018
.:: ABSPIELLISTEN ::.
 
ANIMAL BIZARRE
(20.43-21.33)
1. Free Your Mind
2. G.O.O.M.E.V.
3. Legacy
4. Traktor
5. Angel of Death
6. Liars
 
BEEHOOVER
(21.55-22.50)
1. Embers
2. Dance Like a Volcano
3. A Full Smelling Wheel Called Downhill
4. Boy vs. Tree
5. Pissant Wings
6. Counted is Bygone
7. Stanislav Petrov
8. Rocking Chair
9. The Sun Behind the Dustbin
******
10. Pain Power
11. Damn You, Charlie Brown
 
LONELY KAMEL
(23.10-0.20)
1. Fascist Bastard
2. Psychedelic Warfare
3. Evil Man
4. Inside
5. Stick With Your Plan
6. Inebriated
7. Shit City
8. The Day I´m Gone
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9. Emerald
10. Damn You´re Hot