25. FRANKFURT-MARATHON, 29. Oktober 2006
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AUFBAUKÄMPFE
Karbener Stadtlauf (Halbmarathon), 13.8.06
Bruchköbeler Stadtlauf (Halbmarathon), 26.8.06
Berlin-Marathon, 24.9.06
STRECKE ¤ VORBEREITUNG ¤ MARATHON ¤ STATISTIK ¤ BILDER
Marathon-Manie in Mainhattan Vol. VIII - Der Messe-Komplex
 
 
Nach dem Marathon in BERLIN wollten wir uns eigentlich angenehmeren Beschäftigungen hingeben. Was trinken, viel Liebe, laute Musik. Wäre da nicht meine Freundin gewesen, deren Traum es schon lang war, als gebürtige Nordhessin einmal durch die Straßen von Frankfurt zu rennen... und der im jugendlichen Leichtsinn nach Berlin - angestachelt noch von Bier - die Idee auf »Berlin und Frankfurt in 35 Tagen« kam. Zugegeben: Mit der breiten Brust von zwei Halbmarathons aus dem Sommer und einem Marathon im Herbst, dazu dem Wegfall der üblichen Reisestrapzen (der Marathon lag in unserer direkten Nachbarschaft), sowie einer angemessenen Startgebühr von 68 Euro: Viel leichter kommt man zu keinem weiteren Marathon! Die Geldstadt am Main: Mir fehlte zwar jedes Gefühl, aber ich war bereit. Zum achten Mal in Serie Frankfurt. Zur Not als Wasserträger für Marathona Peanut. Wir hatten sowieso nichts zu verlieren nach Berlin!
 
.:: DIE STRECKE ::.
Deutschlands ältester Stadtmarathon war mit 32 Höhenmetern - verteilt auf asphaltierte Hauptverkehrsstraßen ohne enge Kurven - sehr flach und sehr schnell. Nach dem Start an der Messe führte das erste Drittel durch die Stadtteile Westend und Nordend in die Innenstadt mit Europas höchsten Wolkenkratzern. Über den Anlagenring und den Main ging es nach Sachsenhausen. Das Ebbelwei-Viertel Alt-Sachsenhausen wurde gestreift, es ging durch die Wohngebiete Sachsenhausen, Niederrad und Schwanheim, und über den Main zum Wendepunkt im Vorort Höchst. Wieder zurück über die Mainzer Landstraße führte die Strecke erst durch die Stadtteile Griesheim und Gallus, und dann mit einem letzten Bogen durch die Innenstadt zurück zum Messegelände. Der Marathon endete auf dem roten Teppich der Festhalle.
 
.:: DIE VORBEREITUNG ::.
Frankfurt war die Fortsetzung von BERLIN. Nach zwölf Wochen Laufen für Berlin haben wir uns fünf weitere Wochen selbstgegeißelt. Das LAUFTAGEBUCH vom 7. August bis 29. Oktober:
 
1. Wo. (110 km): Im August fand die Leichtathletik-EM in Göteborg statt. Das Rostocker Mädel Ulrike Maisch hatte dabei als krasse Außenseiterin die anabolen Diwotschkas aus Rußland vernichtet. Marathongold für Germania! Eine Sensation! Für Peanut und mich stieg unterdessen ein erster Aufbaukampf, der KARBENER STADTLAUF am 13. August, ein Halbmarathon. Wir liefen 2:00:49 Stunden (Peanut) und 1:30:01 (Vitus). Klick aufs Emblem öffnet separaten Bericht...
2. Wo. (120 km): Treu der Foster-Regel, wonach auf ein Rennen so viele Tage keine Belastung stattfinden soll, wie es in Meilen lang war - Halbmarathon: 13 Meilen, 13 Tage - war diese Woche Wiederherstellung angesagt. Die vorgesehenen 17 x 400 Meter habe ich gestrichen und nur die 3 x 3000 »für die ganz Harten« durchgezogen. Obendrein bin ich über sechs Kilometer Endbeschleunigung zu einem neuen Trainingsrekord über 40 Kilometer in 3:29 Stunden gerannt. Noch was zur Ernährung: Bommerlunderpunk Campino hatte mal die wissenschaftlich begründete These ausgegeben, daß sich nach sechswöchigem Entzug alle vom Alkohol angegriffenen Hirn- und Leberzellen wieder aufrichten. Dementsprechend werde ich sechs Wochen darben - im Hoffen, das Brandenburger Tor nicht als Tote Hose zu durchlaufen!
 
3. Wo. (100 km): Die zweite Woche nach dem Halbmarathon von Karben. Zugleich die Woche vor dem Halben in Bruchköbel. Eine Phase der Reparatur und Präparation in einem. Aber auch eine Zeit zwischen zwei Rennen mit dem großen Endziel vor Augen. Eine sensible Phase also, in der es hieß, die Zügel nicht schleifen zu lassen, aber auch nicht am Anschlag zu rennen. Mit submaximaler Kraft bin ich nah an Greifs Vorgaben herangekommen. Der Weg stimmte also. Und am Sonnabend folgte mit dem BRUCHKÖBELER STADTLAUF ein Halbmarathon. Die Zeiten: 2:00:52 Stunden (Peanut) und 1:29:00 (Klassendritter, Vitus). Klick aufs Emblem öffnet separaten Bericht...
4. Wo. (119 km): Nachdem nun auch die zweite Tempospritze gesetzt war, hofften wir, den Organismus im Bereich Kraftausdauer für eine gute Zeit gewappnet zu haben. Wir waren uns ziemlich sicher. Meine 2500-Meter-Tempoabschnitte waren 45 Sekunden schneller als noch vor drei Wochen. Das alles Beherrschende dieser Woche war aber weniger körperlicher, sondern vielmehr seelischer Natur. Ein Zwischenfall und Steß während einer Konzertnacht drückte mir arg aufs Gemüt. Daher ein Wink an alle Leidensgenossen: Niemals während einer Wettkampfvorbereitung an zwei Fronten kämpfen. Alle Sinne müssen auf das Eine ausgerichtet sein!
 
5. Wo. (111 km): Nahrungsergänzung! Auch wieder so ein heikles Thema. Angesiedelt im Dunst aus pharmazeutischer Substanz und Lebensmittel, sowie profaner Nahrungsaufnahme und legalem Doping. Mit dem Gedanken, den Sportler über eine Extradosis Mineralien und Vitamine zu unterstützen (Magnesium, Calcium, Kalium, Eisen, Zink, Jod, Vitamin B, C, D und E, um einige zu nennen). Ein Mangel kann sich ebenso nachteilig auswirken, wie ein Zuviel. Doch wie ohne ständige Blutkontrolle die rechte Dosierung treffen? In dieser Woche traten bei mir Herzstolperer auf. Da ich kardiologisch untersucht bin, und körperlich alles in Ordnung ist, konnte die Störung nur von außen kommen. Zuviel Magnesium! Angehäuftes Mg hatte meinen Motor in Überaktivität versetzt - und ich war heilfroh, daß nach Absatz der Chemikalie alles wie früher war. Am Wochenende stand ein alles ausradierender Trainingsrekord über 35 Kilometer in 3:04 Stunden mit Temposteigerung im Schlußdrittel bis unter 4:40 Min./Kilometer.
 
6. Wo. (91 km): Zwei Wochen vorm Wettkampf trat die Vorbereitung auf Berlin in die Endphase ein. Damit sich der Körper erholen konnte, mußten die Umfänge um ein Drittel verringert werden. »Tapering« (auf den Punkt bringen) nennt man diese Phase. Die Kunst, einerseits die Spannung zu halten, andererseits nicht zu übertreiben. Statt sechs oder sieben Trainingstagen genießt der Läufer nun plötzlich zwei Ruhetage. Zwei Tage des Nichtstuns, zwei Tage voll schlechten Gewissens, Tage, an denen man nicht mit Endorphin belohnt wird, zwei Tage, an denen kein Dopamin durchs Hirnkästchen schießt. Beim Tapern durchleidet ein Marathonläufer die Symptome eines Süchtigen auf Entzug. Ich fühlte mich dabei etwas unwohl.
 
7. Wo. (79 km): Am 24. September sind wir den alle Dimensonen wegsprengenden BERLIN-MARATHON gelaufen. Die Zeiten: 4:34:24 (Peanut) und 3:08:58 (Vitus). Klick aufs Emblem öffnet separaten Bericht...
8. Wo. (42 km): Auf den Marathon folgte eine Post-Marathonwoche an der Spree. Mit einem Rundgang über das ehemalige Reichssportfeld mit dem Olympiastadion, in dem am Nachmittag des 9. August 1936 der olympische Marathonlauf seinen Start nahm und sein Ziel fand. Die Woche in Berlin war aber auch eine voller Raubbau am Körper. Mit Konzertbesuchen, Berliner Weißen, Schnaps, Bier, Currywürsten, Buletten und mit Trinken und Tanzen bis in die Puppen. Ich wußte, daß es nicht gut ist, aber ab und zu muß es sein. Trainiert wurde aber auch: fünf Wiederherstellungsläufe im einstelligen Kilometerbereich. Als Andenken blieb eine Erkältung für acht Tage.
 
9. Wo. (77 km): Mit der Rückkehr von Berlin nach Frankfurt waren wir zurück in der Normalität und in der zweiten Woche der Wiederherstellung. Eine weiterer Abschnitt auf gedrosselter Geschwindigkeit, damit nach den 42,2 von Berlin erstmal alles in Ruhe wieder zusammenwachsen kann. Am »Tag der Einheit« zwischen Ost- und Westdeutschland haben wir für uns für den Marathon in Frankfurt angemeldet. Und am Wochenende ging es wieder auf die lange Runde. Damit hatte der alte Rhythmus wieder begonnen.
 
10. Wo. (111 km): Mit einem Marathon nach einem Marathon ist es immer so eine Sache. Die dritte Woche nach Berlin brachte den Beweis. Besonders die Muskeln waren noch nicht ausgeheilt. Es bedurfte nur zehn straffer Kilometer und die Schenkel schrien nur so auf! Einerseits beflügelt die Euphorie aus dem Marathon zuvor. Auf der anderen Seite läuft die verdammte Angst vor einer Verletzung mit. Und es galt, die Konzentration nicht zu verlieren. Das war »Training« auf einem sehr schmalen Grat. - Am 10. Oktober haben wir für London 2007 gemeldet!
 
11. Wo. (100 km): Frankfurts Subkultur-Prominenz hatte die Leibesertüchtigung für sich entdeckt und Nikotin und Alkohol gegen eine Laufmontur eingetauscht. 2005 erstmals in meinem Trainingsgebiet erspäht, schien Onkel Ralle (Ex-Genosse von Straßenkämpfer Joschka F. sowie Begründer und Leiter der »Batschkapp«) vom Laufvirus infiziert zu sein. Man bestaunte sich gegenseitig im Vorbeilauf... - - Negativ dagegen eine andere Spezies »Mensch«: Die Jagdsaison hatte begonnen. Freizeitjäger bliesen zum Halali und töteten wehrlose Tiere in unserem Trainingsgelände (womit im Tal der Nidda wie stets im Herbst hochexplosive Konflikte enflammt waren). Deprimierend ferner: der letzte intensive Dauerlauf über 15 Kilometer, ebenso die finalen 6 x 1000 Meter. 17 Wochen lief alles glatt - und ausgerechnet am Schluß mußte ich mir einen Hexenschuß und einen Furunkel am Rückgrat zuziehen. Nach 17 Wochen Laufen bis in die Dunkelheit waren wir auf der Felge.
 
12. Wo. (30 + 42,195 km = Gesamt 1132 km): Das Ende einer langen Saison vor Augen stand die Vorwettkampfwoche ganz im Zeichen der Gliederpflege, der Erholung und der speziellen Verpflegung. Erst radikaler Kohlenhydratentzug - dann (ab Mittwochabend) die volle Kohlenhydratdröhnung. Alles mit dem Ziel, bei deutlich gedrosselter Belastung den Körper rappelvoll mit dem Kraftstoff Glykogen zu kriegen - dabei aber möglichst leicht zu bleiben. Eine Kunst!
 
.:: DAS RENNEN ::.
 
25. MESSE FRANKFURT MARATHON, 29. Oktober 2006
Freitag, 27. Oktober
 
Marathonzeit in Frankfurt! Nach dem Urknall am 17. Mai 1981 zum 25. Mal. Mit einer Überraschung gleich auf der Marathonmesse. Zum kleinen Jubiläum hatten sich die Macher etwas ausgedacht: Erstmals war für jeden Teilnehmer ein aufwendiger Rucksack mit dem eingesticktem Schriftzug »25. messefrankfurt Marathon« hergestellt worden, der mit den Startunterlagen ausgegeben wurde. - Geschenke anderer Art gab´s unterdessen in den Abendstunden 450 Kilometer ostwärts, im Berliner Jahn-Stadion, wo sich die Fankameradschaft von Dynamo Dresden nach Spielende von rund 150 verfeindeten und gewaltbereiten BFC-Hooligans, Ultras und Chaoten, der Stadion-Sicherheit und einer Einsatzhundertschaft der Berliner Polizei eingekesselt sah. Auch im Sport wird die Brutale immer greifbarer!
 
Sonnabend, 28. Oktober
 
Traditionell schon unser Verzicht auf die Gesellschaftsspiele Brezellauf, Gottesdienst und Nudelfete am Abend. Alles kraftraubend, überflüssig und ohne Peanut und mich. Stattdessen trabten wir vier ruhige Kilometer an der Nidda und verpflegten uns zuhause mit Makkaronis und Polenta.
Forum Messe (© Frankfurt-Marathon)
Sonntag, 29. Oktober
 
MARATHONTAG! Wolkentreiben, 17 Grad, dazu eine scheußliche, »Luft« genannte, Suppe im Moloch der 660
 000 auf engem Raum... Schon morgens war mir klar: Es kann nur ein rabenschwarzer Tag werden! Halb zehn waren wir vom Nahverkehr herbeigekarrt worden. Nach einer letzten Darmleerung in den verwaisten Klosetts an der »Via Mobile« hatten wir die Uhren auf Null gestellt, uns ein Gel in den Mund gequetscht, und vormittags um kurz vor elf die Aufstellung an der Messe erreicht. Blockwarte prüften diesmal penibel die auf die Nummern gedruckten Zuordnungen. Derweil ich im ersten Feld (asics-Block) anlief, hatte Peanut großes Glück, sich nicht in die vorgegebene fünfte, sondern in die dritte Abteilung (VGF-Block) schmuggeln zu können. Mit dem stärksten Feld aller Zeiten feierte der älteste Stadtmarathon Deutschlands sein Jubiläum. Unter den mehr als 11 000 Marathonis nicht weniger als sieben Kenianer mit Bestwerten unter 2:10 Stunden, darunter die früheren Frankfurtsieger Kigen und Kimaiyo. Nachdem die Platte mit den ewiglichen Meldodien abgespielt war, der Sprecher die Schwarzen in aller Ausführlichkeit vorgestellt, und der Rest sardinengleich zusammengepreßt die Lungen mit dem Schweiß des Nachbarn gefüllt hatte, erfolgte um elf der START.
 
Kilometer 0 bis 10:
Start in »Mainhattan«
 
Auf den ersten Kilometern herrschte eine nie erlebte Dichte im Feld. Dazu setzten drehende Winde ein, und der Sonnenkranz ging auf. Nein, die Laufgötter meinten es nicht gut bei Peanuts erstem und meinem achten Auftritt in Frankfurt. Nach sieben Teilnahmen findet man den Weg ins Ziel mit verbundenen Augen. Außer einer grünen anstatt einer blauen Ideallinie - nächstes Jahr wird der Bank-Ableger »Dresdner Kleinwort« Namensgeber sein - war die Strecke unverändert seit 2003. Gestartet unterm Messeturm - mit seinen 256 Metern einst Europas höchstes Gebäude -, wurden gleich zu Beginn folgende Wolkenkratzer passiert: Castor und Pollux (92 Meter hoch), City-Haus (143 Meter), Frankfurter Büro Center (142 Meter), Westend-Tower (208 Meter) und Trianon (186 Meter). Nach dem Anstieg durch die Altbauviertel Nordend-West und Westend-Nord ging es zurück in die Straßen der Innenstadt. Ab Kilometer acht folgte der Doppelkoloss der Deutschen Bank »Soll und Haben« (155 Meter), die Chase-Manhattan-Bank (75 Meter), K 26 (75 Meter), der Eurotower (149 Meter) und das Japan-Center (115 Meter). Sie alle wurden an Höhe überboten von Europas höchstem Haus, dem Commerzbank Tower (mit Antenne 300 Meter, ohne: 259), der gleich darauf gestreift wurde. Mit der »Kapitalistendom« getauften Frankfurter Börse folgte das nächste Schmuckstück am zehnten Kilometer. Ein Punkt zugleich, an dem der Premierensieger von 1981, Kjell-Erik Stahl, seinen Masters-Weltrekordversuch abbrach und ausstieg. Nach dem Durchlauf des Bankenviertels...
 
Kilometer 11 bis 20:
Durch die Wohngebiete südlich des Mains
 
... wartete am elften Kilometer der Betonpodest Konstablerwache, und die erste von der Wechselzonen der Staffeln. Die Strecke führte nun auf der Alten Brücke über den Main, vorbei am Kneipenviertel Alt-Sachsenhausen und über die Kennedyallee zur Galopprennbahn Niederrad. Zu Wärme gesellten sich jetzt die Herbstwinde, die beim Frankfurt-Marathon immer da sind. Der Hase fürs Zeitziel »2:59« schloß auf. Zwei Kilometer konnte ich mitgehen. Mehr nicht. Weitere Ernüchterungen stifteten die keck vorbeiziehenden Staffelteilnehmer, ein Idiot mit Fahrrad, die lebende Duschgelflasche, und die ungezählten Zurufe des eigenen Vornamens (der in Frankfurt auf der Startnummer steht). Ein weiteres Mal war der Gaul zu früh mit mir durchgegangen. Nach dem Hochbunker in Goldstein ließ die Kraft merklich nach...
 
Kilometer 21 bis 30:
Zurück auf der Nordseite mit einem Gruß an die Wiege des Marathons
 
... und nach der Hälfte kam der Einbruch. Dazu rammte mir ein Sportsfreund die Ferse ins Knie. Nach der zweiten Mainquerung über die Schwanheimer Brücke, und nachdem auf dem Nieder Kirchweg ein Staffelphantom namens Dieter Baumann an mir vorbeihuschte, war der westliche Vorort erreicht, in dem vor einem Vierteljahrhundert alles begann: Höchst. Nach dem Wendepunkt Andreassplatz folgte am Kilometer 29 ein Glanzlicht mit familiärem Anstrich. Aus Bad Soden war das Einsatzkommando T (Neffe, Schwägerin und Schwippschwager in spe) angerückt - um mich und später auch noch Peanut mit Getränken zu versorgen. Während der Weg nun zurück in die Innenstadt führte...
 
... entschied sich vorn der Kampf ums Preisgeld. Dabei zogen die Kenianer erneut einsam ihre Kreise. Wie im Vorjahr, durfte sich der wegen seines stakkatoartigen Laufstils »Kämpfer« genannte Wilfred Kigen in die Siegerliste eintragen. Zweiter wurde der Dominator des letztjährigen Dresden-Marathons, Moses Arusei. Auch die nächsten vier stammten aus Kenia. Für seine Titelverteidigung kassierte Kigen 20
 000 Euro. Mit der Russin Ponomarenko und der Norwegerin Otterbu kamen zwanzig Minuten später bei den Frauen zwei Weiße als Erste ins Ziel.
 
Kilometer 31 bis 40:
Über die Mainzer Landstraße zurück nach Mainhattan
 
Nachdem Silkes Getränk aufgebraucht war, begann die Tortur. Wie in einer bitteren Ironie: auf der Straße, die ihres Namens unwürdig ist - der Mainzer »Landstraße«. Quälend lang. Quälend häßlich. 35 Kilometer hatte ich vom guten Auftakt gezehrt und genau auf den Zwischenzeiten von Berlin gelegen. Doch nun bahnte sich ein Konflikt an. Nachdem seit der Halbmarathon-Marke der Rücken, die Hüftgelenke und die Zehen schmerzten, waren nun auch die Oberschenkel steinhart geworden. Und im Kopf herrschte absolute Leere. Die Brücke der A5 wäre ein schöner Punkt zum Ausstieg gewesen. Von hier waren´s keine vier Kilometer durchs Rebstockgelände bis zur Wohnung. In einer Zwickmühle aus Aufgabe, Warten auf die eigene Frau, oder einer barmherzigen Endzeit, verfiel ich in einen ersten Zuckeltrab. Nach einer Erleichterung auf dem grünen Mittelstreifen und einer weiteren Gehpause in der Frankenallee war das miese Resulat besiegelt. Ein Wildfremder steckte mir aus Mitleid ein Zuckergel zu, und vier Kilometer vor Ultimo führte ein letzter Ringelpiez durch die Schluchten der Leiden im Bankenviertel. Wie ein getretener Köter kroch ich unter den Wolkenkratzern und durch die Tausende am Rande hindurch.
 
Kilometer 41 bis 42,195:
Die Hexenkessel zwischen den Wolkenkratzern
 
Der Lauf über die Hauptwache, den Roßmarkt und den Opernplatz verlangte dem Kopf das Äußerste ab. Eine ganze Kohorte zog an mir vorbei. Unterm Westend-Tower der vorletzte Kilometerstein: km 41. Mit der Möglichkeit, durch einen Endspurt eine Zeit unter 3:20 Stunden zu retten, bog ich endlich in die Festhalle ein. Fünfzig Meter über den roten Teppich, fünfzig Meter Budenzauber aus quietschbunten Lichtern, glitzerndem Lametta, grellem Diskolärm, einem Marktschreier hinterm Mikrophon und achttausend Zuschauern auf den Rängen, und dann war die letzte Matte überlaufen. Zeit und Platz heute nur Ziffern ohne Wert!
 
Etwa in diesen Augenblicken kam Peanut am Kilometer 35 dem Zugläufer fürs Ziel 4:29 Stunden nicht mehr hinterher. Nachdem ihr der Troß für 4:15 Stunden schon nach 15 Kilometern zu schnell war, und ab Halbmarathon Krämpfe einsetzten, folgte in der Endphase also auch noch dieser Niederschlag. Doch Peanut hielt durch und beendete - wenngleich um Welten vom Wunschtraum entfernt - das Abenteuer Marathonlauf nun schon zum drittenmal. Für mehr war der Verschleiß nach Berlin einfach zu groß. Peanut hatte auf der zweiten Hälfte 16 Minuten verloren, ich wahnsinnige 19 (knapp fünf Kilometer...).
 
Die anderen deutschen Hoffnungen? Als Erster kam nach 2:24 Stunden - neun Minuten über dem Frauenweltrekord von Radcliffe - der Hanauer Wahl-Amerikaner Ulrich Steidl auf der 34. Stelle ins ZIEL. Die Magdeburgerin Dreher schrammte als Vierte der Frauenkonkurrenz knapp am Podest vorbei.
 
Hinterm Strich gab´s eine Mütze und Handschuhe vom kommenden Geldgeber »Kleinwort«. Dergestalt aus der »Gud Stubb« auf die Freifläche Agora hinauskomplimentiert, wartete - neben Bioäpfeln-, Trauben und Bananen und Nelkenbacher-Sport auch das erste Bier nach elf Wochen. Weder Bio noch Helles vom Faß. Stattdessen grausiges Lager aus der Büchse. Für die Materialinteressierten noch unsere Fußkleider: Frau lief mit Asics GT-2110, Mann mit New Balance 901.
Der Kampf in einer BILDERTAFEL... anklicken............
Abschlußfeier
 
Was heißt bei so einem Ausgang schon »Feier«? Ab 18 Uhr konnte man in der Festhalle auf großen Leinwänden eine Vorschau auf den vor Jahresfrist an unterschiedlichen Originalschauplätzen abgefilmten Krimi zum Frankfurt-Marathon gucken. Der Legende nach sind einige Hundert dort gewesen. Wir selber hatten das Vereinslokal im Rödelheimer Stadion am Brentanobad zu einem Umtrunk bestimmt. Unter den Frauen des 1. FFC und den Männern von Rot-Weiß einen zwitschern: so war´s gedacht. Es wurde eine kurze Fete. Um acht hatten sich die Ballsportler davongestohlen. Zeit auch für uns zu gehen...... um im Heimkino den hr-Tatort »Das letzte Rennen« mit dem laufenden Hauptkommissar Dellwo anzusehen. Das letzte Rennen nur für einen erschossenen Schweden?
 
 
FAZIT
 

Ausstrahlung: Die Zeiten, als Marathon ein Sport für »Spinner« oder »Verrückte« war, sind lange vorbei. 3169 hatten sich bei der Premiere in Höchst im Mai 1981 eingeschrieben, 2588 kamen ins Ziel. 25 Jahre später war Frankfurt eine professionell designte Massenmobilmachung, Brot und Spiele für die Knechte der Computer, ein florierendes Geschäft... 17
 486 hatten sich angemeldet, aber nur 8905 waren am Ende echte Marathonläufer. Weltklasse hatte nur die gewohnt perfekte Organisation. Wirkung? Grell, glamourös, größenwahnsinnig verzerrt - und im Nullkommanix verpufft. Die multikriminelle Hauptstadt des Verbrechens war schon lange mein Feind. In diesem Jahr starb nun auch der Marathon durch die Straßenschluchten rund um die Messe.
 
Nachtrag
 
Ein viertel Jahr später sollte mein Einlauf in der Festhalle wie in einer Art Treppenwitz auf der Titelseite des offiziellen Marathonbuchs erscheinen......
 
 

Kampfläufer Vitus, 31. Oktober 2006
 
.:: ZAHLEN UND ZEITEN ::.
Wetter: leicht bewölkt bis sonnig, 16 bis 19ºC, lebhafter Wind
Zuschauer: ca. 200
 000
 
Gesamtteilnehmer
(Marathon, Staffeln, 5 km, Handradfaher, Kufenroller)
Gemeldet:
17
 486
Am Start: 15
 366
Im Ziel: 14
 641
 
Marathonläufer
Gemeldet:
11
 239 (M: 9301 / W: 1938)
Am Start:
9580 (M: 7959 / W: 1621)
Im Ziel: 8905 (M: 7404 / W: 1501)
 
Männer
1. Wilfred Kigen (Kenia) 2:09:06
2. Moses Kimeli Arusei (Kenia) 2:10:30
3. Francis Bowen (Kenia) 2:10:49
4. Peter Kiprotich (Kenia) 2:10:57
5. Peter Chebet (Kenia) 2:11:45
6. Peter Korir (Kenia) 2:12:08
 
Frauen
1. Swetlana Ponomarenko (Rußland) 2:30:05
2. Kirsten Melkevik Otterbu (Norwegen) 2:31:20
3. Hafida Izem (Marokko) 2:31:30
4. Claudia Dreher (Deutschland) 2:32:22
5. Gulnara Wigowskaja (Rußland) 2:32:51
6. Kutre Dulecha (Äthiopien) 2:33:54
 
Kampfläufer Vitus
Startnummer:
11292
Nation: Deutschland
Zeit: 3:19:39
Platz:
1030 Gesamt
Platz: 966 von 7404 bei den Männern
Platz:
151 in Klasse M45
Zwischenzeiten
05 km: 0:21:12
10 km: 0:42:07
15 km: 1:03:57
20 km: 1:25:42
25 km: 1:47:52
30 km: 2:11:32
35 km: 2:36:53
40 km: 3:07:15
Halb 1: 1:30:16
Halb 2: 1:49:23
 
Peanut
Startnummer:
F2334
Nation: Deutschland
Zeit:
4:37:12
Platz: 7199 Gesamt
Platz: 1054 von 1501 bei den Frauen
Platz: 247 in Klasse W40
Zwischenzeiten
05 km: 0:29:53
10 km: 0:59:38
15 km: 1:31:32
20 km: 2:03:15
25 km: 2:36:25
30 km: 3:10:47
35 km: 3:46:13
40 km: 4:22:13
Halb1: 2:10:23
Halb2: 2:26:49
 
Ergebnisse

Frankfurt-Marathon