69. KIRRLACHER KRITERIUM
Waghäusel-Kirrlach, 26. April 2026
Prolog
 
Déjà-vu: Der letzte Sonntag im April brachte einen neuen Radsporttag in die badische Rheinebene: Der RV Kirrlach lud zu seinem Krit-Race, ringsum baumelten Plakate. Zweihundertvierzig Fahrer folgten dem Ruf. Neu im Programm war der Kampf der Elite-Amateure, die vor einem Jahr ihren Platz zugunsten der Deutschen Meisterschaft der Tretroller räumen mußten. Andererseits gab Kirrlach die Badischen Landesmeisterschaften im Kriterium an March-Holzhausen ab. Blieb zu hoffen, daß Petrus mitspielt. Denn die Runde war pfeilschnell, Stürze in regennassen Kurven hätten verheerende Folgen gehabt. Speziell die Hatz der Elite und der Amateure strotzte vor Startern. Mehr als siebzig fassten die Straßen nicht!
.:: DIE STRECKE ::.
Ort des Geschehens war ein Gewerbegebiet im Waghäuseler Ortsteil Kirrlach. Start und Ziel befanden sich in der Kaigartenallee. Von dort führte der Weg über die windanfällige Industriestraße, durch ein rasantes Geschlängel Am Alten Flugplatz, sowie die Karl-W.-Müller-Straße. Durch die Nördliche Weinstraße kamen die Fahrer wieder auf die Kaigartenallee zurück, wo sich ausgerechnet neben einem Glascontainer das Ziel befand. Das ein Kilometer kurze, brettflache Karree über breiten Asphalt war ein Hochgeschwindigkeitskurs. Die Masters mußten vierzig Mal rum.
.:: DAS RENNEN ::.
Unsere Abläufe glichen letztem Jahr - waren nur ein Viertelstündlein zeitversetzt. Nachts um 4 Uhr 15 war Wecken, und um 6 Uhr 15 karrte meine treue Seele Peanut mich ins Ländle. Halb acht trafen wir unter der kalten Sonne des badisch-pfälzischen Grenzlandes zwischen Mannheim und Karlsruhe ein. Hinter uns parkte der für den VC Frankfurt antretende Vaihinger Kairies, der später im Startblock mit Kennerblick, Klaps auf Sattel und Rahmen, nebst den Worten „Haste dir ein neues Rad rausgesucht“ mein aktuelles Madone würdigte. In Kairies´ erstem und meinem sechsten Rennen der Saison bekamen wir es mit allem, was im Westen in unserer Mastersklasse 4 Rang und Namen hat, zu tun. Siebzehn hatten gemeldet, davon sammelten sich Eminger (Schweiz), Sopp, Wellner, Kratz, Gericke, Otto, Beideck, Mohr, Hahn, Schlude, Leschert, Antoni...
Zum Ende der achten Stunde herrschte Totenstille. Mit nüchtern-lakonischer Stimme verkündete der Sprecher die Regeln und verwies, daß bei schweren Stürzen zugunsten der Gesundheit der Fahrer abgebrochen wird. Die letztlich 14 Erschienenen der Masters 4 trafen auf 23 der jüngeren Masters 3, sowie 18 der teils ein Vierteljahrhundert später geborenen Masters 2. Als die halbe Hundertschaft Punkt neun Uhr unter den Augen des Bürgermeisters von der Leine gelassen wurde, lebte sofort wieder die erregende Spannung auf, von der auch der Kampf des Vorjahres erfüllt war. Der Start gelang, stante pede klickte mein Schuh ins Pedal ein, niemand kam zu Fall. Schon nach wenigen Metern nahm das Rennen erheblich an Tempo zu, hielt es konsequent hoch - bis nach sechs der vierzig Ellipsen eine Lücke aufging. Und die konnte ich nicht schließen. Ich bekam nicht genug Luft. Die Überlegenheit der deutlich Jüngeren erinnerte lebhaft an den den Saisonauftkat beim Poco-Cup im westfälischen Werne, wo das Team Marx Städter-Bikescheune allen Gegnern in gleicher Weise davonfuhr. Keiner aus der Masters 4 konnte in den sieben Wertungssprints auch nur einen einzigen Punkt ergattern. Und wer einmal im Wind stand, war verloren. Hinter mir lagen zwei vom KMO Cycling Master Team. Nach zehn Runden orgelte das Führungsfahrzeug samt der Meute heran. Langsam konnte ich jetzt Kairies und dessen Mitstreiter abkoppeln, mich an bessere Zeiten erinnern, und die übrigen dreißig Runden im Feld halten, das geschlossen die Ziellinie passierte. Für die vorderen Plätze kam ich mit einer Überrundung natürlich nicht mehr in Frage. Das Kampfgericht verkündete folgendes Ergebnis: 1. Kratz (Neustadt), 2. Beideck (Forchheim), 3. Schlude (Magstadt). Der siegverwöhnte Wuppertaler Sopp mußte mit dem undankbaren vierten Platz zufrieden sein. Eine Gewißheit war für mich nach diesem Rennen festzustellen: daß nämlich nur ein ruhiges Umfeld, ein gesunder Lebenswandel und schnelles Bahntraining eine Wendung bringen können. Und ich frug mich, ob es in absehbarer Zeit überhaupt möglich ist, noch einmal ein Podium zu erklimmen. Es war schon ein Ding, daß ich mich bei den Leuten, die da mit 43 Stukis unterwegs waren, in der Spitze halten konnte. Mit einem zwölften Platz wurde heute das Maximale herausgeholt,
Epilog
 
Am sonnenüberstrahlten Vormittag um zehn war schon alles vorbei. Peanut labte sich an Kaffee und ich quasselte noch etwas mit Kairies. Der konnte die letzten fünf Wochen kaum trainieren, hatte seinen Sohn in Alabama besucht, wo die Trucks mit achtzig Sachen hauteng an ihm vorbeidonnerten und mit ihrem Sog fast den Lenker aus der Hand rissen. Wuppertals Wellner wiederum hatte bei seinem Sturz im Speichekriterium in Leipzig zwar keine Verletzung erlitten, jedoch sein Schaltauge verbogen. Und der heutige Drittplatzierte Schlude dachte über ein Ende zu Saisonschluß nach. Da war er nicht allein: Ein weiteres Mal hatte ich auf dem Rad physische und emotionale Tiefen und Höhen erlebt, die sich der Normalsterbliche kaum vorstellen kann. Doch die können auch in eine Suchtspirale führen......
 
 
Vitus, 27. April 2026, Bilder: Peanut
.:: ZAHLEN UND ZEITEN ::.
Wetter: sonnig, 8ºC, leichte Brise aus Nord (4 km/h)
Typ: Kriterium
Länge: 40 km
 
Gemeldet: ca. 240
 
Im Ziel: 223
Elite-Amateure: 41, Amateure: 51, Masters 2: 17, Masters 3: 23, Masters 4: 14, U15:15, U13:19, U11: 8, Weibliche Klassen: 35
 
Masters 4
Gemeldet:
17
Am Start:
14
Im Ziel:
14
1. Markus Kratz (RSC Neustadt) 0 Pkt., 56:41 Min.
2. Harald Beideck (RSV Concordia Forchheim)
3. Richard Schlude (RV Pfeil Magstadt) + 0:01
4. Jürgen Sopp (RC Musketier Wuppertal)
5. Uwe Hahn (RV Pfeil Magstadt) + 0:02
6. Heiko Gericke (RSC Kempten) + 0:03
12. Mario Voland (Dresdner SC 1898) - 1 Rd.
 
Ergebnisse
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